Beiträge getaggt mit 'Wein'

Chili und Tannine

Irgendwo hab ich mal gelesen, dass gerbstoffreiche Weine zu asiatischem Essen passen, weil sie die Schärfre hervorheben. Eine gewagte These, die es nun zu überprüfen galt. Als Vertreter der Tannine fand sich ein Domaine Santa Duc “Les Plans”, ein Vin de Pay de Vaucluse von 2006. Der Tanningehalt (Grenache, Syrah, Cinsault) des Weins Wein ist so hoch, dass es lohnt, ihn eine Zeit zu lüften. Also ein geeigneter Kandidat für den Test. Für Chili standen vietnamesische Frühlingsrollen Saigoner Stil (cha gio) mit Fisch-Dip (nuoc mam cham). Im Unterschied zu chinesischen Rollen, werden die vietnamesischen aus weißem, durchsichtigem Reispapier gemacht:

20 bis 25 Blatt Reispapier (16 cm Durchmesser)
200 g Hähnchenbrust
100 g Krabben/Garnelen
100 g Süßkartoffeln (oder Möhren)
50 g Reisnudeln
2 Eier
2 El Mu-Err-Pilze
3 Frühlingszwiebeln
Knofi, Salz, Pfeffer

Pilze und Glasnudeln vorher getrennt einweichen. Alle Zutaten bis auf das Reispapier fein Würfeln, bzw. die Nudeln mit der Schere klein schneiden, und alles gut vermengen. Das Rollen geht so: Ein paar Blätter Reispapier in Wasser tauchen und dann auf ein feuchtes Tuch legen. Nach ein paar Sekunden sind sie weich. Einen Wurm Füllung drauf legen, dann von oben einrollen und die Seiten dabei einschlagen. Wenn das Papier wieder etwas trocknet, halten die Röllchen gut zusammen. Nicht aufeinander stapeln, denn sie kleben gut.

Die Zubereitung ist vielfältig: Die Röllchen können roh gegessen werden (dann muss man die Füllung anbraten), oder frittiert oder in einem Dämpfkorb dämpfen (mein Favorit). Alle Varianten sind sehr lecker. Nur noch nicht so richtig scharf. Aber da kommt der Dip ins Spiel:

4 El Vietnamesische Fisch-Sauce (Nouc mam)
2 El Limettensaft
1 El Zucker
zerdrückter Knofi, Chili nach belieben

Das ganze muss noch etwas mit Wasser verdünnt werden. Echt scharf.

Wie passen nun die eingedippten Röllchen zu den Tanninen im Wein? — Überraschend gut! Hätte ich nicht gedacht. Es ist tatsächlich so, dass die Schärfe im Zusammenspiel hervorgehoben wird, was vielleicht nicht jedermanns Sache ist. Aber es beißt sich nicht, die Tannine selbst treten deutlich zurück, so dass der fruchtige Zug (feine Kirsche, Holunderbeere, Johannisbeere) in den Vordergrund kommt. Auch das passt sehr gut zum Asiatischen. Das Wagnis hat sich gelohnt und ist für eine Überraschung für Gäste gut.

Zum Wein, die Farbe ist Rubinrot mit bläulichem Einschlag. Das Aroma intensiv beerig-würzig, neben den oben genannten, Holz, Pfeffer, Rauch. Der Auftakt ist tanninig mit nerviger Säure, trocken, schwer, lang. Nach ein paar Stunden lüften wurde der Knochen zugänglicher. Hat noch Zukunft.

