Archiv für Februar 2008

Bloggertreffen im Rioja

Weinblogger aus aller Welt wollen sich Ende August im Rioja zur European Wine Bloggers Conference treffen. Initiiert wird das Treffen von der Wine-Bloggers-Gruppe auf Facebook. Sieht man sich die bisherigen Anmeldungen oder Interessenbekundungen an, so ist noch kein deutscher Blogger dabei, dafür Engländer, Italiener, Spanier und sogar Interessenten aus Übersee.

Spannende Sache, nur ich werde mich zu diesem Zeitpunkt in Südfrankreich aufhalten, meine Mädels haben Wildpferden im Sinn und eine nette Wildschweinfarm in den Bergen soll es auch geben… (das war jetzt noch kein Saubloggen!)

Via Winzerblog.

Abzocke mit Kochrezepten

Gerader recherchiere ich für einen Artikel zum schönen Thema „Abzocke im Internet“ und bin dabei auf die Seite kochrezepte-server.com gestoßen. Für 59,95 Euro bekommt der Übertölpelte sechs Monate Zugang zu einer Sammlung von angeblich 30.000 Rezepten, von der ich lieber nicht wissen möchte, wie sie zustande gekommen ist. Natürlich zahlt kein Mensch knapp sechzig Euro für etwas, das er überall im Web kostenlos bekommt (z.B. in Koch- und Genussblogs). Aber die Opfer merken meist solange nicht, dass sie einen kostenpflichtigen Dienst benutzen, bis die 2. Mahnung kommt. Bei den meisten dieser obskuren Anbieter gibt es nämlich weder eine Rechnung noch eine 1. Mahnung.

Der Preis steht nur sehr klein unter dem eigentlichen Anmeldeformular oder gar nur in den AGBs, so dass die Opfer ihn übersehen. Korrekt ist dies nicht, aber die Abzocker setzen auf den psychischen Druck der Inkassoeintreiber, die nicht nachlassen, harsche Mahnungen zu schicken. Wirklich geklagt hat bislang nur ein Dienst und den Prozess verloren. Betroffene sollten sich also unbedingt wehren, die Verbraucherzentralen stellen Standardbriefe zur Verfügung. Weiter Infos auch hier.

Nachtrag (10.4.08): Inzwischen gibt es einen ausführlichen Artikel von mir zu dem Thema.

Platonwein

Gerade bestelle ich ein paar Bücher bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft und stoße auf einen „Symposion Platon Wein“ (Corbière 2005). „Die Sonne und der Wind des Mittelmeers haben Platos Denken und der fruchtbetonten Balance der Rebsorten (Carignan, Grenache Noir, Syrah) dieses tiefrot leuchtenden Weins ihre komplexe Reife gegeben“, lese ich in der akademischen Beschreibung. Für gute sechs Euro hätte ich fast zugeschlagen, wenn ich nicht mindesten sechs Flaschen hätte bestellen müsste. Außerdem glaube ich, Platon ließ sich von griechischem oder sizilianischem Wein beflügeln.

An die Lektüre des Symposions erinnere ich mich gerne, geht es doch um viele handfeste Dinge. Eine Reihe älterer Herren treffen sich eines Abends, unter ihnen der Philosoph Sokrates, der Politiker Alkibiades und der Komödienautor Aristophanes. Alle stellen fest, dass sie einen kräftigen Kater vom Vorabend haben und beschließen deshalb, jeder Gast darf seinen Wein mit so viel Wasser mischen, wie er will. Normalerweise wurde das Verhältnis nämliche vom Gastgeber festgelegt. Und die geschwächten Herren suchen sich ein leichtes Thema zur Diskussion: Sex.

Sokrates entwickelt dort zu später Stunde den Begriff der „platonischen Liebe“: Man muss erst einen Knaben lieben, dann ist man reif dafür, alle Knaben zu lieben, was einen wiederum vorbereitet, die Weisheit zu lieben. Das klingt anders, als manche verknöcherten Altphilologen es uns weismachen wollen.

