Salade Nicoisée mit Ranch Dressing und Bacon-Bits on top

GenFood und JunkFood, Kost, Wein

Wer den Witz in der Überschrift nicht verstanden hat, kennt den Film „Ein gutes Jahr“ von Ridley Scott (Alien) nicht. Diesen muss man nicht unbedingt gesehen haben, aber eine Szene ist wirklich gut, wie zwei Amerikaner in Südfrankreich einen „Salade Nicoisée mit Ranch Dressing“ bestellen:

 

Im Film dreht sich alles um ein fiktives Weingut, das ein englischer Banker erbt und sich in eine temperamentvolle Französin verliebt… Naja. Die Szenen wurden auf Château la Canorgue im Luberon gedreht. Dieses mustergültige, provenzalische Château haben wir von ein paar Wochen besucht, ein paar Flaschen mitgenommen und konnten letztens der Versuchung nicht widerstehen, einen Salade Nicoise mit Ranch-Dressing und – gerösteten Speckwürfeln („Bits“) zu testen. Vorweg: Das Ergebnis ist eher zweifelhaft, das aber passt zum Wein.

 

Salade Nicoise

Dieser provenzalische Salat ist ein bisschen ein Freiflug bezüglich der Zutaten, die hineingehören. Meiner Meinung nach reduziert sich die Minimalzusammensetzung auf grüne Bohnen, hartgekochte Eier und Thunfisch. Dann natürlich die ganze Pracht des Mittelmeers: Zwiebeln, Tomaten, Paprika, Kapern, schwarze Oliven, Basilikum usw. Speck ist eher ungewöhnlich … aber naja. Normalerweise gibt es als Sauce eine Vinaigrette, eine Emulsion aus Essig, Olivenöl und Salz. Gerne kommt ein Löffel grober Senf hinzu und natürlich Gewürze wie Pfeffer, Knofi und Schnittlauch. Das Ganze wird gut verschlagen, um sich fein zu verbinden – im Unterschied zur italienischen Art, Öl und Essig getrennt mit dem Salat zu vermengen.

Im Englischen heißt Vinaigrette übrigens „French Dressing“ – Klingelt’s? – „Ranch Dressing“…

Ranch Dressing

Dabei handelt es sich um eine amerikanische Erfindung, die tatsächlich auf einer Ranch, bzw. in einem dort angesiedelten Restaurant entstanden sein soll. Die Zutaten sind in erster Linie Mayonnaise und Buttermilch, bzw. Saure Sahne oder Joghurt. Hinzu kommen Zwiebeln, Knoblauch und Kräuter. Paul Newman hatte wohl großen Erfolg in der Vermarktung einer „Newman’s Own Ranch Dressing“. Das Ganze läuft hier unter Joghurt-Salat-Mayonnaise, würde ich sagen…

Die meisten werden es ja wissen: Das wichtigste bei Mayonnaise, abgesehen davon, dass die Eier ganz frisch sein müssen, ist, dass Eier und Fett in etwa die gleiche Temperatur haben sollen. So wird sie zubereitet: Etwas Zitronensaft in ein Eigelb rühren. Dann tropfenweise ca. 125 ml Öl (hier Olivenöl) zugießen. Gerade zu Beginn ist tropfenweise wichtig, weil sonst die Mischung gerinnt. Wenn die Masse fest und mayonnaiseartig ist, nach Belieben Joghurt einrühren (ca. 125 ml). Würzen mit Salz, Pfeffer, Schnittlauch und – für die Ranch-Dressing – Zwiebeln und Knofi.

Dieser dickflüssige Brei kommt nun über den Salat und – naja – verklebt die Zutaten zu einer klumpigen Masse. Was hätte man anderes erwartet? Das Dressing verfälscht den Charakter des Salade Nicoise erheblich. er wird pappig und kletschig. Das Ganze wirkt eher wie bei Mac D. Und auch die Speckwürfel passen so gar nicht. Aber es ist ja auch Salade Nicoisée.

 

Château la Canorgue AOC Luberon 2019 weiß

Château la Canorgue Toute simplement IGP Vin de Pays Mediterranée 2016 weiß

Mit einem guten Wein lässt sich das Ganze natürlich irgendwie herunterspülen. Aber auch hier wurden wir an diesem Abend nicht so richtig glücklich. Wir wählten Weiß: einmal den einfachen AOC Luberon und dann den etwas hochwertigeren Toute simplement. Ersterer ist eine Cuvée aus Roussanne, Marsanne, Clairette und Bourboulenc von 2019, letzterer ein reiner Viognier von 2016. Beide sind enorm stark mit 13,5 und 14 Prozent, wobei der Alkohol im Bouqet gut eingebunden ist. Aber, ich fand beide von den Aromen her etwas unterentwickelt. Der AOC Luberon zeigt sich sehr zurückhaltend und etwas zu kurz. Eher nichtssagend. Der Viognier hingegen hat markante und reife, tropische Aromen, aber wirkt sehr einseitig und dadurch leider auch etwas langweilig.

Aber irgendwie passte der Wein zum Nicoisée und das Ganze zum Film, und es ergab sich ein rundes, wenn auch etwas mit Zweifel vermischtes Gesamterlebnis.

 

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