Blogger machen Welt Kompakt

Bloggen und Medien

Gerade bekomme ich eine Pressemeldung von A. Springer, dass die Ausgabe der Welt Kompakt am 1. Juli von Bloggern gestaltet wird. Unter diesen sollen Jeff Jarvis, Robert Basic und Sachar Kriwoj sein.  Chefredakteur Jan-Eric Peters dazu: “Unser Experiment soll zeigen, wie auf das Internet zugeschnittene Inhalte als Zeitung funktionieren. Ich freue mich auf  eine überraschende und ungewöhnliche Ausgabe.”

Warum ist der Chefredakteur eigentlich kein Blogger? Und hoffentlich werden die Blogger auch wie freie Redakteure bezahlt! Inzwischen sind viele Medienhäuser der Meinung, sie könnten mit Laienschauspielern Kosten sparen. Das sollten sich diese nicht gefallen lassen und eine ordentliche Rechnung stellen. Preisinfos erteilen die Berufsverbände.

Leiden des Journalisten

Bloggen und Medien

Als Blogger kann ich jederzeit ein Wort wie Bandbreitenschummelpackung schreiben, alle müssen es lesen, und ich habe meine Freude daran, dass die deutsche im Gegensatz zur englischen Sprache solche schönen Wörter ermöglicht. Ob die Leser meine Freude teilen, ist mir egal. Als Journalist hingegen, schreibe ich brav, Schummelpackung mit der Bandbreite, sonst steht in zwei Stunden maulend meine Textchefin in der Tür, “Wolf des geht echt ned… des kann kein Mensch lesen…”,  und ich muss es ändern. Also bitte freut Euch mit mir an diesem schönen Wort, das ihr nie in einer Zeitung lesen werdet…

Blogger interviewt Journalisten

Bloggen und Medien

Das Thema Blogger vs. Journalisten treibt ja gerade um, da stoße ich zufällig auf ein Interview in Spreeblick mit dem bloggenden Journalisten Robert Kindermann. Natürlich geht es auch um Blogger vs. Journalisten und er sagt dazu: “Die Diskussion berührt mich eher negativ nervend. Warum gibt es sie überhaupt?”, und weiter: “Die Nutzer wollen bestimmte Infos, also suchen sie danach bei Google und ob sie die nun in einem Blog oder bei spiegel.de finden spielt für die meisten sicherlich keine große Rolle. Hauptsache die Infos sind gut aufbereitet und korrekt.”

In den Kommentaren geschieht dann genau dasselbe wie bei Planet Bordeaux, die Diskussion gleitet ins Polemische ab, woran leider auch der Interviewte nicht ganz unbeteiligt ist. In dem Thema steckt schon eine Menge Zündstoff drin.

Bordeaux-Krieg zieht weite Kreise

Bloggen und Medien, Wein

Der Bordeaux-Krieg in den Kommentaren eines Artikels auf Planet Bordeaux hat einen reichhaltigen Widerhall in der Blogshäre gefunden. Der Blog hat gestern Abend noch eine Zusammenfassung veröffentlicht.

Schade finde ich, dass der Streit nicht zu einem reinigenden Gewitter geführt hat. Leider hat sich überhaupt keine sachliche Diskussion ergeben, die zu einer Annäherung der beiden Kontrahenten hätte führen können. Das lag im konkreten Fall sicher daran, dass eine der beiden Parteien nicht bereit war, von ihrer Polemik abzurücken. Insgesamt leidet das Kommentar- und Diskussionswesen im alten und neuen Web darunter, dass die Beteiligten sich zu wenig zuhören und nur darauf aus sind, ihre Standpunkte hinauszuposaunen. Das ist zu bedauern, denn schließlich hinterbleibt bei den Lesern ein besser Eindruck der Personen, wenn diese kompromissbereit sind, als wenn sie nur ihre Sturheit für die Ewigkeit hinterlassen.

