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Kunstprodukt: Alba-Öl statt Butter

Letztens hab ich ein Fläschchen Alba-Öl bekommen, ein flüssiges Fett, das tatsächlich wie Butter riecht und schmeckt. Ich hab Pfannkuchen damit gemacht, was gut gelungen ist. Ich dachte, Alba wäre irgendeine exotische Pflanze, die sie jetzt entdeckt haben, von einer abgelegenen Insel. Gut für den Geschmack und gut fürs Cholesterin. Bei meinen Recherchen im Netz bin ich aber drauf gestoßen, dass es ein Kunstprodukt auf der Basis von Rapsöl aus Schweden ist. Die Hersteller fügen dem eigentlich sehr hochwertigen Rapsöl Aromen, Emulgatoren, Farbstoffe und Antioxidationsmittel hinzu… Brrr. Alter Schwede! Das ist dann doch nicht mein Fall. Junk-Food. Aber das Fläschchen ist schön, falls der Schenkende dies liest, und gießt einen sehr schönen, dünnen Strahl.

albaöl

Pizza Bianca mit Krabben, Avocado und Bärlauch

Meine Generation ist seit der Kindheit auf Pizza mit Tomatensauce geeicht, sodass sich schon ein gewisser Gewöhnungseffekt eingestellt hat: rot, Mozzarella, Oregano. Ich will nicht sagen, das sei langweilig, aber so ein bisschen same-same-but-different. Pizza binaca bietet sich hier als echte Alternative an, die auch bei Gästen einen Überraschungseffekt erzielt. Es eröffnen sich viele neue und ungewöhnliche Varianten, die schon aufgrund des weißen Erscheinungsbilds sofort auffallen. Als Grundbelag der Pizza bianca dient Frischkäse, Crème Fraîche oder Mascarpone.
Pizza mit Krabben, Avocado und Bärlauch

Pizzateig für 3-4 Bleche:
750g Mehl 405 gesiebt
1/2 Würfel Hefe
20g Salz
30g Honig
Ca. 450ml kaltes Wasser
30g Olivenöl
Mehl zum Auswellen und Backen

Belag:
Frischkäse
Krabben
Avocado
Zitronensaft
Salz, Chili
Olivenöl
Bärlauch

Die Hefe in einem Glas sehr kaltem Wasser auflösen und in das gesiebte Mehl kneten. Weiter Wasser hinzufügen. Dann Salz, Honig und etwas Öl zufügen. Und weiter Wasser, bis ein sehr weicher, aber noch mit Händen gut knetbarer Teig entstanden ist. In drei oder vier Kugeln teilen, abdecken und im Kühlschrank eine Stunde gehen lassen.

Während dessen den Ofen so heiß wie möglich vorheizen, am besten mit einem Backstein darin. Die Krabben in Zitronensaft und Salz marinieren. Nach einer Stunde, eine Teigkugel aus dem Kühlschrank holen und mit Mehl dünn auswellen. Ein Blech bemehlen (ohne Fett) und den Teig darauf legen. Einen Rand formen. Nun mit Frischkäse bestreichen, etwas salzen und mit Krabben sowie Avocadostücken belegen. Nach Geschmack mit Chili bestreuen und etwas Olivenöl darüber träufeln. In den Ofen auf die unterste Schiene geben und ca. 8 – 12 Minuten backen, bis die Pizza schön gebräunt ist. Rausholen und sofort den geschnittenen Bärlauch darüber streuen. Der Bärlauch soll nicht mitbacken, der Ofen ist zu heiß dafür. Wenn man ihn direkt auf die heiße Pizza gib, zieht er noch etwas an.

Persisches Huhn in Walnuss-Granatapfel-Sauce (Khoresht Fesenjan)

Dieses ungewöhnliche Gericht aus dem Iran lebt von der Kombination aus deftiger Walnuss und feinem Granatapfelsaft (den man beispielsweise im Reformhaus bekommt). Khoresht bezeichnet erst einmal einen Eintopf, den es im Iran in verschiedenen Varianten gibt. Bekannt ist auch Khoresht Gheimeh, also mit Lammfleisch, Erbsen und getrockneten Limetten (siehe Bild am Schluss).

