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Archiv für August 2008
Medoc-Marathon
Veröffentlicht 21. August 2008 Kost Hinterlasse einen KommentarSchlagworte: Marathon, Medoc
Marathon schaff ich nicht, werd ich wohl auch nie schaffen, aber wenn mich einer reizen würde dann dieser: “Laufen und saufen”, schreibt die SZ. Von Chateau zu Chateau. Im Hochsommer. Nicht zu fassen.
Fragwürdiger Restaurant-Award
Veröffentlicht 21. August 2008 Bloggen und Medien , Wein 2 KommentareSchlagworte: Award of Excellence, Robin Goldstein, Wine Spectator
Iris ist auf einen Blog-Artikel des Weinautors Robin Goldstein gestoßen, der behauptet, den Award of Excellence des Wine Spectators als Farce entlarvt zu haben. Nach eigenen Aussagen hat er ein Restaurant in Italien beim Award eingereicht, das es gar nicht gibt, dann die 250 Dollar Gebühren bezahlt und vom Wine-Spectator ungeprüft die Auszeichnung bekommen. Auf der ebenfalls eingereichten Weinkarte finden sich 15 Kandidaten, die der Spectator selbst extrem schlecht bewertet hat. Leider hat sich Goldstein um keine Stellungnahme des Beschuldigten bemüht, ein journalistischer Fehler.
Die Stellungnahme erfolgte dann im Forum des Spectators, die ein anderes Bild ergibt. So hat Goldstein eine Karte mit 250 Weinen eingereicht, die bis auf die 15 kritisierten sehr gut waren. Und der Verlag hat mehrfach bei dem angeblichen Restaurant angerufen und ist immerhin auf einen Anrufbeantworter gestoßen.
Mir stellt sich die Lage eher so dar, dass ein Weinautor sich selbst auf Kosten eines großen Namens bekannt machen wollte. Dazu passt, dass er die Stellungnahme nicht selbst veröffentlicht hat, sondern ein Kommentator (Nr. 32). Auf dessen Vorwürfe ist Goldstein nicht eingegangen.
Trotzdem finde ich es fragwürdig vom Wine Spectator, einen Award zu vergeben, ohne das Restaurant zu besuchen, selbst wenn es sich nur um die unterste Stufe der Auszeichnung handelt (es gibt noch Best-of- und Grand-Award). Das gibt der Verlag in seiner Stellungnahme offen zu. So eine Auszeichnung ist für meine Begriff nicht viel wert.

