Archiv für Oktober 2010

Dampfnudeln mit Kürbissauce, Hagebutten und Scheurebe (Weinrallye 38)

Das Thema der aktuellen Weinrallye fand ich sofort sehr spannend, Scheurebe hat den Ruf, vom Charakter eine Art deutscher Sauvignon Blanc zu sein, die Rebe der französischen Loire- und Bordeaux-Weine. Dabei ist die Scheurebe nicht einmal alt, sondern eine Züchtung aus dem Jahr 1916. Riesling steckt drin und laut Wiki eine unbekannte Wildrebe. Scheurebe ist nicht allzu populär, nur 1,7 Prozent der deutschen Rebfläche sind mit Scheurebe bestückt. Anderseits findet auch Sauvignon Blanc zunehmend Verbreitung hierzulande. Ist sie so viel besser, als die Scheurebe?

Ich habe einen Franken aufgetrieben, vom Weingut Arnold, Scheurebe 2009 Kabinett. Farbe: helles Gold, leicht grüner Stich. Das Aroma ist überraschend wuchtig, fein-würzig, spritzig, frische Beeren, Stachelbeere, Ananas, Kumquat, würziger Apfel, leicht mineralisch, Melisse, frisch geschnittenes Gras, komplex. Die Nase erinnert durchaus an Poilly Fumé. Im Auftakt frisch, leicht prickelnd, saftig am Gaumen, frische kernige Säure, trocken, vollmundig, lang. Der Geschmack scheint mir etwas rustikaler und etwas weniger strahlend als ein französischer Loirewein. Trotzdem fand ich das Ergebnis sehr überzeugend, und es steht den deutschen Sauvignon Blancs, die ich kenne, in nichts nach. Ganz klares Plädoyer: Erhaltet die Scheurebe!

Arnold Scheurebe Kabinett 2009
Deutschland/Franken

Weiß; Scheurebe
12 % Alkohol

Dazu gab es bayerische Dampfnudeln mit Kürbis-Hagebuttensauce. Das Problem bei Dampfnudeln ist, dass man während des Dämpfens im Topf den Deckel nicht abheben darf, sonst fallen sie zusammen. Deswegen verwende ich einen Glasdeckel, mit dem man die Auswirkungen der gewählten Temperatur und den Bräunungsgrad am Topfboden besser verfolgen kann:-)

Weichen, warmen Hefeteig bereiten aus

500g Mehl
1/4l Milch
20g Hefe
1 Ei
50g Butter
50g Zucker (für süße Dampfnudeln)
Zitronenschale
Etwas Salz

Gut gehen lassen, formen und im Stück noch mal gehen lassen. Nun mit

50g Butter
1/4l Milch
Salz
50g Zucker (für süße Dampfnudeln)

in den Topf, Deckel drauf, muss gut schließen. Auf die kalte Platte und mit guter Mittelhitze  (7 von 10) aufkochen, dann runter schalten. Das folgende Maß ist etwas schwierig zu finden, denn die Nudeln sollen innen gar sein, eine Kruste am Boden haben, aber nicht verbrannt sein. Die Flüssigkeit sollte aufgesogen sein. Die Garzeit liegt bei etwa 30 Minuten. Mit Glasdeckeln lässt sich das alles besser handhaben.

Dampfnudeln brauchen als Beilage viel Sauce, oft süß, Vanille- oder Weinsauce, oder salzig, Ragout oder eben Kürbissauce. Ich hab noch ein paar Hagebutten im Garten gefunden, die geben einen guten etwas säuerlichen Akzent.

Kürbis
Karotte
Kartoffeln

kurz in der Pfanne anrösten, mit

Sherry
Milch
Brühe

ablöschen und alles weich kochen. Würzen mit

Hagebutten (entkernt)
Ingwer
Zitronenschale
Kurkuma
Nelken
Salz

noch ein Zeit kochen, pürieren und abschmecken mit

Muskatnuss
Chili
Creme Fraiche
Was gefällt.

