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Chili und Tannine

Irgendwo hab ich mal gelesen, dass gerbstoffreiche Weine zu asiatischem Essen passen, weil sie die Schärfre hervorheben. Eine gewagte These, die es nun zu überprüfen galt. Als Vertreter der Tannine fand sich ein Domaine Santa Duc “Les Plans”, ein Vin de Pay de Vaucluse von 2006. Der Tanningehalt (Grenache, Syrah, Cinsault) des Weins Wein ist so hoch, dass es lohnt, ihn eine Zeit zu lüften. Also ein geeigneter Kandidat für den Test. Für Chili standen vietnamesische Frühlingsrollen Saigoner Stil (cha gio) mit Fisch-Dip (nuoc mam cham). Im Unterschied zu chinesischen Rollen, werden die vietnamesischen aus weißem, durchsichtigem Reispapier gemacht:

20 bis 25 Blatt Reispapier (16 cm Durchmesser)
200 g Hähnchenbrust
100 g Krabben/Garnelen
100 g Süßkartoffeln (oder Möhren)
50 g Reisnudeln
2 Eier
2 El Mu-Err-Pilze
3 Frühlingszwiebeln
Knofi, Salz, Pfeffer

Pilze und Glasnudeln vorher getrennt einweichen. Alle Zutaten bis auf das Reispapier fein Würfeln, bzw. die Nudeln mit der Schere klein schneiden, und alles gut vermengen. Das Rollen geht so: Ein paar Blätter Reispapier in Wasser tauchen und dann auf ein feuchtes Tuch legen. Nach ein paar Sekunden sind sie weich. Einen Wurm Füllung drauf legen, dann von oben einrollen und die Seiten dabei einschlagen. Wenn das Papier wieder etwas trocknet, halten die Röllchen gut zusammen. Nicht aufeinander stapeln, denn sie kleben gut.

Die Zubereitung ist vielfältig: Die Röllchen können roh gegessen werden (dann muss man die Füllung anbraten), oder frittiert oder in einem Dämpfkorb dämpfen (mein Favorit). Alle Varianten sind sehr lecker. Nur noch nicht so richtig scharf. Aber da kommt der Dip ins Spiel:

4 El Vietnamesische Fisch-Sauce (Nouc mam)
2 El Limettensaft
1 El Zucker
zerdrückter Knofi, Chili nach belieben

Das ganze muss noch etwas mit Wasser verdünnt werden. Echt scharf.

Wie passen nun die eingedippten Röllchen zu den Tanninen im Wein? — Überraschend gut! Hätte ich nicht gedacht. Es ist tatsächlich so, dass die Schärfe im Zusammenspiel hervorgehoben wird, was vielleicht nicht jedermanns Sache ist. Aber es beißt sich nicht, die Tannine selbst treten deutlich zurück, so dass der fruchtige Zug (feine Kirsche, Holunderbeere, Johannisbeere) in den Vordergrund kommt. Auch das passt sehr gut zum Asiatischen. Das Wagnis hat sich gelohnt und ist für eine Überraschung für Gäste gut.

Zum Wein, die Farbe ist Rubinrot mit bläulichem Einschlag. Das Aroma intensiv beerig-würzig, neben den oben genannten, Holz, Pfeffer, Rauch. Der Auftakt ist tanninig mit nerviger Säure, trocken, schwer, lang. Nach ein paar Stunden lüften wurde der Knochen zugänglicher. Hat noch Zukunft.

Domaine Santa Duc “Les Plans” 2006
Vin de Pay de Vaucluse
Frankreich/Rôhne

Rot; Grenache, Syrah, Cinsault
13,5 % Alkohol; Ausbau im Holzfass

Casanovas Eier (mit Marsala)

Beitrag zum 33. Kochblog-Event mit dem Thema aphrodisische Gaumenfreuden:

Die nie enden wollende Manneskraft, ein Traum aller Männer und wohl auch aller ihrer Partnerinnen. Sie wurde in Phallussymbolen kultisch verehrt, hat eigene Götter bekommen, ist auch beim Menschen Triebkraft der Revier- und Paarungskämpfe und das eigentliche Hauptthema der so genannten Männergespräche. Es ist die Meta-Ebene, die unter Diskussionen um Fußballtore, Autopferdestärken, Prozessorentakte, Serverauslastungen und Google-Pageranks immer mitschwingt, hätte uns der Philosoph Michel Foucault erklärt. Kurz gesagt: Diskurshoheit garantiert besseren Sex.

