Einkochen und Botulismus-Vergiftung

In letzter Zeit hab ich mich mit dem Einkochen beschäftigt und dabei etwas Know-how zum Thema Lebensmittelvergiftung gesammelt. Dieser sogenannte Botulismus tritt dabei nicht nur bei Fleisch, sondern auch bei anderen eiweißhaltigen Konserven auf: Fisch, Mayonnaise, Brühe, aber auch Bohnen, Erbsen oder Pilzen. Dass eine Konserve verdorben ist, merkt man oft nicht, aber der Verlauf der Krankheit ist un- oder zu spät behandelt tödlich. Zugegebenermaßen gibt es nur wenige Fälle, laut Wiki 20 bis 40 pro Jahr in Deutschland, wovon 1 bis 2 tödlich enden. Leider sagt die Statistik nicht, wie viele Fälle auf selbst Eingekochtem beruhen.

Grundlegend muss man zwischen den Bakterien, die das Gift erzeugen, deren Sporen (quasi Samen) und dem Gift selbst unterscheiden.

I. Die Bakterien

Bei den Bakterien handelt es sich um sogenannte Clostridien (Clostridium botulinum), die normalerweise im Boden leben und zwar nur unter Luftabschluss. Sie entwickeln sich in einer Umgebung ohne Sauerstoff. Hemmend wirken neben Sauerstoff Säure, Salz und Kälte. Stark gesäuerte, gepökelte oder gekühlte Konserven sind also ungefährlicher. Außerdem tötet Hitze die Bakterien ab (nicht aber die Sporen). Beim Einkochen im Backofen gehen sie also bei knapp 100 Grad kaputt.

Aktive Bakterien bilden neben Gift (siehe unten) Gärgase, sodass verdorbene Konserven aufblähen, sich aufwölben (auch bombieren). Das ist ein sicheres Zeichen für ungenießbares Eingemachtes: aufgewölbte Metallkonversen, lose Deckel bei Weckgläsern oder Schraubverschlüsse, die beim Öffnen nicht knacken. Aber eine fehlende Bombierung lässt leider nicht zwingend auf bekömmliche Lebensmittel schließen.

II. Die Sporen

Da die Bakterien im Boden leben, kommen mit Gemüse oft Sporen ins Eingemachte. Im Gegensatz zu den Bakterien selbst gehen Sporen beim normalen Einkochen im Backofen nicht kaputt, denn hier entstehen im Wasserbad nicht mehr als 98 Grad, egal wie hoch man die Hitze knallt. Die letale Dosis der Sporen beträgt 120 Grad, die nur mit dampfgetriebenen Einkochtöpfen zu erreichen ist. Nach dem Einkochen im Backofen hingegen treiben die Sporen aus und bilden wieder aktive Bakterien.

III Das Gift

Die aktiven Bakterien erzeugen das Gift Botulinumtoxin, eines der stärksten natürlichen Gifte, das als Kampfstoff im Gespräch ist. Bekannt ist es auch als Botox in der Schönheitsindustrie. Es lähmt lokal Gesichtsmuskeln und das Gesicht wirkt glatter. Leider erlahmt oft das auch das Lächeln.

Ohne Gegengift führt das Botulinumtoxin fast unweigerlich zum Tod. Allerdings ist es hitzeempfindlich und zerfällt beim normalen Kochen. Konserven, die nach dem Öffnen noch einmal kräftig aufgekocht werden, sind bedenkenlos.

IV Strategien

Beim Einkochen gibt es folglich drei Strategien, die an den verschiedenen Problembereichen ansetzen:

- Sporen: Einkochen mit dem Dampfkocher bei über 120 Grad. Radikal, erfordert aber ein extra Gerät mit Thermometer.

- Gift: Nach dem Öffnen die Konserven aufkochen.

- Bakterien: Heute wird oft empfohlen, die Konserven ein zweites Mal einzukochen. Denn nach dem ersten Kochen (das die erste Schicht Bakterien tötet), treiben die Sporen in einer Art Panikreaktion aus und bilden Bakterien. Kocht man das Eingemachte nach ein bis zwei Tagen erneut ein, so gehen diese auch kaputt und weitere Sporen sind nicht vorhanden.