Gegen Morgen löst sich die Trinkgesellschaft auf, ein Schüler des Sokrates berichtet, man habe den Weisen immer viel Trinken, aber noch nie betrunken gesehen. Der Meister selbst kehrt nach Hause zurück und nimmt, statt zu schlafen, ein Bad und ist anschließend fit für den restlichen Tag. Er geht nur etwas früher zu Bett als üblich.

Schön, oder? Ich möchte aber nicht den Eindruck erwecken, Platon sei ein Genussmensch gewesen. Das war er sicher nicht.

Schüttelwein

Durch ein Video im Winzerblog, das mir nachhaltig die Sprache verschlagen hat, stieß ich auf die Weine von Molly Dooker, die man schütteln muss, bevor man sie trinken kann. Zuerst hielt ich es für einen der gängigen YouTube-Scherze, aber eine Recherche im Internet ergab: Diesen Wein muss der Connoisseur tatsächlich samt Flasche kräftig rütteln, bevor er ihn genießen kann. So behauptet es der Hersteller auf seiner Webseite jedenfalls, und auch das Video im Winzerblog stammt von dieser Seite.

Der Effekt ist folgender (laut Hersteller): Molly Dooker fügt den Weinen Stickstoff zu, um sie haltbarer zu machen. Doch der Sticksoff verhindert jegliche Oxidation im Wein. Deshalb muss man die Flasche öffnen, etwas abgießen, wieder schließen und dann schütteln. Der Stickstoff löst sich, Sauerstoff kommt an den Wein und der runde Geschmack des Weins tritt hervor.

Eine Einschränkung macht der Hersteller: Weine, die älter als zwei Jahre sind, soll man nicht mehr schütteln. Wohl wegen des Depots. Aber was macht man dann mit dem Stickstoff, frage ich mich? Und warum muss Molly Dooker überhaupt Wein, der jünger als zwei Jahre ist, auf diese Weise konservieren? Ist es übler Fusel, der nicht einmal zwei Jahre in Würde übersteht?

Das scheint mir eher ein Marketing-Gag zu sein und erinnert an Tequila mit Salz und Pfeffer. Auf das Ritual kommt es an und nicht auf den Geschmack. Stellt Euch vor, Ihr sitzt im Restaurant und schüttelt Euren Wein erstmal kräftig durch. Garantiert schauen Euch alle an und Ihr habt für die nächste halbe Stunde die Diskurshoheit.

Bayerischer Schweinsbraten mit Semmelnknödln (Saubloggen am Mittwoch)

SchweinSbraten und nicht SchweinEbraten ist der korrekte, im Bayerischen vorgefundene Begriff, wie wir von Karl Valentin wissen. Denn der Braten kommt ja von einem einzigen Schwein. Während ebenso SemmelNknödeln richtig ist und nicht hochdeutsch Semmelknödel, weil eben Semmelteig aus vielen Semmeln und nicht nur aus einer besteht. Interessanter Weise meckert meine Rechtschreibprüfung bei keinem der Begriffe. Nun gut. Zum Schweinsbraten. Bei der Wahl des Fleischs gibt es eine grundlegende Entscheidung: mit oder ohne Kruste (Schwarte). Kruste ist bei vielen Bratenfreunden gefragter, aber das Fleisch ist trockener. Ohne Kruste – ein Stück vom Hals – ist saftiger und vom Fleisch her attraktiver. Eindeutig mein Favorit. Mit Kruste ist meistens von der Schulter, aber sehr gut und etwas feiner ist auch ein Stück Keule.

Fleisch von Hals, Schulter oder Keule (Schwarte vom Metzger einschneiden lassen)
Knochen
Hühnerbrühe/Fond
Zwiebeln, Karotten, Sellerie, Petersilienwurzel
Lorbeerblatt, Pfefferkörner, Kümmel
Knofi, Ingwer, Majoran, etc.
Rotwein
Crème Fraîche
Petersilie
Evt. Champignons

