Archiv für Dezember 2009

Kubanisches Festessen nach Leonardo Padura

Nachdem der kubanische Buchhändler Mario Conde ein sehr lukratives Geschäft eingefädelt hat, geht er mit seinen Freunden Josefina und Carlos, dem Dünnen, zu einem weiteren Bekannten, Contreras, in dessen Restaurant. Endlich können sie sich satt essen:

“Der untrainierte Magen von Mario Conde war voll und ganz damit beschäftigt, die erdrückenden Mengen an Lebensmitteln, die sein rücksichtsloser Besitzer in ihn hineinschaufelte, zunächst aufzunehmen und dann zu verdauen. Während Josefina sich mit einem gegrillten Fischfilet, einem farbenfrohen Gemüseteller und einem Becher Mandeleis zum Nachtisch begnügte, stillten El Conde und der dünne Carlos ihren körperlichen und geistigen, ehemaligen und gegenwärtigen Hunger erst einmal mit Austern- und Krabbencocktail, um ihre Geschmacksnerven mit marinen Gaumenfreuden zu animieren, die sich vor langer Zeit in der Erinnerung verloren hatten, und sie darauf vorzubereiten, sich, ersten, auf den von Soßen begleiteten Weg von Fleisch mit Kartoffeln nach klassischer kubanischer Art zu verirren uns sich, zweitens, auf den ölgetränkten Kichererbseneintopf mit Kassler zu stürzen, der sie aus all ihren Poren schwitzen ließ. Dann, als sie sich warmgegessen hatten, wetteiferten sie darin, wer von ihnen mehr Reis mit Huhn verdrücken konnte, serviert in ungeheuren Mengen – an Reis und an Huhn, als freundliche Geste des Hauses –, und schließlich teilten sie sich eine Schinkenpizza, die der Dünne unbedingt haben wollte, um ein angeblich noch vorhandenes Loch zu stopfen, seinen Horror Vacui. Als Schlusspunkt wählten beide eine torreja, getoastetes Brot, in Ei und Milch gewälzt, mit Honig gesüßt und in mit Anis und Limonenschalen gewürztem Sirup gebadet. Und sie weigerten sich auch nicht, liebenswürdig, wie sie sich bei derartigen Gelegenheiten zu zeigen pflegten, den mit Zimt bestreuten Milchreis zu probieren, den der dicke Contreras selbst zubereitet hatte – nach einem Rezept seiner Urgroßmutter, einer dem guten Leben zugetanen Hure aus Andalusien, die mit achtundachtzig Jahren gestorben war, eine Zigarre im Mund und ein Glas Rum in der Hand. Die beiden Flaschen chilenischen Weins von Concha Toro waren geleert, noch bevor der Nachtisch kam, weswegen sie jeder einen doppelten Anejo bestellten, um den Rachen zu putzen und den Kaffee nicht trocken trinken zu müssen. Daraus wurde ein vierfacher Rum, als die Freunde die würzigen Zigarren anzündeten, ein Geschenk des ehemaligen Polizisten Contreras, der sich der Gastronomie verschrieben hatte. Zum krönenden Abschluss des Abends stellte er den Beweis seiner allumfassenden Menschenfreundlichkeit zwischen ihnen und Tinguaro auf den Tisch, und zusammen tranken sie ein Glas Fra Angelico, den er in weiser Voraussicht kalt gestellt hatte. Die Rechnung über siebenhundertachtzig Pesos überraschte Mario nicht, beschloss er den Tag, der am Ende einer der lohnendsten seines Lebens geworden war, glücklich und zufrieden mit einem Verlust von dreihundertachtzig Pesos und der beruhigenden Gewissheit, dass er sich eventuell ein Bein ausreißen konnte, aber niemals reich werden würde…”

Aus: Leonardo Padura, Der Nebel von gestern.

Diverse Ankündigungen

Es tut sich was bei den Wein- und Kochblogs:

1. Die 29. Weinrallye richtet Robert von lamiacucina aus, Thema ist Schweizer Wein. Nicht ganz einfach, die einzige Flasche, die ich für München auf die Schnelle im Netz recherchieren konnte, ist ein Gantenbein für 90 Euro. Nicht mein Budget. Aber wir haben über die Feiertage ja Zeit :-) Termin: 13. Januar.

2. Das 52. Kochblog-Event lautet Soul Food und wird vom  Kleinen Kuriositätenladen veranstaltet. Termin: 15. Januar.

3. Von Vinissimus gibt wieder einen Weinblogger-Kalender, der dieselben Bilder wie letztes Jahr enthält, aber den Kalender von 2010. Auch von Hausmannskost sind ein oder zwei Aufnahmen dabei. Der Kalender hat das PDF- oder Bildschirmschoner-Format.