Ich selbst habe kein Gerät zum Einkochen, sondern verwende den Backofen. Außerdem verlasse mich auf den Augenschein (Bombierung) beziehungsweise das Aufkochen nach dem Öffnen. Das Einzige, was mir einfällt, das man nicht nach dem Öffnen noch einmal aufkochen würde, ist eingemachte Wurst im Glas. Das hab ich noch nie selbst gemacht, ich würde sie dann aber ein zweites Mal einkochen. Obst koche ich eigentlich immer zu Marmelade und die ist aufgrund des hohen Zucker- und oft auch Säuregehalts so harmlos, dass man sie nicht einmal einkocht, sondern nur heißt in die Gläser füllt.

Bösartige Pressemeldungen entschärft

Vor etwas über einem Jahr hatte ich angeprangert, dass immer mehr Presseagenturen Tools verwenden, um das Klick-Verhalten von Journalisten aufzuzeichnen. Das hat damals für ziemlichen Aufruhr gesorgt, zumindest meine Person betreffend. Mir ist nun in letzter Zeit aufgefallen, dass einige Agenturen diese Tools zwar noch verwenden, aber auf die Codierung der Links und damit auf das Tracking verzichten. Lewis-PR beispielsweise. Das finde ich sehr lobenswert und dient sicherlich dazu, das Vertrauensverhältnis zwischen PR und Journalisten zu stärken.

Wenn ich hingegen merke, dass jemand ohne mein Wissen mitverfolgt, welche Links ich in meinen E-Mails klicke, finde ich das sehr verstörend. Ich hatte infolge des Artikels einige Agenturen gebeten, mir nur noch Text-Mails zu schicken. Das ist auch geschehen. Eine im Artikel erwähnte Agentur hat mich vom Verteiler geschmissen, einen Verteiler habe ich gekündigt, nachdem ich partout keine Text-Mails bekommen habe. Andere verzichten eben jetzt auf das Tracking. Ich hoffe nicht nur bei mir.

Nachtrag: M3 PR wäre ein weiteres positives Beispiel.

Buchrezension zum Blog Action Day (Karen Duve: Anständig Essen)

Es ärgert mich, dass die westliche Landwirtschaft so stark subventioniert ist, dass deutsche Nudeln in Afrika billiger sind, als dort produzierte.  Es ärgert mich auch, dass auf landwirtschaftlichen, für Nahrung nutzbaren Anbauflächen Bio-Diesel wächst. E10 verbessert zwar die deutsche CO2-Bilanz, lenkt aber von wesentlich wichtigeren Maßnahmen an, zum Beispiel Spritsparen (= Geschwindigkeitsbegrenzung). Autolobby. Außerdem ärgerte es mich, wenn Urwald abgeholzt wird, um Turborinder zu mästen, damit mancher Westler zwei Mal am Tag einen fetten Burger fressen kann. Das hab ich im letzten Beitrag schon angedeutet oder an anderer Stelle ausgeführt. Alles wären Themen für den Blog Action Day 2011, heute zum Thema Food. Nahrung.

Ich möchte aber ein Buch vorstellen, das mich in lezter Zeit stark bewegt hat, nämlich von Karin Duve (Regenroman und Die entführte Prinzessin). Sie hat als erklärte Tierliebhaberin einen Selbstversuch zum Thema Fleischkonsum gemacht. Nicht auf dem Niveau, ich verzichte mal drei Wochen aufs Internet, sondern sie hat ein Jahr lang die verschiedenen Ernährungs- und Sinnkonzepte durchlebt: Bio, vegetarisch, vegan und frutarisch (= keine Pflanze töten). Entstanden ist auf dieser Basis das Buch: Anständig Essen. Angefangen hat alles so: Eines Tages steht sie im Supermarkt, hält das billige, eingeschweißte, marinierte, praktische Grillhähnchen in der Hand. Plötzlich taucht ihre vegetarische Untermieterin mit dem Spitznamen Grille auf und stellt sie zur Rede, wie sie so unverantwortlich einkaufen kann. Zwischen beiden Frauen entwickelt sich ein Dialog, der sich im Prinzip durchs ganze Buch hindurchzieht, wobei Grille immer wieder als moralisches Alter Ego der Autorin auftritt. Im Lauf des Buches wandelt sich das Verhältnis aber überraschend.