Der größte Experte auf diesem Gebiet war jedoch sicher nicht der französische Theoretiker, sondern der italienische Praktiker Giacomo Casanovo. Bei einer Orgie bot ihm die erhitzte Gesellschaft einen Wettstreit an: Er — schon im etwas fortgeschrittenen Alter — soll gegen einen herkuleischen Jüngling antreten: Wer schafft es öfters im Laufe dieser einen Nacht. Damen als Testumgebung fanden sich bereitwillig. Casanova hat gewonnen.

Sein Erfolgsrezept bestand darin: Vor dem Wettstreit bat er um acht rohe Eier, die er vor Beginn der Übung an Ort und Stelle austrank. So erzählt es jedenfalls Frederico Fellini in einem seiner schönsten Filme mit Donald Sutherland als Casanova. Leider habe ich die Eierszene bei YouTube nicht gefunden, aber eine andere, die Filmgeschichte geschrieben hat: Casanovas Tanz mit der mechanischen Puppe.

Acht rohe Eier zu vertilgen, bedarf wahrhafter Männlichkeit. Wer es etwas angenehmer (und vielleicht nicht ganz so herb-männlich) haben möchte, mischt sie sich mit Marsala sowie Zucker und erwärmt das Ganze, Zabaione nennt es sich dann. Das ist fast wie Eierlikör, der jede Damen dahin schmelzen lässt…

8 Eigelb
130 g Zucker
4 dl Marsala

Zucker und Eigelb schaumig schlagen. Marsala unterrühren und in einem Topf unter ständigem Rühren langsam erhitzen. Sobald die Masse dicker und cremig wird, vom Feuer nehmen und abgießen. Wer zu lange kocht, bekommt ein Omelette. Mit einem Simmertopf (Wasserbad) geht es einfacher. Heiß wie die Lust servieren.

Spargel, Flädle, Schinken und Silvaner vom Stein

Traditionell gibt es Spargel bei uns mit Flädle und Schinken. Flädle sind dünne, schwäbische Kräuterpfannkuchen, deren Ei-Gehalt schon in Richtung Omelette tendiert. Pro Ei rechne ich nur 30 bis 40 Gramm Mehl. Dann rührt man so viel Wasser hinein, bis ein dünnflüssiger Teig entstanden ist. Der soll in der Pfanne gut verlaufen, so dass sich wirklich dünne Flädle damit heraus backen lassen. Frische, gehackte Kräuter nach Belieben, in jedem Fall Schnittlauch. Und — ich weiß nicht, ob ich es dazu sagen muss — natürlich keinen Zucker.

Die heißen Flädle, den gebutterten Spargel und den gekochten Schinken bester Qualität serviert man getrennt. Auf dem Teller wird der Spargel nicht mit ins Omelette gewickelt, sondern nur der Schinken. Wer da noch Hollandaise drüber kippen will, ist selbst schuld. Ich mag den Spargel übrigens durchaus mit etwas Biss, also nicht bis kurz vor die Zellauflösung verkocht.

Spargel ist kein einfacher Partner für Wein, denn dieser darf nicht zu spritzig sein, sonst stört er sich mit dem herben Unterton des Spargels. Andererseits darf er nicht zu mild und geschmacksneutral sein, sonst geht er unter. Mild und voll heißt die Devise. Ich hab mich für eine angereifte Silvaner-Spätlese von Würzburger Stein entschieden.

Noch ein Wort zum Würzburger Stein. Nur wenige Weingüter haben die Ehre, dort anbauen und ernten zu dürfen. Den größten Brocken teilen sich Juliusspital, Staatlicher Hofkeller und Bürgerspital. Silvaner ist die Traditionsrebe, so gibt es noch einen Bocksbeutel Stein-Silvaner von 1540, den Hugh Johnson einmal verkosten dürfte (mit einer Spritzennadel wurde etwas Flüssigkeit durch den Korken entzogen), und er war der Meinung, dass der Wein durchaus noch Frische hätte. Die hatte meine trockene Spätlese von 2005 durchaus auch, kein Wunder nach erst drei Jahren. Die Farbe ist hellgold, wie bei einem jungen Wein. Das Aroma fein und frisch. Leicht mineralisch, Tropen- und Südfrüchte (insbesondere Maracuja), Wiesenblumen. Der Auftakt ist mild, fruchtig, es zeigt sich ein leichtes Prickeln, geschmeidige, feine Säure, runder Körper, langer Abgang. Ob er noch 500 Jahre durchhält, kann ich nicht garantieren, aber für ein Hundertstel davon ist er sicher noch gut. Und zum Spargel passt er jetzt schon.

