Archiv für September 2010

Hamburger Weinernte 2010 komplett geklaut

In Hamburg gibt es einen Weinberg mit hundert Rebstöcken, den Stintfang. Darauf produziert die Bürgerschaft fünfzig Flaschen jedes Jahr, die nicht  in Verkauf kommen, sondern an offizielle Gäste und Prominente verschenkt werden. Vor ein paar Tagen, als die Ernte der Trauben anstand, erlebten die Weinmacher eine böse Überraschung: Jemand hatte die Trauben bereits fast komplett geerntet, berichtet der NDR. Nur ein Wäschekorb blieb übrig, der nun an eine soziale Einrichtung verschenkt wird.

Auflösung Suchbild: Schwein mit Igel

Unten seht Ihr die Lösung des Rätsels. Hase und Igel wären natürlich schöner gewesen, aber einen Terracottahasen habe ich nicht. Der Igel hat sich bislang leider auch nicht in der Hecke eingenistet, wie wir gehofft hatten. Vielleicht habe ich ihn mit der vielen Blitzerei verschreckt!

Lebensgefährliches Bloggen

Ich bin zwar selten politisch hier, aber schätze es dennoch sehr, schreiben zu können, was ich mag. Außerdem darf ich lesen, was andere ohne Einschränkungen schreiben können, gerade, wenn sie die Mächtigen aus Politik und Wirtschaft beobachten und kritisieren.  In anderen Ländern kann das Bloggen lebensgefährlich sein. Der Weißrusse Oleg Bebenin hat es mit dem Leben bezahlt und der Iraner Hossein Derakshan sitzt in der Todeszelle.

Kochblog-Event 61: Currywurst ohne Ketchup

Fertigprodukte nachgebaut, industriell kontra Handarbeit, Genuss statt Junk-Food. Das ist die Aufgabe des 61. Kochblog-Events.  Als ich das Thema gelesen habe, fiel mir sofort ein Plan wieder ein, den ich schon seit Längerem gedanklich verfolge. Ich bin nämlich ein großer Freund der Curry-Wurst, immerhin habe ich zehn Jahre im Pott gelebt. Allerdings hasse ich Ketchup, da es fast ausschließlich aus Zucker besteht. Im Supermarkt habe ich mir letzte Woche noch einmal die Zutatenliste auf einer Ketchupflasche eines namhaften Herstellers durchgelesen. Nach Tomaten kommt sofort Zucker und dann Glukosesirup, auch Zucker also. Die Zutatenlisten von Lebensmitteln müssen nach Anteil sortiert sein, das wisst Ihr ja. Irgendwann kommt Worcestershire-Sauce, die genauso überflüssig ist, wie ihre Schreibweise.

Gesucht ist also eine Currysauce, nicht osterhasensüß, würzig stattdessen, mit echtem Curry-Geschmack und dennoch passend zur Bratwurst (etwas Ähnliches habe ich hier bereits einmal versucht). Die Basis meiner Currysauce ist eine Tomatenpaste, gekocht aus Tomaten, Tomatenmark oder fertig passierten Tomaten. Ich habe ein paar Zwiebeln scharf angebraten, kurz etwa die gleiche Menge Ingwer dazugegeben und das Ganze mit Sherry und etwas Brühe abgelöscht. Etwas reduzieren, dann die Tomaten zufügen. Den Sugo eine Stunde auf kleiner Flamme dick einkochen, gewürzt mit Lorbeer, Nelken, Zitronenschale, einem Spritzer Zitronensaft und … ja, einer Priese Zucker, vielleicht drei Gramm und nicht 120.

Wenn der Sugo dickflüssig ist (wie Ketchup), wird er abgeseiht und noch einmal gewürzt, mit Curry. Ich habe Currypaste verwendet, deren Geschmack weitaus intensiver ist, als der des Pulvers. Dann kamen noch etwas klein gehackte Lime Pickles und ordentlich frisch gestoßener Zimt dazu. Ingwer, Currypaste und Lime Pickles sind meist recht scharf, wenn nicht muss etwas Chili in die Sauce.