Bordeaux-Krieg: Weinblogger vs. Weinjournalisten

Bloggen und Medien

Derzeit tobt auf den Seiten von Planet Bordeaux ein Streit um einen Artikel in der Welt, der scheinbar ein paar Recherchemängel aufweist. Schnell ist wieder das Kriegsbeil ausgegraben und Blogger fallen pauschal über Journalisten her, während diese nichts besseres zu tun haben, als ihre alte Arroganz auszuspielen. Das ist eigentlich schade, denn beide haben viel gemeinsam. Ein paar Überlegungen von mir als “echtem” Journalist und begeistertem Blogger:


- Schlechte Recherche ist eine Frage der Persönlichkeit und nicht der Medienform. Wie genau der einzelne Schreiber hinschaut, ist meist in seinem persönlichen Ethos begründet. Da auch die Redakteure nicht alles wissen, rutsch ein schlecht recherchierter Artikel oft durch die Endkontrolle, sofern es die in Zeiten der Sparsamkeit überhaupt noch gibt. Man merkt sich im Laufe der Zeit die Namen der Journalisten oder Blogger, denen man vertraut.

- Beide Medienformen sind nicht unabhängig, man sollte wie immer die Struktur des einzelnen Mediums kennen. Kaum ein Medium wagte es noch, einem großen Anzeigenkunden einen Skandal reinzuwürgen. Noch schlimmer: offene Schleichwerbung ist im Bereich der Fach- und Publikumszeitschriften Gang und Gäbe. Auch bei Blogs gibt es viel mehr Schleichwerbung, als allgemein vermutet, so dass es schon einen Fachbegriff dafür gibt: Virales Marketing. Ein Blogger sollte bei Produktbeschreibungen immer eine kritische, satirische oder ironische Note mit hineinbringen, um diesem Verdacht zuvorzukommen. Selbst wenn der Wein noch so gut geschmeckt hat.

- Beide Gruppen sind auf einander angewiesen. Alle Journalisten, die ich kenne, verwenden Blogs inzwischen als Quelle der Recherche. Umgekehrt verwenden sie immer öfters selbst dieses Medium, um sich jenseits der Interessen ihrer Verleger austoben zu können. Unbedarftere Kollegen fühlen sich vielleicht in ihrer Existenz bedroht, wenn plötzlich alle schreiben können. Das sehe ich aber als unbegründet, denn eine gewisse persönliche Qualität schafft immer einen Vorsprung egal in welchem Medium. Man sollte dann eher Wert auf eine gute Recherche legen.

- Die Trennung zwischen professionellen und Bürgerschreibern wird immer weiter verwischen. Z.B. plant ein großer Verlag unter dem Namen Zoomer (nicht Zoomr) eine kommerzielle Newsseite, auf der sich Beiträge “echter” und Laienjournalisten mischen.

- Die Unterschiede werden instrumentalisiert. Wer sich selbst zu sehr vom “Blogger” oder “Journalisten” scheiden will, zeigt damit, dass er entweder zu viel Respekt vor dem anderen hat, etwa weil er in dem anderen einen Mangel seiner eigenen Fähigkeiten erkennt, oder weil er ein Interesse damit verfolgt (lest mich!) Beides finde ich falsch. Von einem Winzer erwarte ich nicht, dass er schreibt wie ein junger Gott, und von einem professionellen Schreiber nicht, dass er den latinischen Namen jeder Reblaus kennt. Aber der Winzer sollte lesbar sein und der Schreiber so gut recherchieren, dass er keine groben Patzer macht. Den Journalist könnte beim Winzer seines Vertrauens nachfragen, welche Mistreblaus das nun schon wieder ist, und dieser könnte sich bei der Gelegenheit gleich erkundigen, wie man ein Interview strafft und zuspitzt.

- In eigener Sache: Hausmannskost bleibt reichhaltig, trinkfest, stilsicher und insbesondere nach wie vor nichtkommerziell.