Archiv der Kategorie 'GenFood und JunkFood'

Kunstprodukt: Alba-Öl statt Butter

Letztens hab ich ein Fläschchen Alba-Öl bekommen, ein flüssiges Fett, das tatsächlich wie Butter riecht und schmeckt. Ich hab Pfannkuchen damit gemacht, was gut gelungen ist. Ich dachte, Alba wäre irgendeine exotische Pflanze, die sie jetzt entdeckt haben, von einer abgelegenen Insel. Gut für den Geschmack und gut fürs Cholesterin. Bei meinen Recherchen im Netz bin ich aber drauf gestoßen, dass es ein Kunstprodukt auf der Basis von Rapsöl aus Schweden ist. Die Hersteller fügen dem eigentlich sehr hochwertigen Rapsöl Aromen, Emulgatoren, Farbstoffe und Antioxidationsmittel hinzu… Brrr. Alter Schwede! Das ist dann doch nicht mein Fall. Junk-Food. Aber das Fläschchen ist schön, falls der Schenkende dies liest, und gießt einen sehr schönen, dünnen Strahl.

albaöl

Buchrezension zum Blog Action Day (Karen Duve: Anständig Essen)

Es ärgert mich, dass die westliche Landwirtschaft so stark subventioniert ist, dass deutsche Nudeln in Afrika billiger sind, als dort produzierte.  Es ärgert mich auch, dass auf landwirtschaftlichen, für Nahrung nutzbaren Anbauflächen Bio-Diesel wächst. E10 verbessert zwar die deutsche CO2-Bilanz, lenkt aber von wesentlich wichtigeren Maßnahmen an, zum Beispiel Spritsparen (= Geschwindigkeitsbegrenzung). Autolobby. Außerdem ärgerte es mich, wenn Urwald abgeholzt wird, um Turborinder zu mästen, damit mancher Westler zwei Mal am Tag einen fetten Burger fressen kann. Das hab ich im letzten Beitrag schon angedeutet oder an anderer Stelle ausgeführt. Alles wären Themen für den Blog Action Day 2011, heute zum Thema Food. Nahrung.

Ich möchte aber ein Buch vorstellen, das mich in lezter Zeit stark bewegt hat, nämlich von Karin Duve (Regenroman und Die entführte Prinzessin). Sie hat als erklärte Tierliebhaberin einen Selbstversuch zum Thema Fleischkonsum gemacht. Nicht auf dem Niveau, ich verzichte mal drei Wochen aufs Internet, sondern sie hat ein Jahr lang die verschiedenen Ernährungs- und Sinnkonzepte durchlebt: Bio, vegetarisch, vegan und frutarisch (= keine Pflanze töten). Entstanden ist auf dieser Basis das Buch: Anständig Essen. Angefangen hat alles so: Eines Tages steht sie im Supermarkt, hält das billige, eingeschweißte, marinierte, praktische Grillhähnchen in der Hand. Plötzlich taucht ihre vegetarische Untermieterin mit dem Spitznamen Grille auf und stellt sie zur Rede, wie sie so unverantwortlich einkaufen kann. Zwischen beiden Frauen entwickelt sich ein Dialog, der sich im Prinzip durchs ganze Buch hindurchzieht, wobei Grille immer wieder als moralisches Alter Ego der Autorin auftritt. Im Lauf des Buches wandelt sich das Verhältnis aber überraschend.

Das Buch bleibt nicht bei einer privaten und irrelevanten Innenschau stehen, sondern bietet eine faktenreiche, weit gefächerte, aber bildliche Analyse der Haltung und Tötung von Tieren in unserer Gesellschaft. Vom Massensterben männlicher Küken in der Massentierhaltung auch auf dem Biohof, über das selbstverständliche Vernichten von Ungeziefern im Haus, bis zum Einschläfern des geliebten, individuellen Hunds. Sie trifft sich mit Extremisten, Menschen, die nur vom Baum gefallene Früchte essen, anderen, die einen Antitierbenutzungshof führen, aber auch überzeugten Jägern oder Vertretern der Ordnungsbehörden. Alle kommen zu Wort, und zwar fair. Einfache Antworten gibt es nicht, und die gaukelt die Autorin dem Leser auch nicht vor. Spannend sind nicht nur die vorgestellten Menschen und Fakten: Eines Nachts geht sie auf Abenteuer und befreit ein paar Hühner aus Käfigen. Die leben dann bei ihr und ärgern die anderen Hühner. Nur um einen Termin beim Schlachthof bemüht sie sich vergeblich. Öffentlichkeit ist nicht erwünscht.