Bundestagspetition gegen die Laufzeitverlängerung von AKWs

Es gibt nun eine ePetition gegen die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken. Bürger können Petitionen an den Petitionsausschuss des Bundestags inzwischen über eine Webanwendung einreichen und mitzeichnen. Wenn 50.000 Leute mitmachen, so befasst sich der Ausschuss mit dem Thema. Er hat zwar keine Handlungsmöglichkeiten, aber es ist immerhin ein Zeichen für die Politik, dass das Volk, der Souverän, irgendwo ein signifikantes Problem hat.

Bislang sind es nur 32.000 Mitzeichner für die Petition gegen die Laufzeitverlängerung, die Frist endet leider schon morgen. Bitte fleißig mitmachen!

Kochblog-Event 62: Festliche Champagnermenüs

Beim 62. Kochblog-Event geht es feucht und schaumig zu. Menüs mit Champager sind gesucht, die französische Edelbrause soll allerdings ins Essen hinein und nicht nur ins Glas daneben! Hausmannskost 2.0 ist der Veranstalter, das Event findet bei Zorra statt. Einsendeschluss ist der 15. November. Hier geht es zum Aufruf.

Klebfleisch (auch Formfleisch) in der Haute-Cuisine

Lebensmittelfachleute, Verbraucherschützer, Köche und die Medien diskutieren derzeit viel über das Klebfleisch. Bei dieser Methode fügen Lebensmitteltechniker Fleischstücke, oft Abfall, mit einem speziellen Kleber zusammen, sodass verkaufbare Produkte entstehen. Das findet sich dann zum Beispiel als Schinken in Fertigprodukten. Ähnliches gibt es für Fisch oder Milchprodukte. Als Kleber kommen sogenannte Transglutaminasen zum Einsatz, die ähnlich der Blutgerinnung funktionieren, schreibt Wikipedia.

Junk-Food? Gammelfleisch? Letztendlich würde ich in den allermeisten Fällen sagen, ja. Spannend fand ich jetzt einen Beitrag von Christian Mittermeier auf Nachgesalzen, in dem er ein Kochrezept mit Transglutaminasen beschreibt. Er hat aus Fleischabfällen — von Qualitätsfleisch — gebratene Würfel konzipiert. Was soll man dagegen sagen? Allerdings schreibt er auch: „Was ich von Transglutaminase halten soll, weiß ich selbst noch nicht.“

Prinzipiell bin ich ebenso kritisch, denn der Hauptanwendungszweck wird die Restverwertung von Billigfleisch in der Massenproduktion von Fertignahrung sein. Und das ist nicht mein Fall. Die EU entwirft derzeit eine Verordnung zu diesem Thema, und der Bundesrat hat vor ein paar Tagen die Bundesregierung aufgefordert, sich für eine starke Kennzeichnungspflicht einzusetzen. Das finde ich das Mindeste. Die Verbraucherzentralen fordern sogar, dass so ein geklebtes Produkt nicht Schinken heißen darf: „Wo Schinken drauf steht, muss auch Schinken drin sein“. Analog zum Analogkäse. Wer kauft schon eine Pizza mit Ersatzschinken und -käse?

Indischer Marsala Chay zum Blog Action Day

Der diesjährige Blog Action Day dreht sich um das Thema Wasser. Ich war länger in Indien und habe dort erlebt, wie knapp sauberes Wasser sein kann und wie viele Menschen unter dreckigem Wasser leiden. Es ist bei Weitem nicht so, dass nur westliche Reisende krank werden, wenn sie nicht abgekochtes Wasser trinken. Viele Inder infizieren sich ebenso damit. Das ist mit ein Grund, warum in Inden fast immer und überall Chay getrunken wird, Tee. Gekocht, steril und oft gewürzt, als Marsala Chay, sehr süß und mit etwas Milch verdünnt. Für viele ist er das Frühstück und später ein Begleiter durch den Tag. Der Preis lag in Südindien bei etwa zwei Pfennig pro Tasse, für uns als Fremde.

Die Gewürzmischung ist nicht festgelegt, bis auf Kardamom, der gehört immer hinein. Sonst: Ingwer, (wenig) Nelken, Zimt, das sind meine Favoriten, aber auch Fenchel, Anis, Pfeffer, Zitronengras etc.

