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Weinrallye 40: Räuschling – der Zürichseewein

Ein Gastbeitrag von Peter Züllig aus der Schweiz:

Aufgewachsen am Zürichsee, ist mir eine weisse Rebsorte seit je vertraut: der Räuschling. Als ich viel später in meinem Leben in den sich selbst adelnden Kreis der Weinliebhaber eingestiegen bin, wurde ich sozusagen gezwungen, dem Räuschling zu entsagen. „Dies ist doch keine Rebsorte, aus der guter Wein zu machen ist“, sagte man mir – immer und immer wieder. Beinahe hätte ich es geglaubt! Als dann auch mein deutscher Freund Egon, der Riesling-Kenner, bei einer Verkostung verlauten liess: „Räuschling, den braucht die Menschheit nicht“, da war das Selbstvertrauen dahin. „Mach’s gut, mein alter Räuschling, wir werden uns kaum wiedersehen.“

Doch wir begegneten uns wieder, diesmal unter weit günstigeren Umständen. Im „Zunfthaus zur Meisen“ in Zürich, wo „Essen und Trinken aufs Engste mit der Weinleute-Zunft verbunden ist“. Ausgerechnet bei einem Treffen von Bankern mit Winzern wurde zum Aperitif Räuschling serviert. Räuschling, ein Aperitif-Wein? Bisher war er für mich ein idealer Wein zum Zürichsee-Egli (Barsch). So habe ich ihn einst auch der Forums-Weinrunde in Bielefeld präsentiert – allerdings mit wenig Erfolg. So wenig, dass sogar ich in tiefen Zweifeln versank und nie wieder – vor allem nicht neben einem Riesling – einen Rettungsversuch unternehmen wollte.

Mit dem Aperitif-Glas in der Hand, hat der Abend der Winzervereinigung „Mémoire des Vins Suisse“ (Schatzkammer des Schweizerweins) begonnen. 39 Mitglieder zählt die Gruppe, darunter die besten der Schweiz. Zum Beispiel die „Königin“ der „Petite Arvine“, Marie-Thérèse Chappaz, der Weinfürst aus Dézaley, Louis Bovard, die Genfer-Grafen der „Domaine des Balisiers“, Daniel Schlaepfer und Gérard Pillon, der Meilener Räuschlingfürst, Hermann Schwarzenbach und, und, und…

Wo Schwarzenbach ist, kann der Räuschling nicht fehlen. Er, der Zürichsee-Winzer, baut ihn – sagt man – am besten aus. So gut, dass er sogar den Auftakt einer festlichen Essens mit Bankern machen kann. Ich bin begeistert und bin es immer noch. Räuschling, der Wein vom Zürichsee, gehörte einst zusammen mit dem inzwischen verschwundenen Elbling, zu den verbreitetesten Weissweinsorten der Schweiz; solange, bis der Müller-Thurgau kam und die beiden uralten Rebsorten fast ganz verdrängt hat.

Noch immer weiss man  – trotz DNA-Analyse – nicht mit Sicherheit, wer seine Eltern sind. Der Papa ist wohl Gouais Blanc (Weißer Heunisch) und die Mama? Kommt sie wirklich aus der Traminer-Familie, wie einige Forscher behaupten? Tut eigentlich wenig zur Sache. Der Räuschling wächst heute in der Schweiz nur noch auf 20 Hektaren, das sind 0.13 Prozent der gesamten Rebfläche der Schweiz (150‘000 ha).

Zwei Winzer und eine Winzerin vom Zürichsee haben sich vor zwei Jahren zusammengefunden um gemeinsam einen Räuschling zu machen. „R3 – drei Winzer, drei Böden, ein Wein“ verkündet die Werbung. Alle drei betonen die Bedeutung der Landschaft. Erich Lüthi (Männedorf) möchte sogar „die Zürichsee-Stimmung in Flaschen einzufangen“. Dies umschreibt er so: „frische kühle Luft über spiegelglatter Wasseroberfläche an einem Sommermorgen, gespenstische Stille an nebligen Herbsttagen und zum Greifen nah liegende verschneite Berggipfel an frostig-sonnigen Wintertagen“.