Das Bratenstück mit Salz und Pfeffer einreiben. Wenn der Braten eine Schwarte hat, so kommt diese in der gefetteten Reine anfänglich nach unten. Backofen auf 225 Grad vorheizen, dann Braten, Knochen und ein bisschen Gemüse hinein. Wenn die Unterseite eine schöne Farbe bekommen hat, wird der Braten umgedreht. Ebenfalls warten, bis die Schwarte angebraten ist. Dann Brühe angießen, Lorbeer, Pfeffer, Kümmel hinzu und Temperatur auf 175 Grad reduzieren. Ein Braten ohne Schwarte muss nicht gedreht werden. In der letzen halben Stunde kommen Knofi, Ingwer und Majoran hinzu. Die Bratenzeit variiert je nach Fleischdicke. Unter einem Kilo sind es circa anderthalb Stunden, dickeres Fleisch länger. Die Kerntemperatur bei Schwein sollte bei circa 65 Grad liegen (mit Kernthermometer gemessen). Bei einem Braten mit Schwarte schaltet man am Schluss für ein paar Minuten den Grill ein, damit die Kruste schön knusprig wird. Vorsicht, verbrennt leicht.

Braten auf einen Teller, zudecken. Den Bratensatz durch ein Sieb in einen Topf gießen. Die Sauce etwas reduzieren und mit Wein, Crème Fraîche, Petersilie und weiteren Gewürzen abschmecken. Nach Geschmack gedünstete Champignons hinein. Den fertigen Braten aufschneiden, mit etwas Sauce begießen und servieren.

Nun zu den Knödeln:

10 trockene Semmeln
3/8 l Milch
3-4 Eier
1 kleine Zwiebel
Salz, Pfeffer, Petersilie

ergibt acht mittelgroße Knödel

Alte Semmeln nehmen, sonst frische Semmel einen Tag auf der Heizung trocknen lassen. Petersilie und Zwiebel hacken und etwas andünsten. Semmeln in dünne Scheiben schneiden und in einen Topf häufeln. Milch erhitzen (nicht kochen) und über die Semmelscheiben gießen. Topf verschließen und dreißig Minuten ziehen lassen. Nach der Hälfte der Zeit, einmal umschichten. Dann mit allen weitern Zutaten verkneten. Mit feuchten Händen Knödel formen, wenn der Teig zu weich ist mit Semmelbröseln strecken.

Wasser erhitzen, bis Blasen aufsteigen, aber es darf nicht sprudeln. Sonst zerfallen die Knödel. Knödel fünfzehn bis zwanzig Minuten ziehen lassen.

Als passender Wein erwies sich ein Barbera d’Asti „San Nicolao“ 2006 von Terra da Vino, Fruchtig und hell zum Schwein, aber dennoch stark und tanninig gegen das Fett. Rubinrot, glänzend, relativ hell; Aroma zurückhaltend, Kirsch, Holz, Vanille, Pfeffer, Alkohol, mineralisch, Wachs; Auftakt kirschig, leicht feurig und etwas süß. Der Körper ist rund, der Abgang lang und etwas bitter. In den Tiefen liegt eine verschlossene Geschmacksschicht, die derzeit vom Alkohol überlagert wird. Nach einiger Zeit im Glas wird die Kirsche noch deutlicher. Gestört hat mich der Kunstkorken.

Saubloggen am Mittwoch: Jahr des Schweins beendet

Am 6. Februar hat das Jahr des Schweins geendet und der chinesische Kulturkreis feierte Sylvester besser gesagt Neujahr, in Singapur z.B. mit vier Tage Ferien (Auf dieser Webseite findet sich auch ein hübsches Bild zum Fest). Begonnen hat das Jahr der Ratte, das für mich als Affe (Jg. 1920, 1932, 1944, 1956, 1968, 1980, 1992, 2004) bedeutet: „Der Affe bekommt im Jahr der Ratte die Belohnung für seine harte Arbeit in der Vergangenheit. Er kann nun ernten, was er gesät hat. Das bringt Glück und Erfolg.“, weiß die Webseite China-Horoskop. „Wird auch Zeit!“, möchte ich da freudig rufen.

Auch Schweinen (Jg. 1911, 1923, 1935, 1947, 1959, 1971, 1983, 1995, 2007) geht es nicht schlecht im Jahr der Ratte: „Der Glückszyklus hält für die Schweine unvermindert an.“ Etwas schlechter geht es dem Hahn (Jg. 1921, 1933, 1945, 1957, 1969, 1981, 1993, 2005): „Im Jahr der Ratte werden die Hähne wichtige Herausforderungen überwinden müssen.“ Das klingt nach Entlassung, Krebs, Konkurs, Legebatterie oder Suppenhuhn. Die armen Hähne mit ihren Hennen und Küken!

