Der goldene Windbeutel 2012

Kost, Saufutter

Saufutter: Mirabellen ohne Mirabellen, Margarine als Medizin, Hackfleisch mit Wasser gesteckt… Noch vier Tage läuft die Aktion Goldener Windbeutel von Foodwatch, bei der die Teilnehmer die größte Verbrauchertäuschung wählen.

Die sechs Vorschläge sind alle krass, sodass es mir schwerfällt, überhaupt eine Entscheidung zu treffen. Ich tendiere zu der Becel-Margarine-Cholesteringeschichte, weil der Konzern hier mit der Angst der Menschen spielt, und Dinge marketingtechnisch vermischt, die man getrennt verkaufen sollte: Essen im Supermarkt, Medizin in der Apotheke. Wer seinen Cholesterinspiegel senken will, soll eben weniger fett kochen und essen. Und kranke Menschen brauchen einen Arzt und keinen Werbefritzen.

Interessant fand ich, dass ein Hersteller, Hipp, bereits auf die Windbeutel-Nominierung reagiert hat, und einen gezuckerten Kindertee vom Markt nehmen will.

Windbeutel sind übrigens etwas Köstliches.

Vorsicht! Versteckte Preiserhöhungen

Kost, Saubloggen

Sauereibloggen am Mittwoch: Am 11. April fällt die verbindliche Regelung von Verpackungsgrößen. Wer bislang Milch gekauft hat, konnte sich darauf verlassen, nur Liter- oder Halbliterflaschen im Supermarkt vorzufinden. Das ist jetzt anders, jedes Maß ist erlaubt, 990  Milliliter oder 480. Die Verpackung sieht dabei genauso oder fast genauso groß aus, wie bislang. Vergleichen lasst sich der Preis zwischen verschiedenen Produkten nur noch über den Grundpreis, der kleingedruckt unter dem Endpreis stehen muss.

Es ist abzusehen, dass einige Produzenten die neue Freiheit nutzen werden, um versteckt die Preise zu erhöhen. Die Packung kostet gleich viel, enthält aber etwas weniger Milch, Schokolade, Zucker, Kaffee oder was auch immer. Die Verbraucherzentrale Hamburg hat eine nette, bebilderte Liste aufgestellt, wo bislang, bereits nach alter Rechtslage,  Mogelpackugen aufgefallen sind.

ESL-Milch: Frisch oder nicht frisch, das ist hier die Frage…

GenFood und JunkFood, Kost

Kennt Ihr das auch? In Supermärkten findet man immer öfters frische Milch mit Bezeichnungen wie  „länger frisch“, „maxifrisch“ oder „extra langer Frischegenuss“. Dabei handelt es sich um so genannte ESL-Milch, die zwischen pasteurisierter und H-Milch angesiedelt werden muss, aber nur als pasteuriesierte Milch gekennzeichnet sein muss. Das ist eine Verbrauchertäuschung, und so hat die Verbraucherzentrale Niedersachsen kürzlich gefordert, die neue Baukastenmilch besser zu kennzeichnen. ESL steht für Extended Shelf Life, langes Leben im Regal. Ich finde diese neue Milch höchst unangenehm, denn sie wird nicht sauer, sondern bitter beim Umkippen. Wie H-Milch also. Kurz zu den Verfahren:

- Vorzugsmilch: Unbehandelte Milch, im Supermarkt aber normalerweise selten erhältlich.

- Pasteurisierte Milch (Landmilch/Vollmilch): Die wurde 30 bis 40 Sekunden auf ciraca 75 Grad erhitzt. Dabei sterben viele, aber nicht alle Keime ab. Deswegen hält sie sich nicht sehr lange und wird dankbarer Weise sauer. Ein natürlicher Vorgang.

- H-Milch: Wird wenige Sekunden auf 135 Grad erhitzt, ist weitgehend keimfrei und lange haltbar. Nachteil, sie hat einen Kochgeschmack und wird eben bitter.

- ESL-Milch: Hier gibt es zwei verschiedene Verfahren. Das eine ist Erhitzen von wenigen Sekunden auf 127 Grad, es entsteht der Kochgeschmack von H-Milch. Beim zweiten Verfahren wird Magermilch filtriert, dann mit Sahne versetzt und schließlich auf 75 Grad erhitzt, sodass der Milchgeschmack unverändert bleibt. Beides ist und bleibt ein Kunstprodukt. Vorteile davon hat nur der Händler, der die Packungen länger stehen lassen kann.