Zutaten:
1 kg Hühnerbrust
250 g Walnusskerne
1/2 l Granatapfelsaft
3 Zwiebeln
1/2 EL Kurkuma
1/4 Zimtstange
Salz
Pfeffer
Eventuell 1 El Zucker
Beilage: Reis

Rezept:
Zuerst zerstoßt Ihr Walnüsse und Granatapfelsaft zu einem sehr feinen Brei. Am besten geht das mit dem Pürierstab. Dann fügt Ihr den im Mörser zerstoßenen Zimt hinzu. Für das Fleisch schneidet Ihr die Zwiebeln klein, dünstet sie kurz an und fügt dann das in Stücke gewürfelte Fleisch hinzu.

fesenjan

Wenn es etwas Farbe bekommen hat, löscht Ihr es mit dem Brei ab und fügt die restlichen Gewürze hinzu. Auf kleiner Flamme ein paar Minuten weiter köcheln lassen, bis das Fleisch gar ist. Dazu wird Chelo-Reis serviert. Im Original ist das gedünsteter Reis, der halbgar in einem Topf mit etwas Fett so fertig gestellt wird, dass er unten eine Kruste bekommt. Wir haben etwas abgekürzt und einfach Basmati-Reis normal gekocht und anschließend mit Butter in einen Topf angeröstet. Jeder Perser würde sich wahrscheinlich peinlich abwenden, uns hat es aber geschmeckt.

Chelo-Reis

Im folgenden Bild: Khoresht Fesenjan und Khoresht Gheimeh:

Kohresht Fesenjahn und Gheimeh

Baklava mit Migrationshintergrund

Damit es hier im Blog nicht nur depressiv daher kommt – obwohl der Schnee mich echt fertigmacht, heute Morgen hab ich es kaum mit dem Rad zur S-Bahn geschafft – eine Süßspeise. Wie alle Süßspeisen des Vorderen und Hinteren Orients sind Baklava für den mitteleuropäischen Geschmack sehr süß und man genießt diesen Nuss-Blätterteig-Kuchen besser in kleinen Mengen. Es gibt viele Varianten, die vorliegende stammt von einer ehemaligen bosnischen Nachbarin von uns. Doch die eigentliche Migrationsgeschichte ist eine andere: Statt des türkischen Yufka-(Filo-)Teigs verwendet die Dame deutschen TK-Blätterteig, was die Beschaffung der Zutaten deutlich erleichtert und das Endergebnis noch einmal schwerer macht.

baklava

Zutaten:
400g Nüsse (Mandeln, Haselnüsse, Walnüsse)
Eine Handvoll Pistazien
100g Honig
50g Zucker
100g flüssige Butter
Saft und abgeriebene Schale von einer Zitrone
Salz, Zimt
5 bis 7 Platten Blätterteig, je nach Größe
+ Butter zum Einpinseln
+ Mehl zum Auswellen

Sirup:
250g Zucker
1dl Wasser
1dl Zitronen- und Orangensaft
Eine Prise Salz

Die Nüsse bis auf die Pistazien fein mahlen, mit den restlichen Zutaten zusammenbazen. Die Blätterteigplatten der Länge nach auswellen und mit Wasser zu einer langen Bahn verkleben. In die Mitte nun die Füllung verlegen, wenn die Bahn zu kurz ist, einfach weitere Platten zufügen. Die Teigbahn nun längs einrollen, sodass ein langer gefüllter Wurm entsteht. Den Rand rund herum mit Wasser zukleben.  Nun legt man den Teigwurm schneckenförmig in eine gebutterte und mehlierte Form. Es erfordert etwas Geschick, dass die Schlange nicht abreißt. Am besten füllt der Koch die Form über eine Tischkante, sodass er die Schlange nicht anheben muss, sondern über die Kante in die Form gleiten lässt.

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Mit flüssiger Butter bestreichen und in den vorgeheizten Ofen (220 Grad) schieben. Wenn die Oberfläche zu bräunen beginnt, die Hitze auf 190 Grad reduzieren, die Backzeit beträgt 50 bis 60 Minuten.

Für den Sirup erzeugt der Koch zuerst Karamell nach der Standardmethode: Zucker mit etwas Zitronensaft anfeuchten, dann in einer gut Hitze leitenden Pfanne oder Kasserolle erhitzen und unter Rühren zum Schmelzen bringen. Solange bis der Karamell die gewünschte Farbe hat. Nun mit Wasser ablöschen, dann mit Saft. Den Sirup zur gewünschten Konsistenz einkochen. Die Konsistenz lässt sich mit einem kleinen Metalllöffel, der schnell abkühlt, am Besten feststellen.