4. Winzerbloggerin Iris hat mir mitgeteilt, dass Ihre Weine nun von Deutschland aus lieferbar sind. Kontakt über ihre Webseite.

5. Leider, leider: Lars von Schreiberswein hat seinen Blog aufgegeben. Ich habe ihn immer gerne gelesen, seinen sachlichen, phantasiereichen, witzigen und unprätentiösen Stil gemocht.

Und hier wie immer die Übersicht über die bisherigen Weinrallyes:

#28 Adventswein (Weinverkostungen) (Mein Beitrag)
#27 Wein von der Tankstelle (Winzerblog) (Mein Beitrag)
#26 Tipps vom Weinhändler (Go to Rio) (kein Beitrag von mir)
#25 Wein in Literatur und Film (Weingut Steffens-Keß) (kein Beitrag von mir)
#24 Wein von der Nahe (der Ultels) (kein Beitrag von mir)
#23 WinzerInnenwein (Weingut Lisson) (Mein Beitrag)
#22 Regionale Spezialitäten (Winzerblog) (Mein Beitrag)
#21 Deutscher Riesling (Schreiberswein) (kein Beitrag von mir)
#20 Wein zum Fisch, aber nicht trocken und weiß (Hausmannskost 2.0) (Mein Beitrag)
#19 Gespriteter Wein (vinissimus) (Mein Beitrag)

2008
# 18 Deutscher Winzersekt (Nikos Weinwelten) (kein Beitrag von mir)
# 17 Vinologische Osterweiterung (Myexperience4you) (Mein Beitrag)
#16 Weingenuss im Restaurant (Notizen für Genießer) (Mein Beitrag)
#15 Urlaubsweine (Go to Rio) (Mein Beitrag)
#14 Wein zum Grillen (SanoVia) (kein Beitrag von mir)
#13 Bordeaux Blends outside Bordeaux (Planet Bordeaux) (Mein Beitrag)
#12 In Gottes Namen (Winzerblog) (Mein Beitrag)
#11 Alles Rosé (Nikos Weinwelten) (Mein Beitrag)
#10 Chenin Blanc (Originalverkorkt) (Mein Beitrag)
#09 Alltagswein (Weingut Steffens-Keß) (Mein Beitrag)
#08 Etikettentrinker (Weingut Lisson) (Mein Beitrag)
#07 Alles außer Glas (Kaulwein) (Mein Beitrag)

2007
#06 Schaumwein (Schreiberswein) (Mein Beitrag)
#05 Sangiovese nicht aus der Toskana (Hausmannskost 1.0) (Mein Beitrag)
#04 Vulkanweine (Drink Tank) (Mein Beitrag)
#03 Bio-Riesling (Viva vino) (Mein Beitrag)
#02 Must-Taste-Weine unter 10 Euro (Weinverkostungen) (Mein Beitrag)
#01 Inselweine (Winzerblog) (Mein Beitrag)

Nachtrag: Die Zusammenfassung der 28. Weinrallye ist nun online. Ich hab es oben ergänzt.

Kulinarischer Adventskalender, 9. Tag: Pollo alla Marengo

Tag 9: Ein Hähnchen mit Krabben, Pilzen und Rührei. Seltsam aber wahr. Marengo ist ein Schlachtenort Napoleons im Piemont, und angeblich aß der Feldherr dieses Gericht am Vorabend seines Siegs über Österreich am 14. Juni 1800. Wie die Überreste einer Schlacht wirkt auch das gleichnamige Pollo mit allen möglichen, verschiedenen Teilen darauf, und im ersten Moment dachte ich mir, mit so einem Essen im Bauch würde ich auch alles kurz und klein schlagen.  Aber trotz der ungewöhnlichen Kombination oder gerade deshalb hat es uns sehr gut geschmeckt.

1 Hähnchen

Eine Handvoll Krabben

4 Eier

250 g Champignons

200 g Schalotten

500 g geschälte Tomaten (Pelati)

Eine Zitrone

1/8 l Weißwein (der, dem man zum Essen später serviert)

