Bluescreen im Roastbeef — Miele stellt Automatikherd vor

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Die Hausfrau von Morgen lädt sich nicht mehr nur ein Rezept aus dem Internet herunter, das tut sie heute schon, sondern sie leitet es gleich an ihren Herd weiter. Der weiß etwas damit anzufangen und kocht die Speisen automatisch nach Plan. Das Gerät „ist dann so programmiert, dass es die Mahlzeit unter Berücksichtigung von Betriebsart, Temperatur, Kochzeit, Feuchtigkeit und anderen Faktoren zubereitet„, heißt es in einer Pressemitteilung von Miele und Microsoft. Beide stellen heute zur Hannover Messe eine Studie für einen solchen automatisch kochenden Herd vor.

Kooperation Microsoft und Miele_2

Den Vorteil sehen die Firmen darin, dass „Mahlzeiten perfekt gelingen“ und „Fehlerquellen sind so weitgehend ausgeschlossen, weil Rezepte wie Automatikprogramme in den Miele-Versuchsküchen auf die Geräte des Herstellers abgestimmt wurden.“ Der Herd ist im Internet of Things angekommen, in der allumfassenden Vernetzung der Alltagsgegenstände. Vielleicht spricht die intelligente Kochstelle gleich mit den Kühlschrank und kocht nur das, was noch da ist. Der Koch muss nur noch die Zutaten aus dem Kühlschrank holen, wie er es vom Herd angewiesen bekommt, die Zwiebeln wirft er in den vernetzten Mixer, der sie in den vom Rezept vorgesehenen Grad zerlegt. Ist der Mixer fertig, darf der Koch sie in den Bräter verfrachten, der sie automatisch anschwitzt, röstet oder einfach nur weichdünstet — alle Geräte kennen sich aus, der Koch nicht. Er wird zum Handlanger seiner Technik ähnlich einem Flugkapitän, der den Autopilot nicht mehr abschalten kann.

Gegenwehr ist zwecklos: „Die Creme Fraiche nehme ich nicht, die ist seit gestern abgelaufen!„, ob Schimmel zu sehen ist oder nicht, spielt keine Rolle, der Sicherheit wegen. Zuvor erkundigt sich der Herd im Bad bei der Waage, ob es ok ist, einen Schuss Olivenöl mehr in das Gericht zu kippen: „Du hattest gestern schon…“ Auch das Fitness-Armband hat ein Wörtchen mitzureden. Kreativität ist im Konzept der „Rezepte wie Automatikprogramme“ eh nicht gefragt, Phantasie bringt den Plan auf kritische Weise durcheinander, unbekannte Faktoren gefährden plötzlich die Algorithmen und es droht der Bluescreen im Roastbeef. Eigentlich kocht der Herd da ein aufwendig gestaltetes Fertiggericht.

Bild: Microsoft

Missgelaunte Muffins

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Mir fällt es schwer Worte für diesen Muffin zu finden. Zu süß? Das könnte ich noch ertragen. Zu batzig? Das auf alle Fälle! Zu bröselig? Ja auch, aber ist das nicht ein Widerspruch? Schon. Aber so ist es. Zu künstlich also. Das bringt es wohl auf den Punkt.

Naja. Mein Rat: Kauft Euch auf der Internet World in München keinen Muffin! Selbst, wenn Ihr Hunger habt.

Die Messe feiert jedes Jahr steigende Aussteller- und Besucherzahlen — die kommen nicht wegen der Muffins, eh klar — aber was mich wundert, ist das etwas altmodische Konzept der Veranstaltung: Stände, Vorträge, Konferenz. Kein Barcamp, Flashmob, Blogger-Treffen oder etwas Vergleichbares. Vielleicht hat die Messeleitung Angst, dass das die Business-Leute abschreckt. Glaub ich eher nicht. Bei eine Internet-Messe hätte ich da etwas mehr Verve erwartet.

Massentierhaltung und tödliche Keime

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In der aktuellen Zeit ist eine lange Geschichte („Das bringt uns noch um“), die mich bewegt hat, über den Zusammenhang zwischen Massentierhaltung und antibiotikaresistenten Keimen wie MRSA. Der Artikel ist auch online (Insbesondere Abschnitt 3) aber leider etwas anders aufgebaut und nicht so ausführlich. Aber die Fakten sind im Kern die gleichen: Es gibt immer mehr Bakterien, die gegen alle bekannten Antibiotika resistent sind. Und regelrechte Brutstätten für diese Keime sind die Tierställe der Massentierhaltung. Der Grund ist, dass dort so viele Antibiotika eingesetzt werden, sich Bakterienstämme dort sozusagen immunisieren und wachsen können. Deutliche Hinweise darauf sind, dass Landwirte überproportional oft an solchen multiresistenten Keimen erkranken und ferner, dass sie in solchen Gebieten vermehrt auftreten, wo es viel Massenviehwirtschaft gibt.