Domaine Santa Duc “Les Plans” 2006
Vin de Pay de Vaucluse
Frankreich/Rôhne

Rot; Grenache, Syrah, Cinsault
13,5 % Alkohol; Ausbau im Holzfass

Weinrallye 11: Fast wie Rot und Weiß

Beitrag zur 11. Weinrallye zum Thema Rosé bei Nikos Weinwelten:

Tja, fast hätte ich über dem schönen Wetter heute vergessen, meinen Text abzuliefern. Wie ich an den fundamental schlechten Besucherzahlen meines Blogs erkenne, haben es viele andere auch nicht an den PC geschafft. Aber da Tom und ich zwei wirklich gute Weine getrunken haben, lohnt sich die kleine Pause im auch ganz angenehm kühlen Arbeitszimmer :-)

Wir hatten nämliche zwei Rosé-Pole, der eine hatte den Charakter eines Weißweins, mit ein paar roten Tönen, und der andere war schon ein Roter, aber eben nur ein bisschen leichter und frischer. Beide kamen nicht aus D, Ö, Südtirol, sondern der Helle vom anderen Ufer des Gardasees, bzw. der Dunkle gleich aus Spanien. Das rundet den Blickwinkel der Rallye vielleicht etwas ab.

Zu den Weinen. Der Chiaretto Rosa Mara von Costaripa stammt aus der Bardolino-Gegend, ist aber ein Garda Classico DOC von 2007. In der Cuveé mischen sich unverdrossen Gropello, Marzemino, Barbera und Sangiovese. Die Farbe ist helles Lachrot, der Duft eher dezent nach reife Erdbeeren, Himbeeren und eine leichte Würze. Die Frucht ist sehr fein und nicht marmeladig. Im Geschmack dominiert eine frische Säure, dazu kommt eine leichte Süße und ein feines Prickeln. Insgesamt rund und lang. Ich konnte weder Barbara noch Sangiovese deutlich erkennen, ganz klar schien mir hingegen die norditalienische Herkunft.

Der andere ist ein Somontano Rosado DO von Enate aus dem Jahr 2006, ein Rosé aus Cabernet Sauvignon. Der ist gleich viel dunkler, helles Rubinrot, und zeigt ein schönes Leuchten. Der Duft ist intensiv nach Erdbeere, Himbeere, aber auch dunklere Beeren, rote Johannisbeere. Dazu kommt eine deutliche Würze nach grünen Kräutern, Liebstöckel, Leder, leicht mineralisch und leicht marmeladig. Der Auftakt ist ebenfalls frisch, ebenfalls ein leichtes Prickeln, aber eine feine Tanninstruktur liegt drunter. Insgesamt rund und lang. Die Sorte kommt gut hervor.

Zufällig sind sich beide Weine in vielen Charakterzügen ähnlich: Die Frische, die Fruchtnoten, die Kohlensäure, aber der eine tendiert eben eher zu Weiß, der andere zu Rot. Der Chiaretto hatte die etwas feinere Frucht, während mir beim Rosado die sanfte Tanninbasis gefiel. Besser hätten wir die Auswahl nicht treffen können.

Die Wahrheit: Wein macht besoffen!

Die skurrile Glosse “Die Wahrheit” in der taz befasst sich heute mit dem Wein in Medizin- und Gesundheitsmeldungen. Da lese ich etwa: “Bei Mäusen hat der Barolo-Stoff allerdings auch erhöhte Resistenz gegen Brustkrebs ausgelöst - bei Mäusen! Hätten Männer in etwa die Konstitution von Mäusen, könnten sie beruhigt weiter trinken.” Mann oder Maus, ein altes Dilemma.

Und auf Touché klicken, nicht vergessen :-)

Plozner Pinot Bianco 2006

Weißer Burgunder aus Norditalien klingt immer sehr vielversprechend, finde ich. Dieser ist hellgold leuchtend; das Aroma entfaltet sich intensiv, nach Wiesenblumen, Klee, reifen Früchte, Aprikosen, Kumquat, etwas grüne Nuss; Der Auftakt ist sehr geschmeidig, es zeigen sich eine leichte Süße, etwas Prickeln, saftige Noten, ein runder Körper und ein langer Abgang. Insgesamt ein guter, milder, Alltagswein, der Säurepegel ist etwas zu flach und der Wein wirkt dadurch rustikal. Passt zu Spargelrisotto.

