Archiv für April 2010

Weinrallye 32 und 33

Iris hat die Ergebnisse der 32. Weinrallye zusammengefasst, eine kleine Weltreise mit Pinot Noir. Die nächste Etappe führt uns zu den Aromasorten, all die, die Vinissimus gut riechen kann.

Inzwischen gibt es auch eine Weinrallye-Facebook-Gruppe, die neue Themen und Ergebnisse präsentiert. Offizielle Anlaufstelle ist nach wie vor Thomas, der für den Herbst noch Rallye-Ausrichter sucht. Und wie immer folgt die Übersicht über die bisherigen Weinrallyes:

#32 Pinot Noir (Weingut Lisson) (Zwei Beiträge von mir)
#31 Faszination Wein (Bernhard Fiedlers) (kein Beitrag von mir)
#30 Naturwein (Social Wine) (kein Beitrag von mir)
#29 Schweizer Wein (lamiacucina) (kein Beitrag von mir)

2009
#28 Adventswein (Weinverkostungen) (Mein Beitrag)
#27 Wein von der Tankstelle (Winzerblog) (Mein Beitrag)
#26 Tipps vom Weinhändler (Go to Rio) (kein Beitrag von mir)
#25 Wein in Literatur und Film (Weingut Steffens-Keß) (kein Beitrag von mir)
#24 Wein von der Nahe (der Ultels) (kein Beitrag von mir)
#23 WinzerInnenwein (Weingut Lisson) (Mein Beitrag)
#22 Regionale Spezialitäten (Winzerblog) (Mein Beitrag)
#21 Deutscher Riesling (Schreiberswein) (kein Beitrag von mir)
#20 Wein zum Fisch, aber nicht trocken und weiß (Hausmannskost 2.0) (Mein Beitrag)
#19 Gespriteter Wein (vinissimus) (Mein Beitrag)

2008
#18 Deutscher Winzersekt (Nikos Weinwelten) (kein Beitrag von mir)
#17 Vinologische Osterweiterung (Myexperience4you) (Mein Beitrag)
#16 Weingenuss im Restaurant (Notizen für Genießer) (Mein Beitrag)
#15 Urlaubsweine (Go to Rio) (Mein Beitrag)
#14 Wein zum Grillen (SanoVia) (kein Beitrag von mir)
#13 Bordeaux Blends outside Bordeaux (Planet Bordeaux) (Mein Beitrag)
#12 In Gottes Namen (Winzerblog) (Mein Beitrag)
#11 Alles Rosé (Nikos Weinwelten) (Mein Beitrag)
#10 Chenin Blanc (Originalverkorkt) (Mein Beitrag)
#09 Alltagswein (Weingut Steffens-Keß) (Mein Beitrag)
#08 Etikettentrinker (Weingut Lisson) (Mein Beitrag)
#07 Alles außer Glas (Kaulwein) (Mein Beitrag)

2007
#06 Schaumwein (Schreiberswein) (Mein Beitrag)
#05 Sangiovese nicht aus der Toskana (Hausmannskost 1.0) (Mein Beitrag)
#04 Vulkanweine (Drink Tank) (Mein Beitrag)
#03 Bio-Riesling (Viva vino) (Mein Beitrag)
#02 Must-Taste-Weine unter 10 Euro (Weinverkostungen) (Mein Beitrag)
#01 Inselweine (Winzerblog) (Mein Beitrag)

Pinot Noir mit Paul Flora

Er hätte eigentlich zur Weinrallye letzte Woche gepasst, und er ist ein schönes Beispiel für einen Etikettenwein. Denn dieses stammt vom letztes Jahr verstorbenen Karrikaturisten Paul Flora. Einen würdigen Wein hat er sich ausgesucht, den Trattmann 2006 von Girlan aus Südtirol (Alto Adige Pinot Noir Riserva DOC). Sehr fein und edel und leider nicht ganz billig.  Dafür verschwenderisch an Aromen, wuchtig, fein-würzig, mineralisch, edles Holz, feine Beeren, Kirsche, Zitronenschale, Rose, Anis, Schokolade. Der Geschmack ist nicht weniger aufregend. Voluminös, bombastisch, aber nicht fett, aromatisch, aber nicht kitschig und kräftig, aber nicht beißend. Tiefgründig und lang. Tannine und Alkohol (13,5%!) sind komplett eingebunden. Vom Alter würde ich sagen, er ist eher noch jung. Auch der lange Korken weist auf ein gutes Lagerpotential hin.

