Mit 'Toskana' verschlagwortete Einträge

Rezept: Penne alla Senese mit Chiantiwein

Im Herbst und Winter lieben wir Walnusssauce, bei dieser Variante aus Siena werden die gehackten Walnüsse etwas angeröstet, das macht sie bekömmlicher. Dazu hatten wir sehr passend einen leicht gealterten Chianti Riserva von 2003.

Walnüsse
Lauch
Knoblauch
Zitronenschale
Kapern
Creme Fraiche
Gekochter Schinken
Pfeffer, Nuss- oder Sesamöl, getrocknete Fenchelblüten, Basilikum oder Petersilie

Grobe Nudeln, z.B. Penne
Parmesan

penne

Die Walnüsse im Mörser stampfen oder in der Küchenmaschine klein hacken. Etwas Lauch zerkleinern und in der Pfanne andünsten, kurz Knoblauch und Zitronenschale hinzu, dann die Nüsse und alles auf kleiner Flamme ganz leicht etwa zehn Minuten rösten. Während dessen die Nudel aufsetzen. Die Sauce mit so viel Nudelwasser ablöschen, dass sie schön sämig und cremig ist. Dann die Kapern und die Creme Fraiche einrühren, auf kleiner Flamme warm halten bis die Nudeln fertig sind. Dann erst den Schinken unterheben und würzen: Nuss- oder Sesamöl, Pfeffer eh, typisch toskanisch sind die getrockneten Fenchelblüten, die aber nicht zu stark in den Vordergrund treten dürfen. Und etwas frisches Grün.

penne2

Ein Flasche gealterten Wein zum Essen zu servieren, ist immer ein Risiko, denn man hat ihn ein paar Jahre zuvor probiert und weiß nicht, in welchem Zustand er ist. Noch zu jung? Viele Weine sind im Zwischenstadium zwischen jung und alt unangenehem. Oder zu alt und langweilig? Diesmal hatten wir Glück, der sechs Jahre alte Chianti Riserva 2003 ist für meine Begriffe auf dem Höhepunkt, das ist natürlich Geschmackssache, aber ich mag sie am liebsten, wenn sie schon Alterstöne, aber noch ein bisschen jugendlichen Biss haben. So hat er wunderbar zum Essen gepasst mit Kraft und Würze, aber nicht zu dominant. Villa Puccini ist im Übrigen ein Supermarktwein, aber ein absolut zuverlässiger Sangiovese, kein großer Wein, aber sehr schmackhaft, würzig und beerig im Aroma, feine Holztöne, Kirsche, mild im Auftakt, volle, reine Frucht ohne Kitsch, dabei noch einen leichten, tanninigen Biss und echt und ehrlich trocken. Voll und lang im Abgang.

Noch ein Wort zum Alkoholgehalt, weil wir in einem andern Blog gerade die Diskussion hatten: Der Wein hat 12,5 Prozent, ist rundum harmonisch und noch lange nicht am Ende. Ich habe viele Weine in vergleichbarem Alter mit 13,5 und mehr Umdrehungen getrunken, die nur noch nach Alkohol schmeckten, wenn die eigentlichen Aromen milder werden. Es sind nur ganz wenige Weine, die den hohen Alkoholgehalt mit ins Alter nehme können. Barolo fällt mir ein.

chianti

Villa Puccini 2003
Chianti Riserve DOCG
Italien/Toscana

Rot; Sangiovese + ?
12,5 % Alkohol; Ausbau im Eichenholzfass

Brunello-Skandal: Banfi freigesprochen

Nun ist auch der Brunello 2003 von Banfi als regelkonform frei gesprochen worden, sprich, Analysen haben nicht nachweisen können, dass der Sangiovese mit anderen Trauben verschnitten wurde. Er wird ausgeliefert. Nachdem zuvor auch Antinori seine Absolution erhalten hat, scheint sich der Brunello-Skandal in Luft oder Weingeist oder was auch immer aufgelöst zu haben. Was bleibt übrig? Scheinbar hat nur Argiano gepanscht. War alles andere nur ein böse Kampagne? Oder doch eher Mafia-Gemauschel? Nicht viel veritas im vino, würde ich mal auf Grund meiner persönlichen Erfahrungen mit italienischen Behörden unterstellen. Ein Misstrauen, dass übrigens die meisten Italiener mit mir teilen.

Zwei positive Ergebnisse hat das ganze aber doch: Der viel versprechende Jahrgang 2004 wird sicher sehr sorgfältig geprüft und rein serviert. Und das Consortio hat entschieden, beim reinen Sangiovese zu bleiben und die DOCG-Regel nicht aufzuweichen. Es hat sich gezeigt, dass die Welt eben Sangiovese im Brunello will und nicht den allgegenwärtigen Merlot.

Via Wein Plus und La Nazione

Johnson stuft Toskana 2003 herab

Hugh Johnson vergibt ja bekanntlich keine Punkte für Weine, aber man kann sehr gut zwischen den Zeilen lesen. Im soeben erschienenen Kleinen Johnson 2009 heißt es über den Jahrgang 2003 in der Toskana: „Der hohe Zuckergehalt der Trauben hatte viel Alkohol in den Weinen zur Folge, mit grünen Tanninen für früh erntende Erzeuger und säurearme Marmeladigkeit für jene, die später lasen.“ Klingt nicht so doll. In der Vorjahresausgabe hieß es noch: „Großer Erfolg mit spät reifenden Sorten (Sangiovese, Cabernet Sauvignon), weniger mit Merlot.“ Wenn das keine Herabstufung ist vom großen Erfolg zur säurearmen Marmeladigkeit. Es scheint Zeit zu werden, die 2003er Bestände langsam in Mageninhalt und Blutalkohol umzuwandeln…