Plozner Pinot Bianco 2006
Friuli Grave DOC
Italien/Friuli

Weiß; Pinot Blanc
12,5 % Alkohol; Ausbau im Stahltank

Lisini: Merlotfreier Rosso di Montalcino

Vielen Toskana-Liebhabern wird auf Grund des Brunello-Skandals das Vertrauen in die reine Sangiovese-Lust vergangen sein. Merlot-Traube und Barrique-Fass machen einen weichen, fruchtigen Wein, wie er dem modernen, so genannten internationalen Stil entspricht — um es positiv auszudrücken. Oft schmeckt das nicht schlecht, aber wer etwas Ursprünglicheres sucht, sollte zu traditionell erzeugten Weinen greifen. Das bedeutet im Montalcino-Gebiet, Ausbau im großen Holzfass (3000 bis 5000 Liter) und nicht im kleinen Barrique (225 Liter). Hinein darf natürlich, wie es das Gesetz vorschreibt, nur Sangiovese Grosso. Die Weine sind im Ergebnis strenger und bei Brunello DOCG oft erst nach Jahren zugänglich. Einen Rosso DOC (von Caparzo) hatte ich für die Sangiovese-Weinrallye letztes Jahr vorgestellt, einen weiteren möchte ich hier nun beschreiben: Den Rosso di Montalcino 2005 von Lisini.

Die Farbe ist Rubinrot mit blauen Rändern. Kräftiges Aroma, streng, komplex, Holz, Bleistift, Wild, Tabak, Pfeffer, Veilchen, Wacholder, Nelke. Im Lauf des Abends kommen Waldbeeren hervor, Himbeere, Holunder, Trockenpflaume. Der Auftakt ist ebenfalls herb, kräftige, junge Tannine, frische Säure, trocken, schwer und lang. Sehr gerader, edler Wein, der nach Toskana schmeckt. Hat noch viel Zukunft.

Presse- statt Brunello-Skandal?

Die italienische Weinzeitschrift Merum wirft der Presse vor, aus dem Brunello- einen Presseskandal gemacht zu haben. Denn in Wirklichkeit handle es sich um zwei Skandale (wie wir eigentlich schon wissen), die in den Medien zu einem vermischt worden seien. “Die Lektüre der Berichte in der deutschsprachigen Presse lassen jedoch vor allem darauf schließen, dass bisher noch keine Redaktion in der Lage war, eigene Recherchen anzustellen.” (geschrieben gestern, am 15.April!)

Als Beleg liefert Merum in erster Linie einen Bericht der Schweizer Zeitung Blick. Diese ist jedoch, wie ich finde, nicht wirklich ein Maßstab für den Rest der Berichterstattung, denn sie bewegt sich auf Bild-Niveau. Ein Boulevard-Blatt. Ich hatte eher den Eindruck, dass die deutschen Medien sehr wohl die beiden Skandale getrennt behandelt haben. In der Überschrift lassen sich die beiden Reizworte “Brunello” und “Salzsäure” zwar geschickt mischen, aber im Text hatte ich bei keiner Publikation das Gefühl, sie hätte redaktionell Gift in den Brunello gerührt. Hier scheint mir eher, Merum-Chefredakteur Andreas März unsauber zu übertreiben. Sehr lesenswert sind hingegen die Details zum Giftskandal in seinem Kommentar.

In Montalcino haben inzwischen die Erzeuger Frescobaldi und Antinori die Vorwürfe zurückgewiesen. Um Banfi hingegen ist es seltsam still. Den Namen Biondi-Santi habe ich einmal gelesen (bei Wein Plus), das war wohl wirklich eine Ente. Ein schönes Interview mit Eberhard Spangenberg (Garibaldi/Slow Food) gibt es in der SZ, er hofft: “Der Skandal könnte aber auch einen positiven Einfluss haben. Winzer, die einen guten und ehrlichen Wein machen, könnten durch die Sache gestärkt werden.” Das wäre doch was.