Immer teurer — Ende des Qualitätsjournalismus
Veröffentlicht 19. August 2008 Bloggen und Medien 2 KommentareSchlagworte: Bürgerjournalisten, Bloggen und Medien, Die Zeit, Huffington Post, Journalismus, Medien
Die aktuelle Zeit bejammert auf Seite Eins das Ende des Qualitätsjournalismus, der mit den Tageszeitungen stirbt. Schuld sind Online-Dienste wie die Huffington Post in den USA, die nichts für ihre Artikel bezahlen, von Bürgerjournalisten und Bloggern leben und in erster Linie von den klassischen Medien abschreiben, die wiederum teure Korrespondenten in aller Welt bezahlen müssen. Damit nicht genug, stehlen kostenlose Medien den Althergebrachten immer mehr Leser, minus 2,5 Prozent im Jahr, und immer mehr Werbekunden, minus 10 Prozent. Der Artikel findet sich im übrigen nicht auf Zeit-Online.
Soweit die Analyse, die zwar nicht neu, aber richtig ist, jedoch für meine Begriffe nicht den Schluss zulässt, den der Artikel zieht, nämlich dass gute journalistische Berichterstattung mit dem Nachrichtenmonopl der klassischen Medien fällt. Es wundert mich vielmehr, dass so ein Bild aus einem Holzbrinck-Medium kommt, wo dieser Verlag einer der ersten war, der nachhaltig in neuen Medien investiert hat und sich Glanzlichter wie Chefkoch.de oder StudiVZ leistet. Von StudiVZ weiß wirklich niemand, wie es sich einmal finanzieren soll, im Gegensatz zur Community MySpace, die gerade zum Musikhändler mutiert.
Ein paar Gedanken dazu:
- Inzwischen schreiben auch klassische Medien gerne bei Online-Medien ab. Blogs aus dem Ausland sind neben Korrespondenten eine gerne gelesene und oft auch freizügig zitierte Quelle. Bei Fachmedien umso mehr, aus dem Computer- und Weinbereich kenne ich das gut.
- Online-Medien ziehen immer mehr Leser, aber auch Geld an sich. Für Werbetreibende ist es effektiver online zu werben, da es genauer die Zielgruppe trifft und der Rücklauf sehr klar festzustellen ist.
- Ich bin überzeugt, dass bald Korrespondenten nicht mehr nur für den gedruckten Teil eines Mediums arbeiten werden, sondern für den gesamten Titel, on- und offline, so ist es bei vielen eh schon. Auch die Finanzierung wird sich splitten, online dabei zunehmend ab Bedeutung gewinnen.
- Medien wie die Huffingten Post werden über kurz oder lang für ihre besseren Berichterstatter etwas bezahlen müssen. Dass dieses Medium gelesen wird, ist für mich eher ein Zeichen dafür, dass mit der Qualität der klassischen Medien etwas nicht stimmt. Gerade deren immer so hoch gelobte lokale Berichterstattung ist oft unkritisch und mau.
- Fazit: Journalistische Qualität verlagert sich, aber geht nicht mit der Zeitung ein. Gefahren für die Qualität sehe ich weniger durch die Verlagerung an sich, sondern durch die Form. Etwa wenn Christiane zu Salm, Cross-Media-Vorstand bei Burda, auf die Frage: “Wie bringen Sie die Profite dann zum Sprudeln?”, sagt: “Indem wir Commerce, Inhalt und Monetarisierung zusammenbringen. Im Hause Burda bauen wir die Vermarktungsplattform der Zukunft. Wir bündeln so Zielgruppen, verknüpfen Print, Online-Auftritt und E-Commerce. Wer dann auf die Homepage von ‘Elle’ klickt, kann vielleicht eine Designertasche kaufen. Oder bei ‘Meine Familie & ich’ Tischdekoration und Küchengeräte bis hin zur Bratpfanne.” Da ist der Schritt zur Schleichwerbung nicht weit, die ich für eines der Hauptübel des Online-Journalismus halte.
- Besser gefällt mir dieses Zitat aus dem Interview: “Von alten Denkhaltungen müssen wir uns verabschieden. Es werden diejenigen verlieren, die sich hinter ihren Mauern verschanzen, die digitale Welt nicht verstehen, die nicht sehen wollen, wie das Netz die Welt verändert.”
- Also liebe Zeit, Kopf hoch, es zeigt niemand mit dem Finger auf Euch, wenn mal ein Artikel von Euch online steht. Die, die so was stört, finden es eh nicht. Und das Bildugsbürgertum wird auch jünger
Nachtrag: In jetzt-online ist noch ein lesenswerter Beitrag von Heribert Prantl zum Thema.
Friedlicher Wein aus Georgien
Veröffentlicht 15. August 2008 Wein 1 KommentarSchlagworte: Georgien, Kachetien, Mukuzani, Wein
Vor lauter Panzern vergisst man vielleicht, dass Georgien ein altes Weinbauland ist, von dem manche behaupten, hier läge der Ursprung des Weinbaus überhaupt. Als Historiker fällt es mir schwer, so etwas zu glauben, denn dass es keine ältere Überlieferung gibt, heiß nicht, dass die Menschen nicht früher oder zeitgleich woanders Wein kultiviert haben. Zumindest hat sich Georgien eine alte Weinbautradition erhalten, Johnson schreibt etwa, dass mache Winzer ihre Weine noch in Tonkrügen vergären lassen und viele uralte Sorten anbauen. Moderner ausgebaute Weine gehen eher in den Export, wie der vorliegende Mukuzani. “Kachetien (Ostgeorgien), wo zwei Drittel von Georgiens Wein produziert werden, ist seit jeher berühmt für lebendige, schmackhafte Rotweine (von der Saperavi-Traube) und annehmbare Weißweine (Tibaani, Rkatsitel, Gurjaani)”, empfiehlt Johnson.
Russland war einst der Hauptabsatzmarkt für georgischen Wein, infolge des russischen Weinboykotts sucht das Land nach neuen Abnehmern und ist gerade dabei, international akzeptable Standards für seine Weine zu installieren. “Ein funktionierendes System zur Weinqualitäts- und Herkunftsprüfung existiert noch nicht, ist jedoch in Vorbereitung”, liest man in der Wikipedia.
Zwei Flaschen hat mir Vitali Wilhelm vom Online-Shop Phiala geschickt, mit der Bitte sie zu probieren, was ich gerne mache, wenn mich ein Wein interessiert. Der Mukuzani 2004 ist rubinrot, relativ dicht; wuchtige Aromen, würzig-rauchig, Holz, Harz, Nelke, getrocknete Beeren, Wacholder, Pflaumen, Hagebutte, Brombeere, süßlich-karamellig, insgesamt Gewürzkuchen. Kräftiger, warmer Auftakt, frische Säure, sehr deutliche Süße, Beeren, Schokolade, sehr dezente Gerbstoffe, mittelschwerer Körper, langer Nachhall. Er ist 24 Monate im Barrique ausgebaut, aber sicher nicht in französischer Eiche. Insgesamt wirkt er nicht übermäßig elegant oder groß, aber leb- und schmackhaft. Gefallen hat mir die komplexe Würzigkeit der Aromen, etwas weniger Alkohol hätte aber nicht geschadet. Zur Brotzeit haben wir ihn genossen, zu Souflaki oder Nürnberger Würschtl hätte er auch sehr gut gepasst.

