Eltern, Teenager und Alkohol

Wein

Gerade gibt es im Wein-Blog der NY Times eine recht interessante Debatte um die Frage, ob man als Eltern seinen älteren Kindern Wein zum Essen erlauben soll oder nicht. Das ist eine schwierige Frage, die ich mir gelegentlich stelle, obwohl keines meiner Kinder das Alter erreicht hat, wo sie relevant wäre. Ich tendiere zum Ja, wenn die Kinder von sich aus danach verlangen, ein gewisses Alter vorausgesetzt (14, 15, 16?). Denn ich glaube, dass man einen maßvollen, auf den Genuss zielenden und kulturell gestützten Umgang mit Alkohol durchaus in der Familie einüben und ritualisieren kann. Das schließt natürlich nicht aus, dass sich Teenager betrinken werden, denn sie wollen ihre Grenzen selbst austesten. Aber es verankert — so hoffe ich — nachhaltig ein gewisses positives Vorbild.

Wie sieht die Alternative aus: Ich und meine Frau sitzen abends zum fetten Braten bei einem Glas Roten und die (älteren) Kinder kriegen Wasser. Die Begründung kann nur lauten, Alkohol ist gefährlich, führt zur Sucht und schadet dem Charakter. Er macht aggressiv, erhöht das Unfallrisiko, das Schwangerschaftsrisiko, schadet der Leber und dem Notenschnitt. Alles zugegeben. Doch dann werde ich mir anhören müssen: Du trinkst doch auch! Dann werde ich sagen, aber nur maßvoll und von einem gewissen Genussstil getragen. Vielleicht fragen meine Kinder dann, warum gibst Du uns diese Chance nicht? — Ja, warum eigentlich nicht, denke ich mir. Negative Vorbilder werden sie bei Mitschülern und in den Medien genügende bekommen. Dem lässt sich meiner Meinung nach mit Einüben der richtigen Art und Weise im Umgang mit Alkohol besser entgegenwirken als mit starren Verboten.

6 Gedanken zu “Eltern, Teenager und Alkohol

  1. Das sind wichtige und wertvolle Gedanken, die du da äußerst. Ich glaube auch, dass ein bewusstes Heranführen an den Alkohol mehr Chancen als Risiken birgt.

  2. Meine Erfahrungen dazu aus der Sicht einer kinderlosen in Frankreich lebenden Winzerin: In meinem Umfeld genussorientierter französischer weintrinkender Familien sehe ich häufig Kinder, die an den Gläsern ihrer Eltern schnuppern dürfen und so früh an die olfaktorischem Unterschiede des Glasinhalts herangeführt werden. Ich habe auch schon muntere Sechsjährige in meinem Keller erlebt, die ihre Nasen mit Vergnügen in die Gläser steckten und durchaus Unterschiede wahrnehmen konnten. Sie freuen sich dann, unser Quellwasser in genauso einem schönen Stielglas wie ihre Eltern gereicht zu bekommen – zu Bruch ist dabei noch nie etwas gegangen.

    Als Teenager können sie dann wählen, ob sie ein kleines Glas zum Essen probieren möchten. Manche lehnen es konsequent ab, weil sie den Geschmack nicht schätzen, manche haben sich mit 14 schon zu feinen Zungen entwickelt, denen es auch am Vokabular für den anschließenden Austausch von Kommentaren und Vergleichen nicht mangelt. Da das Ganze immer von reichlich Wasser begleitet wird und eben in der Obhut und damit auch unter Kontrolle der Eltern, habe ich darin noch nie eine Gefahr gesehen.

    Im Gegenteil, diese Jugendlich erfahren Wein als ein kulturell geprägtes Lebensmittel, wie eine feine Lammkeule oder ein Spargelsoufflé, die man ja auch nicht runter schlingt, wie eine Portion Pommes oder einen Hamburger.

    Wobei es natürlich sicher auch eine große Vorbildwirkung hat, dass bei Mahlzeiten am Ende des Essens nach dem Café kein Alkohol mehr serviert wird und Weinflaschen auch abgeräumt werden, wenn sie noch nicht leer sind…

    Das wird sie sicher nicht daran hindern, später auf Feten ohne Aufsicht auch mal über die Stränge zu schlagen, aber ich glaube, dass sie Wein nicht zum binge-drinking wählen würden und generell vor solchen Exzessen eher geschützt sind.

    Die auf Dorffesten oder auf dem Discoparkplatz herumgereichten Pastis- und Whiskyflaschen, die aus Billigläden mitgebracht und ohne Kontrolle heruntergekippt werden, haben da sicher eine verheerendere Auswirkung.

  3. Wäre interessant zu wissen, ob die pastissaufenden Halbstarken dieselben sind, die ein paar Jahre vorher in Deinem Keller den Fassausbau im Aroma erkannt haben. Vermutlich nicht. Aber was Du schilderst ist schon in etwas das, was mir vorschwebt. Hier im Nordern hat man die maßvollen Südländer oft als Vorbild, wenn es um den kultivierten Umgang mit Alkohol geht. Um oft natürlich auch widerlegt zu werden. Aber mein Gefühl würde sagen, dass das im Schnitt schon hinkommt. So kenne ich es auch aus Italien.

  4. Frag doch mal Deine Frau wie die das erlebt hat. Als zumindest halber Abkömmling einer Familie vom Rhein-Mosel-Eck und aus eigener Erfahrung kann sie da bestimmt was beitragen… 😉

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