Via Wein Plus

Weinrallye 10 und 11

Christoph Raffelt hat das Thema der 10. Weinrallye, die Rebsorte Chenin Blanc, sehr schön und strukturiert zusammengefasst. Der Leser bekommt einen guten Überblick über den Wein zwischen Kult und Massenproduktion. Weiter geht es mit Rallye 11. Nike Rechenberg veranstaltet sie und rückt den Rosé ins Zentrum der vinologischen Bloggerei. Um es genau zu nehmen, Rosé aus Deutschland, Österreich und Südtirol. Von Lachs- bis Himbeerrosa…

Hier wie immer die Übersicht über die bisherigen Weinrallyes:
#01 Inselweine (Winzerblog)
#02 Must-Taste-Weine unter 10 Euro (Weinverkostungen)
#03 Bio-Riesling (Viva vino)
#04 Vulkanweine (Drink Tank)
#05 Sangiovese nicht aus der Toskana (Hausmannskost)
#06 Schaumwein (Schreiberswein)
#07 Alles außer Glas (Kaulwein)
#08 Etikettentrinker (Weingut Lisson)
#09 Alltagswein (Weingut Steffens-Keß)
#10 Chenin Blanc (Originalverkorkt)

Weinrallye 10: Chenin vom Kap der guten Hoffnung

Chenin Blanc heißt das Thema der 10. Weinrallye.

Die Sorte Chenin Blanc hat ihren Ursprung an der Loire, soweit man es nachweisen kann, und bringt dort anerkannt hohe Qualitäten hervor. Berühmt sind trockener Jasnières, der bis zu zwanzig Jahre alt werden kann, oder die biodynamischen Weine von Joly. Chenin ist auch beliebt als Schaumwein, oft Bestandteil des Crément de Loire, und als Edelsüßer — wer es mag. (Einen bemerkenswerten, prickelnden Samur von Bouvet-Ladubay hatte ich früher einmal vorgestellt). Jenseits der Loire versuchen sich viele Winzer der neuen Welt an dieser Traubensorte und ganz nach dem Motto, der Sinn der Rallye ist es, Flaschen zu kaufen, die ich sonst niemals angerührt hätte, fiel meine Wahl auf ein Exemplar aus Südafrika.

Der Mont Destin von 2005 aus Stellenbosch leuchtet goldgelb und dick im Glas wie Wein gewordener Krügerrand. Dick, voll und saftig ist er auch im Geschmack, woran der üppige Alkoholgehalt von 14 Prozent nicht ganz unbeteiligt ist. . . Hinzu kommt eine deutliche Süße, milde Säure, reife Früchte und eine leichte, feine Fassnote (sechs Monate Barrique). Das Aroma ist eher dezent, auch von Fass geprägt, Vanille, Anis, dann Melone, Pfirsich, Rosinen, Erdbeere, reife Töne, leicht mineralisch und eine Spur Eukalyptus. Obwohl er schon vier Jahre alt ist (Südhalbkugel) wirkt er noch jugendlich, wobei der Alkohol ihn vermutlich weitgehend konserviert.

Mir ist der Wein zu schwer, zu stark und erinnert mich an ein Nashorn, das durch die Steppe rennt. Alkohol wie auch Fass sind zwar gut eingebunden, aber schon ein zweites Glas macht mir zu schaffen. Insgesamt ist er eher rustikal und entspricht meinem Bild der neuen Weinwelt: Klare Frucht, Holz, eher süß, eher stark. Er könnte eine kräftige Lachssuppe oder Lachssauce zu Nudeln begleiten. Mit viel Sahne.

Spargel, Flädle, Schinken und Silvaner vom Stein

Traditionell gibt es Spargel bei uns mit Flädle und Schinken. Flädle sind dünne, schwäbische Kräuterpfannkuchen, deren Ei-Gehalt schon in Richtung Omelette tendiert. Pro Ei rechne ich nur 30 bis 40 Gramm Mehl. Dann rührt man so viel Wasser hinein, bis ein dünnflüssiger Teig entstanden ist. Der soll in der Pfanne gut verlaufen, so dass sich wirklich dünne Flädle damit heraus backen lassen. Frische, gehackte Kräuter nach Belieben, in jedem Fall Schnittlauch. Und — ich weiß nicht, ob ich es dazu sagen muss — natürlich keinen Zucker.