Den halbtrockenen Kindzmarauli 2005 stelle ich noch etwas zurück, da ich selbst süße Weine weniger gerne trinke und die richtigen Gäste abwarten muss.
Kachuri Mukuzani 2004
Mukuzani
Georgien/Kachetien
Rot; Saperavi
13 % Alkohol; Ausbau im Barrique
Kachuri Kindzmarauli 2005
Kindzmarauli
Georgien/Kachetien
Rot; halbtrocken; Saperavi
11,5 % Alkohol
Beaujolais 2008/2009 verhagelt
Veröffentlicht 15. August 2008 Wein Hinterlasse einen KommentarSchlagworte: Beaujolais, Hagel, Julienas, Wein
Gerade lese ich, dass in der Nacht vom 7. August ein schwerer Hagelsturm die Ernte in Teilen des Beaujolais ruiniert hat. Betroffen sind insbesondere die Cru-Gebiete Juliénas, Saint-Amour, Chénas und Moulin-à-Vent, sowie das südliche Mâconnais. Der britische Burgunderkenner Clive Coates spricht von tennisballgroßen Eisbrocken, die neben den Früchten die jungen Triebe geschädigt haben, so dass auch die Ernte des nächsten Jahres in Gefahr ist. Mehr konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen.
Das ist tragisch für die Menschen, wenn sie zusehen müssen, wie die Arbeit eines ganzen Jahres in einer Nacht vernichtet wird. Im Münchner Südwesten hagelt es ja auch gerne immer wieder, und letztens hab ich einen Hagelschlag erlebt, der empfindliches Grün wie Kapuzinerkresse komplett kleingehäckselt hat. Wortwörtlich. Schade auch um viele Flaschen Juliénas, immer wieder einer meiner Lieblingsweine.
Via The Pour.
Bohnen und Burgunder
Veröffentlicht 7. August 2008 Kost , Wein 3 KommentareSchlagworte: Bohnen, Burgunder, Hautes Côtes de Nuits, Michel Picard, Rezept, Wein
Heute hab ich Feuerbohnen geerntet, die leider aber nur dann feurig sind, wenn sie rot blühen oder wenn man die Kerne lila ausreifen lässt. Zwischen drin sind es langweilig grüne Bohnen. So wie heute. Am liebsten mag ich sie, wenn sie noch recht jung und zart sind, junges Gemüse eben. In dünne Scheiben geschnitten und in einer Sahnesauce zu Spaghetti.
Zwiebeln
Junge Bohnen
Salbei
Sahne
Sherry
Eine Prise Salz, Zucker, Safran, Chili
Parmesan
Eine ordentliche Menge Zwiebeln klein würfeln, in Öl langsam dünsten, bis sie zerfallen, gelb dürfen sie sein, aber nicht braun. Dann den Salbei und die Bohnen dazu, anziehen lassen, mit einem Schuss Sherry ablöschen, einkochen lassen. Dann die Sahne und die Gewürze dazu, cremig einkochen lassen. Nudeln kochen, abgießen, zurück in den heißen ‘Topf, mit der Sauce und Parmesan vermischen und alles kurz durchziehen lassen.
Zum jungen Gemüse gab es sehr passend jungen Burgunder, einen Hautes Côtes de Nuits 2006 von Michel Picard. Ein feiner, fruchtiger, eher jung zu trinkender Pinot. Kirschrot, hell, schönes Leuchten. Dezentes, feines Aroma, beerig, Kirsche, Erdbeere, Himbeere, auch ein herber Zug, Kakaopulver, Rauch. Im Geschmack ein frischer Auftakt, frische Säure, leicht beerige Süße, volle, reine Beerenfrucht, Burgunder-Schmelz, voll und rund, ganz leichter Biss, langer Abgang. Ein frischer, fruchtiger Wein, nicht gekünstelt und harmonisch. Nix für die Ewigkeit, aber sicher in zwei Jahren noch sehr gut.