Die taz schreibt nicht mehr die Wahrheit

Was mach ich denn jetzt bloß?

Weinrallye 32: Fränkisches Erdbeerbonbon

Vorweg: Geht es Euch auch so, man kommt nach draußen, das Wetter ist ja ganz schön die Tage, und irgendetwas fehlt. Man merkt nicht genau, was es ist, nur ein unbestimmtes Gefühl, bis man in den Himmel blickt und feststellt, es fliegen keine Flugzeuge. Wir liegen nicht gerade in einer Einflugschneise, aber dennoch spüren und genießen wir die Ruhe. Geht Euch das auch so?

Aber nun zum Thema. Die 32. Weinrallye, ausgelobt von Iris vom südfranzösischen Weingut Lisson, hat die zickigste Weinsorte der Welt zum Thema, den Pinot Noir. Im besten Fall ergibt es den besten und teuersten Wein der Welt, den großen Burgunder, und im schlechtesten Fall den schlechtesten, einen faden, sauren Spätburgunder. Kaum eine Sorte umfasst solch eine Qualitätsspanne. Schlimm finde ich, dass die Kellermeister oft mangelnde Substanz im Pinot durch zu viel Alkohol oder Zucker ausgleichen wollen. Der schon vorgeglühte Kneipenbesucher mag drauf reinfallen, ich mag beides nicht.

Ausgesucht hab ich mir eine Flasche Nordheimer Vögelein von der Winzergenossenschaft Nordheim aus dem Jahr 2003. Er stellt gewissermaßen einen Zwitter dar, er hat die Substanz und war mir dennoch zu süß. Das ist wahrscheinlich dem Jahrhundertsommer 2003 geschuldet. Insgesamt ist er auf dem absteigenden Ast, die Räder gehen ins Ziegelrote und im Aroma findet sich schon etwas welkes Laub. Hinzu kommen Rauch, Erdbeeren, Cocktailkirschen, Rose. Im Geschmack ist er mild, opulent, wieder Erdbeere, etwas Hagebutte und Tomatenkonfitüre. Dass er ziemlich süß war, obwohl trocken auf dem Etikett steht, brauch ich nicht noch mal zu erwähnen. Als Ausgleich findet sich eine akzeptable, geschmeidige Säure, sodass der Wein durchaus noch gut trinkbar ist und nicht ohne Genuss, wenn man ihn als Bonbon mag. Leicht gekühlt schmeckt er am besten.

Bärlauchleber

Die Übung ist einfach, das Ergebnis gigantisch: gebratene Leber mit frischem Bärlauch. Man nehme eine Hühnerleber, brate sie auf kleiner Flamme circa zehn Minuten in der Pfanne, salze und pfeffere sie (bei Leber immer am Schluss), nehme sie vom Feuer und bestreue sie mit frischem Bärlauch. Ein Genuss. Je frischer die Leber, desto zarter gelingt sie.

Online-Dienst bekommt Pulitzer Prize

Erstmals erhält ein Online-Medium den berühmten Pulitzer Preis, seit 1917 die höchste Auszeichnung im amerikanischen Journalismus. Die Columbia-Universität ehrte gestern in New York die Reporterin Sheri Fink für einen Artikel über die Ereignisse im Memorial Krankenhaus in New Orleans während des Hurrikans Katrina. Er trägt die Überschrift Deadly Choises, erschien im Online-Magazin Pro Publica und entstand in Kooperation mit dem NY-Times Magazin, das den Artikel später ebenfalls abdruckte.

Das zeigt für mich, dass Online-Journalismus an Qualität gewinnt und diese auch Anerkennung findet. Gute Journalisten lehnen das neue Medium nicht ab, sondern sehen es als gleichwertige Chance, ihre Arbeiten zu publizieren. Außerdem kommt der Online-Journalismus in der Normalität an, so dass sich der dämliche Streit, wer den besseren Job macht, bald erübrigt.