Brennnesselgemüse mit Champignons

Ein ewiger Ehestreit um die Brennnesseln unter dem Hollerbusch, mein Frau redet von Kindern, Sitzbänken und lauen Sommernächten, ich von Gartenklima, Nutzpflanze, Jauche und natürlich Frühlingsgemüse. Der Kompromiss sieht so aus, dass ich jedes zweite Wochenende unter die Büsche krauche und die Nesseln auf kinder-, gartenbank- und sommernachtfreundlicher Größe halte. Doch das ist es mir wert, wenn ich an das köstliche Gemüse denke, das sich derzeit allerorten ernten lässt. Solange es so jung ist, kann der Gärtner die abgeschnittenen Blätter ohne Gefahr sogar noch mit der Hand in einen Sammelbehälter füllen.

Sehr gut passen die Nesseln zu Champignons: Zwiebeln andünsten, Nesseln und Pilze hinzu, nicht zu kurz dünsten und mit Creme Fraiche verlängern. Der etwas herbe Geschmack der Blätter passt sehr gut zu den milden Champignons.

Spaghetti mit Wildkräuter-Öl

Heute hab ich das erste Mal frische Kräuter aus dem Garten geerntet, denn langsam sind die Pflanzen groß genug, um den Schnitt einer Küchenportion zu überleben. Die Kräuter hacke ich (nicht zu) klein und lege sie eine halbe Stunde in Olivenöl ein. Das wird dann die Nudelsauce und nur noch Salz, Chilli und Parmesan kommen hinzu. Dran glauben musste:

Süßdolde (eine Kerbel-Art)
Bärlauch
Sauerampfer
Salatrauke
Liebstöckel
Giersch
Mauerpfeffer

Das war das erste Mal, dass uns als Familie 500 Gramm Nudeln nicht mehr gereicht haben. Man hat den Eindruck der Körper sehnt sich nach den Wintermonaten regelrecht danach.  Brennessel wäre ebenfalls reif, da sie aber blanchiert werden muss, passte sie heute nicht. Mehr dazu in den nächsten Tagen…

Mediterranes Rinderragout

Was ist der Unterschied zwischen Gulasch und Ragout? Eine kleine Netzrecherche hat leider keine klare Definition geliefert. Wahrscheinlich werden beide Begriffe einfach synonym verwendet. Für mich ist Gulasch ein ungarisches Gulasch mit viel Zwiebeln und relativ suppig. Ragout verbinde ich hingegen mit einer festeren Konsistenz. Ragout fin schließlich besteht aus Kalbfleisch und hat eine weiße Sauce. Am Wochenende habe ich mich für ein Ragout aus Rindfleisch entschieden, das mit Mittelmeerkräutern gewürzt ist.

700g Rindergulasch
Dicke Scheibe geräucherter Speck
Knochen
2-3 dicke Karotten
2 Selleriestangen
3-4 Frühlingszwiebeln mit Grün
Eine kleine Petersilienwurzel
Eine Tomatendose
Eine dreiviertel Flasche Syrah
Sherry
Knofi
Eine Handvoll Nüsse
Ein paar Oliven
Kräuter (Thymian, Oregano, Paprikapulver, Lorbeer etc)
Eine Tasse Milch
Petersui, Pfeffer, Muskatnuss

Speck und Fleisch würfeln und mit dem Knochen portionsweise in Olivenöl anbraten. Beiseite legen. Dann im selben Topf das fein gewürfelte Gemüse anbraten. Fleisch, Speck und Knochen wieder dazu, mit den Tomaten ablöschen und alles einkochen lassen. Dann mit Sherry und Rotwein ablöschen. Der Wein sollte tanninhaltig und kräftig sein (z.B. Syrah aus Südfrankreich). Die Konsistenz darf wie gesagt nicht zu suppig werden. Knofi dazu. 2,5 bis 3 Stunden kochen lassen. Eine halbe Stunde vor Schluss Nüsse, Oliven und Kräuter dazu. Immer wieder mit etwas Milch aufgießen. Zum Schluss die Petersilie etc. drüber streuen. Als Beilage eignen sich Bandnudeln.

Zum Essen passt derselbe Wein, mit dem gekocht wurde. Wir hatten einen Château Mauleon 2006 aus dem französischen Südwesten (AC Caramany). Ein junger, frischer, kräftiger etwas rustikaler Roter mit schönen Blaubeer- und Eichenaromen. Der hohe Alkoholgehalt (13,5%) schlägt sowohl im Aroma als auch im Geschmack etwas durch.

