Kochblog-Event 44: Fischtäschchen mit asiatischen Gewürzen und gerösteten Mandeln

Kochblog-Event, Kost

Oder auch Fischstäbchen für Erwachsene, wie wir sie unseren Kindern verkauft haben. Beitrag zum 44. Kochblog-Event mit dem Thema Mandeln, ausgetragen von Miranda.

Stilecht sollte der Fisch in Palmblätter gewickelt werden, da ich nach dem letzen Winter aber keine Palmen in München gefunden habe, behelfe ich mir mit Alufolie.

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Jede Person bekommt ein eigenes Täschchen mit ca. drei Fischfilets. Diese wickle man mit Tomatenwürfeln, Limettenscheiben, gerösteten Mandelblättern und der Marinade in die Folie. Falten und die Enden fest zusammenrollen, dass keine Flüssigkeit entweichen kann, und das Ganze 15-20 Minuten bei 190-200 Grad im Ofen überbacken. Temperatur und Dauer hängen etwas vom Fisch und vom Aggregatzustand ab. Es schadet nicht, ein Täschchen zu öffnen und den Inhalt zu prüfen.

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Zur Marinade habe ich verwendet:

Yoghurt
Crème Fraîche
Sherry
Sesamöl
Limettensaft
Ingwer
Knofi
Krachai (Fingerwurz)
Chili
Koriandergrün
Asiatisches Basilikum

Weitere nach Belieben. Krachai, oben auf dem Foto die länglichen Wurzeln  neben den Tomaten, hab ich grad erst für mich endeckt, die schmecken unverschämt asiatisch. Als Wein passt, wer hätte es gedacht, der Silvaner von gestern. Hat genügend Wucht gegen die Gewürze,  fügt sich aber harmonisch in das Gesamterlebnis, ein bisschen herb, ein bisschen fruchtig.

Lachsravioli mit Pecorino und Equinoxe

Kochblog-Event, Kost, Wein

Véronique trägt das 41. Kochblog-Event aus, das Thema lautet Räuchern gestattet.

Wir haben Lachs zwar nicht geräuchert, aber so gekauft, mit Ricotta gemischt, in Nudeltaschen gefüllt und mit Kräuteröl serviert. Selbst gemachte Nudeln schmecken am besten, das braucht man niemandem mehr zu sagen, allein der Geruch nach frischem Ei ist unersetzlich. Mit einer Nudelmaschine tut man sich besonders leicht, zusätzlich haben wir ein Ravioli-Brett, mit dem auch das Füllen und Formen der Teigtäschchen ein Kinderspiel ist.

Nudeln
500 g Mehl (+ Mehl für die Verarbeitung)
6 Eier
ein Tropfen Öl
eventuell etwas Wasser
Salz

Füllung
ca. 4 Pakete Räucherlachs (eventuell mit Kräuterbeize)
2 Pakete Ricotta
Limettensaft
Olivenöl
Gewürze (Pfeffer, Muskatnuss…)

Sauce
Öl
frische mediterrane Kräuter
Pecorino

Zubereitung: Teig für frische Nudeln enthält meistens Ei, etwas feiner wird er, wenn man statt ganzen Eiern nur die Eigelbe verwendet, dann aber die Menge verdoppelt. Nudeln aus Hartweizengries sind im Hausgebrauch deutlich schwerer zu verarbeiten, für frische Pasta taugt Mehl 405 aber sehr gut.

Mehl, Eier und Salz zusammenkneten. Der Teig sollte sehr elastisch sein, was durch langes Kneten erreicht wird. Ist er zu trocken und brüchig, etwas Wasser hinzufügen. Zu feucht ist kein Problem, das gleicht man beim Durchwalken mit Maschine aus. Nach dem Kneten ruht der Teig in Klarsichtfolie gewickelt im Kühlschrank für eine Stunde.

Währenddessen wird die Fülle zubereitet. Lachs pürieren, mit den restlichen Zutaten vermengen.

Nach der Ruhezeit holt man ein eigroßes Teigstück aus dem Kühlschrank und jagt es ein paar Mal durch die erste Stufe der Nudelmaschine. Wenn der Teig zu feucht und klebrig ist, etwas Mehl drauf streuen und erneut durch die Maschine drehen, bis die Konsistenz passt. Nun eine Teigbahn bis zur vorletzte Stufe plätten.

Die Ravioli-Form leicht bemahlen, besonders in den Ecken, und die Teigplatte auflegen. In jede Mulde etwas Füllung legen und alles mit einer weiteren Teigplatte belegen. Es sollten in den Ravioli nur ein minimales Luftpolster entstehen, sonst platzen sie beim Kochen. Mit dem Nudelholz rollt man über die Form, so dass die Teigplatten sich verbinden und gleichzeitig die Ravioli ausgestochen werden. Die fertigen Täschchen auf einem bemehlten Tuch ausbreiten. Den restlichen Teig mit der nächsten Portion vermengen und verarbeiten.

Kochzeit: Circa 10 bis 12 Minuten. Mit Kräuteröl beträufeln und grob geriebenem Pecorino bestreuen.

Als sehr guter Begleiter hat sich der Equinoxe 2007 von Arjolle erwiesen, ein würziger, kräftiger Wein, der viele schöne Fruchtnoten aufweist: Aprikose, Pfirsich, Mandarine, Zimt, Limette, mineralisch. Ein deutlicher Holzeinsatz ist unverkennbar, scheint mir aber etwas milder als im 2006er zu sein. Der Geschmack ist mild und voll, fruchtig und vielseitig. Hat mir sehr gut gefallen.