Ihr Fazit möchte ich hier nicht vorwegnehmen. Es ist jedenfalls radikaler als meins als Leser (und Genussblogger). Aber niemand, der beginnt sich mit dem Thema zu beschäftigen, wird guten Gewissens das praktische, marinierte Hähnchen aus dem Supermarkt in den Einkaufswagen legen. Das lehne ich inzwischen kategorisch ab, noch kategorischer, als ich es vor der Lektüre schon empfunden habe. Fleisch sollte für meine Begriffe seltener gegessen werden und unbedingt aus Bio- oder vertrauter Haltung kommen. Selbst wenn Aufwand und Preis höher sind. Ganz auf Fleisch verzichten möchte ich nicht (Duve auch nicht), obwohl es moralisch letztendlich die sauberste Lösung wäre. Es sei denn, man zieht seine Hühner selber liebevoll auf und dreht ihnen dann auch selber fachgerecht den Hals um.

Blog Action Day: Food

Der diesjährige Blog Action Day am 16. Oktober hat Food als Thema: Nahrung. Dass das ein zentrales Thema aller Genuss-Blogger ist, ist klar, denn während der weitaus größere Teil der Menschheit froh ist, überhaupt etwas zu essen zu bekommen, lebt der andere im Über- und Wegwerfangebot, und kugelt Luxusprobleme vor sich her. Zwischen beiden Welten gibt es viele feine Zusammenhänge, etwa die subventionierte, landwirtschaftliche Überproduktion im Westen oder die Nutzung von potenzieller Ackerfläche für McDonalds-Rinder. Ganz zu schweigen von Biodiesel, der wirklich nur in der CO2-Zertifikatrechnung der Autoindustrie einen Sinn ergibt. Es gibt also viel zum Thema globale Nahrung zu sagen und wir als Food-Blogger sollten das auch tun. Registriert Euch!

Putenqualen in der ARD

Report Mainz  (ARD) zeigt heute Abend um Viertel vor Acht einen Beitrag über das Wiesenhof-System. In den gezeigten Beispielen werden laut Pressemitteilung Puten im Zuge der industriellen Abfertigung unnötig gequält und misshandelt. Die verantwortlichen Firmen und Unterfirmen weisen die Vorwürfe hin und her, jede schiebt der anderen die Schuld zu. Wiesenhof selbst nimmt im Vorfeld zu der Sendung Stellung und verweist auf seine prinzipiell transparente Firmenpolitik und gewisse Rechercheschwächen beim Team vom SWR (das Wiesenhof-Video ist durchaus sehenswert). Dennoch lassen sich die Tatsachen nicht beschönigen, dass es im Zuge der industriellen Produktion von Fleisch zwangsläufig zu inhumanen, wenn man das bei Tieren so sagen darf, Quälereien kommen muss. Selbst wenn sie nicht immer so drastisch sind, wie die, die man im Film wohl heute Abend sehen wird, sind sie schlimm genug. Tierschützer weisen immer wieder Misshandlungen nach. Vermeiden lässt sich das nur durch den konsequenten Griff zum Bio-Fleisch, wann immer es möglich ist. Oder man ist so privilegiert wie wir und kann seine Händl beim Bauer direkt kaufen.

Update: Inzwischen gibt es auf der Wiesenhof-Webseite ein Diskussion zu dem SWR-Beitrag. Allerdings haben die Content-Manager nicht alle Trackbacks freigeschaltet. Meinen zum Beispiel nicht. Sondern nur zwei an der Zahl, die in die Wiesenhofkritik einstimmen. Soll ich beleidigt sein? Nachdem ich die Sendung (trotz ihrer methodischen Schwächen) gestern selbst gesehen habe , bin ich mir nicht sicher, ob ich auf der Wesjohann-Seite überhaupt erscheinen mag…