Wenn das Gebäck fertig ist, pikst der Koch sofort rund herum kleine Löcher hinein und gießt den Sirup darüber. Kalt servieren.

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Dazu gab es einen Dessertwein. Süß. Süßer Wein hat bei mir nur eine Chance: Er landet zehn Jahre im Keller, dann ist er entweder genießbar oder hin. Der Matthias-Müller-Riesling Bopparder Hamm Feuerlay Auslese 2003 vom Mittelrhein war Ersteres: genießbar, und zwar gar nicht schlecht. Das Zuckersüße im Geschmack ist schon weg, der Wein wird eher von seiner feinen Säure getragen. Die Aromen sind reif und würzig, Nuss, Blüten, Rose, Limette, Ginster, Honig, Salz. Ein bisschen welk, aber sehr fein. Die Konsistenz schließlich ist fett und ölig.  Gerade Letzteres passt zum Baklava. Eiskalt servieren. Trotz Schnee.

auslese

Frühlingsschein

Zum Welttag der Poesie (gestern am 21. März) ein kleines Gedicht. Mir schlägt der lange Winter offensichtlich auf’s Gemüt…

Frühlingsschein

Zum letzten Mal hebst Du die Flügel,

Schwingst Dich auf, obwohl Du schon am Boden liegst.

Endlich wärmt die Frühlingssonne Dein Gefieder, obwohl’s am Gleisesrand erkaltet liegt.

Nun steigst Du auf, allein, vorbei an Deinesgleichen,

Steigst weiter auf, weiter als Du je geflogen, höher als die eigne Kraft Dich trägt.

Lässt uns zurück die Schatten und die letzten Schrecken im ersten matten Frühlingsschein.

 

 

Geröstete Kutteln del Nonno Carlo und Lambrusco (Weinrallye 57)

Es gab in der Facebook-Gruppe zur Weinrallye eine gewisse Unsicherheit gegenüber dem Kombinieren von kulinarischen Genüssen mit Wein. Das hat mich ziemlich verwundert, denn ich selbst bin über das Essen und Kochen zum Wein gekommen und nicht umgekehrt. Die Frage, welchen Wein biete ich zum Essen an, stand irgendwann quasi von alleine im Raum und ich musste mich ihr stellen. Das empfand ich durchaus als Herausforderung und stürzte mich mit Hilfe von Jens Priewe, Huge Johnson und Paula Bosch in die theoretischen Grundlagen. Gleichzeitig setzte eine Phase des Experiments ein, die bis heute nicht abgeschlossen ist. Die Frage, welcher Wein passt zu welchem Essen, stellt sich jeden Tag in der Küche neu und eine konsistente Antwort gibt es nicht. Die Wahl erfordert vielmehr Phantasie, Erfahrung, Neugier, Mut und insbesondere Witz. Der Wein fügt sich als weitere Zutat und besondere Würze ins Gesamtkonzept des Abends. Erst am Schluss weiß man, ob die Paarung gelungen ist.

Ich erinnere mich an eine lebhafte Diskussion mit Ex-Weinschreiber Lars in einer Münchner Weinbar, ob jeder Wein zu einem Essen passt. Lars vertrat die Auffassung, es gibt immer eine ideale Kombination, und das hat er in seinen Blogbeiträgen immer akribisch versucht zu verwirklichen: die Punklandung. Unvergessen ist mir das Ossobuco und der Brunello. Ich tendiere nach wie vor eher zur Auffassung, ein Essen ist keine Weinprobe und würde den Brunello frühestens zum Käse oder als Absacker entkorken. Für mich ist ein Essensbegleiter zurückhaltender und stimmt sich mit einer Grundkomponente in den Gesamtklang: Säure zum Fisch oder Tannin zum Rind. Bestenfalls fügt er noch eine deutliche Würznote hinzu: Orange zu Krabben oder Johannisbeere zum Wild. Dafür muss man natürlich eine sehr genaue Vorstellung vom infrage kommenden Wein haben. Mit Experimenten bin ich inzwischen vorsichtiger, gerade wenn Gäste kommen.