Zuerst kocht man die Gewürze circa zehn Minuten und gießt den Sud durch ein Sieb.

Dann kocht man den Sud mit Zucker noch mal auf und fügt den Tee hinzu. Den lässt man auf der ausgeschalteten Kochplatte 3 bis 5 Minuten ziehen, je nach Geschmack. Dann gießt man den Tee erneut ab,

und fügt etwas Milch hinzu.

Der Geschmack ist karamellig-würzig und passt auch sehr gut nach dem Essen. Wenn man welches hat.

Saubloggen am Mittwoch: Wildschwein rammt drei Fahrzeuge

Saubloggen am Mittwoch: Bösartig. Eine Detmolder Wildsau bietet einem heranrasenden Personenwagen die Stirn, wird von diesem aus dem Weg geschleudert, nimmt sich dann eines Fahrzeugs auf der Gegenspur an, wird von diesem ein paar Dutzend Dezimeter mitgeschleift und bringt sodann noch einen nicht mehr ausweichen könnenden Kradfahrer zu Fall. Ein heldenhafter Dreikampf, der leider tödlich endete. Schuld war eh ein anderer: der Mais. „Die Wildschweine fressen sich im Moment an den reifen Maisfeldern satt“, erregte sich eine Polizeisprecher gegenüber dem Bonner Generalanzeiger. Deshalb seien sie nicht wie sonst nur nachts unterwegs, sondern auch in der Dämmerung und sogar tagsüber.

Ich weiß, warum ich keinen Mais mag.

Weltweite Infratest-Studie Digital Life: Internet und Bloggen

Ein Mammut-Projekt: Fast 50.000 Onliner hat TNS-Infratest in 46 Ländern der ganzen Welt befragt und mit den Ergebnissen den weltweiten Medienbruch dokumentiert. Dabei zeigte sich ein deutlicher kultureller Schnitt zwischen den Wachstumsmärkten Asiens und der BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) einerseits und den westlichen, gesättigten Märkten andererseits. In den Wachstumsmärkten zeigen die Menschen ein weitaus größeres digitales Engagement etwa in Brasilien (48 Prozent) und China (54 Prozent) als in den gesättigten Ländern wie Deutschland (36 Prozent), Finnland (26 Prozent) oder Japan (20 Prozent). Obwohl diese Länder für gewöhnlich über eine gut ausgebaute Internet-Infrastruktur verfügen. Digitales Engagement bezeichnet dabei nicht nur die reine Online-Nutzung, sondern wertet bestimmte Aktivitäten wie Bloggen oder Teilhabe an sozialen Netzen.

Bloggen und soziale Netze treiben das Internet an
Neun von zehn Online-Usern in China (88 Prozent) und mehr als die Hälfte in Brasilien (51 Prozent) haben eigene Blog- oder Foreneinträge verfasst. In den USA liegt dieser Wert lediglich bei 32 Prozent, in Deutschland sind es immerhin 44 Prozent. Zudem ist das Internet in den asiatischen Wachstumsmärkten zum Standardmedium für die Verbreitung von Fotos geworden. Der Anteil der Onliner, die Fotos hochladen, beträgt in Thailand 92 Prozent, in Malaysia 88 Prozent und in Vietnam 87 Prozent. Die entwickelten Märkte sind hier deutlich zurückhaltender. So haben nicht einmal die Hälfte in Deutschland (48 Prozent) und weniger als ein Drittel der Online-Konsumenten in Japan (28 Prozent) bisher Fotos auf Social Websites hochgeladen.

Mobile Beschleunigung
Weltweit verbringen mobile Internetnutzer durchschnittlich 3,1 Stunden in der Woche in sozialen Netzwerken, aber nur 2,2 Stunden mit E-Mail. Smartphones werden die digitale Landschaft ändern. Die Studie zeigt, dass Verbraucher davon ausgehen, dass sich die Nutzung sozialer Netzwerke eher über Handys als über PCs verstärken wird. In den USA erwarten beispielsweise mehr als 36 Prozent der Befragten, dass sie die Nutzung von Communities über das Mobile intensivieren werden. In Schweden sind es sogar 53 Prozent, in Deutschland nur 29 Prozent.

