Hausmanns- oder Hausfrauskost?

Kost

Irgendwo bei Twitter gibt es eine Diskussion, die ich auf Grund meiner mangelnden Kenntnisse des Dienstes nicht richtig verfolgen kann, Thema jedenfalls ist, was Hausmannskost ist, und warum Hausmannskost nicht Hausfrauskost heißt? Eine sehr ideologische Diskussion, wie man sofort erkennt. Hier scheint die geschlechterkampferprobte Frau mit fliegenden Fahnen zurück zum  Herd zu wollen, nur weil „Mann“ im Begriff vorkommt, oder verstehe ich was falsch? Femme fatale, würde ich fast sagen, denn eigentlich ist es doch andersrum, und sie sollte froh sein, dass der Mann endlich das Zepter in der verhassten Küche an sich reißt (Abspülen nicht vergessen!). Aber nichteinmal das scheint ihm vergönnt.

Ist Hausfauskost etwa zwischen Bügeln und Kinder verprügeln schnell zusammengerührt, die Kartoffeln halb roh und das Gemüse verkocht? Während der Hausmann behäbig als Freizeitkoch die Kaviareier einzeln auf die hartgekochten Wachteleier verteilt? Oder ist es doch eher so, dass der Hausmann im Ohrensessel sitzt und mit der Dose Bier in der Hand auf die fetten Spätzle fast so gut wie bei Muttern wartet, die die Hausfrau im Schweiße ihres Angesichts ins kochende Wasser schabt, so dass sie anschließend vor Überanstrengung selbst keinen Bissen mehr herunter bringt?

Dann gibt es auch den modernen Hausmann, der Küche, Kinder, Kirche abarbeitet und das Ökuhuhn in die glutamatfreie Brühe wirft, während die Frau eine schicke Karriere hinlegt und die eingene Werbeagentur oder das Innenarchitektbüro pflegt. Hausmannskost scheint also erstmal wertfrei, und jeder mag sich frei fühlen, den Begriff ideologisch so zu vereinnahmen, wie es ihm passt: bieder, modern, feministisch oder chauvimäßig. Irgendwer wird daher kommen und das ganze politisch korrekt umbenennen und es läuft künftig unter Hausleutekost oder HausbewohnerInnenkost oder Hausgemeinschaftskost. Klingt nach Kombinatsküche und wird auch so schmecken, das garantiere ich Euch!

Meine Frau und ich kochen übrigens beide gerne, setzen andere Schwerpunkte. Sie macht mehr auf Asien und die Zuckerbäckerei und ich — ja, eben die Hausmannskost… während meine drei Töchter am liebsten schon mit den ganz langen, scharfen Messern rumspielen…

13 Gedanken zu “Hausmanns- oder Hausfrauskost?

  1. während meine drei Töchter am liebsten schon mit den ganz langen, scharfen Messern rumspielen…

    O Gott, jetzt trau ich mich kaum noch nach Germering; oder ist es gar das, was Du bezweckst ???

  2. Gut gebrüllt, Hausmann! Als der Emanzipationsära schon durch mein Alter durchaus nicht fern stehende Winzerin, finde ich diese Scharmützel um man/frau und dergl. auch ziemlich blöd und überflüssig. Da gab und gibt es lohnendere Ansatzpunkte, um die frau sich noch kümmern könnte… aber vielleicht ist meine Wahrnehmung auch dadurch getrübt, dass in meiner Küche ein Hausmann sowohl Asien und die Zuckerbäckerei als auch die Hausmannskost abdeckt – und danch auch oft noch spült…

  3. @Iris: Und hast Du nicht den Eindruck, das Die die zentralen Machtinstrumente der Ehe aus der Hand gerissen wurden? Der Typ jubelt Dir eine Wildschwein unter und verkauft es Dir als Feldhasen. Alter Indianertrick 😉

  4. Ist schon erstaunlich, womit manche Leute sich die Zeit vertreiben. Damit meine ich die Diskussion und nicht das corpus delicti.
    Bei uns gibt’s auch meistens Hausmannskost (wenn man es denn jetzt so geschlechtsspezifisch betiteln mag), weil mein Mann lieber kocht als abwäscht und damit bei der Aufgabenverteilung das geringere Übel gewählt hat. Macht er aber gar nicht übel… Wenn mich angesichts meiner diversen Kochbücher doch mal eine unbändige Kochlust überkommt, lässt sich mein Herr Gemahl aber auch bereitwillig vom Herd schubsen…