1/8 l Hühnerbrühe

Öl

Knofi, Petersilie, Lorbeer, Pfeffer

Als Beilage (Unterlage): getoastetes oder geröstetes Weißbrot

huhn1

Das Hähnchen wird zerteilt und in der ersten Pfanne angebraten. Das Brüstchen sollte gar sein und wird warm gestellt. Den Rest mit Wein, Brühe, Pelati ablöschen und mit Knofi, Petersilienstengeln, Zitronenschale, Pfefferkörnern und Lorbeerblättern würzen. Eine Dreiviertelstunde ziehen lassen. In einer weiteren Pfanne Zwiebel und Pilze anbraten. Mit Zitronensaft, Pfeffer und Petersilie würzen. In einem dritten Topf die Garnelen in Wasser und Zitronensaft ein paar Minuten kochen. Wenn die Geflügelteile gar sind, legt stellt man sie warm, reduziert die Sauce und fügt die Pilze dazu. In der jetzt leeren Pilzpfanne wird schließlich das Rührei angefertigt. Alles hübsch auf den Brotscheiben servieren.

huhn2

Als Wein hat uns sehr gut geschmeckt ein Bianco di Custoza 2008 von Zeni aus dem Bardolino-Gebiet in Norditalien. Er besteht in erster Linie aus der Garganega-Traube, entspricht somit weitgehend dem bekannteren Soave und ist ein sehr feiner Trink- und Tischwein. Mit zurückhaltender Säure, aber vollen, frischen, feinen, fruchtig-blumigen Aromen. Er ist so kräftig, dass er den verschiedenen Aromen des Essens harmonisch einen weiteren Aspekt hinzufügen kann.

28. Weinrallye: Gloria in excelsis deo

Et in terra pax hominibus bonae voluntatis. Frieden auf Erden wünschen sich die Menschen im Advent, vielleicht an einem friedlichen Abend daheim bei Kerzenschein mit einem guten Glas Wein. Eine passende Flasche dafür sucht Weinverkoster Thomas für die 28. Ausgabe der Weinrallye: Adventswein oder Wein zum Christstollen. Das Thema hat mich vor ein größeres Problem gestellt, denn ich mag zwar Christstollen, backe ihn mit zweifelhaftem Erfolg in manchen Jahren auch selbst, aber ich mag eigentlich keinen Wein, der zu Christstollen oder Lebkuchen passen könnte. Also Glühwein oder sonst irgendwie einen natürlich oder künstlich gesüßten.

Daher sah ich mich nach einer Stollenalternative um und wurde im Veltlin fündig. Dort gibt es ein Bisciola genanntes Brot mit Feigen, Nüssen und Pinienkernen, von dem die eine Variante allerdings auch dem Christstollen ähnelt, süß ist und Orangeat etc. enthält. Die andere Variante hingegen ist dunkel, aus Roggenteig und eben wie Brot. Die passte dann auch zu meinem Wein.

Vorteig
300 g Roggenvollkornmehl
40 g Sauerteig
240 g Wasser

Hauptteig
325 g Weizenmehl 550
Ca. 150 g Wasser
12 g Hefe
10 g Zucker
15 g Salz
30 g Öl
60 g Walnüsse, grob zerstoßen
60 g Ganze, ungeschälte Mandeln
50 g Getrocknete Feigen
20 g Pinienkerne
Schale von einer Zitrone
Zerstoßene Koriandersamen

Vorteig zusammenrühren und über Nacht gehen lassen, bis er sich aufbläht und rissig wird. Für den Hauptteig die Nüsse mit wenigem kochenden Wasser übergießen und sofort wieder abschütten. Alle Zutaten zu einem schönen Teig kneten. Ein halbe Stunde gehen lassen, dabei immer wieder durchschlagen. Dann zwei Brote formen, je nach Gusto und auf einem Backblech lange gehen lassen, drei bis vier Stunden, bis die Oberfläche schön wollig ist. Bei 230 Grad mit einem Schuss Wasser in den Ofen, dann Temperatur auf 210 fallen lassen. Je nach Form 45 bis 60 Minuten backen.

Eigentlich passt jeder Wein dazu. In der Adventszeit mache ich gerne die etwas besseren Flasche auf, und zum Bisciola fiel meine Wahl auf einen Chateau Gloria von 2001. Er ist Granatrot, hat ein wahrhaft wuchtiges Aroma, fleischig, medoc-erdig, getrocknete Beeren, dann Frucht, Kirsche, Beeren, Pflaume, etwas Rauch,  Edelholz, auch ein leicht unreifer und grüner Paprikaton. Der Auftakt ist mild, mit sanften, üppigen Aromen, Tomate, Johannisbeere, aus dem Hintergrund erscheint ein leichter Biss mit guter Säure. Die Frucht nahm im Lauf des Abends zu, der Wein ist noch nicht auf dem Höhepunkt (wie ich ihn mag). Johnson hat ihn auf “jetzt bevorzugt trinken” gesetzt, das halte ich für übertrieben. Ein ganz großer Medoc jedenfalls.



Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.