E-Mail veraltet
Online-Konsumenten verbringen im Durchschnitt mehr Zeit in sozialen Netzwerken als mit E-Mail. In Wachstumsregionen werden durchschnittlich 5,2 Stunden pro Woche mit sozialen Netzwerken verbracht, verglichen mit vier Stunden E-Mail-Nutzung. Die Online-Konsumenten in gesättigten Märkten konzentrieren sich dagegen noch deutlich mehr auf das Korrespondieren per Mail. 5,1 Stunden werden hier damit verbracht, den Posteingang zu prüfen. In sozialen Netzwerken wird durchschnittlich 3,8 Stunden interagiert. Zu den intensivsten Nutzern sozialer Netzwerke gehören Malaysier (9 Std./wöchentlich), Russen (8,1 Std.) und Türken (7, Std.). Deutlich geringer dagegen die Nutzung in Deutschland. Hierzulande sind die Onliner 3,1 Stunden pro Woche in Communities unterwegs.
Die Malaysier haben auch die meisten Online-Freunde, 233 im Schnitt, gefolgt von Brasilianern mit 231 Freunden. Die Japaner bilden mit nur 29 Freunden das Schlusslicht. Überraschenderweise haben die Chinesen im Durchschnitt nur 68 Online-Freunde, obwohl sie die sozialen Netzwerke sehr intensiv nutzen. Das verweist auf eine Kultur, die sich auf wenigere, aber umso engere Freundschaften stützt. In Deutschland liegt der Wert bei 75 Personen.

Parameter
Die Studie will ein vollständiges Bild liefern, wie sich Konsumenten im Internet verhalten, was sie lenkt und welche Verhaltensweisen wirtschaftliches Wachstum beschleunigen. Sie deckt laut Infratest 88 Prozent der weltweiten Online-Population ab. Dazu befragte Infratest 48.804 Personen im Alter von 16 bis 60 Jahren in den Ländern Ägypten, Argentinien, Australien, Belgien, Brasilien, China, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Hongkong, Indien, Indonesien, Israel, Italien, Japan, Kanada, Kenia, Luxemburg, Malaysia, Marokko, Mexiko, Niederlande, Nigeria, Norwegen, Österreich, Philippinen, Polen, Portugal, Russland, Saudi-Arabien, Singapur, Südafrika, Südkorea, Schweden, Spanien, Tansania, Thailand, Türkei, Uganda, VAE, USA und Vietnam.

Weitere Informationen unter
www.DiscoverDigitalLife.com
http://www.tns-infratest.com/presse/presseinformation.asp?prID=769

Jetzt wird es nur noch Zeit, dass die Verlage in Online-Redaktionen vernünftige Redakteursgehälter bezahlen.

Blog Action Day und Weinrallye 38

Ein paar Events stehen an:

- Am 15. Oktober ist der Blog Action Day mit dem diesjährigen Thema: Wasser. Der Aktionstag greift immer ein aktuelles Thema mit weltweiter Bedeutung auf, und die teilnehmenden Blogs sollen dazu etwas kreieren. 2750 Blogs aus 118 Ländern haben bislang zugesagt. Hier gibt es ein paar fast schon makabere Fakten zum Einlesen.

- Am 31. Oktober findet die 38. Weinrallye statt, und zwar geht es um die Scheurebe. Ein spannendes Thema, weil die Scheurebe gerne mit der großen Sauvignon Blanc verglichen wird. Andererseits gibt es Deutschland inzwischen auch nennenswerte Ergebnisse mit Sauvignon Blanc. Zuungunsten der Scheurebe?

- Ja, und ebenfalls am 15. endet das Kochblog-Event „Fertigprodukte nachgebaut„. Einen Beitrag von Hausmannskost 2.0 gibt es bereits (Currywurst ohne Ketchup).

