Mit 'Faust-Tröpfle' getaggte Einträge

Gutedelbloggen: Faust-Tröpfle aus Staufen

Dieser Herr hat vor ein paar Tagen begeistert einen Gutedel vorgestellt, und da möchte ich mich nun einreihen. Seit wir verwandtschaftlich bedingt gelegentlich in Baden sind, bin ich auf den Gutedel gestoßen, den ich als einfachen, frischen und günstigen Tischwein sehr schätze. Heute möchte ich ein Exemplar von höherer Qualitätsstufe vorstellen. Er kommt vom kleinen, aber sehr feinen Staufener Schlossberg, der auch als beeindruckender Aussichtspunkt in die Rheinebene einen Aufstieg wert ist. Die Premiumreihe der Staufener Winzergenossen nennt sich Faust-Tröpfle, der Herr Professor ist angeblich in Staufen verendet, und in dieser Reihe gibt es eben auch einen Gutedel, der sich vom einfachen aus der Literflasche deutlich abhebt.

Das merkt man bereits an der Farbe, strohgelb, fast kupferfarbene Ränder. Der Geruch ist zart, Blüten, Gänseblümchen, frischer Apfel, Birne, Aprikose, Stroh, ein bisschen Erdbeere. Der Auftakt ist mild, eine volle fruchtige Birne im Geschmack, nicht zu flach, ein leichtes Prickeln, trocken und lang. Sehr schmackhaft. Hatte für mich Anklänge an einen leichten Grauburgunder.

Winzergenossenschaft Staufen Staufener Schlossberg Gutedel 2007 Faust-Tröpfle
Deutschland/Baden
Weiß; Riesling

12,5 % Alkohol; Restzucker 4,0 g/l; Säure 5,0 g/l
Goldmedaille

Zwiebel-Speck-Waie aus geriebenem Teig

Aus Baden habe ich ein interessantes Rezept mitgebracht, nämlich Waie, ein Kuchen, den man im Prinzip mit allem möglichen belegen kann, Obst, Gemüse, Speck etc. Darüber kommt ein dünner Guss. Welcher Teig zugrunde liegt, ist traditionell wohl nicht so festgelegt, Blätter-, Mürb- oder Hefeteig kommen in Frage. Das mir vorliegende Rezept aus Staufen im Marktgräfler Land basiert auf einem geriebenen Teig, der im Ergebnis irgendwo zwischen Mürb- und Blätterteig liegt. Die Variante mit Zwiebeln und Speck, geht in Richtung Zwiebelkuchen oder Flammkuchen. In der Schweiz heißt Waie Wähe und wird, so viel ich weiß, aber immer mit Blätterteig zubereitet.

Teig
500 g Mehl (reicht für ein Blech)
250 g Butter
125 ml Wasser
10 g Salz

Belag
250 g Speck
500 g Zwiebeln
eine Knoblauchzehe
Kresse

Guss
3 Eier
200 ml Sahne
Salz, Pfeffer, Muskatnuss

Mehl in eine Schüssel geben, Butter in groben Stücken zufügen und beides mit den Händen miteinander verreiben, bis ein bröseliger Haufen entsteht. Salz im Wasser auflösen und in die Mitte der Brösel gießen. Nun alles schnell zu einem Teig drücken, keinesfalls kneten (!). Dann für eine Stunde in den Kühlschrank.

Inzwischen den Speck in dünne Streifen schneiden und ein wenig auslassen, dann die Zwiebeln in Halbringe schneiden und im Fett des Specks ebenfalls kurz andünsten. Beide sollten nicht dunkel werden.

Den Teig auf einem gefetteten und mit Mehl bestäubten Blech auswellen, einen Rand hochziehen, Belag verteilen (ohne Kresse) und den zusammengerührten Guss gleichmäßig darüber gießen. Bei 220 Grad in den Ofen, sobald die Waie etwas Farbe bekommen hat, runter schalten. Ca. 40 Minuten backen, bis Rand und Guss eine schöne Farbe bekommen haben. Dann erst mit Kresse bestreuen.

In Baden würde man einen Gutedel dazu trinken. Wir hatten einen badischen Riesling von hoher Qualität, ein Faust-Tröpfle aus Staufen von 2007. Der Wein ist von hoher Intensität, sehr voller, reiner Frucht, Apfel, Zitrusfrüchte, Klee, Nuss, starker Mineralik, nerviger Säure, einer feinen, fruchtigen Süße und lang im Abgang. Die vollen Extrakte und die Säure werden ihm ein langes Leben bescheren. Sind in ein paar Jahren die Säure abgemildert und die Aromen gereift, wird es ein wundervoller Wein.

Mit Mephisto aus der roten Hölle

Vor 200 Jahren erschien Goethes Faust. Das ist Grund genug, die folgende Flasche zu öffnen: Ein Faust-Tröpfle Spätburgunder 2005 aus Staufen im Breisgau, wo Faust angeblich sein Ende fand:

Was den Trinker erwartet ist jedoch feurig wie die Hölle selbst, so dass das Tröpfle eher mit Mephisto aus der Unterwelt gekommen ist, um das Homunculus zu erfreuen, als dass es in der kargen Gelehrtenstube den klaren Geist des Magister Faustus benebelt sollte. Denn am Anfang war die Kraft: mit 13,5 Prozent ist er nicht ganz ohne, hat aber genug Statur, um den Alkohol zu stützen. Hinzu kommt eine deutliche Süße, von der die Hexen der Walpurgisnacht noch heute schwärmen.

Die Farbe ist ein helles Kirschrot, die Aromen sind kräftig, sanfte Fasstöne, Karamell, rauchig, Kirschkompott, Cocktailkirsche, Erdbeere, Himbeere, Schokolade, Nougat, Zimt, Nelke, ausgeprägt mineralisch. Im Geschmack eine frische Säure, feurig, aber gut eingebunden, leicht süß, saftig, Johannisbeere, Rauch, weiche Tannine, rund, lang. Insgesamt eben recht feurig und süß, wird von den dichten Aromen aber getragen. Kein schlechter Wein, doch mein Geschmack ist er nicht. Heinrich, mir graut vor Dir…



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