Beiträge getaggt mit 'Bordeaux'

Chinesen klonen Chateau Laffitte

Dem chinesischen Chemiker Xuan Pa Ke ist es erstmals gelungen, die Aromastoffes eines Weines Eins zu Eins zu klonen. Besonders stolz ist Barrique-Fan Pa Ke auf die seidige Tanninstruktur des Weins und die wuchtigen, beerigen Aromen. “Als Grundlage diente einfacher Chi Razu aus der Provinz Shanxi, dem wir spezielle von mir entwickelte Enzyme zugesetzt haben”, erklärt Pa Ke. Nach der Einwirkung einer 22 tägigen Lagerung bei genau 43,7 Grad sei ein zum Verwechseln ähnlicher Laffitte aus dem Jahr 2000 entstanden. “Selbst [chinesische, Anm. d. Red.] Sommeliers konnten keinen Unterschied feststellen”, berichtet er stolz. Pa Ke plant weitere Jahrgänge und Geschmacksrichtungen, denn seine Vision ist ein Weinbaukasten für den engagierten Weinfreund, mit dem dieser sich Spitzenweine in kurzer Zeit selbst züchten kann. Das ist gerade für China interessant, das unter den hohen Importkosten für europäische Spitzenweine leidet.

Weiniger begeistert ist man im Bordeaux. Ein Sprecher des Château Laffitte zeigte sich verärgert: “Wir prüfen, ob Pa Ke unsere Patente verletzt, und behalten uns rechtliche Schritte vor”, die in China schwer durchzusetzen sein dürften. “Unter dem Namen Laffitte darf der Pa-Ke-Wein jedenfalls nicht auf den Markt kommen.”

Auch Tierschutzorganisationen machen sich Sorgen, da die Bakterien über Monate mit echtem Château-Wein gefüttert werden. Auf unsere E-Mail-Nachfrage antwortet und das Büro von Pa Ke: “Eine Alkoholabhängigkeit der Lebewesen befürchtet der Meister nicht. Auch bei Weinhefe wird ein seelischer Schaden schließlich in der Önologie als gering eingestuft oder sogar komplett verneint.

Hausmannskost bemüht sich derzeit um eine Probeflasche.

Nachtrag (2.4.2008): April, April!

Bordeaux-Krieg: Weinblogger vs. Weinjournalisten

Derzeit tobt auf den Seiten von Planet Bordeaux ein Streit um einen Artikel in der Welt, der scheinbar ein paar Recherchemängel aufweist. Schnell ist wieder das Kriegsbeil ausgegraben und Blogger fallen pauschal über Journalisten her, während diese nichts besseres zu tun haben, als ihre alte Arroganz auszuspielen. Das ist eigentlich schade, denn beide haben viel gemeinsam. Ein paar Überlegungen von mir als “echtem” Journalist und begeistertem Blogger:


- Schlechte Recherche ist eine Frage der Persönlichkeit und nicht der Medienform. Wie genau der einzelne Schreiber hinschaut, ist meist in seinem persönlichen Ethos begründet. Da auch die Redakteure nicht alles wissen, rutsch ein schlecht recherchierter Artikel oft durch die Endkontrolle, sofern es die in Zeiten der Sparsamkeit überhaupt noch gibt. Man merkt sich im Laufe der Zeit die Namen der Journalisten oder Blogger, denen man vertraut.

- Beide Medienformen sind nicht unabhängig, man sollte wie immer die Struktur des einzelnen Mediums kennen. Kaum ein Medium wagte es noch, einem großen Anzeigenkunden einen Skandal reinzuwürgen. Noch schlimmer: offene Schleichwerbung ist im Bereich der Fach- und Publikumszeitschriften Gang und Gäbe. Auch bei Blogs gibt es viel mehr Schleichwerbung, als allgemein vermutet, so dass es schon einen Fachbegriff dafür gibt: Virales Marketing. Ein Blogger sollte bei Produktbeschreibungen immer eine kritische, satirische oder ironische Note mit hineinbringen, um diesem Verdacht zuvorzukommen. Selbst wenn der Wein noch so gut geschmeckt hat.

- Beide Gruppen sind auf einander angewiesen. Alle Journalisten, die ich kenne, verwenden Blogs inzwischen als Quelle der Recherche. Umgekehrt verwenden sie immer öfters selbst dieses Medium, um sich jenseits der Interessen ihrer Verleger austoben zu können. Unbedarftere Kollegen fühlen sich vielleicht in ihrer Existenz bedroht, wenn plötzlich alle schreiben können. Das sehe ich aber als unbegründet, denn eine gewisse persönliche Qualität schafft immer einen Vorsprung egal in welchem Medium. Man sollte dann eher Wert auf eine gute Recherche legen.

- Die Trennung zwischen professionellen und Bürgerschreibern wird immer weiter verwischen. Z.B. plant ein großer Verlag unter dem Namen Zoomer (nicht Zoomr) eine kommerzielle Newsseite, auf der sich Beiträge “echter” und Laienjournalisten mischen.

- Die Unterschiede werden instrumentalisiert. Wer sich selbst zu sehr vom “Blogger” oder “Journalisten” scheiden will, zeigt damit, dass er entweder zu viel Respekt vor dem anderen hat, etwa weil er in dem anderen einen Mangel seiner eigenen Fähigkeiten erkennt, oder weil er ein Interesse damit verfolgt (lest mich!) Beides finde ich falsch. Von einem Winzer erwarte ich nicht, dass er schreibt wie ein junger Gott, und von einem professionellen Schreiber nicht, dass er den latinischen Namen jeder Reblaus kennt. Aber der Winzer sollte lesbar sein und der Schreiber so gut recherchieren, dass er keine groben Patzer macht. Den Journalist könnte beim Winzer seines Vertrauens nachfragen, welche Mistreblaus das nun schon wieder ist, und dieser könnte sich bei der Gelegenheit gleich erkundigen, wie man ein Interview strafft und zuspitzt.

- In eigener Sache: Hausmannskost bleibt reichhaltig, trinkfest, stilsicher und insbesondere nach wie vor nichtkommerziell.

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