Michel Picard Haute Côtes de Nuits 2006
Haute Côtes de Nuits AC
Frankreich/Bourgogne
Rot; Pinot Noir
12,5 % Alkohol
Blog-Trends mit Google Insights finden
Veröffentlicht 6. August 2008 Bloggen und Medien Hinterlasse einen KommentarSchlagworte: Bloggen und Medien, Google Insights, Trends
Mit dem neuen Google-Tool Insights lassen sich sehr schön Such- und Begriffstrends ermitteln. Es ist eine Erweiterung von Google Trends, mit der der Blogger bestimmte Suchen analysieren kann. Z.B. ist das Thema Spargel im Frühling beliebt (wen wundert es?):

Während Schweinsbraten eher ein Winterthema ist, aber schon nicht mehr ganz so deutlich:

Brunello ist an Weihnachten gesucht, mit Ausnahme vom Frühjahr 2008, der Skandalzeit. Der Screenshot zeigt ferner, dass Google die Analyse mit News verknüpft, so dass der Besucher bei bestimmten Kurven erfährt, was zu diesem Zeitpunkt los war:

Auch eine lokale Zuordnung ist möglich, beispielsweise wird “Chateau Lafite” in Hongkong gerne gesucht:

Blogger, die auf Google-Besucher aus sind, können schnell feststellen, wann ein Thema am erfolgsversprechenden ist.
Nachtrag: Stef hat auch ein schönes Beispiel herausgesucht: Pressefreiheit contra Hakenkreuz, nach Bundesländern aufgeschlüsselt. Ist nicht schwer zu erraten, wo die meisten Menschen nach Hakenkreuz suchen…
Josef Joffe on Starbucks
Veröffentlicht 5. August 2008 Kost 3 KommentareSchlagworte: Die Zeit, Josef Joffe, Kaffee, McDonalds, Starbucks
Es ist sehr selten, dass ich mit einem Kommentar von Josef Joffe einer Meinung bin. Daran ändert auch der folgende nichts. Die Kaffeekette Starbucks ist in eine gewisse finanzielle Schieflage geraten, was den Großkommentator der Zeit dazu veranlasst die hoffnungsfrohen Worte auszusprechen: “Ein Kultur-Bruch zum Guten”. Sofort fragt sich der Joffe-Kenner: Mag er etwas nicht, das aus Amerika kommt? Er schreibt weiter: “Zuerst aber muss der Autor sich outen. Der gehört zu den Menschen, die den Latte-Großkonzern nicht schätzen…” Ist er plötzlich ein heimlicher Freund des frischen Espressos von der Bar, frühmorgens in Siena, wenn die Vespas vor der Tür vorbeiknattern? Toskana-Fraktion? Oder tunkt er — wenn ihn keiner beobachtet — sein knuspriges Croissant am liebsten in Café au lait unter Platanen? Frankophil?
Aber gleich wird der Leser wieder enttäuscht, denn der Zeitherausgeber gibt zu verstehen, dass ihm der Kaffee an sich egal ist: Er mag Starbucks nicht, “Zu teuer das Getränk, zu schlicht die Qualität, zu lang die Schlange, zu pseudo die Gemütlichkeit.” — Gemütlichkeit? Kulturbruch? Zurück zum Draußen-nur-Kännchen? Der Meinungsmacher stürzt seine kaffebegeisterten Leser in tiefe Zweifel.
Die Katharsis ist joffemäßig, “Kaffee von McDonald’s sei bei Blindtests besser weggekommen als der von Starbucks. Vielleicht haben die Starbucks-Schlangensteher einfach nur gelernt, dass ein Event nicht das Eigentliche ersetzt: einen guten Kaffee zu guten Preisen. Danke, McDonald’s.” Danke Herr Joffe, dass wir den Kaffee in diesem Kommentar ausnahmsweise nicht im US-Miltärbecher serviert bekommen haben! Ansosten bleibt ja alles beim alten, Sie mögen Amerika bedingungslos und ich lese die Zeit trotzdem