Diese Mischung fand ich sehr gelungen, nicht süß und pampig, sondern würzig, orientalisch, frisch durch die Zitronenschale und die Lime Pickles, ein bisschen scharf durch den Ingwer und sehr gut passend zu Bratwürsten. Hier noch mal der Einkaufszettel:

Eine kleine Zwiebel
Ebenso viel Ingwer
Ein Schuss Sherry und etwas Brühe
Ein Paket passierte Tomaten
Zitronenschale
Ein Spritzer Zitronensaft
Lorbeerblätter
Ein paar Nelken
Ein paar Löffel Curry-Paste
Ein Esslöffel Lime Pickles
Ein gutes Stück Zimt, frisch gestoßen
Eventuell Chili
Mit Röstzwiebeln servieren

Eine Flasche Wein gab es auch dazu, einen Chardonnay aus Australien, genau das Richtige zum gehobenen Fast Food. Ein Tyrrell’s Old Winery von 2008. Intensiv, blumig-fruchtig, Birne, etwas Wiese, nussig, Melisse. Mild im Auftakt, voll und cremig am Gaumen, harmonisch, eher modern, sehr schmackhaft und süffig. Die 13 Prozent sind gut eingebunden.

Tyrrell’s Old Winery Chardonnay 2008
Australien/Hunters Valley

Weiß; Chardonnay
13 % Alkohol

Wutausbruch eines Küchenchefs

Verleger fordern Google-Abgabe

Auf dem Zeitungskongress in Essen forderte der Präsident des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger, Helmut Heinen, erneut ein sogenannte Leistungsschutzrecht von den Suchmaschinenbetreibern. Dabei geht es darum, dass Google selbst keine Inhalte produziert, aber auf dem deutschen Online-Werbemarkt über fünfzig Prozent der Einnahmen kassiert. Die Firma hat sozusagen ein leichtes Spiel, während die anderen harte Leistung erbringen. Über eine Lex-Google soll sicher gestellt werden, dass die Leistungsbringer an den Einnahmen derer teilhaben, die durch aufgesetzte Dienste Geld erwirtschaften.

Als Produzent von solchen Inhalten stehe einer derartigen Forderung prinzipiell nicht negativ gegenüber. Es wird zwar oft eingewandt, dass gerade Google den Online-Diensten die Besucher bringt und deren Geschäft erst ermöglicht. Das ist auch richtig, die meisten Besucher der allermeisten Online-Auftritte kommen über Google oder andere Suchmaschinen. Aber umgekehrt kann auch nur Google leben, wenn es im Internet Inhalte gibt, Texte, Bilder, Videos usw. Denn ohne Dinge, nach denen man suchen kann, macht auch die Suche selbt keinen Sinn. Und die Erstellung dieser Dinge kostet Geld, wenn sie nicht gerade aus Lust und Liebe in einen nichtkommerziellen Blog entstehen.

Google und Verlage leben also in Symbiose, und hier ist, für meine Begriffe, der monetäre Ausgleich in Schieflage geraten. Wer wann wie wo Schuld daran ist, möchte ich jetzt nicht diskutieren, aber es muss eine Lösung gefunden werden, denn dass bei Google die Einnahmen und Ausgaben ebenfalls aus der Balance geraten sind, ist mehr als offensichtlich. Sprich, der eine verdient derzeit zu viel, der andere zu wenig.

Ob als Gegenmaßnahme nun ein Leistungsschutzrecht sinnvoll ist oder etwas weniger Bürokratisches, sei dahingestellt, aber irgendeinen Ausgleich sollte es geben.

Igelbloggen am Mittwoch: Suchbild mit Igel

Igelbloggen am Mittwoch:

Im folgenden Bild haben wir einen Igel versteckt (Nein, er sieht nicht aus wie ein herzallerliebstes Terracottaschwein!)

Die Auflösung gibt es übermorgen.