Romanee-Conti-Verkostung 2005

Leider nicht ich, sondern Eric Asimov für die NY Times. Es macht einen immer ein bisschen wehmütig, wenn Menschen über ein Ereignis reden, bei dem man selbst gerne dabei gewesen wäre…

Abstimmen gegen Gentechnik

Noch bis zum 26. Februar lauft eine öffentliche Eingabe beim Petitionsausschuss des Bundestags gegen Gentechnik in der Landwirtschaft. Jeder (auch Bürger ohne deutschen Pass) kann mitmachen (nicht an der UK-Adresse stören, die Seite ist geprüft), heute waren bereits über 21.000 Unterschriften eingegangen. „Mit der Petition soll erreicht werden, dass gentechnisch veränderte Organismen (GVOs) nicht patentiert und in der Land- und Forstwirtschaft ausnahmslos gesetzlich verboten werden“, begründet der Initiators Bernhard Kletzenbauer seine Petition. Im Folgenden fasst er noch einmal wichtige Argumente zusammen:

„Unbestreitbare Tatsache ist, daß freigesetzte Organismen nie mehr vollständig aus der Natur rückholbar sind“

„Gifthersteller und große Saatgut-Konzerne streben eine weltweite Monopolstellung an.“

„Die gentechnisch veränderten Pflanzen kreuzen sich mit verwandten Wildpflanzen und mit artgleichen Pflanzen aus biologischem Anbau.“

„Da eine unbeeinträchtigte Koexistenz von natürlichen- und gentechnisch veränderten Arten nicht möglich ist, wären deutsche Bürger am Ende dazu gezwungen, ausschließlich gentechnisch veränderte Landwirtschafts-Produkte zu essen.“

usw.

Leider sollte man von der Petition nicht allzuviel erwarten, denn zu sagen hat der Petitionsausschuss nichts.

Via Viva Vino

Weinrallye 8 und 9

Iris verabschiedet sich in ihren Weinberg und liefert uns zum Abschied die Zusammenfassung ihrer thematisch sehr schön gewählten Weinrallye — es war in der Tat bislang eines meiner Lieblingsrennen und die Zahl der illustren Weinaufkleber hoch. Meine Favoriten sind der im Eis badende Weihnachtsmann, das Verbrecherfoto und der Ausflug in den Zoo. Gefallen hat mir auch der Unoaked Wine, dessen Etikett ganz im Gegensatz zu der Wahl von Thomas und mir steht: Kein Bild, aber plakativ wird auf den Ausbau hingewiesen. wie soll man auch Nicht-Eichenfass in ein Bild fassen?

Die Weinrallye 9 kommt vom Weingut Steffens-Keß und das Thema heißt ganz einfach Alltagsweine. „Beschreibt, welcher Wein Euer Alltagswein im Moment ist. Der Wein für jeden Tag, einfach, unkompliziert und gerade deshalb ein Genuß!“, heißt es in der Ankündigung. Da krieg ich schon ein Problem, weil ich eigentlich nie großere Mengen eines Weins kaufe. Spätestens nach der sechsten Flasche ist er mir langweilig… Aber ich werde einen finden, der ganz allgemein ein guter Alltagswein sein könnte: Nicht zu schwer, nicht zu eigen, passt zu jedem Essen, hält auch in geöffnetem Zustand ein paar Tage, ist nicht peinlich, wenn plötzlich Besuch kommt, nicht zu teuer, ein Weißer eher als ein Roter …

Und hier noch einmal die Übersicht über die bisherigen Weinrallyes:

#1 Inselweine (Winzerblog)
#2 Must-Taste-Weine unter 10 Euro (Weinverkostungen)
#3 Bio-Riesling (Viva vino)
#4 Vulkanweine (Drink Tank)
#5 Sangiovese nicht aus der Toskana (Hausmannskost)
#6 Schaumwein (Schreiberswein)
#7 Alles außer Glas (Kaulwein)
#8 Etikettentrinker (Weingut Lisson)

