Kein Leistungsbloggen bei Hausmannskost

Bloggen und Medien

Es gibt ein paar Sachen, die mich in der Weinblog-Szene zunehmend ärgern und die ich erneut thematisieren möchte. Diesmal habe ich für Hausmannskost Konsequenzen gezogen.

Ich habe den Eindruck, die Weinblog-Szene wird eigentlich nur noch von der Weinrallye zusammengehalten. Hier finden sich, Thomas sei Dank, alle immer wieder. Sonst sehe ich auf der einen Seite Blogs, die sich erklärtermaßen entsolidarisieren, um dieses schöne, aus der Mode gekommen Wort einmal zu verwenden. Da lese ich dann Sachen wie „wir verlinken uns nur noch untereinander“ oder „es gibt eben keinen Link mehr aus reiner Gefälligkeit wie früher“ (sinngemäß, von zwei verschiedenen Autoren). Dafür habe ich wenig Verständnis, denn einen Link, Trackback oder Kommentar nicht zu setzen, weil der entsprechende Blog nicht in das politische Konzept passt, ist mir persönlich schleierhaft. Ich brauche mich eigentlich nicht zu beschweren, denn ich werde sowohl verlinkt als auch kommentiert, was ich auch schätze, aber die Tendenz stört mich nachhaltig.

Auf der anderen Seite sehe ich Blogs, die sich von Inhalt und Darstellung her eigentlich nicht zu verstecken brauchen, aber dennoch in Schweigen verfallen. Das finde ich schade, denn ich habe den Eindruck, manche sind demotiviert oder vielleicht sogar von der Großmäuligkeit anderer, damit meine ich mehrere, verstört. Hier erstmal ein klares Wort, bitte lasst Euch nicht einschüchtern. Hier wird versucht, ein Leistungsdenken zu etablieren, das schädlich für die Community ist.

Im Kontrast sehe ich die Kochblogger-Szene, die aus Spaß an der Freude bloggt, die sich verlinkt und mehr noch sich gegenseitig wahnsinnig aktiv kommentiert, egal ob groß oder klein, ob Alpha, Omega oder Zeta. Wenn man die Weinblogger liest, frage ich mich manchmal, wem macht das Bloggen eigentlich noch Spaß? Bei den einen schmeckt es nach PageRank im Abgang, bei den anderen nach trübem Mehltau in der Struktur.

Folgende Schlüsse:

– Mich freuen Eure Kommentare mehr als Eure Links.

– Ich werde mich verstärkt den Blogs zuwenden, die mich auch wahrnehmen, sei es per Telefon, E-Mail, Kommentar, Trackback oder Link.

– Daraus folgt eigentlich, dass ich verstärkt in der Kochblog-Szene aktiv werde, was eh schon der Fall ist, denn hier empfinde ich eine gesunde Gemeinschaft und wenig Gegeneinander. Wein wird natürlich nach wie vor ein Thema sein.

– Nichtsdestotrotz werde ich alles verlinken oder kommentieren, was mich bewegt, unabhängig von Größe, Kleinheit oder Etabliertheit. Das verstehe ich unter Bloggen.

– Ich werde keinen Klickzähler hier einbauen, lebhafte Kommentare sind mir weitaus wichtiger, als in irgend einem Ranking irgendwo zu stehen. Ich will kein Medienhaus gründen, sondern bloggen. Punkt.

16 Gedanken zu “Kein Leistungsbloggen bei Hausmannskost

  1. Ich beobachte als Kochbloggerin in letzter Zeit auch sehr irritiert die Weinblogger-Szene und empfinde die „Zickerei“ als sehr befremdlich. Leben und leben lassen, das ist doch für mich die Blog-Devise. Also auch von mir ein herzliches Willkommen! 😉

  2. Mir macht es schon lange Spaß, genüsslich in so hedonistischen Blogs wie dem von Robert zu lesen und dabei als nichtkochende Winzerin ein gutes Glas Wein zu genießen – auch so kann man die „mariage mets et vins“ die harmonische Verbindung von Gerichten und Wein, wenigstens virtuel herstellen, wobei ich die Kommentare bei den eher küchenorientierten Blogs in letzter Zeit auch viel verdaulicher finde:-).

    Wann gibt’s mal wieder Saubloggen?

  3. @mipi, Nathalie: Vielen Dank 🙂

    @lamia C.: Im Prinzip gebe ich Dir recht und es gibt ja Grenzgänger wie Dich, Swetlana, Lars und auch mich, denn nur beide Welten zusammen ergeben ein perfektes Erlebnis, sowohl am Tisch, als auch im Kopf, als auch im Blog. Dennoch gibt es in beiden Szenen, deren Mehrheit jeweils nur ein Thema berührt, eine unterschiedliche Kultur des Bloggens. Und die in der Weinwelt gefällt mir immer weniger. Mit vielen Ausnahmen im Einzelnen, natürlich.