Die heißen Flädle, den gebutterten Spargel und den gekochten Schinken bester Qualität serviert man getrennt. Auf dem Teller wird der Spargel nicht mit ins Omelette gewickelt, sondern nur der Schinken. Wer da noch Hollandaise drüber kippen will, ist selbst schuld. Ich mag den Spargel übrigens durchaus mit etwas Biss, also nicht bis kurz vor die Zellauflösung verkocht.

Spargel ist kein einfacher Partner für Wein, denn dieser darf nicht zu spritzig sein, sonst stört er sich mit dem herben Unterton des Spargels. Andererseits darf er nicht zu mild und geschmacksneutral sein, sonst geht er unter. Mild und voll heißt die Devise. Ich hab mich für eine angereifte Silvaner-Spätlese von Würzburger Stein entschieden.

Noch ein Wort zum Würzburger Stein. Nur wenige Weingüter haben die Ehre, dort anbauen und ernten zu dürfen. Den größten Brocken teilen sich Juliusspital, Staatlicher Hofkeller und Bürgerspital. Silvaner ist die Traditionsrebe, so gibt es noch einen Bocksbeutel Stein-Silvaner von 1540, den Hugh Johnson einmal verkosten dürfte (mit einer Spritzennadel wurde etwas Flüssigkeit durch den Korken entzogen), und er war der Meinung, dass der Wein durchaus noch Frische hätte. Die hatte meine trockene Spätlese von 2005 durchaus auch, kein Wunder nach erst drei Jahren. Die Farbe ist hellgold, wie bei einem jungen Wein. Das Aroma fein und frisch. Leicht mineralisch, Tropen- und Südfrüchte (insbesondere Maracuja), Wiesenblumen. Der Auftakt ist mild, fruchtig, es zeigt sich ein leichtes Prickeln, geschmeidige, feine Säure, runder Körper, langer Abgang. Ob er noch 500 Jahre durchhält, kann ich nicht garantieren, aber für ein Hundertstel davon ist er sicher noch gut. Und zum Spargel passt er jetzt schon.

Merlot statt Brunello

Brunello ist der Name einer Traubensorte, auch Sangiovese genannt. Der Brunello aus dem touristisch etwas überlaufenen toskanischen Dörfchen Montalcino hat eine gewisse Berühmtheit erlangt und kostet inzwischen eine gute Stange Geld. Ein Fünftel der Produktion geht in die USA, doch die Konsumenten dort mögen es eigentlich nicht ganz so streng, wie Brunello nun einmal ist. Statt ihnen Sant’Antimo zu verkaufen, der günstiger und charmanter ist, haben eine Reihe kluger Winzer einfach etwas weicheren Merlot in ihren Brunello gekippt. Merlot ist aber kein Brunello und beides zusammen IGT und nicht DOCG. Sant’Antimo eben. Klingende und klingelnde Namen wie Banfi, Antinori und Frescobaldi sind darunter. Nun ermittelt die italienische Polizei.

Nicht nur das. Norditalienische Produzenten haben ein Gebräu erzeugt, das nur noch zu einem geringen Teil aus Wein besteht. Andere Komponenten sind Düngemittel und sogar Salzsäure. Von 70 Millionen Litern ist die Rede, die zugehörigen Weine sind im Billigsegment angesiedelt. Was soll man jetzt trinken? Billig geht nicht, teuer auch nicht? Vielleicht gleich kalifornischen Wein?