Blogger interviewt Journalisten

Das Thema Blogger vs. Journalisten treibt ja gerade um, da stoße ich zufällig auf ein Interview in Spreeblick mit dem bloggenden Journalisten Robert Kindermann. Natürlich geht es auch um Blogger vs. Journalisten und er sagt dazu: „Die Diskussion berührt mich eher negativ nervend. Warum gibt es sie überhaupt?“, und weiter: „Die Nutzer wollen bestimmte Infos, also suchen sie danach bei Google und ob sie die nun in einem Blog oder bei spiegel.de finden spielt für die meisten sicherlich keine große Rolle. Hauptsache die Infos sind gut aufbereitet und korrekt.“

In den Kommentaren geschieht dann genau dasselbe wie bei Planet Bordeaux, die Diskussion gleitet ins Polemische ab, woran leider auch der Interviewte nicht ganz unbeteiligt ist. In dem Thema steckt schon eine Menge Zündstoff drin.

Bordeaux-Krieg zieht weite Kreise

Der Bordeaux-Krieg in den Kommentaren eines Artikels auf Planet Bordeaux hat einen reichhaltigen Widerhall in der Blogshäre gefunden. Der Blog hat gestern Abend noch eine Zusammenfassung veröffentlicht.

Schade finde ich, dass der Streit nicht zu einem reinigenden Gewitter geführt hat. Leider hat sich überhaupt keine sachliche Diskussion ergeben, die zu einer Annäherung der beiden Kontrahenten hätte führen können. Das lag im konkreten Fall sicher daran, dass eine der beiden Parteien nicht bereit war, von ihrer Polemik abzurücken. Insgesamt leidet das Kommentar- und Diskussionswesen im alten und neuen Web darunter, dass die Beteiligten sich zu wenig zuhören und nur darauf aus sind, ihre Standpunkte hinauszuposaunen. Das ist zu bedauern, denn schließlich hinterbleibt bei den Lesern ein besser Eindruck der Personen, wenn diese kompromissbereit sind, als wenn sie nur ihre Sturheit für die Ewigkeit hinterlassen.

Weinrallye 8: Eiche innen und außen

Die Aufgabe der aktuellen 8. Weinrallye, ausgerichtet vom Weingut Lisson, lautet: Etikettentrinker. Den Wein fürs Auge sollen wir dieses Mal vorstellen. Nun ergaben sich für mich verschiedene Möglichkeiten.


Ich hätte den Wein mit dem schönsten Etikett, das ich kenne, kaufen können. Daran bin ich gescheitert, denn die Weine von Tomi Ungerer gibt es gar nicht mehr und die von Picasso, Baselitz oder Warhol nur für horrende Summen. (Die Seite The Artist Lables zeigt übrigens die komplette Mouton-Gallerie.)

Daher musste ich mich doch dafür entscheiden, den Wein hier vorzustellen, den ich einmal rein nach dem Etikett gekauft hatte, was selten bei mir vorkommt. Es ist der Dogajolo, ein Toscana IGT 2003. Er hat ein sehr außergewöhnliches Label, das Eichenlaub in Herbstfarben zeigt, und tatsächlich war es Herbst, als ich das erste Mal zu griff. Noch außergewöhnlicher ist, dass es in der Toscana nun zwar Eichen gibt, diese aber nicht unbedingt der Symbolträger Mittelitaliens sind. Soll der Geschmack des germanischen Markts getroffen werden? Oder hat der Wein ein hervorgehobenes Eichenunterholzaroma? Doch dieses hat sich bislang nicht entwickelt.

Erst die deutliche Barriquenote macht klar, wo der Hase lang läuft: Eichenholzfass, Vanille, Karamell, Zigarrenkiste, aber auch noch Leder, Beeren, Kirsche, etwas kompottig, alles recht modern. Der Geschmack hat noch Biss, rauchig-beerig, die Tannine sind samtig, fein im Alter mit seinen fünf Jahre, zwei wären vielleicht noch drin. Der Wein ist trocken, rund und lang. Ein granatroter, schmackhafter, moderner nicht untypischer Toskaner aus Cabernet Sauvignon und Sangiovese. Als begleitendes Essen könnte ich mir ein Kalbsgeschnetzeltes vorstellen.