Aber heute ein Experiment: Als Beitrag zur 57. Weinrallye, ausgetragen von Hundertachtzig Grad, paare ich zwei Außenseiter: Kutteln und trockenen Lambrusco. Prinzipiell habe ich Probleme mit Kutteln, aber mein Großvater liebte sie schwäbisch, geröstet mit einem Ei übergossen. Alle paar Jahre überkommt es mich und ich schlage zum Ärger meiner Familie zu.

kutteln

Zutaten:
Vorgekochte Kutteln
Zwiebel
Thymian
Ei
Petersilie
Salz und Pfeffer

Die Kutteln gut putzen, Fettreste entfernen und in sehr dünne Scheiben schneiden. Dann in einer Pfanne die Zwiebeln kurz andünsten, dann die Kutteln und den Thymian hinzu. Scharf anrösten, wenn die Kutteln anfangen zu bräunen, die Hitze leicht reduzieren. Alles solange brutzeln lassen, bis die Kutteln rund herum schön dunkelbraun geröstet sind. Salzen, pfeffern und das verklepperte mit gehackter Petersilie gewürzte Ei drüber gießen und stocken lassen. Das ist die einzige Art, in der ich Kutteln erträglich finde.

lambrusco

Die Wahl des Weins war ein Volltreffer. Trockenen Lambrusco bekommt man in Deutschland selten, meiner ist tatsächlich aus Italien mitgebracht, obwohl es der Wein der Emilia-Romagna ist, der Heimat von Tortellini, Spaghetti Bolognese, Parmesan, Balsamico und Parmaschinken. Nur der prickelnde Lambrusco ist nicht mit über die Alpen geschwappt. Ich hatte einen Lambrusco Grasparossa di Castelvetro DOC von Righi, sehr geschmackvoll, intensive Himbeeren, prickelnd, etwas herb, beerig-süß und sehr rund. Nicht zu aufdringlich, um den Geschmack des Essens zu übertönen, aber mit der deutlichen herben Note die Kutteln gut in Schach haltend. Die Himbeeren haben dem Gesamterlebnis eine Note hinzugefügt, etwa wie Preiselbeeren zu Wild. Ein kräftiger Weißwein im Barrique ausgebaut hätte vielleicht auch gepasst.

Würzpilze: Pfefferröhrling und Habichtspilz

In diesem Jahr haben wir viele Pilze gefunden oder finden sie noch, denn bis Anfang November ist ja noch Saison. Erfreulicherweise waren viele Würzpilze darunter: zum Beispiel Pfefferröhrling und Habichtspilz. Würzpilze isst man nicht frisch, sondern verwendet sie getrocknet in kleinen Mengen. Natürlich ergäben Morcheln und Steinpilze auch phantastisches Würzpulver, aber der Pilzfreund verzehrt diese lieber frisch — ohne quälenden Aufschub.

Der Pfefferröhrling ist ein kleiner, braun-gelber Röhrling, der frisch einfach zu scharf für den Verzehr ist. Ich habe ihn getrocknet und in Öl eingelegt. Das gibt ein köstliches Würzöl für Pasta, Pizza oder Steak, das sowohl leicht scharf als auch nach Schwammerln schmeckt. Man träufelt es am besten über das fertige Gericht.

Junge Habichtspilze kann man sogar frisch Essen, ältere werden bitter. Getrocknet und gerieben ergibt er aber ein wunderbares Gewürz zum Parfümieren von Pasta, Saucen oder Terrinen. Er hat statt Lamellen oder Röhren kleine Stoppeln. Mit Stoppeln gibt es nur wenige Pilze, zum Beispiel den auch essbaren Semmelstoppeling. Der bleibt aber hell an der Hutoberseite, während der Habichtspilz dunkel geschuppt ist. Aber Vorsicht, nicht mit dem relativ giftigen Pantherpilz verwechseln, der aber Lamellen an der Hutunterseite aufweist.

Mit Pilzpulver lassen sich auch großartige Schnellgerichte anfertigen: Nudeln kochen, mit Butter oder gutem Öl anrichten, etwas Pilzpulver darüber streuen, eventuell noch pfeffern und mit Parmesan servieren. Das eignet sich auch als erster Gang für ein Festessen, dann macht man die Nudeln am besten selbst.



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