Immer teurer — Ende des Qualitätsjournalismus

Die aktuelle Zeit bejammert auf Seite Eins das Ende des Qualitätsjournalismus, der mit den Tageszeitungen stirbt. Schuld sind Online-Dienste wie die Huffington Post in den USA, die nichts für ihre Artikel bezahlen, von Bürgerjournalisten und Bloggern leben und in erster Linie  von den klassischen Medien abschreiben, die wiederum teure Korrespondenten in aller Welt bezahlen müssen. Damit nicht genug, stehlen kostenlose Medien den Althergebrachten immer mehr Leser, minus 2,5 Prozent im Jahr, und immer mehr Werbekunden, minus 10 Prozent. Der Artikel findet sich im übrigen nicht auf Zeit-Online.

Soweit die Analyse, die zwar nicht neu, aber richtig ist, jedoch für meine Begriffe nicht den Schluss zulässt, den der Artikel zieht, nämlich dass gute journalistische Berichterstattung mit dem Nachrichtenmonopl der klassischen Medien fällt. Es wundert mich vielmehr, dass so ein Bild aus einem Holzbrinck-Medium kommt, wo dieser Verlag einer der ersten war, der nachhaltig in neuen Medien investiert hat und sich Glanzlichter wie Chefkoch.de oder StudiVZ leistet. Von StudiVZ weiß wirklich niemand, wie es sich einmal finanzieren soll, im Gegensatz zur Community MySpace, die gerade zum Musikhändler mutiert.

Ein paar Gedanken dazu:

- Inzwischen schreiben auch klassische Medien gerne bei Online-Medien ab. Blogs aus dem Ausland sind neben Korrespondenten eine gerne gelesene und oft auch freizügig zitierte Quelle. Bei Fachmedien umso mehr, aus dem Computer- und Weinbereich kenne ich das gut.

- Online-Medien ziehen immer mehr Leser, aber auch Geld an sich. Für Werbetreibende ist es effektiver online zu werben, da es genauer die Zielgruppe trifft und der Rücklauf sehr klar festzustellen ist.

- Ich bin überzeugt, dass bald Korrespondenten nicht mehr nur für den gedruckten Teil eines Mediums arbeiten werden, sondern für den gesamten Titel, on- und offline, so ist es bei vielen eh schon. Auch die Finanzierung wird sich splitten, online dabei zunehmend ab Bedeutung gewinnen.

- Medien wie die Huffingten Post werden über kurz oder lang für ihre besseren Berichterstatter etwas bezahlen müssen. Dass dieses Medium gelesen wird, ist für mich eher ein Zeichen dafür, dass mit der Qualität der klassischen Medien etwas nicht stimmt. Gerade deren immer so hoch gelobte lokale Berichterstattung ist oft unkritisch und mau.

- Fazit: Journalistische Qualität verlagert sich, aber geht nicht mit der Zeitung ein. Gefahren für die Qualität sehe ich weniger durch die Verlagerung an sich, sondern durch die Form. Etwa wenn Christiane zu Salm, Cross-Media-Vorstand bei Burda, auf die Frage: “Wie bringen Sie die Profite dann zum Sprudeln?”, sagt:  “Indem wir Commerce, Inhalt und Monetarisierung zusammenbringen. Im Hause Burda bauen wir die Vermarktungsplattform der Zukunft. Wir bündeln so Zielgruppen, verknüpfen Print, Online-Auftritt und E-Commerce. Wer dann auf die Homepage von ‘Elle’ klickt, kann vielleicht eine Designertasche kaufen. Oder bei ‘Meine Familie & ich’ Tischdekoration und Küchengeräte bis hin zur Bratpfanne.” Da ist der Schritt zur Schleichwerbung nicht weit, die ich für eines der Hauptübel des Online-Journalismus halte.

- Besser gefällt mir dieses Zitat aus dem Interview: “Von alten Denkhaltungen müssen wir uns verabschieden. Es werden diejenigen verlieren, die sich hinter ihren Mauern verschanzen, die digitale Welt nicht verstehen, die nicht sehen wollen, wie das Netz die Welt verändert.”

- Also liebe Zeit, Kopf hoch, es zeigt niemand mit dem Finger auf Euch, wenn mal ein Artikel von Euch online steht. Die, die so was stört, finden es eh nicht. Und das Bildugsbürgertum wird auch jünger :-)

Nachtrag: In jetzt-online ist noch ein lesenswerter Beitrag von Heribert Prantl zum Thema.

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2 Responses to “Immer teurer — Ende des Qualitätsjournalismus”


  1. 1 Flo 20. August 2008 um 11:57

    seh ich ganz ähnlich. das problem wird vor allem sein, dass qualitätsjournalismus sich zukünftig nur ncoh im “schlanken” Medium Internet auch rechnen wird. Print wird eher als Medium für die ganz ganz reichen, oder die ganz ganz armen übrig bleiben.

  2. 2 Tom 20. September 2008 um 16:19

    Ds sollte doch wohl selbstverständlich sein, dass man nur über eine Flasche schreibt, die man selbst getrunken hat.


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