Waldpilze

Mir wurde schon erzählt, dass dieses Jahr die Wälder voller Pilze sind. Als ich die Massen gesehen habe, war ich dennoch überrascht. An manchen Stellen ist das Unterholz übersät mit riesigen gelben Trichtern, dichte Hexenringe ziehen Kreise zwischen den Bäumen, auf jedem morschen Stumpf  drängen sich Kolonien an kleinen Hütchen zusammen und unter jedem Baum klappt der Sammler das Pilzbuch wieder auf, weil er eine weitere Sorte entdeckt hat. Während eines kurzen Spaziergangs haben wir gefunden:

Schopftintling, Fichtenreizger, Espen-Rotkappe, Stäubling und den Violetten Rötelritterling (einer meiner Lieblingspilze. Der blumige Duft hält sich auch in der Pfanne). Pech hatte ich mit den Täublingen, alle waren ungenießbar. Normalerweise finde ich immer einen guten :-)

Die wichtigsten Regeln beim Pilzesammeln kennt Ihr ja!

- Alle tödlich giftigen Pilze kennen (Knollenblätterpilz, Rauköpfe, Gifthäubling, Lorchel…)

- Verwechslungen kennen: Champignon-Knollenblätterpilz, Stockschwämmchen-Gifthäubling, Morchel-Lorchel

- Pilze immer lange kochen (15-20 Minuten), nur die wenigsten lassen sich roh essen (Steinpilz, Pfifferling, Champignon)

- Pilzgerichte nie aufheben, die Zersetzung setzt schnell ein.

Ich sammle zwar auch mit Bestimmungsbuch, sonst lernt man nie neue Sorten kennen, bin aber sehr großzügig beim Aussortieren: im Zweifel gegen den Angeklagten.

Pissaladière und Bergerac Blanc

Weißweine aus dem Midi, dem französischen Süden, heißt das Thema der 37. Weinrallye im Baccantus-Blog. Ich hab das Bergerac hier mit hineininterpretiert, es ist ja nicht Bordeaux, grenzt aber dort an, und viele Weine gelten im Charakter ähnlich. Aber sie sind etwas billiger. Ein Wein, den ich mir gerne gelegentlich kaufe, ist der Château des Eyssards. Er besteht ganz klassisch aus Sauvignon Blanc und Sémillon, den beiden Sorten der weißen Bordeauxweine. Sein Stil ist eher modern, er hat 13,5 Prozent Alkohol, die aber geschmacklich gut eingebunden sind. Was mir bei einem Wein dieser Klasse gut gefällt, ist der Schraubverschluss, den der Eyssards im Jahrgang 2009 nun hat, und der also auch in Frankreich Einzug nimmt.

Der 2009 ist fast noch ein bisschen jung, am besten schmeckt er mir etwa drei Jahre alt. Er leuchtet attraktiv, Hellgold, das Aroma ist intensiv fruchtig-würzig, viel Stachelbeere, Ananas, grüne Haselnuss, Blüten, leicht mineralisch. Der Auftakt ist mild, voluminös, feinfruchtig, eine deutliche Süße zeigt sich, auch vom Alkohol. Lang im Abgang, nicht der eleganteste Weiße aus dem Süden, den ich kenne, aber sehr schmackhaft. Und wie gesagt, noch einen Tick zu jung, es fehlt der Schmelz.

Château des Eyssards 2009
Bergerac Blanc AC
Frankreich/Sud-Ouest

Weiß/Sauvignon Blanc, Sémillon
13,5% Alkohol, kein Fass

Rezept: Pissaladière
Dazu gab es eine Nizza-Pizza, die Pissaladière. Statt einer Grundsauce aus Tomaten bekommt sie einen Belag aus eingekochten Zwiebeln. Darauf liegen in der puren Form nur Anchovis und schwarze Oliven. Ich habe zwei dicke Gemüsezwiebeln für einen runden Fladen gerechnet, das war aber etwas knapp, denn das Gemüse schrumpft ordentlich ein. Also, pro Fladen:

3 Gemüsezwiebeln
Thymian
Lorbeer
Eingelegte Anchovis (kurz gewässert und abgetrocknet)
Schwarze Oliven (am besten aus Nizza)
Knoblauch

Pizzateig wie hier, wobei ich inzwischen das Öl weglasse, damit die Pizza knuspriger wird. Während der Teig geht, kocht man die Zwiebeln mit Thymian und Lorbeer etwa eine Stunde ein, wobei sie nicht braun, sondern nur gelb werden sollen. Dabei setzt sich etwas Wasser ab, das ich noch in den Teig geknetet habe. Einen Fladen formen, mit Zwiebelmasse belegen, dann Anchovis, Oliven und Knoblauchschnitze darauf. Kurz so heiß wie möglich backen. Bei uns mit gewölbtem, aber durchaus wohlschmeckendem Ergebnis:

