Friedlicher Wein aus Georgien

Wein

Vor lauter Panzern vergisst man vielleicht, dass Georgien ein altes Weinbauland ist, von dem manche behaupten, hier läge der Ursprung des Weinbaus überhaupt. Als Historiker fällt es mir schwer, so etwas zu glauben, denn dass es keine ältere Überlieferung gibt, heiß nicht, dass die Menschen nicht früher oder zeitgleich woanders Wein kultiviert haben. Zumindest hat sich Georgien eine alte Weinbautradition erhalten, Johnson schreibt etwa, dass mache Winzer ihre Weine noch in Tonkrügen vergären lassen und viele uralte Sorten anbauen. Moderner ausgebaute Weine gehen eher in den Export, wie der vorliegende Mukuzani. „Kachetien (Ostgeorgien), wo zwei Drittel von Georgiens Wein produziert werden, ist seit jeher berühmt für lebendige, schmackhafte Rotweine (von der Saperavi-Traube) und annehmbare Weißweine (Tibaani, Rkatsitel, Gurjaani)“, empfiehlt Johnson.

Russland war einst der Hauptabsatzmarkt für georgischen Wein, infolge des russischen Weinboykotts sucht das Land nach neuen Abnehmern und ist gerade dabei, international akzeptable Standards für seine Weine zu installieren. „Ein funktionierendes System zur Weinqualitäts- und Herkunftsprüfung existiert noch nicht, ist jedoch in Vorbereitung“, liest man in der Wikipedia.

Zwei Flaschen hat mir Vitali Wilhelm vom Online-Shop Phiala geschickt, mit der Bitte sie zu probieren, was ich gerne mache, wenn mich ein Wein interessiert. Der Mukuzani 2004 ist rubinrot, relativ dicht; wuchtige Aromen, würzig-rauchig, Holz, Harz, Nelke, getrocknete Beeren, Wacholder, Pflaumen, Hagebutte, Brombeere, süßlich-karamellig, insgesamt Gewürzkuchen. Kräftiger, warmer Auftakt, frische Säure, sehr deutliche Süße, Beeren, Schokolade, sehr dezente Gerbstoffe, mittelschwerer Körper, langer Nachhall. Er ist 24 Monate im Barrique ausgebaut, aber sicher nicht in französischer Eiche. Insgesamt wirkt er nicht übermäßig elegant oder groß, aber leb- und schmackhaft. Gefallen hat mir die komplexe Würzigkeit der Aromen, etwas weniger Alkohol hätte aber nicht geschadet. Zur Brotzeit haben wir ihn genossen, zu Souflaki oder Nürnberger Würschtl hätte er auch sehr gut gepasst.

Den halbtrockenen Kindzmarauli 2005 stelle ich noch etwas zurück, da ich selbst süße Weine weniger gerne trinke und die richtigen Gäste abwarten muss.

Kachuri Mukuzani 2004
Mukuzani
Georgien/Kachetien

Rot; Saperavi
13 % Alkohol; Ausbau im Barrique

Kachuri Kindzmarauli 2005
Kindzmarauli
Georgien/Kachetien

Rot; halbtrocken; Saperavi
11,5 % Alkohol

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