Via Stern

Chinesen klonen Chateau Laffitte

Dem chinesischen Chemiker Xuan Pa Ke ist es erstmals gelungen, die Aromastoffes eines Weines Eins zu Eins zu klonen. Besonders stolz ist Barrique-Fan Pa Ke auf die seidige Tanninstruktur des Weins und die wuchtigen, beerigen Aromen. “Als Grundlage diente einfacher Chi Razu aus der Provinz Shanxi, dem wir spezielle von mir entwickelte Enzyme zugesetzt haben”, erklärt Pa Ke. Nach der Einwirkung einer 22 tägigen Lagerung bei genau 43,7 Grad sei ein zum Verwechseln ähnlicher Laffitte aus dem Jahr 2000 entstanden. “Selbst [chinesische, Anm. d. Red.] Sommeliers konnten keinen Unterschied feststellen”, berichtet er stolz. Pa Ke plant weitere Jahrgänge und Geschmacksrichtungen, denn seine Vision ist ein Weinbaukasten für den engagierten Weinfreund, mit dem dieser sich Spitzenweine in kurzer Zeit selbst züchten kann. Das ist gerade für China interessant, das unter den hohen Importkosten für europäische Spitzenweine leidet.

Weiniger begeistert ist man im Bordeaux. Ein Sprecher des Château Laffitte zeigte sich verärgert: “Wir prüfen, ob Pa Ke unsere Patente verletzt, und behalten uns rechtliche Schritte vor”, die in China schwer durchzusetzen sein dürften. “Unter dem Namen Laffitte darf der Pa-Ke-Wein jedenfalls nicht auf den Markt kommen.”

Auch Tierschutzorganisationen machen sich Sorgen, da die Bakterien über Monate mit echtem Château-Wein gefüttert werden. Auf unsere E-Mail-Nachfrage antwortet und das Büro von Pa Ke: “Eine Alkoholabhängigkeit der Lebewesen befürchtet der Meister nicht. Auch bei Weinhefe wird ein seelischer Schaden schließlich in der Önologie als gering eingestuft oder sogar komplett verneint.

Hausmannskost bemüht sich derzeit um eine Probeflasche.

Nachtrag (2.4.2008): April, April!

Eltern, Teenager und Alkohol

Gerade gibt es im Wein-Blog der NY Times eine recht interessante Debatte um die Frage, ob man als Eltern seinen älteren Kindern Wein zum Essen erlauben soll oder nicht. Das ist eine schwierige Frage, die ich mir gelegentlich stelle, obwohl keines meiner Kinder das Alter erreicht hat, wo sie relevant wäre. Ich tendiere zum Ja, wenn die Kinder von sich aus danach verlangen, ein gewisses Alter vorausgesetzt (14, 15, 16?). Denn ich glaube, dass man einen maßvollen, auf den Genuss zielenden und kulturell gestützten Umgang mit Alkohol durchaus in der Familie einüben und ritualisieren kann. Das schließt natürlich nicht aus, dass sich Teenager betrinken werden, denn sie wollen ihre Grenzen selbst austesten. Aber es verankert — so hoffe ich — nachhaltig ein gewisses positives Vorbild.

Wie sieht die Alternative aus: Ich und meine Frau sitzen abends zum fetten Braten bei einem Glas Roten und die (älteren) Kinder kriegen Wasser. Die Begründung kann nur lauten, Alkohol ist gefährlich, führt zur Sucht und schadet dem Charakter. Er macht aggressiv, erhöht das Unfallrisiko, das Schwangerschaftsrisiko, schadet der Leber und dem Notenschnitt. Alles zugegeben. Doch dann werde ich mir anhören müssen: Du trinkst doch auch! Dann werde ich sagen, aber nur maßvoll und von einem gewissen Genussstil getragen. Vielleicht fragen meine Kinder dann, warum gibst Du uns diese Chance nicht? — Ja, warum eigentlich nicht, denke ich mir. Negative Vorbilder werden sie bei Mitschülern und in den Medien genügende bekommen. Dem lässt sich meiner Meinung nach mit Einüben der richtigen Art und Weise im Umgang mit Alkohol besser entgegenwirken als mit starren Verboten.