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Saubloggen: Jäger erlegt Hausschwein

Saubloggen am Mittwoch: Wenn die Sau es zu wild treibt, endet sie als Wildsau mit einer Kugel im Bauch. So erging es einer wild zwischen den Pferden auf der Koppel tollenden Sau, sodass der angrenzende Jäger Rosa für Schwarz sein ließ und abdrückte, in Richtung Sau, Pferde und Bauernhaus. Das berichtet die Siegener Zeitung. Glück, dass der Waidmann nur die arme Sau traf. Pech, dass die Besitzer sie fachgerecht tierkörperentsorgte, denn der um den Braten betrogene Jagd-Boss beschuldigt sie nun der Eigenschweinwilderei. Die Jagdbehörde (gibt es so was?) findet das echt ok. So geht es ab in Friesenhagen!

Saufutter: Italienisches Brot

Saufutter: Es gibt eine neue Rubrik bei Hausmannskost. Ich hab immer brav über Dinge geschrieben, die mir gefallen oder geschmeckt haben, und selten über Sachen, die mich ärgern. Das soll sich nun ändern, und beginnen möchte ich mit einem der größten Ärgernisse die einen Italienurlaub begleiten: Das Brot.  Es ist hell, ungesalzen, trocken, bleibt als klebriger Film am Gaumen hängen und schmeckt nicht einmal, wenn es mit Cretesenesiluft getrockneter Salami oder gereiftem Pecorino belegt ist.

Vor die Säue damit!

Kyras Crema-Novi-Tarte

Zurück aus dem Urlaub, deswegen hat es mit der Freigabe der Kommentare etwas gedauert. Meine mittlere Tochter, Kyra, beginnt sich für die Zubereitung von Nachtisch zu interessieren, und hat in Italien mit mir zusammen eine Tarte entwickelt. Man könnte sie auch Nutella-Tarte nennen, aber in Italien gibt es etwas Besseres, Crema Novi. Crema Novi besteht nämlich nur aus Nüssen und Kakao ohne weitere Zusatzstoffe. Ob die Tarte auch mit Nutella gelingt, wage ich zu bezweifeln und ich werde es nicht ausprobieren. Mit Crema Novi schmeckt sie sehr gut, ist recht schwer, aber in dünnen Schnitten serviert durchaus ein festliches Dessert.

Teig
375 g Mehl
250g Butter
125 Puderzucker
Zitronenschale, Salz

Belag
2 Pakete Crema Novi (400g)
2 Eier
1 Paket Frischkäse
Kaffeelikör
Zimt

Beim Teig handelt es sich um einen klassischen 3:2:1-Mürbteig. Drei Teile Mehl, zwei Teile Butter, ein Teil Zucker. Keine Flüssigkeit, auch kein Eiweiß, denn die würde den Weizenkleber binden, was bei Mürbteig unerwünscht ist. Mit Flüssigkeit ist er leichter zu verarbeiten, aber wird nicht so schön mürb. Eigelb ist erlaubt und geht in die Fettmenge mit ein. Alle Zutaten kaltstellen, und, wenn es draußen heiß ist, auch Schüssel und Messer. Die Butter mit dem Messer in Mehl, Zucker und Gewürze hacken, dann mit den gekühlten Händen den Teig zusammendrücken. Nicht durchkneten. Wenn es draußen deutschlandkalt ist, muss man mit dem Kühlen nicht so streng sein, ich bin im Geiste noch im Süden. Wenn der Teig homogen ist, mindestens eins Stunde kaltstellen.

Inzwischen die Zutaten für die Creme zusammenrühren. Nun eine Form fetten, mit Mehl bestäuben, mit zwei Drittel der Teigmenge auslegen und den Rand hochziehen. Die Creme darauf geben und aus dem restlichen Teig ein Gitter dekorieren. Das Ganze bei 200 Grad etwa eine Stunde backen.



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