Dennoch setzen die Bauern weiter massiv Antibiotika ein, insbesondere auch sogenannte Reserveantibiotika, die eigentlich nur als letztes Mittel gedacht sind, wenn kein anderes mehr hilft, weil es noch wenig Resistenzen gegen sie gibt. Wenn das nicht mehr der Fall ist, gibt es keinen Notanker für die Menschheit mehr. Die Autoren befürchten eine Welt wie im Mittelalter, in der das Risiko hoch ist, an einer kleinen Verletzung oder Zahnentzündung zu sterben. Heute undenkbar — aber als Zukunftsrisiko nicht von der Hand zu weisen.

Natürlich verdienen alle am jetzigen System, vorneweg die Landwirte, aber auch die Tierärzte, die die Mittel als Händler mit Profit verkaufen. In der Politik gibt es in Deutschland eine übermächtige Agrarlobby, die Reformen verhindert. Andere Länder wie Großbritannien, Holland oder Skandinavien sind hier (mal wieder) wesentlich fortschrittlicher. Oft sind z. B. Reserveantibiotika in der Tierzucht verboten und den Menschen als letze Rettung vorbehalten. Sehr weise.

Das Fazit für mich ist — auch nicht das erste Mal — Verzicht auf billiges Fleisch und billige Wust aus dem Supermarkt. Konsequent bei regionalen Erzeugern kaufen oder Metzgern, die sauberes Fleisch aus der Region bekommen. Am besten Bio.

Nachtrag: Hier noch ein Beitrag des WDRs zu Putenmast und Reserveantibiotika.

 

 

Saubloggen am Mittwoch: Pommes-Automat

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Saubloggen am Mittwoch: Da gräust es jeder Sau: Die chinesische Firma Beyondte hat den Pommes-Automat erfunden. Der Vorteil des Geräts (laut Pressemeldung): „Die Maschine kann die Pommes sowohl in Pflanzenöl als auch Rinderfett frittieren und mit drei verschiedenen Soßen servieren.“ Das klingt lecker, Freunde! Besonders auf die Variante mit Rinderautomatenfett bin ich echt schon gespannt.

Weiter lesen wir: „Die Wartezeit nach der Eingabe von Münzen oder Banknoten beträgt nur 90 Sekunden … In Belgien kostet eine 135g-Portion von in Rinderfett zubereiteten Pommes frites am Automaten 2,50 Euro. Die Maschine kann auch auf die Abgabe von 150g-Portionen eingestellt werden.“ Ein echter Vorteil. Und das sogar im Land, dessen Bewohner die Pommes erfunden haben. Auch in Kroatien, im Iran und in Chile wird es bald solche Geräte geben. Firmeninsider berichten, dass das Nachfolgemodell sogar Döner können soll … Mit Knoblauch oder ohne.

BEYONDTE ELECTRONICS CO., LIMITED FRY VENDING MACHINE

Kunstprodukt: Alba-Öl statt Butter

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Letztens hab ich ein Fläschchen Alba-Öl bekommen, ein flüssiges Fett, das tatsächlich wie Butter riecht und schmeckt. Ich hab Pfannkuchen damit gemacht, was gut gelungen ist. Ich dachte, Alba wäre irgendeine exotische Pflanze, die sie jetzt entdeckt haben, von einer abgelegenen Insel. Gut für den Geschmack und gut fürs Cholesterin. Bei meinen Recherchen im Netz bin ich aber drauf gestoßen, dass es ein Kunstprodukt auf der Basis von Rapsöl aus Schweden ist. Die Hersteller fügen dem eigentlich sehr hochwertigen Rapsöl Aromen, Emulgatoren, Farbstoffe und Antioxidationsmittel hinzu… Brrr. Alter Schwede! Das ist dann doch nicht mein Fall. Junk-Food. Aber das Fläschchen ist schön, falls der Schenkende dies liest, und gießt einen sehr schönen, dünnen Strahl.