Mit Mephisto aus der roten Hölle

Vor 200 Jahren erschien Goethes Faust. Das ist Grund genug, die folgende Flasche zu öffnen: Ein Faust-Tröpfle Spätburgunder 2005 aus Staufen im Breisgau, wo Faust angeblich sein Ende fand:

Was den Trinker erwartet ist jedoch feurig wie die Hölle selbst, so dass das Tröpfle eher mit Mephisto aus der Unterwelt gekommen ist, um das Homunculus zu erfreuen, als dass es in der kargen Gelehrtenstube den klaren Geist des Magister Faustus benebelt sollte. Denn am Anfang war die Kraft: mit 13,5 Prozent ist er nicht ganz ohne, hat aber genug Statur, um den Alkohol zu stützen. Hinzu kommt eine deutliche Süße, von der die Hexen der Walpurgisnacht noch heute schwärmen.

Die Farbe ist ein helles Kirschrot, die Aromen sind kräftig, sanfte Fasstöne, Karamell, rauchig, Kirschkompott, Cocktailkirsche, Erdbeere, Himbeere, Schokolade, Nougat, Zimt, Nelke, ausgeprägt mineralisch. Im Geschmack eine frische Säure, feurig, aber gut eingebunden, leicht süß, saftig, Johannisbeere, Rauch, weiche Tannine, rund, lang. Insgesamt eben recht feurig und süß, wird von den dichten Aromen aber getragen. Kein schlechter Wein, doch mein Geschmack ist er nicht. Heinrich, mir graut vor Dir…

Pouilly-Fume 2005

Das ist ein Sauvignon Blanc in seiner Reinform: Pouilly-Fumé Domaine de la Forge von der Loire. Hochgradig elegant, rein, ein Wein, der einem nie über wird, für einen Alltagswein leider etwas zu kostspielig. Hellgold. Intensives Aroma, rein, frische, echte Frucht, so rein, wie Früchte oft selbst nicht duften, wuchtig mineralisch, Zitrus- und Tropenfrüchte, Maracuja, Mandarinen, reife Aprikose, grüne Haselnuss, Löwenzahn. Im Geschmack geschmeidige Säure, trocken, runder Körper, extraktreich, Aprikose und Kokos, langer Nachhall. Vom Alter noch nichts zu spüren. Ein großer Wein aus einem großen Jahr (2005).

Abgang wie siebenhundert nackte Zwerge

Eine Degustationsnotiz: “Recht frühreif, aber schon von Charakter! Ein starkes Rückgrat aus Walnuss und Erdbeere - blümerant, aber auf eine erdige, ehrliche Art. Ein Echo aus Lakritz hallt lange am Zäpfchen nach und seilt sich dann tief in die Speiseröhre ab. Ein Reifeton, der schmeckt wie eine alte Geige, die ein vertrautes Wiegenlied spielt. Der unvermeidliche Pfirsich, der in jedem Roten lungert, aber paniert mit mürbem Keks. Da ist Kerzenfett. Neuschnee. Spekulatius. Wenig Finesse, dafür eine burschikose Säure, die etwas breitschultrig ist in den Kanten, aber korrekt ins Holz nagelt. Ich schmecke junges Leder, rostiges Eisen, feuchten Teppich, Fensterkitt und Tannennadeln. Auch Gänsebraten und den Brombeerpudding meiner toten Großmutter. Der Körper hat Volumen, aber ich würde ihn nicht als dick, sondern eher als vollschlank bezeichnen, mit viel zu großen Füßen. Eine Olivenölspur schmiert seinen Abgang,welcher lang und breit ist, wie der Ton einer uralten Totenglocke, der in den unterirdischen Gewölben einer Katakombe verklingt, in der siebenhundert nackte Zwerge fasten.”

So schön kann ich keinen Wein beschreiben, aber Walter Moers kann es. Zitat aus: Der Schrecksenmeister. Zitiert nach Seelenruhig.

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