Zum sofortigen Genuss habe ich mir heute hingegen einen Vino Nobile aus dem Jahr 2004 vorgeknöpft, Loggia delle Sassaie, ein weitaus besseres Jahr, auch nach der neuesten Diktion. Der zeigt sich noch verschlossen, mit deutlichen, Gerbstoffen, bitter, warm und insgesamt noch nicht ausgewogen. Eine deutliche Strenge paart sich mit der frischen Säure. Die Tannine herrschen auch im Abgang vor. Im Aroma ist viel Holz, Nelke, Pfeffer, aber auch Vanille und Schokolade, ein bisschen Kirsch. Etwas marmeladig, etwas grün. Muss man mal abwarten, wie er sich entwickelt…

Loggia della Sassaie, Vino Nobile di Montepulciano 2004
Vino Nobile di Montepulciano DOCG
Italien/Toskana

Rot; 13,5 % Alkohol
24 Monate im Fass

Reisemitbringsel

Als ich meiner Frau vorgeschlagen habe, ein paar Kinder in Italien zu lassen, und statt denen ein paar Kisten Wein mitzunehmen, könnt Ihr Euch vorstellen, was sie mir erzählt hat… Nicht mal den Kinderwagen durfte ich da lassen :-( Mitgebracht hab ich dennoch viel: Erinnerungen, Verkostungsnotizen und die Hoffnung auf einen größeren Kofferraum :-)

Ein Wein hat mir besonders gut geschmeckt: Ein Brunello Campogiovanni von 2001. Über Brunello wurde in letzter Zeit viel geschrieben, gerade über den skandalumwobenen Barrique-Stil, der dem Wein der Meinung vieler Experten nach nicht sonderlich gut tut. Campogiovanni ist hingegen ein Klassiker, der drei Jahre im traditionellen, großen Holzfass ausgebaut wird und dann noch ein Jahr in der Flasche liegt, bevor er verkauft wird. Er ist auf eine längere Lagerzeit ausgelegt, was man dem 2001er auch anschmeckt, der so gesehen noch ein junger Wein ist. Sowohl im intensiven Aroma als auch im Geschmack zeigen sich deutliche Gerbstoffe, Leder, Pfeffer, Sternanis, aber auch schon reife Noten nach getrockneten Früchten, wie Pflaumen, Feigen, Aprikosen, dann Karamell, Kirsche, Tomate. Der Geschmack ist frisch mit feinen Tanninen, sehr extraktreich und voll im Mund, leichte Süße im Hintergrund, etwas feurig, schwer und lang. Für meine Begriffe ist er sehr gut trinkreif jetzt, wobei ich Weine mag, die noch etwas Biss haben. Er hat aber eben durchaus noch Reifepotential.

Noch zwei Reisetipps: Alle (!) Brunellos kann man in der Enoteca auf der Burg in Montalcino offen also glasweise probieren. Ist recht voll, aber spart eine Rundreise. Sehr günstig kauft der Reisende in den Supermärkten der Gegend, etwa Buonconvento oder Monteroni. Die sind weinmäßig gar nicht schlecht ausgestattet.

Campogiovanni (San Felice) Brunello di Montalcino 2001
Brunello di Montalcino DOCG
Italien/Toskana

Rot; Sangiovese
13,5 % Alkohol; Ausbau im großen Holzfass

Weinrallye 8: Eiche innen und außen

Die Aufgabe der aktuellen 8. Weinrallye, ausgerichtet vom Weingut Lisson, lautet: Etikettentrinker. Den Wein fürs Auge sollen wir dieses Mal vorstellen. Nun ergaben sich für mich verschiedene Möglichkeiten.


Ich hätte den Wein mit dem schönsten Etikett, das ich kenne, kaufen können. Daran bin ich gescheitert, denn die Weine von Tomi Ungerer gibt es gar nicht mehr und die von Picasso, Baselitz oder Warhol nur für horrende Summen. (Die Seite The Artist Lables zeigt übrigens die komplette Mouton-Gallerie.)

Daher musste ich mich doch dafür entscheiden, den Wein hier vorzustellen, den ich einmal rein nach dem Etikett gekauft hatte, was selten bei mir vorkommt. Es ist der Dogajolo, ein Toscana IGT 2003. Er hat ein sehr außergewöhnliches Label, das Eichenlaub in Herbstfarben zeigt, und tatsächlich war es Herbst, als ich das erste Mal zu griff. Noch außergewöhnlicher ist, dass es in der Toscana nun zwar Eichen gibt, diese aber nicht unbedingt der Symbolträger Mittelitaliens sind. Soll der Geschmack des germanischen Markts getroffen werden? Oder hat der Wein ein hervorgehobenes Eichenunterholzaroma? Doch dieses hat sich bislang nicht entwickelt.

Erst die deutliche Barriquenote macht klar, wo der Hase lang läuft: Eichenholzfass, Vanille, Karamell, Zigarrenkiste, aber auch noch Leder, Beeren, Kirsche, etwas kompottig, alles recht modern. Der Geschmack hat noch Biss, rauchig-beerig, die Tannine sind samtig, fein im Alter mit seinen fünf Jahre, zwei wären vielleicht noch drin. Der Wein ist trocken, rund und lang. Ein granatroter, schmackhafter, moderner nicht untypischer Toskaner aus Cabernet Sauvignon und Sangiovese. Als begleitendes Essen könnte ich mir ein Kalbsgeschnetzeltes vorstellen.


 

November 2009
M D M D F S S
« Okt    
 1
2345678
9101112131415
16171819202122
23242526272829
30  

Kategorien