Das Buch bleibt nicht bei einer privaten und irrelevanten Innenschau stehen, sondern bietet eine faktenreiche, weit gefächerte, aber bildliche Analyse der Haltung und Tötung von Tieren in unserer Gesellschaft. Vom Massensterben männlicher Küken in der Massentierhaltung auch auf dem Biohof, über das selbstverständliche Vernichten von Ungeziefern im Haus, bis zum Einschläfern des geliebten, individuellen Hunds. Sie trifft sich mit Extremisten, Menschen, die nur vom Baum gefallene Früchte essen, anderen, die einen Antitierbenutzungshof führen, aber auch überzeugten Jägern oder Vertretern der Ordnungsbehörden. Alle kommen zu Wort, und zwar fair. Einfache Antworten gibt es nicht, und die gaukelt die Autorin dem Leser auch nicht vor. Spannend sind nicht nur die vorgestellten Menschen und Fakten: Eines Nachts geht sie auf Abenteuer und befreit ein paar Hühner aus Käfigen. Die leben dann bei ihr und ärgern die anderen Hühner. Nur um einen Termin beim Schlachthof bemüht sie sich vergeblich. Öffentlichkeit ist nicht erwünscht.

Ihr Fazit möchte ich hier nicht vorwegnehmen. Es ist jedenfalls radikaler als meins als Leser (und Genussblogger). Aber niemand, der beginnt sich mit dem Thema zu beschäftigen, wird guten Gewissens das praktische, marinierte Hähnchen aus dem Supermarkt in den Einkaufswagen legen. Das lehne ich inzwischen kategorisch ab, noch kategorischer, als ich es vor der Lektüre schon empfunden habe. Fleisch sollte für meine Begriffe seltener gegessen werden und unbedingt aus Bio- oder vertrauter Haltung kommen. Selbst wenn Aufwand und Preis höher sind. Ganz auf Fleisch verzichten möchte ich nicht (Duve auch nicht), obwohl es moralisch letztendlich die sauberste Lösung wäre. Es sei denn, man zieht seine Hühner selber liebevoll auf und dreht ihnen dann auch selber fachgerecht den Hals um.

Blog Action Day offline

Gerade wollte ich mich für den Blog Action Day anmelden und sehe, dass die Seite offline ist. Komisch.

Nachtrag (14.10.):  Jetzt ist die Seite wieder online. Ich hatte bei Betreiber nachgefragt, aber keine Antwort bekommen…

Blog Action Day: Food

Der diesjährige Blog Action Day am 16. Oktober hat Food als Thema: Nahrung. Dass das ein zentrales Thema aller Genuss-Blogger ist, ist klar, denn während der weitaus größere Teil der Menschheit froh ist, überhaupt etwas zu essen zu bekommen, lebt der andere im Über- und Wegwerfangebot, und kugelt Luxusprobleme vor sich her. Zwischen beiden Welten gibt es viele feine Zusammenhänge, etwa die subventionierte, landwirtschaftliche Überproduktion im Westen oder die Nutzung von potenzieller Ackerfläche für McDonalds-Rinder. Ganz zu schweigen von Biodiesel, der wirklich nur in der CO2-Zertifikatrechnung der Autoindustrie einen Sinn ergibt. Es gibt also viel zum Thema globale Nahrung zu sagen und wir als Food-Blogger sollten das auch tun. Registriert Euch!

N wie Nonnenfürzchen

Blog-Event LXXI - Rezepte mit N (Einsendeschluss 15. September 2011)
Ein Gericht mit N zu finden, wenn man nicht in die Nudel-Nuss-Falle tappen möchte, ist nicht so einfach. Eines meiner Kochbücher ist nach dem Alphabet geordnet und der N-Teil ist dünn. Aber bei Nonnenfürzchen bin ich beim Blättern hängen geblieben. Klingt ungewöhnlich, ist im Prinzip aber simpel: Brandteigkrapfen (Windbeutel), die in Fett ausgebacken sind.