Dioxin belastet Mistkratzerl

Der Dioxin-Skandal im Hühnerei bewirkt — hoffentlich — einen neuen Trend zum Freiland- oder Bio-Ei. Sehr löblich. Diese Eier mit Bauernhofromantik erfreuen Mensch wie Huhn, jedoch sind sie alles andere als giftfrei. Im Gegenteil, Eier von glücklichen Hühnern, die im Boden und Mist kratzen, belasten mit höheren Dioxinwerten, behauptet Rudolf Joost-Meyer zu Bakum, der Vorsitzende der Gesellschaft für ökologische Tierernährung, in einem Interview in der taz. Er geht sogar noch weiter: “Der Grenzwert bei Fisch ist ein Mehrfaches davon — dabei gibt es genügend Leute, die mehr Fisch essen als Eier. Das ist ein politischer Grenzwert, den die Käfigindustrie durchgedrückt hat. Man wollte die Freilandhaltung ausbremsen.”

Trotz allem bin ich ein Verfechter des Bio-Eis vom Mistkratzerl, denn mir schmeckt mein Omelett besser, wenn ich weiß, dass ein glückliches Bauernhuhn die Eier dafür produziert hat, Dioxin- oder her.

Klebfleisch (auch Formfleisch) in der Haute-Cuisine

Lebensmittelfachleute, Verbraucherschützer, Köche und die Medien diskutieren derzeit viel über das Klebfleisch. Bei dieser Methode fügen Lebensmitteltechniker Fleischstücke, oft Abfall, mit einem speziellen Kleber zusammen, sodass verkaufbare Produkte entstehen. Das findet sich dann zum Beispiel als Schinken in Fertigprodukten. Ähnliches gibt es für Fisch oder Milchprodukte. Als Kleber kommen sogenannte Transglutaminasen zum Einsatz, die ähnlich der Blutgerinnung funktionieren, schreibt Wikipedia.

Junk-Food? Gammelfleisch? Letztendlich würde ich in den allermeisten Fällen sagen, ja. Spannend fand ich jetzt einen Beitrag von Christian Mittermeier auf Nachgesalzen, in dem er ein Kochrezept mit Transglutaminasen beschreibt. Er hat aus Fleischabfällen — von Qualitätsfleisch — gebratene Würfel konzipiert. Was soll man dagegen sagen? Allerdings schreibt er auch: “Was ich von Transglutaminase halten soll, weiß ich selbst noch nicht.”

Prinzipiell bin ich ebenso kritisch, denn der Hauptanwendungszweck wird die Restverwertung von Billigfleisch in der Massenproduktion von Fertignahrung sein. Und das ist nicht mein Fall. Die EU entwirft derzeit eine Verordnung zu diesem Thema, und der Bundesrat hat vor ein paar Tagen die Bundesregierung aufgefordert, sich für eine starke Kennzeichnungspflicht einzusetzen. Das finde ich das Mindeste. Die Verbraucherzentralen fordern sogar, dass so ein geklebtes Produkt nicht Schinken heißen darf: “Wo Schinken drauf steht, muss auch Schinken drin sein”. Analog zum Analogkäse. Wer kauft schon eine Pizza mit Ersatzschinken und -käse?

Saufutter: Hefeextrakt ist ein Geschmacksverstärker

Saufutter: Die Verbraucherzentrale Niedersachsen hat sich 151 Lebensmittel mit sogenannten Clean Lablen angesehen. Diese Hinweise auf Verpackungen besagen, dass das Produkt keine Konservierungsstoffe, Farbstoffe oder Geschmacksverstärker enthält, je nach Lable. In vielen Fällen fanden die Prüfer in den Nahrungsmitteln aber Ersatzstoffe, die zwar die gleiche Wirkung haben, aber nicht unter die entsprechende Verordnung fallen.

Das krasseste Beispiel finde ich immer wieder Hefeextrakt, der laut Gesetz nicht zu den Geschmacksverstärkern zählt, aber dennoch zu einem guten Teil aus Glutamaten besteht, wie alle anderen Geschmacksverstärker auch. Im Gegenteil, das Lebensmittellexikon schreibt: “Autolysierte Hefeextrakte dienen zudem als primäre Quelle für Mononatriumglutamat”. Daher zu behaupten, Hefeextrakt sei kein Geschmacksverstärker, ist eine böse Täuschung, selbst wenn sie in einem rechtlichen Rahmen stattfindet. Die Verbraucherzentrale ermittelte auf den Zutatenlisten von 68 von 74 Produkten, die als ohne Geschmacksverstärker gekennzeichnet waren, Hefeextrakt, darunter Maggi fix&frisch Tomaten-Zucchini Gratin, Frankenberg Gourmet Snack Knuspriges Kartoffelrösti, Poté Edelpilzcreme Suppe und Erasco Heiße Tasse Hühnersuppe.

