Mit Mephisto aus der roten Hölle

Vor 200 Jahren erschien Goethes Faust. Das ist Grund genug, die folgende Flasche zu öffnen: Ein Faust-Tröpfle Spätburgunder 2005 aus Staufen im Breisgau, wo Faust angeblich sein Ende fand:

Was den Trinker erwartet ist jedoch feurig wie die Hölle selbst, so dass das Tröpfle eher mit Mephisto aus der Unterwelt gekommen ist, um das Homunculus zu erfreuen, als dass es in der kargen Gelehrtenstube den klaren Geist des Magister Faustus benebelt sollte. Denn am Anfang war die Kraft: mit 13,5 Prozent ist er nicht ganz ohne, hat aber genug Statur, um den Alkohol zu stützen. Hinzu kommt eine deutliche Süße, von der die Hexen der Walpurgisnacht noch heute schwärmen.

Die Farbe ist ein helles Kirschrot, die Aromen sind kräftig, sanfte Fasstöne, Karamell, rauchig, Kirschkompott, Cocktailkirsche, Erdbeere, Himbeere, Schokolade, Nougat, Zimt, Nelke, ausgeprägt mineralisch. Im Geschmack eine frische Säure, feurig, aber gut eingebunden, leicht süß, saftig, Johannisbeere, Rauch, weiche Tannine, rund, lang. Insgesamt eben recht feurig und süß, wird von den dichten Aromen aber getragen. Kein schlechter Wein, doch mein Geschmack ist er nicht. Heinrich, mir graut vor Dir…

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