Falsche Frischmilch

Kost

Über ESL-Milch, die als pasteurisierte Frischmilch gehandelt wird, hatte ich mich ja schon einmal ausgelassen. Nun gibt es in der aktuellen Ausgabe Der Zeit eine größere Strecke über Milch, in der auch ein Artikel diese neue Zwischenmilch thematisiert. Darin ist zu lesen, leider nicht online, dass inzwischen das Landwirtschaftsministerium die Milchverbände dazu aufgerufen hat, eine einheitliche Kennzeichnung für ESL-Milch zu schaffen. Auch die Verbraucherzentralen fordern eine deutliche Bezeichnung für die nicht ganz so frische Milch.

Zur Erinnerung: ESL steht für Extended Shelf Live, also länger haltbar im Regal, ein Umstand, der eher für die Produzenten und Verkäufer der Milch interessant ist als für die Kunden. Denn die könnten ja statt frischer Milch gleich H-Milch kaufen. ESL-Milch ist eine halbe H-Milch, könnte man sagen, zwischen pasteurisiert und ultrahocherhitzt, die keine lebenden Kulturen mehr enthält, insbesondere keine Milchsäurebakterien, die die Milch sauer machen. ESL-Milch wird also bitter wie H-Milch. Ferner hat sie meist einen leichten Kochgeschmack wie H-Milch.

Im Laden sthet auf der vermeindlichen Frischmilch etwa „Extra lange frisch“, „Maxi-frisch“ oder Ähnliches. Inzwischen habe ich gelernt, dass auch echte Frischmilch, die für den Transport lange stark gekühlt wurde, keine Milchsäurebakterien mehr enthält und daher auch bitter wird.

10 Gedanken zu “Falsche Frischmilch

  1. Die Milch macht mich wirklich ratlos. Winzer kämen in den Knast für derartige Verbrauchertäuschungen 🙂
    Im Ernst, man steht derzeit ratlos vor dem Regal, denn Geschmacklich ist die ELS Milch keine Milch mehr, das ist ja selbst schon bei Frischmilch kaum mehr der Fall! Was tun? Welche Milch kommt einer richtigen Milch überhaupt noch am nächsten? Supermarkt Biomilch?
    Ich hätte nie gedacht das frische Milch trinken, also frisch gemolkene, für mich einmal ein Geschmack der Kindheit sein wird! Echt traurig.

  2. Ja, traurig! Bei uns gibt es nur in den teureren Supermärkten noch normale Frischmilch oder eben Bio-Milch.

  3. Ich finde das auch sehr traurig – ich habe die ESL-Milch hier in Frankreich noch nicht bemerkt (was nicht heißt, dass es sie nicht schon gibt) – kaufe auch immer einen Vorrat von haltbar gemachter „für alle Tage“, da wir ohne Kühlschrank lebend ja sonst im Sommer wirklich keine Chance hätten, Vorrat zu halten, aber welcher Genuss, wenn es dann während der Touristensaison (wegen des höheren Umsatzes im Regal) in unserem kleinen Supermarkt im Dorf die echte Kuhmilch (lait frais entier) abgefüllt von einem Bauern aus der Gegend gibt!

    Vor allem im Milchkaffee ein Unterschied, den ich auch bei „Blindverkostungen“ sofort herausschmecke – das gleiche gilt für Crèpes, Pfannkuchen, Pudding und Kuchen. Die wird natürlich in unserem Haushalt spätestens nach 2 Tagen langsam sauer – aber auch da: welch ein Genuss, damit sein Müsli anzurühren – da landet kein Tropfen bei den Katzen:-)!

    Ich finde, es gibt da mehr Parallelen mit Wein, Thomas – die uns zu denken geben sollten…

  4. @iris: Für mich ist Milch eh insgesamt ein Fall für Crèpes und die Katzen 🙂 Trotzdem stören mich die zunehmende Verkünstlichung der Nahrung und die irreführende Deklaration auf den Verpackungen.

  5. Der Bauer der frische Milch abfüllt und verkauft wäre bei uns ebenfalls im Gefängnis weil er vermutlich gegen alle nur erdenklichen EU-Hygieneverordnungen verstößt und von irgendwelchen hysterischen Allergikerschutzverbänden vor den Kadi gezerrt würde! Sei dankbar das du solch eine Einkaufsquelle hast und hülle den Mantel des Schweigens über das Wo und Wer 🙂
    @wolfhos
    Bist eben ein Stadtkind? Die habens nicht so mit der Milch 🙂
    Aber du hast Recht, an den Milchprodukten kann man sehr gut den Grad der Industrialisierung unserer Lebensmittel ablesen. Der echte ursprüngliche Geschmack geht uns verloren und H-Milch wird zum Massstab für Milchgeschmack. Das ist auch die Parallele zum Wein, da gibt der industrialisierte Wein den Takt an.

  6. Oder bei Erdbeeren. Kinder halten den künstlichen Erdbeergeschmack der Joghurts und Riegel für echter, als den der Feldfrucht. Hab ich selbst erlebt. Oder Fischstäbchen usw.

  7. Ich trinke mein ganzes Leben lang schon Milch (das sind immerhin schon über 50 Jahre). Wenn ich sage Milch, dann meine ich auch Milch und nicht diese abgekochte Plörre, die uns als supertoll angepriesen wird und bestenfalls wie eingeschlafene Füsse schmeckt.
    Bei uns gibt es einen Bauernhof ganz in der Nähe (und das, obwohl ich in einer Großstadt wohne). Der hat einen Hinweis in seinem Hofladen auf dem steht, dass man die Milch vor Verzehr erhitzen muss (gesetzl. Vorschrift). Ich habe es noch nie getan, weil ich (siehe oben) eben nur Milch trinken möchte.
    Zur Kennzeichnung in den Verkaufsregalen der Supermärkte u.s.w. fehlen mir die nötigen Schritte des Gesetzgebers, auch mal der Mut gegen die Lobby zu marschieren.

  8. Wenn ein neues Produkt auf den Markt kommt muß es ein erkennbare Verpackung haben. Ich erinnere mich an die Zeit da wurde Milch in einheitlichen Milchflaschen ausgeliefert, die entweder ein goldene oder ein silberne Verschlußkappe hatte. So einfach war damals Milch kaufen. Die Aufschrift „länger haltbar“ geht in einer Vielfalt von Verpackungen unter. Das Verbraucher nicht vor Ettikettenschwindel geschützt zeigt unhaltbare Zustände im Verbraucherschutz.

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