albaöl

Buchrezension zum Blog Action Day (Karen Duve: Anständig Essen)

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Es ärgert mich, dass die westliche Landwirtschaft so stark subventioniert ist, dass deutsche Nudeln in Afrika billiger sind, als dort produzierte.  Es ärgert mich auch, dass auf landwirtschaftlichen, für Nahrung nutzbaren Anbauflächen Bio-Diesel wächst. E10 verbessert zwar die deutsche CO2-Bilanz, lenkt aber von wesentlich wichtigeren Maßnahmen an, zum Beispiel Spritsparen (= Geschwindigkeitsbegrenzung). Autolobby. Außerdem ärgerte es mich, wenn Urwald abgeholzt wird, um Turborinder zu mästen, damit mancher Westler zwei Mal am Tag einen fetten Burger fressen kann. Das hab ich im letzten Beitrag schon angedeutet oder an anderer Stelle ausgeführt. Alles wären Themen für den Blog Action Day 2011, heute zum Thema Food. Nahrung.

Ich möchte aber ein Buch vorstellen, das mich in lezter Zeit stark bewegt hat, nämlich von Karin Duve (Regenroman und Die entführte Prinzessin). Sie hat als erklärte Tierliebhaberin einen Selbstversuch zum Thema Fleischkonsum gemacht. Nicht auf dem Niveau, ich verzichte mal drei Wochen aufs Internet, sondern sie hat ein Jahr lang die verschiedenen Ernährungs- und Sinnkonzepte durchlebt: Bio, vegetarisch, vegan und frutarisch (= keine Pflanze töten). Entstanden ist auf dieser Basis das Buch: Anständig Essen. Angefangen hat alles so: Eines Tages steht sie im Supermarkt, hält das billige, eingeschweißte, marinierte, praktische Grillhähnchen in der Hand. Plötzlich taucht ihre vegetarische Untermieterin mit dem Spitznamen Grille auf und stellt sie zur Rede, wie sie so unverantwortlich einkaufen kann. Zwischen beiden Frauen entwickelt sich ein Dialog, der sich im Prinzip durchs ganze Buch hindurchzieht, wobei Grille immer wieder als moralisches Alter Ego der Autorin auftritt. Im Lauf des Buches wandelt sich das Verhältnis aber überraschend.

Das Buch bleibt nicht bei einer privaten und irrelevanten Innenschau stehen, sondern bietet eine faktenreiche, weit gefächerte, aber bildliche Analyse der Haltung und Tötung von Tieren in unserer Gesellschaft. Vom Massensterben männlicher Küken in der Massentierhaltung auch auf dem Biohof, über das selbstverständliche Vernichten von Ungeziefern im Haus, bis zum Einschläfern des geliebten, individuellen Hunds. Sie trifft sich mit Extremisten, Menschen, die nur vom Baum gefallene Früchte essen, anderen, die einen Antitierbenutzungshof führen, aber auch überzeugten Jägern oder Vertretern der Ordnungsbehörden. Alle kommen zu Wort, und zwar fair. Einfache Antworten gibt es nicht, und die gaukelt die Autorin dem Leser auch nicht vor. Spannend sind nicht nur die vorgestellten Menschen und Fakten: Eines Nachts geht sie auf Abenteuer und befreit ein paar Hühner aus Käfigen. Die leben dann bei ihr und ärgern die anderen Hühner. Nur um einen Termin beim Schlachthof bemüht sie sich vergeblich. Öffentlichkeit ist nicht erwünscht.

Ihr Fazit möchte ich hier nicht vorwegnehmen. Es ist jedenfalls radikaler als meins als Leser (und Genussblogger). Aber niemand, der beginnt sich mit dem Thema zu beschäftigen, wird guten Gewissens das praktische, marinierte Hähnchen aus dem Supermarkt in den Einkaufswagen legen. Das lehne ich inzwischen kategorisch ab, noch kategorischer, als ich es vor der Lektüre schon empfunden habe. Fleisch sollte für meine Begriffe seltener gegessen werden und unbedingt aus Bio- oder vertrauter Haltung kommen. Selbst wenn Aufwand und Preis höher sind. Ganz auf Fleisch verzichten möchte ich nicht (Duve auch nicht), obwohl es moralisch letztendlich die sauberste Lösung wäre. Es sei denn, man zieht seine Hühner selber liebevoll auf und dreht ihnen dann auch selber fachgerecht den Hals um.