Was mich weniger stört, sind Zitronensäure oder Essig als Ersatz für Konservierungsstoffe. Während Glutamate bei Verbrauchern verpönt sind, Hefe hin oder her, verstehen sie unter Konservierungsstoffen eher Benzoe- oder Sorbinsäure, bei denen es gesundheitliche Bedenken gibt. Gegen Zitronen oder Essig hat, außer vielleicht geschmacklich, niemand etwas einzuwenden. Ein PDF mit weiteren Beispielen findet sich auf der oben angegebenen Webseite.

Kochblog-Event 61: Currywurst ohne Ketchup

Fertigprodukte nachgebaut, industriell kontra Handarbeit, Genuss statt Junk-Food. Das ist die Aufgabe des 61. Kochblog-Events.  Als ich das Thema gelesen habe, fiel mir sofort ein Plan wieder ein, den ich schon seit Längerem gedanklich verfolge. Ich bin nämlich ein großer Freund der Curry-Wurst, immerhin habe ich zehn Jahre im Pott gelebt. Allerdings hasse ich Ketchup, da es fast ausschließlich aus Zucker besteht. Im Supermarkt habe ich mir letzte Woche noch einmal die Zutatenliste auf einer Ketchupflasche eines namhaften Herstellers durchgelesen. Nach Tomaten kommt sofort Zucker und dann Glukosesirup, auch Zucker also. Die Zutatenlisten von Lebensmitteln müssen nach Anteil sortiert sein, das wisst Ihr ja. Irgendwann kommt Worcestershire-Sauce, die genauso überflüssig ist, wie ihre Schreibweise.

Gesucht ist also eine Currysauce, nicht osterhasensüß, würzig stattdessen, mit echtem Curry-Geschmack und dennoch passend zur Bratwurst (etwas Ähnliches habe ich hier bereits einmal versucht). Die Basis meiner Currysauce ist eine Tomatenpaste, gekocht aus Tomaten, Tomatenmark oder fertig passierten Tomaten. Ich habe ein paar Zwiebeln scharf angebraten, kurz etwa die gleiche Menge Ingwer dazugegeben und das Ganze mit Sherry und etwas Brühe abgelöscht. Etwas reduzieren, dann die Tomaten zufügen. Den Sugo eine Stunde auf kleiner Flamme dick einkochen, gewürzt mit Lorbeer, Nelken, Zitronenschale, einem Spritzer Zitronensaft und … ja, einer Priese Zucker, vielleicht drei Gramm und nicht 120.

Wenn der Sugo dickflüssig ist (wie Ketchup), wird er abgeseiht und noch einmal gewürzt, mit Curry. Ich habe Currypaste verwendet, deren Geschmack weitaus intensiver ist, als der des Pulvers. Dann kamen noch etwas klein gehackte Lime Pickles und ordentlich frisch gestoßener Zimt dazu. Ingwer, Currypaste und Lime Pickles sind meist recht scharf, wenn nicht muss etwas Chili in die Sauce.

Diese Mischung fand ich sehr gelungen, nicht süß und pampig, sondern würzig, orientalisch, frisch durch die Zitronenschale und die Lime Pickles, ein bisschen scharf durch den Ingwer und sehr gut passend zu Bratwürsten. Hier noch mal der Einkaufszettel:

Eine kleine Zwiebel
Ebenso viel Ingwer
Ein Schuss Sherry und etwas Brühe
Ein Paket passierte Tomaten
Zitronenschale
Ein Spritzer Zitronensaft
Lorbeerblätter
Ein paar Nelken
Ein paar Löffel Curry-Paste
Ein Esslöffel Lime Pickles
Ein gutes Stück Zimt, frisch gestoßen
Eventuell Chili
Mit Röstzwiebeln servieren

Eine Flasche Wein gab es auch dazu, einen Chardonnay aus Australien, genau das Richtige zum gehobenen Fast Food. Ein Tyrrell’s Old Winery von 2008. Intensiv, blumig-fruchtig, Birne, etwas Wiese, nussig, Melisse. Mild im Auftakt, voll und cremig am Gaumen, harmonisch, eher modern, sehr schmackhaft und süffig. Die 13 Prozent sind gut eingebunden.