Partysnack: Blätterteigstangen mit eingerolltem Schinken

Blätterteigstangen sind ein sehr dankbares Mitbringsel für eine Party: schnell gemacht, gut transportfähig und vor Ort sehr beliebt. Meine Lieblingsvariante ist die mit eingerolltem Schinken. Schinken und Teig sind ineinander verwickelt und werden durch das Backen schön knusprig. Außerdem passen sie zu so gut wie jedem trockenen Wein.

Eine Platte Blätterteig
Vier Scheiben rohgeräucherter Schinken, der Länge nach halbiert
Eigelb
Kräuter (Thymian)
Pfeffern

Teig nicht ausrollen, längs in acht Scheiben schneiden, jede Scheibe mit Eigelb bestreichen, mit Kräutern bestreuen und eine halbe Schinkenscheibe darauf plazieren. Schinken und Teigstreifen nun um die eigene Achse verdrehen, so dass Schinken und Teig sich ineinander verwickeln. Alle Stangen auf ein Backblech mit Backpapier legen, pfeffern und bei 180 Grad Umluft in den Ofen. 10-12 Minuten backen. Offen auskühlen lassen. Der Schinken sollte nicht zu salzig sein.

Rinderrouladen mit Pflaumenfüllung und Merlot

Die drei Komponenten Rindfleisch, Pflaumen und Merlot ergänzen sich wunderbar, sowohl in als auch neben der Sauce.

4 große Rouladen
Süßer Senf
8 Scheiben Speck
Mehl

Füllung:
2 kleine Zwiebeln
150 g getrocknete Pflaumen
3 Knoblauchzehen
Merlot

Sauce:
Wurzelgemüse
Knochen
Merlot, Fonds
Creme Fraiche
Pfeffer, Petersilie, Muskatnuss

Zuerst die Füllung zubereiten: Zwiebeln andünsten, Pflaumen hinzu, zum Schluss Knofi, mit einem Schuss Wein ablöschen und einkochen lassen. Rouladen, mit Salz, Pfeffer und Senf einreiben, Speckscheiben auflegen, füllen, rollen und zubinden. Mit Mehl bestäuben und portionsweise mit Wurzelgemüse und Knochen anbraten, Rouladen in ein Auflaufform. Bratensatz mit Wein und Fonds ablöschen, würzen und über die Roulladen gießen. Rouladen benötigen viel Flüssigkeit. Im Ofen zwei Stunden schmoren (220 Grad, später weniger). Rouladen, aus dem Bratenfond nehmen und abgedeckt in den abgeschalteten, aber warmen Ofen zurück. Sauce einkochen und würzen.

Mein Merlot am Wochenende war ein italienischer von San Leonardo aus dem Trentino (Vigneti di Dolomiti DOC) 2004. Die Farbe war granatrot und relativ hell. Im Geruch tritt die slowenische Eiche sofort deutlich hervor. Dann auch pfeffrig der Alkohol, ferner Tabak, dichte Frucht, Kirsche, Himbeere, Rose, Sanddorn, Muskatnuss. Der Geschmack zeigt eine frische Säure, wieder feurig-pfeffrig der Alkohol, Frucht. Der Körper ist rund, extraktreich und lang. Die Tannine haben eine deutliche Reife und nur noch wenig Biss. Anfänglich hatte der Merlot ein schönes Gleichgewicht zwischen strenger Säure und reife Noten, später wirkt er etwas müde. Und insgesamt etwas zu alkoholisch. Zu den Rouladen passte er ausgezeichnet, mein Favorit wird es aber nicht.

Rhabarberfisch

Um ehrlich zu sein, sollte es ein Selleriefisch werden, doch der frische Rhabarber hat mich so angelacht, dass eben ein Rhabarberfisch draus geworden ist. Das Frühlingsgemüse ist relativ sauer, so dass der Fisch keine Zitrone mehr braucht.

Fischfilets
Etwa dieselbe Menge Rhabarber
Orangensaft
Zwiebel, Knofi
Fischfond, Sherry
Petersilie, Muskatnuss

Gewürfelte Fischfilets in Orangensaft, Salz und Pfeffer marinieren. Inzwischen den Rhabarber putzen, die langen Fäden ziehen, eine Zwiebel hacken, Knofi ebenso. Den marinierten Fisch kurz, aber kräftig portionsweise anbraten, so dass er ein bisschen Farbe bekommt, aber nicht zerfällt. Dann im selben Topf die Zwiebel andünsten und mit Fischfond ablöschen. Knofi, die Marinade und etwas Sherry dazu. Das ganze schön reduzieren. Für die letzten zehn Minuten den Rhabarber mit kochen und ganz zum Schluss erst Fisch, Petersilie und Muskatnuss.