Blog Action Day: Food

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Der diesjährige Blog Action Day am 16. Oktober hat Food als Thema: Nahrung. Dass das ein zentrales Thema aller Genuss-Blogger ist, ist klar, denn während der weitaus größere Teil der Menschheit froh ist, überhaupt etwas zu essen zu bekommen, lebt der andere im Über- und Wegwerfangebot, und kugelt Luxusprobleme vor sich her. Zwischen beiden Welten gibt es viele feine Zusammenhänge, etwa die subventionierte, landwirtschaftliche Überproduktion im Westen oder die Nutzung von potenzieller Ackerfläche für McDonalds-Rinder. Ganz zu schweigen von Biodiesel, der wirklich nur in der CO2-Zertifikatrechnung der Autoindustrie einen Sinn ergibt. Es gibt also viel zum Thema globale Nahrung zu sagen und wir als Food-Blogger sollten das auch tun. Registriert Euch!

Putenqualen in der ARD

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Report Mainz  (ARD) zeigt heute Abend um Viertel vor Acht einen Beitrag über das Wiesenhof-System. In den gezeigten Beispielen werden laut Pressemitteilung Puten im Zuge der industriellen Abfertigung unnötig gequält und misshandelt. Die verantwortlichen Firmen und Unterfirmen weisen die Vorwürfe hin und her, jede schiebt der anderen die Schuld zu. Wiesenhof selbst nimmt im Vorfeld zu der Sendung Stellung und verweist auf seine prinzipiell transparente Firmenpolitik und gewisse Rechercheschwächen beim Team vom SWR (das Wiesenhof-Video ist durchaus sehenswert). Dennoch lassen sich die Tatsachen nicht beschönigen, dass es im Zuge der industriellen Produktion von Fleisch zwangsläufig zu inhumanen, wenn man das bei Tieren so sagen darf, Quälereien kommen muss. Selbst wenn sie nicht immer so drastisch sind, wie die, die man im Film wohl heute Abend sehen wird, sind sie schlimm genug. Tierschützer weisen immer wieder Misshandlungen nach. Vermeiden lässt sich das nur durch den konsequenten Griff zum Bio-Fleisch, wann immer es möglich ist. Oder man ist so privilegiert wie wir und kann seine Händl beim Bauer direkt kaufen.

Update: Inzwischen gibt es auf der Wiesenhof-Webseite ein Diskussion zu dem SWR-Beitrag. Allerdings haben die Content-Manager nicht alle Trackbacks freigeschaltet. Meinen zum Beispiel nicht. Sondern nur zwei an der Zahl, die in die Wiesenhofkritik einstimmen. Soll ich beleidigt sein? Nachdem ich die Sendung (trotz ihrer methodischen Schwächen) gestern selbst gesehen habe , bin ich mir nicht sicher, ob ich auf der Wesjohann-Seite überhaupt erscheinen mag…

Dioxin belastet Mistkratzerl

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Der Dioxin-Skandal im Hühnerei bewirkt — hoffentlich — einen neuen Trend zum Freiland- oder Bio-Ei. Sehr löblich. Diese Eier mit Bauernhofromantik erfreuen Mensch wie Huhn, jedoch sind sie alles andere als giftfrei. Im Gegenteil, Eier von glücklichen Hühnern, die im Boden und Mist kratzen, belasten mit höheren Dioxinwerten, behauptet Rudolf Joost-Meyer zu Bakum, der Vorsitzende der Gesellschaft für ökologische Tierernährung, in einem Interview in der taz. Er geht sogar noch weiter: „Der Grenzwert bei Fisch ist ein Mehrfaches davon — dabei gibt es genügend Leute, die mehr Fisch essen als Eier. Das ist ein politischer Grenzwert, den die Käfigindustrie durchgedrückt hat. Man wollte die Freilandhaltung ausbremsen.“

Trotz allem bin ich ein Verfechter des Bio-Eis vom Mistkratzerl, denn mir schmeckt mein Omelett besser, wenn ich weiß, dass ein glückliches Bauernhuhn die Eier dafür produziert hat, Dioxin- oder her.

Klebfleisch (auch Formfleisch) in der Haute-Cuisine

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Lebensmittelfachleute, Verbraucherschützer, Köche und die Medien diskutieren derzeit viel über das Klebfleisch. Bei dieser Methode fügen Lebensmitteltechniker Fleischstücke, oft Abfall, mit einem speziellen Kleber zusammen, sodass verkaufbare Produkte entstehen. Das findet sich dann zum Beispiel als Schinken in Fertigprodukten. Ähnliches gibt es für Fisch oder Milchprodukte. Als Kleber kommen sogenannte Transglutaminasen zum Einsatz, die ähnlich der Blutgerinnung funktionieren, schreibt Wikipedia.