Tyrrell’s Old Winery Chardonnay 2008
Australien/Hunters Valley

Weiß; Chardonnay
13 % Alkohol

Gammelfleisch im Online-Supermarkt

Das Test-Portal getestet.de hat Online-Supermärkte untersucht und ein paar Probebestellungen gemacht. Die Qualität der Lieferungen reichte von superfrisch und gut gekühlt bis hin zu schimmelig und verdorben. Billiger als im Laden ist das Vergnügen eh nicht.

Aldi: Backen oder bräunen?

Die meisten Bäckereifilialen machen doch auch nix anderes, als fertige Teigling aufzuwärmen, oder täusche ich mich? Wo steht den noch der Bäcker im Hinterzimmer und rollt seine Brezen selbst?

Aldi und die Bäcker

Streit um den Goldhasen

Lindt und Riegelein ringen um das Gold am Hasen, bis vor den BGH und noch weiter. Jetzt hat der BGH die Klage an das Oberlandesgericht Frankfurt zurückgegeben, um zu klären, wer der wahre Herr der Hasen ist. Laut einer Pressemeldung der Firma Riegelein hat sich Lindt & Sprüngli im Jahr 2000 die Rechte am Goldhasen als 3D-Marke schützen lassen und versucht alle anderen gleich verpackten Produkte aus den Regalen der Supermärkte zu klagen. Riegelein verweist hingegen darauf, dass Hasen seit mindestens fünfzig Jahren so verpackt werden.  Der Streit geht wie immer um die Details, wie golden ist das Gold der Folie, wie hoch die Verwechselungsgefahr, wenn die rote Schleife nur aufgedruckt und nicht bimmelnd umgehängt ist?

Ich finde es persönlich ein Unding, dass man sich so etwas überhaupt schützen kann. Soll doch der am besten verdienen, der die beste Schokolade zum besten Preis verkauft. Wer schützt sich als nächstes den Schokoweihnachtsmann, die Schmetterlingsnudel oder die Laugenbrezel?

Blaue Wunde statt blaues Wunder

Pseudomonas fluorescens macht den Mozzarella blau, behaupten die Milchwerke Jäger, die wegen ihrer unverhofft blauen Kugeln in Italien vor ein paar Wochen aufgefallen waren. Pseudomonas fluorescens, “dieser natürliche und praktisch überall in Boden und Wasser vorkommende Keim vermehrt sich in Lebensmitteln ohne Konservierungsstoffe bei unsachgemäßer Lagerung in hoher Konzentration und verursacht eine typische Verfärbung, heißt es in der Pressemeldung. Die Firma befürchtet nun, dass durch die in ihren Augen ungerechtfertigten Verbote ihrer Produkte in Teilen Italiens, der Preis für Milchprodukte dort steigen wird. Das kann ich mir gut vorstellen, da ich die Ameisenstraße der Transportolattelaster über den Brenner gut kenne.

Aber zurück zu P. fluorescens. Das würd ich gern irgendwo bestellen, den es lassen sich bestimmt tolle Partyeffekte damit erzielen :-) Blaue Bohnen, Blaubier, Blaubär, Blaumann oder was auch immer. Für bereits geschwächte Menschen ist P.fl. leider aber doch nicht ganz so ungefährlich, schreiben die Weisen von Wiki. Blaue Wunde statt blaues Wunder.

Pressfleisch statt Schinken

Dass billiger Schinken aus Pressfleisch besteht, ist allgemein bekannt. Das heißt, der Hersteller klebt Fleischreste zu Formfleisch zusammen. Soweit so gut oder schlecht, solange es auf der Schachtel steht. Dass das oft nicht der Fall ist, hat nur der NDR herausgefunden. In vielen Lebensmittelmärkten findet sich Nuss- oder Lachsschinken, der sich in der Analyse als Pressfleisch herausstellte. “Einige Hersteller, darunter die Großfabrikanten Wiltmann und Berschneider, setzen bei den von Markt getesteten Schinken also offenbar darauf, kleinere Fleischstücke zu ganzen Schinkenscheiben zusammenzukleben. Das gleiche Ergebnis auch bei geräuchertem Putenlachsschinken von Gutfried”, heißt es in der Meldung. Wen hätte es gewundert, muss man leider sagen.