Der Spitzenwein R3 einer rar gewordenen Rebsorte, kostet immerhin stolze 28 Franken (knapp 19 Euro). Vor mir steht aber der „einfachere“ Räuschling Seehalde von Hermann Schwarzenbach (Preis 17 Franken), für den der Winzer schon so manchen Preis erhalten hat. Es ist ein vielschichtiger Wein, ein „reicher“ Räuschling, voll verschiedener Zitrusnoten, mit einer feinen, diskreten Säure, leicht „weinig“, eher zurückhaltend, mild im Gaumen, mit einer erstaunlich filigranen Struktur und trotzdem angenehm saftig.

Wenn ich die Wertungen durchgehe, von René Gabriel bis Wolfgang Fassbender, taucht immer wieder der Begriff „räuschling-typisch“ auf. Ich versuche diese Formel mit Begriffen zu füllen: zartfruchtig, säurebeschwingt, zart-seidig, gradlinig…. ich fürchte, die Eigenschaften werden immer poetischer und versinken im Mythos. Tatsächlich findet sich im Umfeld des Räuschlings auch der Hinweis, dass Klopstock in seiner „Ode an den Zürichsee“ vom Räuschling spricht und auch Goethe in seinem Gedicht „Auf dem See“ den Räuschling erkennt, wenn er sieht, dass sich  „im See bespiegelt –  die reifende Frucht.“

Eigentlich halte ich es eher mit der Prosa: Der Räuschling – in seiner Spitzenklasse – ist ein ausgezeichneter Apérowein und ein idealer Begleiter zu Süsswasserfischen.

Und damit sind wir wieder dort, wo ich im zuerst begegnet bin, am Zürichsee.

Bayerischer-Schweizer Wurstsalat

Zum Geburtstag der Schweiz am 1. August hat Zorra zu einem Kochblog-Event aufgerufen. Da nun München und die Schweiz eine gemeinsame Vergangenheit im Kriegmachen gegen die Habsburger haben, wobei die Sendlinger Mordweihnacht zugegeben einen anderen Ausgang genommen hat, ist der Schmied von Kochel doch auch ein bisschen Wilhelm Tell und Grund genug, einen bayerischen Schweizer Wurstsalat in Angriff zu nehmen.

Bayerisch betone ich deshalb so, da der hiesige Schweizer Wurstsalat ein paar Eigenheiten hat, die ihn von anderen unterscheiden, wie auch im Verlauf des aktuellen Kochbog-Events schon deutlich wurde. Denn einmal kommen nur Regensburger Würste in Betracht, keine Fleischwurst und kein Braten oder sonst etwas. Regensburger. Punkt. Die Zutaten werden nicht zu klein geschnitten, sondern relativ grob verwendet. Also ganze Wursträder und grobe Käsestücke. Und es kommt so viel Salatsauce hinzu, dass der ganze Salat ein bisschen schwimmt. Die Sauce ist daher etwas dünner und wird mit Wasser, Weißwein oder änlichem gestreckt. Die Reste tunkt der Bayer mit Weißbrot oder Brezen auf.

Salat
In Räder geschnittene Regensburger
Schweizer Emmentaler
Zwiebel in Ringen oder Halbringen

Sauce:
Halb Essig, halb Öl
Etwas Senf
Wasser, Weißwein, Sherry oder Essiggurkenwasser zum Strecken
Salz, Pfeffer
Frische Kräuter

Weitere Zutaten nach Belieben:
Radieschen
Essiggurken
Baguette, Brezen, Semmeln

Der Salat sollte vor dem Servieren ein bis zwei Stunden durchziehen. Und jetzt muss ich beichten, dass ich ursprünglich Engadiner Maluns vorstellen wollte, die mir aber gründlich missraten sind. Vielleicht hätte ich dieses Rezept nehmen sollen.



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