    @Iris: Gestern war ein bisschen Saubloggen 🙂 Ich hatte mir überlegt, es so zu nennen, aber den Spaß hätten viele vielleicht nicht verstanden. Die arme Terracotta-Sau steht nun auf dem Schrank, vor Feuchtigkeit und Eis geschützt und wartet auf den Frühling…

  4. Besonders das Alpha-Tier-Geschwafel ging mir mächtig gegen den Strich. Als der Thomas Lippert mit seinem Winzerblog beinahe das Handtuch warf, ging ja schon ein reinigendes Gewitter durch die Weinblogs. Jetzt hat er wieder Spass am bloggen und macht sein Ding, Gott sei dank – die Blogwelt wäre definitiv ärmer!

    Sicher gehört Wein und Essen unbedingt zusammen, ich finde es schade, dass viele Weinblogger bei Weinbeschreibungen nicht auf passende Speisen eingehen (Tipp für Ranking-Fetischisten: das würde wohl auch mehr Besucher von Kochblogs auf die Seite bringen).

    Ich bin momentan selbst etwas blogmüde und suche neue Ansätze, die bei mir den Spassfaktor wieder nähren.

  5. @lars: Back to the roots, ist irgendwie die Devise. Den Spaß den man bei Genießen hat wieder in die Texte und Bilder zu transportieren, so wie die ursprüngliche Intention des Bloggens war…

  6. Bei Hausmannskost liegt die Verbindung zu den Koch-, Brat- und ähhhm Essensblogs ja gar nicht so fern. Mir stinkt in der Welt der „Weinblogger“ auch so einiges. Da ist leckeres Essen – und nebenbei ein schmackhafter Wein – eine gute Alternative. Auch ich bin – trotz meiner etwas stärkeren Themenbindung – bei einem Event mal „fremdgegangen“. http://weinverkostungen.de/franzosische-zwiebelsuppe/ Die Herzlichkeit der Reaktionen anderer Kochblogger kann mit nichts aufgewogen werden.

  7. da freu ich mich drauf ;-)kenne die weinblogszene nicht, aber wenn es dort so abläuft, dann macht es keinen spass. ich finde auch, das die freude am bloggen und das kommunizieren mit gleichgesinnten im vordergrund stehen sollte. lg

  8. Lieber Hausmannskoster,

    ich bin ja eigentlich nur Weintrinkerin und keine primäre Weinbloggerin. (Ebenso wie Esserin und Kocherin und keine Foodbloggerin.) Weil ich aber vielfach mitlese. Und vor allem weil ich Lust an schönen Geschichten habe, habe ich immer wieder bei der Weinralley mitgemacht. Hab aber dein Eindruck gewonnen, dass man Blogger, die nicht aus der Primär-Szene stammen, dort nicht haben möchte. Mehrmals ist es vorgekommen, dass meine Artikel – trotz mehrmaliger Hinweise – nicht in die Liste aufgenommen worden sind. Inzwischen habe ich die Lust verloren. Was schade ist, denn schöne Weingeschichten lese und schreibe ich immer noch gerne.

  9. Hallo Helga, das ist schade, wundert mich aber. Denn bei den Bloggern, die ich kenne, kann ich mir kaum vorstellen, dass sie einen Beitrag gezielt unterdrückt hätten. Es machen ja immer Laien mit, ich selbst bin kein Weinprofi. Bei den nächsten beiden Weinrallyes wirst Du bestimmt nicht blockiert, das kann ich Dir jetzt schon sagen 🙂

  10. @Helga
    da muß ich nun auch einmal alle beteiligten Weinrallyeblogger in Schutz nehmen. Das kannn ich einfach nicht glauben das das jemand absichtlich gemacht hat, im Gegenteil wir freuen uns alle über Beteiligung von Blogs aus der Nicht-Weinbloggerszene.
    Also Helga, bitte nochmal nachgucken und bei den betreffenden Bloggern melden, am besten via Kommentar, Trackback oder Email. Wenn du ausgelassen worden bist bei den Zusammenfassungen kann man das berichtigen und sollte auch unbedingt gemacht werden!!

    @Alle
    Aus meinen vergangen Erfahrungen mit den Genussblogs.net kann ich euch getrost zusichern das es in der Foodbloggerszene nicht besser oder schlechter zugeht als bei den Weinbloggern. Die Foodbloggerszene ist nur größer und man kann sich gut aus dem Weg gehen.

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