Archiv für Mai 2008

Brunello-Skandal: USA will Importe stoppen

Der Wein-Blog der NY-Times, The Pour, berichtet, dass die amerikanische Regierung darüber nachdenkt, die Einfuhr von Brunello zu stoppen. Das Alcohol and Tobacco Tax and Trade Bureau, das auch für den Import zuständig ist, hat von der italienischen Regierung Informationen über vom Skandal betroffene Brunello-Erzeuger verlangt, diese aber nicht im ausreichenden Maße erhalten. Die Folge könnte ein totales Einfuhrverbot sein, bis eigene Labortests ergeben haben, welche Weine illegal verschnitten wurden.

Bedenklicher an dem Bericht finde ich aber die Tatsache, dass das Brunello-Konsortium in diesen Tagen darüber diskutiert, die Regeln für Brunello aufzuweichen, so dass neben Sangiovese auch Merlot (fruchtiger) und Syrah (dunkler) zulässig wären. Das wäre schade, denn dann verliert der Brunello seinen eigenen Charakter und es wird ein Wein, der sich nicht mehr von den vielen Coca-Cola-Weinen dieser Welt unterscheiden wird, um einen sehr treffenden Begriff von Stuart Pigott zu verwenden.

Chili und Tannine

Irgendwo hab ich mal gelesen, dass gerbstoffreiche Weine zu asiatischem Essen passen, weil sie die Schärfre hervorheben. Eine gewagte These, die es nun zu überprüfen galt. Als Vertreter der Tannine fand sich ein Domaine Santa Duc “Les Plans”, ein Vin de Pay de Vaucluse von 2006. Der Tanningehalt (Grenache, Syrah, Cinsault) des Weins Wein ist so hoch, dass es lohnt, ihn eine Zeit zu lüften. Also ein geeigneter Kandidat für den Test. Für Chili standen vietnamesische Frühlingsrollen Saigoner Stil (cha gio) mit Fisch-Dip (nuoc mam cham). Im Unterschied zu chinesischen Rollen, werden die vietnamesischen aus weißem, durchsichtigem Reispapier gemacht:

20 bis 25 Blatt Reispapier (16 cm Durchmesser)
200 g Hähnchenbrust
100 g Krabben/Garnelen
100 g Süßkartoffeln (oder Möhren)
50 g Reisnudeln
2 Eier
2 El Mu-Err-Pilze
3 Frühlingszwiebeln
Knofi, Salz, Pfeffer

Pilze und Glasnudeln vorher getrennt einweichen. Alle Zutaten bis auf das Reispapier fein Würfeln, bzw. die Nudeln mit der Schere klein schneiden, und alles gut vermengen. Das Rollen geht so: Ein paar Blätter Reispapier in Wasser tauchen und dann auf ein feuchtes Tuch legen. Nach ein paar Sekunden sind sie weich. Einen Wurm Füllung drauf legen, dann von oben einrollen und die Seiten dabei einschlagen. Wenn das Papier wieder etwas trocknet, halten die Röllchen gut zusammen. Nicht aufeinander stapeln, denn sie kleben gut.

Die Zubereitung ist vielfältig: Die Röllchen können roh gegessen werden (dann muss man die Füllung anbraten), oder frittiert oder in einem Dämpfkorb dämpfen (mein Favorit). Alle Varianten sind sehr lecker. Nur noch nicht so richtig scharf. Aber da kommt der Dip ins Spiel:

4 El Vietnamesische Fisch-Sauce (Nouc mam)
2 El Limettensaft
1 El Zucker
zerdrückter Knofi, Chili nach belieben

Das ganze muss noch etwas mit Wasser verdünnt werden. Echt scharf.

Wie passen nun die eingedippten Röllchen zu den Tanninen im Wein? — Überraschend gut! Hätte ich nicht gedacht. Es ist tatsächlich so, dass die Schärfe im Zusammenspiel hervorgehoben wird, was vielleicht nicht jedermanns Sache ist. Aber es beißt sich nicht, die Tannine selbst treten deutlich zurück, so dass der fruchtige Zug (feine Kirsche, Holunderbeere, Johannisbeere) in den Vordergrund kommt. Auch das passt sehr gut zum Asiatischen. Das Wagnis hat sich gelohnt und ist für eine Überraschung für Gäste gut.

Zum Wein, die Farbe ist Rubinrot mit bläulichem Einschlag. Das Aroma intensiv beerig-würzig, neben den oben genannten, Holz, Pfeffer, Rauch. Der Auftakt ist tanninig mit nerviger Säure, trocken, schwer, lang. Nach ein paar Stunden lüften wurde der Knochen zugänglicher. Hat noch Zukunft.

Domaine Santa Duc “Les Plans” 2006
Vin de Pay de Vaucluse
Frankreich/Rôhne

Rot; Grenache, Syrah, Cinsault
13,5 % Alkohol; Ausbau im Holzfass

Weinrallye 11: Fast wie Rot und Weiß

Beitrag zur 11. Weinrallye zum Thema Rosé bei Nikos Weinwelten:

Tja, fast hätte ich über dem schönen Wetter heute vergessen, meinen Text abzuliefern. Wie ich an den fundamental schlechten Besucherzahlen meines Blogs erkenne, haben es viele andere auch nicht an den PC geschafft. Aber da Tom und ich zwei wirklich gute Weine getrunken haben, lohnt sich die kleine Pause im auch ganz angenehm kühlen Arbeitszimmer :-)

Wir hatten nämliche zwei Rosé-Pole, der eine hatte den Charakter eines Weißweins, mit ein paar roten Tönen, und der andere war schon ein Roter, aber eben nur ein bisschen leichter und frischer. Beide kamen nicht aus D, Ö, Südtirol, sondern der Helle vom anderen Ufer des Gardasees, bzw. der Dunkle gleich aus Spanien. Das rundet den Blickwinkel der Rallye vielleicht etwas ab.