Junk-Food? Gammelfleisch? Letztendlich würde ich in den allermeisten Fällen sagen, ja. Spannend fand ich jetzt einen Beitrag von Christian Mittermeier auf Nachgesalzen, in dem er ein Kochrezept mit Transglutaminasen beschreibt. Er hat aus Fleischabfällen — von Qualitätsfleisch — gebratene Würfel konzipiert. Was soll man dagegen sagen? Allerdings schreibt er auch: „Was ich von Transglutaminase halten soll, weiß ich selbst noch nicht.“

Prinzipiell bin ich ebenso kritisch, denn der Hauptanwendungszweck wird die Restverwertung von Billigfleisch in der Massenproduktion von Fertignahrung sein. Und das ist nicht mein Fall. Die EU entwirft derzeit eine Verordnung zu diesem Thema, und der Bundesrat hat vor ein paar Tagen die Bundesregierung aufgefordert, sich für eine starke Kennzeichnungspflicht einzusetzen. Das finde ich das Mindeste. Die Verbraucherzentralen fordern sogar, dass so ein geklebtes Produkt nicht Schinken heißen darf: „Wo Schinken drauf steht, muss auch Schinken drin sein“. Analog zum Analogkäse. Wer kauft schon eine Pizza mit Ersatzschinken und -käse?

Saufutter: Hefeextrakt ist ein Geschmacksverstärker

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Saufutter: Die Verbraucherzentrale Niedersachsen hat sich 151 Lebensmittel mit sogenannten Clean Lablen angesehen. Diese Hinweise auf Verpackungen besagen, dass das Produkt keine Konservierungsstoffe, Farbstoffe oder Geschmacksverstärker enthält, je nach Lable. In vielen Fällen fanden die Prüfer in den Nahrungsmitteln aber Ersatzstoffe, die zwar die gleiche Wirkung haben, aber nicht unter die entsprechende Verordnung fallen.

Das krasseste Beispiel finde ich immer wieder Hefeextrakt, der laut Gesetz nicht zu den Geschmacksverstärkern zählt, aber dennoch zu einem guten Teil aus Glutamaten besteht, wie alle anderen Geschmacksverstärker auch. Im Gegenteil, das Lebensmittellexikon schreibt: „Autolysierte Hefeextrakte dienen zudem als primäre Quelle für Mononatriumglutamat“. Daher zu behaupten, Hefeextrakt sei kein Geschmacksverstärker, ist eine böse Täuschung, selbst wenn sie in einem rechtlichen Rahmen stattfindet. Die Verbraucherzentrale ermittelte auf den Zutatenlisten von 68 von 74 Produkten, die als ohne Geschmacksverstärker gekennzeichnet waren, Hefeextrakt, darunter Maggi fix&frisch Tomaten-Zucchini Gratin, Frankenberg Gourmet Snack Knuspriges Kartoffelrösti, Poté Edelpilzcreme Suppe und Erasco Heiße Tasse Hühnersuppe.

Was mich weniger stört, sind Zitronensäure oder Essig als Ersatz für Konservierungsstoffe. Während Glutamate bei Verbrauchern verpönt sind, Hefe hin oder her, verstehen sie unter Konservierungsstoffen eher Benzoe- oder Sorbinsäure, bei denen es gesundheitliche Bedenken gibt. Gegen Zitronen oder Essig hat, außer vielleicht geschmacklich, niemand etwas einzuwenden. Ein PDF mit weiteren Beispielen findet sich auf der oben angegebenen Webseite.

Kochblog-Event 61: Currywurst ohne Ketchup

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Fertigprodukte nachgebaut, industriell kontra Handarbeit, Genuss statt Junk-Food. Das ist die Aufgabe des 61. Kochblog-Events.  Als ich das Thema gelesen habe, fiel mir sofort ein Plan wieder ein, den ich schon seit Längerem gedanklich verfolge. Ich bin nämlich ein großer Freund der Curry-Wurst, immerhin habe ich zehn Jahre im Pott gelebt. Allerdings hasse ich Ketchup, da es fast ausschließlich aus Zucker besteht. Im Supermarkt habe ich mir letzte Woche noch einmal die Zutatenliste auf einer Ketchupflasche eines namhaften Herstellers durchgelesen. Nach Tomaten kommt sofort Zucker und dann Glukosesirup, auch Zucker also. Die Zutatenlisten von Lebensmitteln müssen nach Anteil sortiert sein, das wisst Ihr ja. Irgendwann kommt Worcestershire-Sauce, die genauso überflüssig ist, wie ihre Schreibweise.