Der Brandteig geht so:

250ml Wasser
1 Prise Salz
1 El Zucker
Etwas abgeriebene Zitronenschale
65 g Butter
125 g Mehl
4 Eier
Öl zum Frittieren
Puderzucker

Wasser mit Butter und Gewürzen aufkochen. Den Topf auf dem Feuer lassen und das Mehl in einem Schwung hinzugeben. Die Masse stark rühren, bis sich ein weißer Belag am Boden bildet. Vom Feuer nehmen und in eine Schüssel umfüllen. Nun einzeln die Eier unterrühren. Abkühlen lassen. Durch das Kochen verkleistert das Mehl und verliert seine Elastizität. So entstehen der große Hohlraum im Windbeutel.

Nun lässt man nussgroße Teigstücke in heißes Fett gleiten und bäckt sich rundherum schön knusprig. Sofort mit Puderzucker oder N****** (für die Kinder) servieren.

Gastgeberin des Events ist Astrid, Arthurs Tochter :-)

Putenqualen in der ARD

Report Mainz  (ARD) zeigt heute Abend um Viertel vor Acht einen Beitrag über das Wiesenhof-System. In den gezeigten Beispielen werden laut Pressemitteilung Puten im Zuge der industriellen Abfertigung unnötig gequält und misshandelt. Die verantwortlichen Firmen und Unterfirmen weisen die Vorwürfe hin und her, jede schiebt der anderen die Schuld zu. Wiesenhof selbst nimmt im Vorfeld zu der Sendung Stellung und verweist auf seine prinzipiell transparente Firmenpolitik und gewisse Rechercheschwächen beim Team vom SWR (das Wiesenhof-Video ist durchaus sehenswert). Dennoch lassen sich die Tatsachen nicht beschönigen, dass es im Zuge der industriellen Produktion von Fleisch zwangsläufig zu inhumanen, wenn man das bei Tieren so sagen darf, Quälereien kommen muss. Selbst wenn sie nicht immer so drastisch sind, wie die, die man im Film wohl heute Abend sehen wird, sind sie schlimm genug. Tierschützer weisen immer wieder Misshandlungen nach. Vermeiden lässt sich das nur durch den konsequenten Griff zum Bio-Fleisch, wann immer es möglich ist. Oder man ist so privilegiert wie wir und kann seine Händl beim Bauer direkt kaufen.

Update: Inzwischen gibt es auf der Wiesenhof-Webseite ein Diskussion zu dem SWR-Beitrag. Allerdings haben die Content-Manager nicht alle Trackbacks freigeschaltet. Meinen zum Beispiel nicht. Sondern nur zwei an der Zahl, die in die Wiesenhofkritik einstimmen. Soll ich beleidigt sein? Nachdem ich die Sendung (trotz ihrer methodischen Schwächen) gestern selbst gesehen habe , bin ich mir nicht sicher, ob ich auf der Wesjohann-Seite überhaupt erscheinen mag…

Bewertungsportal siegt über Wirt

Das Bewertungsportal Restaurant-Kritik hat vor dem Amtsgericht Hamburg den Prozess gegen einen Wirt gewonnen, der eine Nutzerkritik gelöscht haben wollte. Der Sieg erstaunt mich wenig, denn so eine Kritik ist in den allermeisten Fällen von der Meinungsfreiheit gedeckt. Es ging um Formulierungen wie, die Stühle seinen „realtiv schmal“, die Speisekarte sei „üblich“, der Wein eine „Warenuterschiebung“ (was ist das?), weil er nicht wie in der Speisekarte behauptet aus Frankreich kam, schließlich endet die Kritik mit: „Oh wenn doch Service und Küche das Niveau des Ambiente erreichen würden. Aber so bleiben mir nur die Worte aus dem Ring des Polykrates: ‘Hier wendet sich der Gast mit Grausen …’“ All das wie gesagt, ist von der Meinungsfreiheit gedeckt, und das sogar in den Augen der Hamburger Richter, die wie in Medienkreisen bekannt relative Presseunfreundlich urteilen. Wer eine Zeitung verklagen will, tut das am besten in der Hansestadt.