Ich hab noch ein paar eingeweichte, asiatische Pilze zugefügt Als Beilage gab es Nudeln und den Prosecco, den ich im nächsten Beitrag beschreibe.

Weißbrot mit Sauerteig und Olivenöl

Das ist eigentlich das einzige Brot, das ich gelegentlich backe, variiere manchmal die Mehlsorten und Gewürze. Sehr gut passen z.B. geriebene Nüsse. Durch den Sauerteig wird der Geschmack angenehm säuerlich. Das Grundrezept geht so:

Sauerteig
25 g Mehl
40 ml Wasser
1 TL Zucker

Vorteig
Sauerteig aus Weizenmehl
1/4 Klotz Hefe
250 ml Wasser
350 g Weizenmehl 550 oder Dinkel 630

Hauptteig
50 ml warme Milch
1/4 Hefeklotz (10g)
250 ml Wasser
100 g Grieß
450 g Weizenmehl 550 oder Dinkel 630
Salz, Olivenöl

Sauerteig
Sauerteig stellt sich von alleine her. In einem hohen Glas (z.B. einem Joghurt-Glas) vermischt man Mehl, Wasser, Zucker und lässt das Glas offen stehen. Jeden Tag einmal dran riechen und umrühren. Nach zwei bis drei Tagen riecht der Teig deutlich säuerlich und wirft kleine Blasen. Dann ist er fertig, kann sofort verwendet oder für später eingefroren werden. Welches Mehl man nimmt hängt vom Brot ab, das man backen will: Weizenmehl für Weißbrot, Roggenmehl für dunkles Brot.

Wenn ich das Glas geleert habe, lasse ich die Teigreste komplett eintrocknen und verschließe es anschließend. In diesem Glas rühre ich dann den nächsten Teig an, so dass die festgetrockneten Reste als Startkultur dienen. Geht aber auch ohne.

Vorteig
Hefe in Wasser auflösen, zehn Minuten stehen lassen, mit dem Sauerteig und Weizenmehl verrühren, mit einem Tuch zudecken und über Nacht in den Keller stellen.

Hauptteig
Am nächsten Tag einen Viertel Klotz Hefe in Milch verrühren, zehn Minuten stehen lassen und dann in den Vorteig rühren. Warmes Wasser, Grieß und Mehl, 2 El Öl, und 1,5 Tl Salz zufügen und das Ganze gut durchkneten.

Gehzeiten
Teig dann in der Schüssel mit Öl einstreichen und 1,5 Stunden in der Küche gehen lassen. Anschließend Teig ohne viel kneten in die gewünscht Form bringen: vier kleine Brötchen oder ein bis zwei Leiber und jeweils auf ein Backpapier legen. Manchmal fülle ich auch zwei ovale Keramikschüsseln, da der Teig dann nicht in die Breite geht, sondern in die Höhe. Geformt nochmals 1,5 Stunden mit einem bemehlten Tuch bedeckt gehen lassen.

Backen
Einen flachen dicken Stein (z.B. sogenannten Pizzastein) auf das Gitter legen und auf die untere Schiene schieben. Auf den Boden eine Schüssel mit Wasser stellen. Ca. eine halbe Stunde vor Ende der zweiten Gehzeit, den Backofen auf 220 Grad heizen (mit Backofenthermometer prüfen!). Mit dem Stein dauert das etwas länger als sonst. Dann kommen die Brote mit Backpapier oder Schüssel auf den Stein. Die Backzeit variiert je nach Dicke des Brots. Ein flacher Fladen oder Semmeln brauchen 25 Minuten, ein hoher Laib länger. Zehn Minuten vor Schluss streiche ich die Brote mit einer Salzlösung ein, dann wird die Kruste besser. Bäckt man in zwei oder mehr Chargen, so muss die Temperatur beim Einschießen wieder stimmen.