Goldener Windbeutel für Etikettenschwindel

Beo Heimat Apfel & Birne“, steht vorne drauf, von Apfel und Birne findet sich aber keine Spur. Stattdessen Zucker und Aromen. Bertolli bewirbt die Nudelsauce Gegrilltes Gemüse mit “verbesserter Rezeptur“, in Wirklichkeit hat sich die Zusammensetzung verschlechtert und enthält mehr Aromen und Geschmacksverstärker. Mir ist es einmal bei einem Frischkäse aufgefallen, den der Hersteller mit “Jetzt noch cremiger” bewarb und und gleichzeitig mit Quellmittel ohne Nährwert verlängerte.

Bis zum 22. April können Verbraucher nun bei Abgespeist die dreisteste Verbrauchertäuschung des Jahres wählen. Der Sieger erhält den Goldenen Windbeutel. Obwohl ich die Idee im Prinzip sehr gut finde, stört mich das Symbol. Es ist unglücklich gewählt, denn ein Windbeutel ist  ja zumeist mit etwas sehr Gutem gefüllt.

Buchtipp: Das Klima-Kochbuch

Ein Kochbuch für die Vernunft. Heizung sparen, Sprit sparen, grünen Strom kaufen, Solaranlage aufs Dach montieren. Das neue Bewusstsein der  Klimakatastrophe hat in unserer Lebensweise vieles in Frage gestellt und einiges gewandelt. Auch unsere Ernährung sollte dazugehören, denn sie lässt laut dem soeben im Kosmos-Verlag erschienenen Klima-Kochbuch zwanzig Prozent  aller Treibhausgase in Deutschland verpuffen.  Durch ein paar einfache Kniffe, die die meisten Kochfreunde eh beherzigen, kann jeder dazu beitragen, Energie und CO2  zu sparen.

Viele Fakten, die die Autoren des Buches geschickt in kleine Lesehäppchen verpackt zwischen die Rezepte verteilt haben, sind dem Zeitungsleser bekannt. Zu Beispiel kennen wir der Zusammenhang zwischen Fast-Food-Burgern und den riesigen Rinderherden, die auf gerodeten Urwaldfläche trampeln, massiv Methan pfurzen und Unmengen an Grünfutter verfressen, das wiederum extrem düngerlastigen Anbau verlangt und Ackerfläche für klimafreundliche Nahrung verbraucht. Von Genmais ganz zu schweigen.

Fast-Food verabscheuen wir eh. Einige Tatsachen waren mir aber komplett neu. So gilt Butter als das am stärksten klimabedrohende Nahrungsmittel, gefolgt von Rindfleisch und Hühner-Ei. Jeder Verarbeitungsschritt, ob im oder hinter dem Huhn, schwächt das Klima. Das gilt umso mehr für Fertignahrung, aber auch die verabscheuen wir. Was mich ferner sehr überrascht hat, war, dass von der spanischen Sonne gereifte Tomaten eine bessere CO2-Bilanz vorweisen können, als brave deutsche, die in einem geheizten Treibhaus wachsen. Der LKW-Transport spielt eine geringere Rolle als der Radiator im Gewächshaus.

Insgesamt musste ich feststellen, dass wir wie gesagt vieles richtig machen, indem wir regionale Waren und Hersteller vorziehen, Biolebensmittel kaufen und auf Gemüse der Saison achten, weder aus Spanien noch aus dem Treibhaus.

Im Buch finden sich viele weitere Tipps und Hinweise, den eigenen CO2-Fußabdruck durch versierte Kochkunst zu verbessern  (sehr erfreulich auch: Freunde einladen und gemeinsam kochen :-) ) Die Aufmachung ist frisch und abwechslungsreich wie ein Wildkräutersalat, und auch einige der Rezepte haben mich begeistert etwa der Nussbraten mit Zwiebelsauce. Die vegetarischen Gerichte dominieren, aber es gibt durchaus auch Biowildschweinbraten in der Klimaküche. Das vegane Tiramisu mit Tofu und Sojasahne muss ich aber echt nicht haben. Klima hin oder her.

klimakochbuch

Julia Balz u.a.: Das Klima-Kochbuch, Franckh-Kosmos-Verlag, Stuttgart 2009. ISBN: 9-783440-119266, 12,95 Euro



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