Und es folgt, weil’s so schön ist, die Übersicht über die bisherigen Weinrallyes (Sorry für die vielen Trackbacks, aber die macht WP automatisch):

#37 Weißweine aus dem Midi (Baccantus) (Mein Beitrag)
#36 Wein und Musik (Weinreich) (Mein Beitrag)
#35 Wein und Stein (Der Weinfreak) (Mein Beitrag)
#34 Wein und Knabberei (Winzerblog) (Kein Beitrag von mir)
#33 Weine aus Aromasorten (vinissimus) (Kein Beitrag von mir)
#32 Pinot Noir (Weingut Lisson) (Zwei Beiträge von mir)
#31 Faszination Wein (Bernhard Fiedlers) (kein Beitrag von mir)
#30 Naturwein (Social Wine) (kein Beitrag von mir)
#29 Schweizer Wein (lamiacucina) (kein Beitrag von mir)

2009
#28 Adventswein (Weinverkostungen) (Mein Beitrag)
#27 Wein von der Tankstelle (Winzerblog) (Mein Beitrag)
#26 Tipps vom Weinhändler (Go to Rio) (kein Beitrag von mir)
#25 Wein in Literatur und Film (Weingut Steffens-Keß) (kein Beitrag von mir)
#24 Wein von der Nahe (der Ultels) (kein Beitrag von mir)
#23 WinzerInnenwein (Weingut Lisson) (Mein Beitrag)
#22 Regionale Spezialitäten (Winzerblog) (Mein Beitrag)
#21 Deutscher Riesling (Schreiberswein) (kein Beitrag von mir)
#20 Wein zum Fisch, aber nicht trocken und weiß (Hausmannskost 2.0) (Mein Beitrag)
#19 Gespriteter Wein (vinissimus) (Mein Beitrag)

2008
# 18 Deutscher Winzersekt (Nikos Weinwelten) (kein Beitrag von mir)
# 17 Vinologische Osterweiterung (Myexperience4you) (Mein Beitrag)
#16 Weingenuss im Restaurant (Notizen für Genießer) (Mein Beitrag)
#15 Urlaubsweine (Go to Rio) (Mein Beitrag)
#14 Wein zum Grillen (SanoVia) (kein Beitrag von mir)
#13 Bordeaux Blends outside Bordeaux (Planet Bordeaux) (Mein Beitrag)
#12 In Gottes Namen (Winzerblog) (Mein Beitrag)
#11 Alles Rosé (Nikos Weinwelten) (Mein Beitrag)
#10 Chenin Blanc (Originalverkorkt) (Mein Beitrag)
#09 Alltagswein (Weingut Steffens-Keß) (Mein Beitrag)
#08 Etikettentrinker (Weingut Lisson) (Mein Beitrag)
#07 Alles außer Glas (Kaulwein) (Mein Beitrag)

2007
#06 Schaumwein (Schreiberswein) (Mein Beitrag)
#05 Sangiovese nicht aus der Toskana (Hausmannskost 1.0) (Mein Beitrag)
#04 Vulkanweine (Drink Tank) (Mein Beitrag)
#03 Bio-Riesling (Viva vino, http://www.viva-vino.de/biowein_blog/index.php?/archives/217-Weinrallye-3-Zusammenfassung.html, offline) (Mein Beitrag)
#02 Must-Taste-Weine unter 10 Euro (Weinverkostungen) (Mein Beitrag)
#01 Inselweine (Winzerblog) (Mein Beitrag)

PR-Agenturen überwachen Journalisten

Heute bekomme ich eine Pressemeldung der Firma Jobbörsenfinder über die Berliner Presseagentur Piabo. Die Mail im HTML-Format enthält mehrere Links zu Jobbörsenfinder. Klickt der Leser auf einen, führt der Link jedoch verdeckt zu Vocus PR („http://eu.vocuspr.com/Url.aspx?524874x1019246x-551756″). Aus der Mail ist dies nicht ersichtlich, sondern nur im HTML-Quellcode versteckt, was der Technik entspricht, die Phisher einsetzen, um ihre Opfer zu täuschen. Nach einer kurzen Verzögerung leitet die Seite den Journalisten dann zu Jobbörsenfinder. Durch diese wahrscheinlich unbeabsichtigte Serververzögerung ist mir der Schwindel aufgefallen.