Bayerischer Schweinsbraten mit Semmelnknödln (Saubloggen am Mittwoch)

SchweinSbraten und nicht SchweinEbraten ist der korrekte, im Bayerischen vorgefundene Begriff, wie wir von Karl Valentin wissen. Denn der Braten kommt ja von einem einzigen Schwein. Während ebenso SemmelNknödeln richtig ist und nicht hochdeutsch Semmelknödel, weil eben Semmelteig aus vielen Semmeln und nicht nur aus einer besteht. Interessanter Weise meckert meine Rechtschreibprüfung bei keinem der Begriffe. Nun gut. Zum Schweinsbraten. Bei der Wahl des Fleischs gibt es eine grundlegende Entscheidung: mit oder ohne Kruste (Schwarte). Kruste ist bei vielen Bratenfreunden gefragter, aber das Fleisch ist trockener. Ohne Kruste – ein Stück vom Hals – ist saftiger und vom Fleisch her attraktiver. Eindeutig mein Favorit. Mit Kruste ist meistens von der Schulter, aber sehr gut und etwas feiner ist auch ein Stück Keule.

Fleisch von Hals, Schulter oder Keule (Schwarte vom Metzger einschneiden lassen)
Knochen
Hühnerbrühe/Fond
Zwiebeln, Karotten, Sellerie, Petersilienwurzel
Lorbeerblatt, Pfefferkörner, Kümmel
Knofi, Ingwer, Majoran, etc.
Rotwein
Crème Fraîche
Petersilie
Evt. Champignons

Das Bratenstück mit Salz und Pfeffer einreiben. Wenn der Braten eine Schwarte hat, so kommt diese in der gefetteten Reine anfänglich nach unten. Backofen auf 225 Grad vorheizen, dann Braten, Knochen und ein bisschen Gemüse hinein. Wenn die Unterseite eine schöne Farbe bekommen hat, wird der Braten umgedreht. Ebenfalls warten, bis die Schwarte angebraten ist. Dann Brühe angießen, Lorbeer, Pfeffer, Kümmel hinzu und Temperatur auf 175 Grad reduzieren. Ein Braten ohne Schwarte muss nicht gedreht werden. In der letzen halben Stunde kommen Knofi, Ingwer und Majoran hinzu. Die Bratenzeit variiert je nach Fleischdicke. Unter einem Kilo sind es circa anderthalb Stunden, dickeres Fleisch länger. Die Kerntemperatur bei Schwein sollte bei circa 65 Grad liegen (mit Kernthermometer gemessen). Bei einem Braten mit Schwarte schaltet man am Schluss für ein paar Minuten den Grill ein, damit die Kruste schön knusprig wird. Vorsicht, verbrennt leicht.

Braten auf einen Teller, zudecken. Den Bratensatz durch ein Sieb in einen Topf gießen. Die Sauce etwas reduzieren und mit Wein, Crème Fraîche, Petersilie und weiteren Gewürzen abschmecken. Nach Geschmack gedünstete Champignons hinein. Den fertigen Braten aufschneiden, mit etwas Sauce begießen und servieren.

Nun zu den Knödeln:

10 trockene Semmeln
3/8 l Milch
3-4 Eier
1 kleine Zwiebel
Salz, Pfeffer, Petersilie

ergibt acht mittelgroße Knödel

Alte Semmeln nehmen, sonst frische Semmel einen Tag auf der Heizung trocknen lassen. Petersilie und Zwiebel hacken und etwas andünsten. Semmeln in dünne Scheiben schneiden und in einen Topf häufeln. Milch erhitzen (nicht kochen) und über die Semmelscheiben gießen. Topf verschließen und dreißig Minuten ziehen lassen. Nach der Hälfte der Zeit, einmal umschichten. Dann mit allen weitern Zutaten verkneten. Mit feuchten Händen Knödel formen, wenn der Teig zu weich ist mit Semmelbröseln strecken.

Wasser erhitzen, bis Blasen aufsteigen, aber es darf nicht sprudeln. Sonst zerfallen die Knödel. Knödel fünfzehn bis zwanzig Minuten ziehen lassen.

Als passender Wein erwies sich ein Barbera d’Asti “San Nicolao” 2006 von Terra da Vino, Fruchtig und hell zum Schwein, aber dennoch stark und tanninig gegen das Fett. Rubinrot, glänzend, relativ hell; Aroma zurückhaltend, Kirsch, Holz, Vanille, Pfeffer, Alkohol, mineralisch, Wachs; Auftakt kirschig, leicht feurig und etwas süß. Der Körper ist rund, der Abgang lang und etwas bitter. In den Tiefen liegt eine verschlossene Geschmacksschicht, die derzeit vom Alkohol überlagert wird. Nach einiger Zeit im Glas wird die Kirsche noch deutlicher. Gestört hat mich der Kunstkorken.


 

Mai 2008
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