Ende der öffentlich-rechtlichen Kochrezepte

Bloggen und Medien, Kost

Der Staat, die Sender und die Regulierer haben einen neuen Medienstaatsvertrag für das Internet ausgehandelt, der im Juni in Kraft tritt. Er schreibt den öffentlich-rechtlichen Sendern enge Regeln vor, was sie im Internet noch zeigen dürfen, nämlich nur noch sendungsbezogene, presseähnliche Angebote sind erlaubt. Der WDR ist laut Medienberichten der Meinung, dass eine Kochrezeptdatenbank nicht dazu gehört und hat sie vom Web genommen.

Das ist sehr schade, denn die öffentlich-rechtlichen Rezeptesammlungen finde ich durch die Bank weg qualitativ sehr gut, und ich habe immer wertvolle Anregungen daraus gewonnen. Mein Favorit ist der SWR. Es wird also Zeit, die Archive nochmal durchzublättern und alle guten Rezepte zu speichern, bevor sie endgültig verschwunden sind. Mit einem Trick kommt man übrigens noch an die WDR-Rezepte und zwar über das Sendungsarchiv von Servicezeit, dort unter Rubrikenarchiv.

6 Gedanken zu “Ende der öffentlich-rechtlichen Kochrezepte

  1. Für ganz Dumme, wie mich, die die entsprechende Diskussion wohl nicht verfolgt haben und den Medienstaatsvertrag nicht kennen: warum diese Entscheidung? Würden die sonst abgemahnt, weil sie die Rezepte nicht selber erfunden haben, oder haben sich die kommerziellen Kochseiten, die Rezepte nur gegen Gebühr und Mitgliedschaft verkaufen, beschwert?

    Da werden dann ja auch sicher andere nützlioche Informationen verschwinden – und warum die öffentlich rechtlichen, dürfen die anderen noch?

  2. Grundsätzlich finde ich diese Regelungen gar nicht so schlecht. Die Frage ist ja nicht, ob die öffentlich-rechtlichen-Anstalten viele nutzvolle Dinge im Netz machen können, sondern ob auch anderen Akteuren, die keine Beiträge eintreiben können genug Platz bleibt. Also es geht um Wettbewerb.

    Fraglich scheint mir jedoch die Umsetzung zu sein. Inzwischen werden viele Sendungen im öffentlich-rechtlichen-Rundfunk durch Subunternehmer produziert. Da ist sicherlich die Frage, ob die nicht quasi-privat Rezepte veröffentlichen dürfen. Konkret: Tim Mälzer kann in der ARD kochen. Seine Rezepte aus der Sendung jedoch auf seiner Webseite veröffentlichen.

  3. Die dahinterstehende Problematik, dass die öffentlich-rechtlichen Sender in einem Bereich tätig werden für den sie eigentlich nicht „zuständig“ sind ist dabei ja nur ein Aspekt; mit der Abgabe auf Computer mittels GEZ wurde die Diskussion ja gerade auch in eine Richtung geführt, die einfach nur neue Geldquellen per Internetangebot erschliessen will. So vorzugswürdig die eigene Finanzierung der offiziell unabhängigen Sender auch ist, so sehr misshagt es ein Angebot aufs Auge gedrückt zu bekommen, das ich eventuell gar nicht haben will und trotzdem bezahlen muss.

  4. Ich sehe die Problematik auch, die GEZ-finanzierten Sender wildern im freien Markt, wo Verlage um noch recht geringe Werbeeinnahmen konkurrieren müssen. Denn machen sie bei Rezepten ihren Job verdammt gut und für meine Begriffe besser als manche kommerziellen Auftritte.

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