  5. Der im vorletzten Absatz erwähnte „moderne Hausmann“ dürfte die Ausnahme sein. Die Diskussion Hausmanns- vs. Hausfrauskost finde ich merkwürdig.Was ist denn mit solchen in sich paradoxen Wörtern wie „Frauenmannschaft“? Das sollte man (sorry: bzw. frau) vielleicht auch mal ausdiskutieren 😉

  6. @multikulinaria: So ein Glück für Deinen Mann. Leider muss ich den Saustall auch abwaschen, den ich veranstaltet habe 🙂

    @mipi: Der moderne Hausmann ist wohl eher die Ausnahmen. Die Tendenz geht eher zu Lebensgemeinschaften, in denen beide Teile (zu viel) arbeiten. Arbeit gegen Geld ist bei uns ein zentraler, geschlechtsneutraler Faktor für das Selbstwertgefühl. Auch Geldausgebenkönnen gehört dazu. Ich muss gestehen, dass ich selbst nicht ganz frei davon bin.

  7. Na so großartig war die Twitter-Diskussion aber gar nicht. 🙂 Ergebnis: Hausmannskost bezieht sich auf den Mann, der nach Hause kommt und isst. Gekocht wird nach Hausfrauenart… bedarf keiner weiteren Erklärungen, denn die Begriffe entstammen dem klassischen Rollenverständnis.

  8. Und das sagt Wikipedia:
    Hausmannskost
    Als Hausmannskost (Bildung aus dem 16. Jahrhundert zu mittelhochdeutsch hūsman, „Hausherr, Hausbewohner, Mietmann, Burgwart“) werden deftige, nahrhafte und traditionell zubereitete Gerichte bezeichnet. Im Deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm ist der Begriff bereits enthalten und wird definiert als „Nahrung wie sie ein Hausvater gewöhnlich für sich und die Seinigen bereiten läszt“. Der Hausvater war der männliche Vorstand eines (ländlichen) Haushalts im Sinne von Pater familias; die Bezeichnung bezog sich nicht auf seinen Familienstand. Auch Johann Christoph Adelung verwendet den Begriff 1793 in Bezug auf den ländlichen Haushalt. Die deutsche Hausväterliteratur enthielt auch Kochrezepte und war ein Vorläufer der bürgerlichen Kochbücher. Das Universal-Lexikon der Gegenwart und Vergangenheit bezeichnet als Hausmannskost 1857 „einfache nährende Speisen, wie sie meist in Familien des Mittelstandes genossen werden“.
    Noch bis ins 20. Jahrhundert war es allgemein üblich, dass der Hausherr bei der häuslichen Ernährung bevorzugt wurde und sein Essen mehr Fleisch, Fett, Speck, Eier, Hülsenfrüchte usw. enthielt als das der übrigen Familien- und Haushaltsmitglieder.
    Heute steht der Begriff Hausmannskost allgemein für zwar meist schlichte, aber üppige Gerichte aus eher preiswerten Zutaten, deren Geschmack häufig von gepökeltem und geräuchertem Fleisch oder durch kräftiges Braten oder Schmoren und allgemein einen hohen Fettgehalt bestimmt wird und weniger durch Würzung, wie z. B. Strammer Max, Bauernfrühstück, Speckknödel, Eisbein mit Sauerkraut oder Schweinshaxe, Kasseler mit Sauerkraut, Gulasch, Schlachtplatte, Pfälzer Saumagen, Grünkohl mit Pinkel, Labskaus und vergleichbares. Auch Innereien werden regional noch verwendet wie z. b. bei Beuschel (sauren Lüngerl) oder Kronfleisch.
    Der Begriff gutbürgerliche Küche wird heute teilweise als Synonym für Hausmannskost angesehen, umfasst aber auch aufwändigere Gerichte sowie teurere Zutaten und Gewürze, die sich bis ins 20. Jahrhundert hinein die einfache Bevölkerung nicht leisten konnte.

  9. Also beim Kochen gibt’s bei uns eine simple Regel: Es wird nicht diskutiert, basta! Emanzipation beim Kochen, das hat gerade noch gefehlt, ehrlich jetzt. Ist das von der Fraktion, die behauptet, ohne Männer gäbe es keine Kriege? Nur um dann auf alles, was man für männlich hält, einzuprügeln? Gähn …

  10. Zum Thema „Hausmann’s Kochereien“ habe ich auf meiner Seite ca 333 Rezepte eingepflegt, die mehr Kochideen sind:
    Ganz einfach, schnell, günstig, ohne Vorkenntnisse machbar, fettarm und schlackstoffreich, mit überall verfügbaren Zutaten.
    PS:
    Wir lösen uns beim Kochen ab!

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