Was mich da mehr wundert, ist, wie Kritisierte immer wieder stupide versuchen solch einen Pyrrhussieg zu erringen. Denn was wird passsieren? Die Kritik wird erneut erscheinen, in den Formulierungen diplomatisch vielleicht entschärft, in der Sache und Note aber mit gleicher Wucht aufgeladen. Der Schaden für das Unternehmen ist in etwa der gleiche. Statt solch eine Kritik als Chance zu sehen, etwas zu verbessern. Oder vielleicht auch zufriedene Kunden dazu zu bewegen eine positive Kritik zu schreiben. Denn das gibt es ja schließlich auch, sieht man sich ein Bewertungsportal an, so überwiegen die positiven Beschreibungen meist sogar.

Tafelwein, Landwein und Qualitätswein am Ende

Die Weinprofis wissen es wahrscheinlich schon, mir war es neu. Die deutschen Klassifizierungen für Wein werden zum Jahresende ersetzt durch EU-einheitliche:

- Tafelwein -> Wein

- Landwein -> Geschützte geografische Angabe (GGA)

- Qualitätswein -> Geschützte Ursprungsbezeichnung (GU)

Die Prädikate Kabinett, Spätlese, Auslese etc. bleiben erhalten und werden an das GU angehängt. In anderen Ländern sieht es ähnlich aus. Gerade der Vin de Pays wird mir fehlen. Vin de Pays ist doch viel plastischer als IGP (Indication géographique protégée).

Weinrallye 47: Wein gegen das Zerbrechen

Hier ist es etwas stiller geworden, ich bin viel mit anderen Dingen beschäftig, ganz einstellen möchte ich dieses Projekt aber nicht. Die 47. Weinrallye, ausgetragen vom Winzerblog, gibt mir Gelegenheit wieder einmal einen Wein vorzustellen. Es ist ein Social-Wein, denn ein Drittel des Einkaufspreises unterstütz die sehr hübsche Staufener Altstadt im Markgräfler Land, die im wahrsten Sinn des Wortes zerbricht. Durch ein Geothermiebohrung ist Wasser in eine Gipsschicht unter der Stadt gedrungen, und diese Schicht saugt sich nun voll, bläht sich auf wie ein Hefezopf. Die darüber liegende Stadt hebt sich seitdem um bis zu einen Zentimeter im Monat an, an manchen Stellen bis zu 16 Zentimeter insgesamt. Viele Gebäude haben dicke Risse bekommen, die man deutlich sieht, wenn man durch das Städtchen läuft. Ein Beispiel aus dem Inneren eines Gebäudes:

Laut einer Pressemeldung der Stadt vom 21. Juli 2011 nimmt die Hebung aber nicht mehr so stark zu, die Tendenz ist rückläufig. Insgesamt sind 262 private und 7 städtische Gebäude beschädigt. Zur Rettung der Altstadt gibt es eine Initiative Staufen darf nicht zerbrechen, an der sich auch die Winzergenossenschaft vor Ort beteiligt (PDF). Dort gibt es eine spezielle Weißwein-Cuvée, die neun Euro kostet, von denen drei an die Initiative gehen . Ich habe mir drei Flaschen gekauft und gestern die erste probiert.

Der Wein ist jung und frisch, Jahrgang  2010, noch nicht lange abgefüllt. Zitronig-würzige Aromen dominieren: Zitrone, Limette, Melisse, Apfel und weiße Johannisbeere, aber auch etwas Stachelbeere und Rose. Der Auftakt ist spritzig mit frischer Säure, und die Aromen zeigen sich fein und voll am Gaumen. Ein halbes Jahr liegen tut ihm sicher noch gut, um ihn abzurunden. Irgendwie, denke ich, steckt ein Burgunder drin, Gutedel wahrscheinlich, vielleicht etwas Müller-Thurgau. Mir schmeckt er jedenfalls und ist die sechs Euro allemal und auch die Neune Wert.