Zu den Weinen. Der Chiaretto Rosa Mara von Costaripa stammt aus der Bardolino-Gegend, ist aber ein Garda Classico DOC von 2007. In der Cuveé mischen sich unverdrossen Gropello, Marzemino, Barbera und Sangiovese. Die Farbe ist helles Lachrot, der Duft eher dezent nach reife Erdbeeren, Himbeeren und eine leichte Würze. Die Frucht ist sehr fein und nicht marmeladig. Im Geschmack dominiert eine frische Säure, dazu kommt eine leichte Süße und ein feines Prickeln. Insgesamt rund und lang. Ich konnte weder Barbara noch Sangiovese deutlich erkennen, ganz klar schien mir hingegen die norditalienische Herkunft.

Der andere ist ein Somontano Rosado DO von Enate aus dem Jahr 2006, ein Rosé aus Cabernet Sauvignon. Der ist gleich viel dunkler, helles Rubinrot, und zeigt ein schönes Leuchten. Der Duft ist intensiv nach Erdbeere, Himbeere, aber auch dunklere Beeren, rote Johannisbeere. Dazu kommt eine deutliche Würze nach grünen Kräutern, Liebstöckel, Leder, leicht mineralisch und leicht marmeladig. Der Auftakt ist ebenfalls frisch, ebenfalls ein leichtes Prickeln, aber eine feine Tanninstruktur liegt drunter. Insgesamt rund und lang. Die Sorte kommt gut hervor.

Zufällig sind sich beide Weine in vielen Charakterzügen ähnlich: Die Frische, die Fruchtnoten, die Kohlensäure, aber der eine tendiert eben eher zu Weiß, der andere zu Rot. Der Chiaretto hatte die etwas feinere Frucht, während mir beim Rosado die sanfte Tanninbasis gefiel. Besser hätten wir die Auswahl nicht treffen können.

Die Wahrheit: Wein macht besoffen!

Die skurrile Glosse “Die Wahrheit” in der taz befasst sich heute mit dem Wein in Medizin- und Gesundheitsmeldungen. Da lese ich etwa: “Bei Mäusen hat der Barolo-Stoff allerdings auch erhöhte Resistenz gegen Brustkrebs ausgelöst - bei Mäusen! Hätten Männer in etwa die Konstitution von Mäusen, könnten sie beruhigt weiter trinken.” Mann oder Maus, ein altes Dilemma.

Und auf Touché klicken, nicht vergessen :-)

Abgespeist: Trügerische Landliebe im Discount

Durch eine Pressemeldung wurde ich auf die Seiten der Lebensmittelaktivisten von Foodwatch aufmerksam. In deren aktueller Kampagne geht es gegen Landliebe Landmilch von Campina. Die Kämpfer für bessere Lebensmittel kritisieren, dass Campina für ein Qualitätsprodukt wirbt, den Mehrpreis aber nur in sehr geringem Umfang an die Bauern weiter leitet: “Den Mehrpreis von 50 Cent je Liter gegenüber Discounter-Milch begründe der Campina-Milchkonzern mit unüberprüfbaren Werbeversprechen wie ‘artgerechter Tierhaltung’, ’strengen Kriterien der Babynahrung’ und ‘ausgewählten Bauernhöfen’. Weniger als ein Prozent davon kommt jedoch nach Foodwatch-Recherchen beim Bauern an. “

Gegenüber Spiegel-Online gestand eine Sprecherin von Campina ein, den Bauern nur 37 Cent pro Liter zu geben. Bei dem Aufpreis, den der Kunde bezahlt, wären laut Foodwatch aber 60 gerechtfertigt. Landliebe führt ferner kein Bio-Siegel oder ähnliches, so dass die Versprechen auch keiner staatlichen Kontrolle unterliegen. “Wer Landliebe-Trinkmilch kauft, bezahlt für ein ausgebufftes Marketingkonzept, nicht aber für bessere Milch”, ärgert sich Kampagnenleiterin Anne Markwardt. Wem es ebenso ergeht, kann sich an einer E-Mail-Protestaktion beteiligen.

Auf der Seite Abgespeist von Foodwatch finden sich weiterer Kampagnen. Zum Beispiel wirbt Maggi-Natur-Pur mit “Ohne Geschmacksverstärker”. Dem Produkt ist aber Hefeextrakt zugefügt, der durchaus glutamathaltig ist, aber nicht als Geschmacksverstärker deklariert werden muss.

Oder die sehr beliebte „Extra-Portion Milch“ von Kinderriegeln. Abgespeist hat ausgerechnet, dass ein Kind 13 Riegel für den täglichen Kalziumbedarf essen müsste “und hätte damit dann auch 48 Stück Würfelzucker und ein halbes Paket Butter verspeist.” Gesund ist das wohl nicht.


 

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