Gesucht ist also eine Currysauce, nicht osterhasensüß, würzig stattdessen, mit echtem Curry-Geschmack und dennoch passend zur Bratwurst (etwas Ähnliches habe ich hier bereits einmal versucht). Die Basis meiner Currysauce ist eine Tomatenpaste, gekocht aus Tomaten, Tomatenmark oder fertig passierten Tomaten. Ich habe ein paar Zwiebeln scharf angebraten, kurz etwa die gleiche Menge Ingwer dazugegeben und das Ganze mit Sherry und etwas Brühe abgelöscht. Etwas reduzieren, dann die Tomaten zufügen. Den Sugo eine Stunde auf kleiner Flamme dick einkochen, gewürzt mit Lorbeer, Nelken, Zitronenschale, einem Spritzer Zitronensaft und … ja, einer Priese Zucker, vielleicht drei Gramm und nicht 120.

Wenn der Sugo dickflüssig ist (wie Ketchup), wird er abgeseiht und noch einmal gewürzt, mit Curry. Ich habe Currypaste verwendet, deren Geschmack weitaus intensiver ist, als der des Pulvers. Dann kamen noch etwas klein gehackte Lime Pickles und ordentlich frisch gestoßener Zimt dazu. Ingwer, Currypaste und Lime Pickles sind meist recht scharf, wenn nicht muss etwas Chili in die Sauce.

Diese Mischung fand ich sehr gelungen, nicht süß und pampig, sondern würzig, orientalisch, frisch durch die Zitronenschale und die Lime Pickles, ein bisschen scharf durch den Ingwer und sehr gut passend zu Bratwürsten. Hier noch mal der Einkaufszettel:

Eine kleine Zwiebel
Ebenso viel Ingwer
Ein Schuss Sherry und etwas Brühe
Ein Paket passierte Tomaten
Zitronenschale
Ein Spritzer Zitronensaft
Lorbeerblätter
Ein paar Nelken
Ein paar Löffel Curry-Paste
Ein Esslöffel Lime Pickles
Ein gutes Stück Zimt, frisch gestoßen
Eventuell Chili
Mit Röstzwiebeln servieren

Eine Flasche Wein gab es auch dazu, einen Chardonnay aus Australien, genau das Richtige zum gehobenen Fast Food. Ein Tyrrell’s Old Winery von 2008. Intensiv, blumig-fruchtig, Birne, etwas Wiese, nussig, Melisse. Mild im Auftakt, voll und cremig am Gaumen, harmonisch, eher modern, sehr schmackhaft und süffig. Die 13 Prozent sind gut eingebunden.

Tyrrell’s Old Winery Chardonnay 2008
Australien/Hunters Valley

Weiß; Chardonnay
13 % Alkohol

Streit um den Goldhasen

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Lindt und Riegelein ringen um das Gold am Hasen, bis vor den BGH und noch weiter. Jetzt hat der BGH die Klage an das Oberlandesgericht Frankfurt zurückgegeben, um zu klären, wer der wahre Herr der Hasen ist. Laut einer Pressemeldung der Firma Riegelein hat sich Lindt & Sprüngli im Jahr 2000 die Rechte am Goldhasen als 3D-Marke schützen lassen und versucht alle anderen gleich verpackten Produkte aus den Regalen der Supermärkte zu klagen. Riegelein verweist hingegen darauf, dass Hasen seit mindestens fünfzig Jahren so verpackt werden.  Der Streit geht wie immer um die Details, wie golden ist das Gold der Folie, wie hoch die Verwechselungsgefahr, wenn die rote Schleife nur aufgedruckt und nicht bimmelnd umgehängt ist?

Ich finde es persönlich ein Unding, dass man sich so etwas überhaupt schützen kann. Soll doch der am besten verdienen, der die beste Schokolade zum besten Preis verkauft. Wer schützt sich als nächstes den Schokoweihnachtsmann, die Schmetterlingsnudel oder die Laugenbrezel?