Blogger-Domain gepfändet

Bloggen und Medien

Man kann ja durchaus geteilter Meinung über Euroweb sein, aber ich verstehe auch René Walter von Nerdcore nicht. Wenn ich schon jemanden ans Bein pinkle, dann fechte ich das doch als Meinungsäußerung vor Gericht durch. Und wenn er sich dann tot stellt, braucht er sich nicht zu wundern, dass ihm die Domain genommen wird. So einen Sieg hätte ich der Gegenpartei nicht gegönnt, die jetzt auf seine Kosten ein ganz hochherzige Nummer durchziehn kann — wenn die Beherzigten denn mitmachen würden.

7 Gedanken zu “Blogger-Domain gepfändet

  1. Die „Beherzigten“ wollen ja nach ihrer Verbandmeierei als Berufsverband einen neuen Verein gründen, um alle BloggerInnen zu vereinen – irgendwann stellt sich wirklich die Frage, ob durch Gründung neuer Vereine, Parteien wie auch immer wirklich die Thematik in den Vordergrund gestellt werden soll oder nur das „eigene“ Ego befriedigt werden soll.

    1. Naja, so eine „Berufsvertretung“ kann schon sinnvoll sein. Ich hab grad wieder eine Akkreditierung zur einer Messe ausgefüllt (Internet World in München) zu der nur berufsständische Journalisten zugelassen sind. Warum? Berichten Blogger schlechter?
      Man müsste sich ansehen, wie aktiv der Verein die Sache der Blogger – einzeln oder in ihrer Gesamtheit – vertritt.

  2. @wolfhos
    Das Unbehagen rührt eher daher, dass ja schon Interessenverbände existieren, die sich explizit um die Belange der Freien bemühen, noch ein Verband erscheint da (auch wenn es im Einzelnen Differenzen gibt) überflüssig.

    Wenn jetzt mit Forderungen nach einem BloggerInnen-Verband hausieren gegangen wird, ist das eigentlich nur die Fortschreibung einer scheinbaren (weil konstruierten) Klientelpolitik, die sich nicht an Inhalten bemisst, sondern auf eine abstrakte Eigenschaft abzielt, die bei genauerer Betrachtung so unterschiedlich wie kaum etwas anderes ist (außer das diesselbe technische Ausrüstung benutzt wird, sind Gemeinsamkeiten eher rar gesäht).

  3. Naja, es gäbe schon Gemeinsamkeiten, nämlich Publizistik in unkonventionellen Bahnen, was oft zu oben genannten Benachteiligungen führt. Für eine Firma ist sicher schwer zu verstehen, welcher Blogger betreibt eine ernsthafte Berichterstattung und wer versucht sich nur finanzielle Vorteile zu verschaffen (kostenloses Messeticket). Bei Presse mit Presseausweis ist das (meist) klarer. Viele Firmen sagen deshalb a priori: Keine Blogger nie nicht. In solchen Fällen wäre eine Art Verband vielleicht nicht schlecht, der hier positive Lobby betreiben kann.
    Die Freischreiber sind mir bislang noch nicht begegnet, scheinen mir aber weniger aus dem Blogger-Lager zu kommen:
    http://www.weltreporter.net/index.php?page=korrespondent&lang=de&id=6

  4. Aber wie sollte das aussehen? Bei einem Blog-Verband könnten doch alle mitmachen und die Ernsthaftigkeit wäre ebenso zu prüfen? Und was für Kritierien sollten denn herangezogen werden, wenn ein Verband „auswählt“, die Größe des Blogs, die manipulierten Klickzahlen analog den Flughafenexemplaren oder die Thematik? Und was wenn nur eine Teilberichterstattung vorgesehen ist, da würde dann ja auch im Gegensatz zur (Fach-)Presse eine Verpflichtung erwachsen zu berichten (anderenfalls würde die Streichung aus den Verbandsempfehlungen drohen?).

    Das Interesse für Blogs wird sowieso entweder steigen, weil sie für eine Berichterstattung als wichtig angesehen werden (und diesen Part dann auch tatsächlich einnehmen) oder eben durch die Bedeutungslosigkeit und das schwindende Interesse an diesem Medium auf gewohnt niedrigen Aufmerksamkeitsniveau verbleiben 😉

    Der Zutritt für die Presse ist ja bei den meisten Veranstaltungen eine rein freiwillige Sache, auf Blogs wird eben meistens kein Wert gelegt, das ist aber eine Frage der Zielrichtung der Veranstalter, die zu ändern könnte natürlich eine Aufgabe eines Verbandes sein, aber wie gesagt, ob der/die Einzelne damit ernsthaft eine Tätigkeit im publizistischen Sinne ausübt ist dann immer noch die Frage.
    Die bisherigen Presseausweise ausstellenden Verbände machten das in der Regel wie schon geschrieben von einer Berufstätigkeit und/oder Zielrichtung abhängig, da fallen BloggerInnen aber durchaus auch drunter, wenn sie sich um einen Ausweis bemüht haben dürfte es also keine Probleme geben.

  5. So ein Verband könnte natürlich Blogger nicht auswählen, wie die Journalistenverbände es (zurecht) tun. Aber er könnte Lobby-Arbeit leisten, z.B. bei Veranstaltungen, die Blogger ausschließen. Umgekehrt zeigt einem Veralstalter die Mitgliedschaft in einem Verband auch eine gewisse Ernsthaftigkeit des Bloggers. Das schließt Schmarotzer natürlich nicht aus, die gibt es auch bei Presseausweis-Inhabern. Die Hälfte aller Anzeigenverkäufer hat irgendwie einen Presseausweis (obwohl ich die jetzt auch nicht alle a priori als Schmarotzer bezeichen möchte).

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