Weltweite Infratest-Studie Digital Life: Internet und Bloggen

Bloggen und Medien

Ein Mammut-Projekt: Fast 50.000 Onliner hat TNS-Infratest in 46 Ländern der ganzen Welt befragt und mit den Ergebnissen den weltweiten Medienbruch dokumentiert. Dabei zeigte sich ein deutlicher kultureller Schnitt zwischen den Wachstumsmärkten Asiens und der BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) einerseits und den westlichen, gesättigten Märkten andererseits. In den Wachstumsmärkten zeigen die Menschen ein weitaus größeres digitales Engagement etwa in Brasilien (48 Prozent) und China (54 Prozent) als in den gesättigten Ländern wie Deutschland (36 Prozent), Finnland (26 Prozent) oder Japan (20 Prozent). Obwohl diese Länder für gewöhnlich über eine gut ausgebaute Internet-Infrastruktur verfügen. Digitales Engagement bezeichnet dabei nicht nur die reine Online-Nutzung, sondern wertet bestimmte Aktivitäten wie Bloggen oder Teilhabe an sozialen Netzen.

Bloggen und soziale Netze treiben das Internet an
Neun von zehn Online-Usern in China (88 Prozent) und mehr als die Hälfte in Brasilien (51 Prozent) haben eigene Blog- oder Foreneinträge verfasst. In den USA liegt dieser Wert lediglich bei 32 Prozent, in Deutschland sind es immerhin 44 Prozent. Zudem ist das Internet in den asiatischen Wachstumsmärkten zum Standardmedium für die Verbreitung von Fotos geworden. Der Anteil der Onliner, die Fotos hochladen, beträgt in Thailand 92 Prozent, in Malaysia 88 Prozent und in Vietnam 87 Prozent. Die entwickelten Märkte sind hier deutlich zurückhaltender. So haben nicht einmal die Hälfte in Deutschland (48 Prozent) und weniger als ein Drittel der Online-Konsumenten in Japan (28 Prozent) bisher Fotos auf Social Websites hochgeladen.

Mobile Beschleunigung
Weltweit verbringen mobile Internetnutzer durchschnittlich 3,1 Stunden in der Woche in sozialen Netzwerken, aber nur 2,2 Stunden mit E-Mail. Smartphones werden die digitale Landschaft ändern. Die Studie zeigt, dass Verbraucher davon ausgehen, dass sich die Nutzung sozialer Netzwerke eher über Handys als über PCs verstärken wird. In den USA erwarten beispielsweise mehr als 36 Prozent der Befragten, dass sie die Nutzung von Communities über das Mobile intensivieren werden. In Schweden sind es sogar 53 Prozent, in Deutschland nur 29 Prozent.

E-Mail veraltet
Online-Konsumenten verbringen im Durchschnitt mehr Zeit in sozialen Netzwerken als mit E-Mail. In Wachstumsregionen werden durchschnittlich 5,2 Stunden pro Woche mit sozialen Netzwerken verbracht, verglichen mit vier Stunden E-Mail-Nutzung. Die Online-Konsumenten in gesättigten Märkten konzentrieren sich dagegen noch deutlich mehr auf das Korrespondieren per Mail. 5,1 Stunden werden hier damit verbracht, den Posteingang zu prüfen. In sozialen Netzwerken wird durchschnittlich 3,8 Stunden interagiert. Zu den intensivsten Nutzern sozialer Netzwerke gehören Malaysier (9 Std./wöchentlich), Russen (8,1 Std.) und Türken (7, Std.). Deutlich geringer dagegen die Nutzung in Deutschland. Hierzulande sind die Onliner 3,1 Stunden pro Woche in Communities unterwegs.
Die Malaysier haben auch die meisten Online-Freunde, 233 im Schnitt, gefolgt von Brasilianern mit 231 Freunden. Die Japaner bilden mit nur 29 Freunden das Schlusslicht. Überraschenderweise haben die Chinesen im Durchschnitt nur 68 Online-Freunde, obwohl sie die sozialen Netzwerke sehr intensiv nutzen. Das verweist auf eine Kultur, die sich auf wenigere, aber umso engere Freundschaften stützt. In Deutschland liegt der Wert bei 75 Personen.

Parameter
Die Studie will ein vollständiges Bild liefern, wie sich Konsumenten im Internet verhalten, was sie lenkt und welche Verhaltensweisen wirtschaftliches Wachstum beschleunigen. Sie deckt laut Infratest 88 Prozent der weltweiten Online-Population ab. Dazu befragte Infratest 48.804 Personen im Alter von 16 bis 60 Jahren in den Ländern Ägypten, Argentinien, Australien, Belgien, Brasilien, China, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Hongkong, Indien, Indonesien, Israel, Italien, Japan, Kanada, Kenia, Luxemburg, Malaysia, Marokko, Mexiko, Niederlande, Nigeria, Norwegen, Österreich, Philippinen, Polen, Portugal, Russland, Saudi-Arabien, Singapur, Südafrika, Südkorea, Schweden, Spanien, Tansania, Thailand, Türkei, Uganda, VAE, USA und Vietnam.

Weitere Informationen unter
www.DiscoverDigitalLife.com
http://www.tns-infratest.com/presse/presseinformation.asp?prID=769

Jetzt wird es nur noch Zeit, dass die Verlage in Online-Redaktionen vernünftige Redakteursgehälter bezahlen.

Neues Pastaheft

Bloggen und Medien

Trotz sinkender Auflagen bei Food- und Weinmagazinen bringt der Falkmedia-Verlag ein neues Heft auf den Markt: Pasta Rezepte. “Es richtet sich an die Leserinnen und Leser zwischen 30 und 50 Jahren, die mit Lust und Liebe Pastagerichte in allen Variationen genießen möchten: ob mit Fleisch, Fisch, als Salat oder knusprig aus dem Ofen,” wirbt der Verlag. Die Druckauflage liegt bei 60.000, der Preis bei drei Euro, und vier Ausgaben im Jahr sind geplant. Offensichtlich handelt es sich um ein Low-Redaktions-Projekt, das weniger von Berichten und Reportagen lebt, sondern mehr in Richtung Rezeptsammlung geht.

Aber, dass so ein Format gegen das Internet mit seinen allumfassenden Rezeptdatenbanken bestehen soll, finde ich sehr zweifelhaft. Gerade in der jungen Zielgruppe.

Blogger machen Welt Kompakt

Bloggen und Medien

Gerade bekomme ich eine Pressemeldung von A. Springer, dass die Ausgabe der Welt Kompakt am 1. Juli von Bloggern gestaltet wird. Unter diesen sollen Jeff Jarvis, Robert Basic und Sachar Kriwoj sein.  Chefredakteur Jan-Eric Peters dazu: “Unser Experiment soll zeigen, wie auf das Internet zugeschnittene Inhalte als Zeitung funktionieren. Ich freue mich auf  eine überraschende und ungewöhnliche Ausgabe.”

Warum ist der Chefredakteur eigentlich kein Blogger? Und hoffentlich werden die Blogger auch wie freie Redakteure bezahlt! Inzwischen sind viele Medienhäuser der Meinung, sie könnten mit Laienschauspielern Kosten sparen. Das sollten sich diese nicht gefallen lassen und eine ordentliche Rechnung stellen. Preisinfos erteilen die Berufsverbände.