Weinrallye 41: Eichen-Sandwich

Das Thema der aktuellen Weinrallye bei Bernard Fiedler hat mir sofort zugesagt, denn ich bin ein großer Freund des diskutierten Weintyps (Sandwich-Weine) mit einem Lagerpotenzial von drei, fünf, vielleicht auch sieben Jahren. Denn derartige Weine sind oft nicht so teuer, gewinnen aber deutlich hinzu und lassen sich leichter lagern, da es bei diesen kurzen Zeiten nicht so sehr auf ideale Kellerbedingungen ankommt.

Einer meiner Favoriten ist der Dogajolo, den ich zugegebener Maßen bereits einmal bei einer Weinrallye vorgestellt hatte, den Etikettentrinkern. Damals (2008) war es ein 2003er, also fünf Jahre alt. Sehr gut hat mir auch der 2004er im Jahr 2010 geschmeckt. Heute habe ich einen 2006er im Glas, also grad eben fünf Jahre alt. Er scheint mir noch etwas herber zu sein, und noch nicht ganz so mild und rund wie die anderen beiden.

Im Aroma dominiert die Fasswürze, Rauch feines Holz, Bleistift, Zimt, getrocknete Beeren, Rose. Erst später öffnen sich die Kirsche, Cassis und Wachs. Der Auftakt ist bissig mit frischer Säure und noch deutlichen Tanninen am Gaumen. Im Geschmack ist er warm, leicht süß, hat einen mittelschweren Körper mit langem Abgang. Ich denke, in zwei Jahren werd ich ihn noch mal probieren, in der Hoffnung, dass er dann so rund und reif wie die oben beschriebenen geworden ist. Der Jahrgang sollte es hergeben.

Vom Charakter ist es ein Wein, der jung sehr zugänglich ist mit viel Frische und Biss, im Mittelstadium aber langweilig wird und erst im Alter wieder gewinnt.

Carpineto Dogajolo
Toscano IGT
Italien/Toskana

Rot; Sangiovese und Cabernet Sauvignon
13 % Alkohol; Ausbau im Fass

Blogger-Domain gepfändet

Man kann ja durchaus geteilter Meinung über Euroweb sein, aber ich verstehe auch René Walter von Nerdcore nicht. Wenn ich schon jemanden ans Bein pinkle, dann fechte ich das doch als Meinungsäußerung vor Gericht durch. Und wenn er sich dann tot stellt, braucht er sich nicht zu wundern, dass ihm die Domain genommen wird. So einen Sieg hätte ich der Gegenpartei nicht gegönnt, die jetzt auf seine Kosten ein ganz hochherzige Nummer durchziehn kann — wenn die Beherzigten denn mitmachen würden.

Dioxin belastet Mistkratzerl

Der Dioxin-Skandal im Hühnerei bewirkt — hoffentlich — einen neuen Trend zum Freiland- oder Bio-Ei. Sehr löblich. Diese Eier mit Bauernhofromantik erfreuen Mensch wie Huhn, jedoch sind sie alles andere als giftfrei. Im Gegenteil, Eier von glücklichen Hühnern, die im Boden und Mist kratzen, belasten mit höheren Dioxinwerten, behauptet Rudolf Joost-Meyer zu Bakum, der Vorsitzende der Gesellschaft für ökologische Tierernährung, in einem Interview in der taz. Er geht sogar noch weiter: „Der Grenzwert bei Fisch ist ein Mehrfaches davon — dabei gibt es genügend Leute, die mehr Fisch essen als Eier. Das ist ein politischer Grenzwert, den die Käfigindustrie durchgedrückt hat. Man wollte die Freilandhaltung ausbremsen.“

Trotz allem bin ich ein Verfechter des Bio-Eis vom Mistkratzerl, denn mir schmeckt mein Omelett besser, wenn ich weiß, dass ein glückliches Bauernhuhn die Eier dafür produziert hat, Dioxin- oder her.