Bordeaux-Krieg: Weinblogger vs. Weinjournalisten

Derzeit tobt auf den Seiten von Planet Bordeaux ein Streit um einen Artikel in der Welt, der scheinbar ein paar Recherchemängel aufweist. Schnell ist wieder das Kriegsbeil ausgegraben und Blogger fallen pauschal über Journalisten her, während diese nichts besseres zu tun haben, als ihre alte Arroganz auszuspielen. Das ist eigentlich schade, denn beide haben viel gemeinsam. Ein paar Überlegungen von mir als „echtem“ Journalist und begeistertem Blogger:


- Schlechte Recherche ist eine Frage der Persönlichkeit und nicht der Medienform. Wie genau der einzelne Schreiber hinschaut, ist meist in seinem persönlichen Ethos begründet. Da auch die Redakteure nicht alles wissen, rutsch ein schlecht recherchierter Artikel oft durch die Endkontrolle, sofern es die in Zeiten der Sparsamkeit überhaupt noch gibt. Man merkt sich im Laufe der Zeit die Namen der Journalisten oder Blogger, denen man vertraut.

- Beide Medienformen sind nicht unabhängig, man sollte wie immer die Struktur des einzelnen Mediums kennen. Kaum ein Medium wagte es noch, einem großen Anzeigenkunden einen Skandal reinzuwürgen. Noch schlimmer: offene Schleichwerbung ist im Bereich der Fach- und Publikumszeitschriften Gang und Gäbe. Auch bei Blogs gibt es viel mehr Schleichwerbung, als allgemein vermutet, so dass es schon einen Fachbegriff dafür gibt: Virales Marketing. Ein Blogger sollte bei Produktbeschreibungen immer eine kritische, satirische oder ironische Note mit hineinbringen, um diesem Verdacht zuvorzukommen. Selbst wenn der Wein noch so gut geschmeckt hat.

- Beide Gruppen sind auf einander angewiesen. Alle Journalisten, die ich kenne, verwenden Blogs inzwischen als Quelle der Recherche. Umgekehrt verwenden sie immer öfters selbst dieses Medium, um sich jenseits der Interessen ihrer Verleger austoben zu können. Unbedarftere Kollegen fühlen sich vielleicht in ihrer Existenz bedroht, wenn plötzlich alle schreiben können. Das sehe ich aber als unbegründet, denn eine gewisse persönliche Qualität schafft immer einen Vorsprung egal in welchem Medium. Man sollte dann eher Wert auf eine gute Recherche legen.

- Die Trennung zwischen professionellen und Bürgerschreibern wird immer weiter verwischen. Z.B. plant ein großer Verlag unter dem Namen Zoomer (nicht Zoomr) eine kommerzielle Newsseite, auf der sich Beiträge „echter“ und Laienjournalisten mischen.

- Die Unterschiede werden instrumentalisiert. Wer sich selbst zu sehr vom „Blogger“ oder „Journalisten“ scheiden will, zeigt damit, dass er entweder zu viel Respekt vor dem anderen hat, etwa weil er in dem anderen einen Mangel seiner eigenen Fähigkeiten erkennt, oder weil er ein Interesse damit verfolgt (lest mich!) Beides finde ich falsch. Von einem Winzer erwarte ich nicht, dass er schreibt wie ein junger Gott, und von einem professionellen Schreiber nicht, dass er den latinischen Namen jeder Reblaus kennt. Aber der Winzer sollte lesbar sein und der Schreiber so gut recherchieren, dass er keine groben Patzer macht. Den Journalist könnte beim Winzer seines Vertrauens nachfragen, welche Mistreblaus das nun schon wieder ist, und dieser könnte sich bei der Gelegenheit gleich erkundigen, wie man ein Interview strafft und zuspitzt.

- In eigener Sache: Hausmannskost bleibt reichhaltig, trinkfest, stilsicher und insbesondere nach wie vor nichtkommerziell.


 

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