Pressfleisch statt Schinken

Dass billiger Schinken aus Pressfleisch besteht, ist allgemein bekannt. Das heißt, der Hersteller klebt Fleischreste zu Formfleisch zusammen. Soweit so gut oder schlecht, solange es auf der Schachtel steht. Dass das oft nicht der Fall ist, hat nur der NDR herausgefunden. In vielen Lebensmittelmärkten findet sich Nuss- oder Lachsschinken, der sich in der Analyse als Pressfleisch herausstellte. „Einige Hersteller, darunter die Großfabrikanten Wiltmann und Berschneider, setzen bei den von Markt getesteten Schinken also offenbar darauf, kleinere Fleischstücke zu ganzen Schinkenscheiben zusammenzukleben. Das gleiche Ergebnis auch bei geräuchertem Putenlachsschinken von Gutfried“, heißt es in der Meldung. Wen hätte es gewundert, muss man leider sagen.

55. Kochblog-Event: Leberkäse ohne nix

Seelensturm veranstaltet das 55. Kochblog-Event: ohne. Ein Essen, bei dem eine zentrale Zutat fehlt.

Das können die Bayern echt klasse, denn der bekannte Leberkäse enthält keine Leber, und er ist auch keine Käse. Leberkäse ohne Leber und ohne Käse also. Die Eigenherstellung mit Eis als Emulgator (siehe dieses Interview) habe ich mir bislang erspart. Ohne Emulgator wird der Leberkäse eher ein Hackbraten. Ein Rezept habe ich gefunden, das Milch als Emulgator verwendet. Es vermischt 600g Schweineschulter, 150g rohen Speck, 3/8l sehr kalte Milch, 5g Pökelsalz (damit das Brät sich nicht verfärbt) und Gewürze. Probiert habe ich es nicht, ich kaufe immer beim Metzger Leberkäse zum Aufbacken, das klappt sehr gut und schmeckt hervorragend. Zum Leberkäse isst man übrigens im Allgemeinen keinen süßen Senf, den gibt es nur zu Weißwürschten.

Dobosch-Torte

Selten zu finden ist die Dobosch-Torte, deren Rezept in der Familie meiner Frau seit Generationen von siebenbürgischer Urgroßmutter zu siebenbürgischer Urgroßmutter tradiert wird. Das Prinzip ist einfach, ein paar Tortenböden, dazwischen Schokoladencreme. Wenn man es feiner machen will, setzte man das Ganze auf einen Mürbteigboden, was der Torte etwas mehr Stand verleiht. Damit will ich Euch gar nicht langweilen. Der Witz liegt nämlich in der knusprigen Karamellkruste.

Ein Wort also zum Karamell. Geschmolzener Zucker, je länger er köchelt, desto dunkler wird er, desto fester am Ende und desto schneller wird er hart, was die Verarbeitung insgesamt deutlich erschwert. Heller Karamell eignet sich zum Glasieren, dunkler zum Färben von Brühen oder Saucen. Bei der Dobosch-Torte liegt das Problem darin, dass man eine große Fläche mit Karamell bestreichen muss und diese teilen sollte, bevor der Guss hart wird, denn sonst bricht er beim Portionieren.

Wir sind dazu übergegangen, den letzten Tortenboden aufzusparen und vor dem Karamellisieren in Stücke zu teilen. Außerdem bereiten wir den Zuckerguss in zwei Portionen, je 75 Gramm Zucker. Gekocht wird der Zucker mit einem Teelöffel Zitronensaft in einer schnell Wärme leitenden Edelstahlkassarolle. Email oder Gusseisen eignet sich nicht. Der Zitronensaft (oder Essig) bewirkt, dass der Zucker sich etwas löst, beim Kochen weniger klumpt und etwas länger weich und verarbeitbar bleibt. Wenn er die gewünschte Farbe erreicht hat, gießt man ihn über die Teigstücke und verstreicht ihn sofort. Zu zweit tut man sich leichter.

Anschließend legt man die perfekt glasierten und geschnittenen Stücke auf die Torte. Das Ganze lässt man im Kühlschrank etwas durchziehen…



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