Zusammenfassung Weinrallye 40: Autochthone Rebsorten

Die Ergebnisse dieser Weinrallye finde ich ausgesprochen gelungen, da alle Teilnehmer echt interessante Weine ausgegraben haben, die sich weit jenseits der üblichen Merlot-Chardonnay-Welt bewegen. Ein paar von ihnen kennt man noch, wie den Grünen Veltliner, Elbling oder Nero d’Avola. Aber Sumoll, Blatterle und Räuschling sind mir bislang noch nie begegnet.

Burgenland

Bernhard Fiedler widmet seinen Beitrag den weißen Traditionssorten seiner Heimat, da er den Blaufränkisch schon für die 22. Weinrallye verwertet hat. Dieses mal schreibt er über Grünen Veltliner, Neuburger, Furmint, Welschriesling, Muskat Ottonel und Silberweiß.

Duoro

Die portugiesische Nationalsorte, Touriga Nacional, gibt es im Winzerblog. Sie bildet den Stolz der portugiesischen Winzer.

Georgien
Der Ultes bringt aus dem Schwarzwald zwei Flaschen georgischen Saperavi mit, eine Sorte, die im Osten recht verbreitet ist und aus der zum Beispiel der Krimsekt gekeltert wird.

Kroatien

Drunkenmonday bringt vom Balkan zwei Flaschen Teran mit, darunter ein Super Tuscan mit Schmackes!

Midi

Iris von Lisson macht einen Brückenschlag nach St. Chinian und stößt dort auf die Appellation Roquebrun village, wo noch echter Ribeyrenc wächst.

Mosel

Die Bildergeschichten aus dem Weingut Steffens-Keß stellen eine der ältesten Sorten Deutschland vor: den Elbling. Dabei begeht der Autor gleich einen Verstoß gegen § 136 StGB.

Sizilien:

Zwei Beiträge befassen sich mit Nerello Mascalese, und zwar der von Weinverkostungen und der von Lamiacucina. Das finde ich deswegen spannend, weil diese Sorte in unserer Sizilienverkostung fehlt. Dafür sind drinnen: Insolina, Grillo, Grecanico, Carricante, Frappato und Nero d’Avola.

Südtirol

Neben dem oben genannten Nerello aus Sizilien stellt Lamiacucina noch einen Lagrein vor, eine Sorte, die mir auch immer wieder Freude bereitet. Einen wahren Schatz hebt Wiesengenuss, einen Weißen aus den Sorten Fraueler und Blatterle. Warum diese beiden Sonderlinge ausgerechnet mit Müller-Thurgau verschnitten sind, finde ich etwas rätselhaft.

Tarragona

Dass es ein Weinbaugebiet mit dem Namen Conca de Barbera gibt und daselbst die autochthone Sorte Sumoll, habe ich heute zum ersten Mal gehört. Chef, der Metzger hat gesagt hat ihn probiert und mit Dung gefüllte Kuhhörner, modrigen Waldboden und gereiften Burgunder gefunden.

Thermenregion

Vinissimus stellt den Rotgipfler vor, der zwar nicht rot, aber doch ein Gipfel des Genusses sein kann.

Zürichsee

Peter Züllig führt in seinem Gastbeitrag den Räuschling vor, dessen Name auch zu einem Berg oder Pilz passen könnte.

Vielen Dank noch mal an alle Teilnehmer für Eure spannenden Geschichten. Schön, dass so viele mitgemacht haben. Falls ich jemanden übersehen habe, bitte melden. Es hat übrigens keiner von der Ausnahmeregelung Gebrauch gemacht, den Artikel wegen der Ferien schon vor dem offiziellen Termin einstellen zu können. Diese Regel scheint also überflüssig zu sein. Der nächste Ort der Weinrallye ist mir noch nicht bekannt, ich werde ihn nachtragen, sobald er feststeht.