Was bei Vocus geschieht, kann jeder auf der Webseite der Firma nachlesen: „Vocus provides advanced and easy-to-use software for public relations management.“ Die Vorteile des Kunden sind: „Track interactions: who opened your news, who covered you, and who you influenced“. Zu Deutsch: Vocus verfolgt, wer hat News geöffnet, wer berichtet über den Kunden und wen hat der Auftraggeber mit seiner Pressemitteilung beeinflusst. Praktisch für eine PR-Agentur, denn die muss gegenüber ihrem Kunden nachweisen, wie groß die Aufmerksamkeit in der Presse ist. Für Journalisten ist das aber völlig inakzeptabel. Für mich zumindest.

Erst einmal ist es eine Täuschung, denn mir wird ein Link vorgegaukelt, der zu einer Seite führt, die ich nicht anklicken will. Ferner beobachtet jemand meine Arbeit, während ich hier am Schreibtisch sitze, und zwar jemand, der Geld dafür bekommt, meine Arbeit in ein gewisse Richtung zu lenken. Das ist aufdringlich. Ich bitte um etwas mehr höfliche Distanz! Vocus-Mails landen bei mir künftig in /dev/null. Ungelesen.

Das habe ich Piabo auch geschrieben, dem BJV und meinen Kollegen. Zur Dokumentation als PDF: Die Startseite von Vocus, die Originalmail von Piabo und der HTML-Code der Mail.

Nachtrag 14.10.10: Seit mir Vocus aufgefallen ist, habe ich die bei mir eingehenden PR-Mails genauer untersucht und festgestellt, dass die meisten entweder kein Tracking verwenden oder gleich im Textformat vorliegen. Neben Vocus gibt es jedoch noch Medianetworkmanager (Lewis/Octane) und Constant Contact (Mashup Communications).

Saufutter: Hefeextrakt ist ein Geschmacksverstärker

Saufutter: Die Verbraucherzentrale Niedersachsen hat sich 151 Lebensmittel mit sogenannten Clean Lablen angesehen. Diese Hinweise auf Verpackungen besagen, dass das Produkt keine Konservierungsstoffe, Farbstoffe oder Geschmacksverstärker enthält, je nach Lable. In vielen Fällen fanden die Prüfer in den Nahrungsmitteln aber Ersatzstoffe, die zwar die gleiche Wirkung haben, aber nicht unter die entsprechende Verordnung fallen.

Das krasseste Beispiel finde ich immer wieder Hefeextrakt, der laut Gesetz nicht zu den Geschmacksverstärkern zählt, aber dennoch zu einem guten Teil aus Glutamaten besteht, wie alle anderen Geschmacksverstärker auch. Im Gegenteil, das Lebensmittellexikon schreibt: „Autolysierte Hefeextrakte dienen zudem als primäre Quelle für Mononatriumglutamat“. Daher zu behaupten, Hefeextrakt sei kein Geschmacksverstärker, ist eine böse Täuschung, selbst wenn sie in einem rechtlichen Rahmen stattfindet. Die Verbraucherzentrale ermittelte auf den Zutatenlisten von 68 von 74 Produkten, die als ohne Geschmacksverstärker gekennzeichnet waren, Hefeextrakt, darunter Maggi fix&frisch Tomaten-Zucchini Gratin, Frankenberg Gourmet Snack Knuspriges Kartoffelrösti, Poté Edelpilzcreme Suppe und Erasco Heiße Tasse Hühnersuppe.

Was mich weniger stört, sind Zitronensäure oder Essig als Ersatz für Konservierungsstoffe. Während Glutamate bei Verbrauchern verpönt sind, Hefe hin oder her, verstehen sie unter Konservierungsstoffen eher Benzoe- oder Sorbinsäure, bei denen es gesundheitliche Bedenken gibt. Gegen Zitronen oder Essig hat, außer vielleicht geschmacklich, niemand etwas einzuwenden. Ein PDF mit weiteren Beispielen findet sich auf der oben angegebenen Webseite.



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