Weinrallye 40: Autochthon in Sizilien

Sizilien ist voller autochthoner Rebsorten. Über viele Jahre hinweg fanden sie nur im Marsala Verwendung, bis die Winzer der Insel in den 90er Jahren ihre eigene Tradition entdeckten und begannen Qualitätsweine zu produzieren. Wobei diese immer noch einen relativ kleinen Anteil an der Gesamtproduktion ausmachen, die immerhin die größte Italiens ist. Das meiste wird als Verschnittwein exportiert oder dient der Produktion von Industriealkohol.

Dabei ist der Weinbau alt in Sizilien, die Griechen haben damit begonnen und so erst den Wein nach Italien gebracht. Die weiße Sorte Grecanico deutet noch auf diesen Ursprung hin, obwohl sie genetisch identisch ist mit Garganega, der Soave-Traube. Weitere weiße autochthone Soren sind Insolina, Grillo oder Carricante. Bei den Roten: Nero d’Avola oder Nerello Mascales. Wir haben nicht alle geschafft aus dieser Reihe:

denn ein paar Gäste haben abgesagt. Aber die wichtigsten möchte ich vorstellen:

Viticultori Canicatti: Inzolia Sicilia IGT, La Ferla 2009:

Dezente Aromen, Apfel, Drops, milder Auftakt, frische Säure, leichte Süße, warm und voll. Einfacher, fruchtiger Wein. Sauber, mild

Avogadri: Grillo Sicilia IGT 2009:

Dunkles Gelb, intensive würzige Aromen, milde Früchte, Tropenfrüchte, Mango, Limette, Mandarine, Holz, Ginster, Eigelb, sehr milder Auftakt, würzig strukturiert am Gaumen, kräftiges Volumen, lang. Eine Überraschung.

Planeta: Grecanico Sicilia IGT, Alastro 2009

Sehr dezentes Aroma, feine Holznoten, dezente Frucht. Milder Auftakt, wenig aromatisch, etwas langweilig und enttäuschend.

Gulfi: Carricante Sicilia IGT, Carjcanti 2006:

(Sprich Car-i-canti) Wuchtiges, komplexes Aroma, Honig, Wachs, Mandeln, Jasmin, weiße Johannisbeere, Wacholder, salzig, Jod, Thymian, Akazien, wuchtiger Auftakt, Explosion von Aromen am Gaumen, Trockenblumen, Honigmelone, dicht, fett. Verschwenderischer Wein, hochgradig mineralisch, Macchia-Gewürze des Südens, nie endend wollender Abgang. Ein echter Hammer.

Planeta: Cerasuolo di Vittoria DOCG 2008:

Intensive Aromen, volle Beeren, Himbeere, Erdbeere, leicht rauchig, frischer Auftakt, feine nervige Säure, voluminös und lang. Intensiver fruchtig-beeriger Wein, harmonisch und sehr klar. Erinnert an Beaujolais. Bei der ersten Weinrallye (Inselweine) hatte ich den 2005er im Text.

Rapitalà: Nero d’Avola Sicilia IGT 2009:

Intensives Aroma, Beeren, Holz, Himbeeren, Erdbeere, Hibiskus, mineralisch, rauchig, leicht bissige Aromen, frische Säure, leichtes Prickeln, bitter, warm, leicht süß, voluminös, noch etwas verschlossen.

Gulfi: Nero d’Avola Sicilia IGT, Nerojbleo 2007:

(Sprich: Nero-i-bleo) Wuchtige Aromen, leicht bissig, salzig, Jod, mineralisch, intensive Himbeere, Erdbeere, Brombeere, eleganter Holzton, Tropenholz, Marzipan, bissiger Auftakt, kräftige Tannine, leicht bitter, darunter intensiver Beeren, voll und sehr lang. Harmonisch und dicht. Definitiv ein großer Roter.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ich von den Weißen sehr überrascht bin, gerade vom Grillo und Carricante. Der Nero d’Avola zeigt sich in seiner gewohnten Beerigkeit, mal blitzsauber wie beim Cerasuolo mal voll und groß wie beim Nerojbleo. Der Erzeuger Gulfi war für mich eine sehr positive Neuentdeckung.

Nächste Seite »



Follow

Get every new post delivered to your Inbox.