Domaine de l’Arjolle, Equinoxe 2007
Vin de Pays des Côtes de  Thongue
Frankreich/Midi

Weiß, Viognier, Sauvignon Blanc, Muscat
13 % Alkohol; Ausbau im Barrique

Vietnamesische Glücksrollen (Goi cuon)

Kochblog-Event, Kost

Beitrag zum Kulinarischen Adventskalender 2008: Dieses Rezept ist schon ein kleiner Vorgriff auf die Neujahrsfeier, denn in Vietnam zählen Glücksrollen, Goi cuon, zu den traditionellen Essen bei diesem Fest. In Vietnam findet Neujahr allerdings wie in China im Frühjahr statt.

Im Unterschied zu anderen Rollen, werden Goi cuon erst am Tisch gefertigt, was sich sehr gut mit Gästen zelebrieren lässt . Jeder nimmt sich an Zutaten, die ihm gefallen. Ich stelle hier zwei getrennte Rezepte vor, so wie sie mir vorliegen, allerdings haben wir im Küchenversuch alle Zutaten gemischt, und die Rollen ganz nach Belieben gefüllt.

Glücksrollen mit Schweinefleisch
400 g gekochter Schweinebauch mit Schwarte, in Scheiben geschnitten
150 g Sojasprossen
400 g in Streifen geschnittene, kleine Gurken
gemischte, frische, vietnamesische Kräuter
Eingelegte Frühlingszwiebeln (siehe hier)
Eingelegter Knoblauch mit Chili (siehe hier)
Reispapier

Vegetarische Glücksrollen
Ein Omelette aus einem Ei
100 g gewürfelter Tofu
Schalotten, in Ringe geschnitten
200 g weiße, in Streifen geschnittene Rübchen
100 g in Streifen geschnittene Karotten
Hoisin-Sauce (siehe hier)
Salat in kleine Blätter gezupft
asiatische Kräuter
geröstete Erdnüsse
Reispapier

Die Zutaten schön anrichten und wie gesagt, erst am Tisch füllen, rollen und verzehren. Das Reispapier verwendet man so: Eine Schüssel Wasser parat stellen, drei bis vier Blätter kurz durchs Wasser ziehen und auf ein feuchtes Tuch legen. Nach zwei Minuten sind die Blätter weich.

Dann legt man etwas Füllung in die Mitte, rollt das obere Ende ein, schlägt die Seiten nach innen und rollt alles fest zusammen. Als Dip eignen sich Fisch-Dips wie hier beschrieben.

Darüber, wie Schärfe und Tannine sich ergänzen, hatte ich ja schon einmal geschrieben. Diese mal hatten wir ganz brav einen milder Weißwein, einen einfachen Gutedel aus Baden, der sehr gut gepasst hat.

Jambalaya mit Truthahn (Kochblog-Event 40)

Kochblog-Event, Kost

Beitrag zum 40. Kochblog-Event: Eigentlich bin ich weder ein Freund der Pute noch der amerikanischen Küche. Bei letzterer gibt es eine Ausnahme: Die Cajun-Küche aus den Swamps im Süden von New Orleans. Die Cajuns sind französischen Ursprungs, was man spätestens merkt, wenn man in New Orleans einen Kaffee mit Beignets bestellt. Neben des französischen Einflusses finden sich spanische (kreolische) und indianische Elemente in der Cajun-Küche. Altmeister Paul Prudhomme betreibt ein paar bemerkenswerte Restaurants in der Region und hat kiloschwere Kochbücher geschrieben.

Die bekanntesten Gerichte der Cajuns sind Gumbo, eine Art Suppe mit Okraschoten, und Jambalaya, ein Risotto. Es wird ähnlich wie die italienische Variante gekocht, entscheidend ist aber der so genannte Cajun-Dreiklang: Zwiebeln, Sellerie und Paprika, die in einer ordentlichen Menge benötigt werden und komplett verkochen. Die weiteren Zutaten sind beliebig: Krabben, Fisch, Huhn, Hase (die Cajuns jagen gerne) oder sehr typisch Flusskrebse (Crawfish). Und wenn es sein muss, Turkey. Oft enthält Jambalaya Andouille, eine scharfe, geräucherte Wurst, nicht zu verwechseln mit dem französischen Original, das in erster Linie aus Kutteln besteht. Eine andere Pfefferwurst tut es auch. Dann wird oft Hot-Sauce (wie Tabasco) empfohlen, auch von Chef Paul, aber die lasse ich wegen des Essiggeschmacks weg. Reiner Chili ist besser. Also:

Reis
Öl
Zwiebeln
Paprika
Stangensellerie
Pfefferwurst
Speck
Pute
Sherry
Geflügelbrühe
Lorbeer
Knofi
Safran
Chili
Crème Fraîche

Man arbeitet immer im selben Topf und fügt die Zutaten nacheinander hinzu. Der Fond darf dabei nie schwarz werden… Speck anbraten, beiseite stellen, gewürfeltes Fleisch anbraten, beiseite stellen, das klein gewürfelte Gemüse auf kleiner Flamme solange anbraten, bis es braun (nicht schwarz) geworden ist. Das dauert. Dann den Reis dazu, bis er glasig gedünstet ist. Ablöschen mit Sherry und dann Brühe; Gewürze und Pfefferwurst hinzu. Immer wieder Brühe nachgießen, der Reis kocht etwa 18 Minuten. Er sollte am Ende eine suppige Konsistenz aufweisen. Wenn er fertig ist, Fleisch und Speck wieder dazu. Abschmecken.

Dazu passt höre man Born on a Bayou…

Pizza Pugliese (Kochblog-Event 39)

Kochblog-Event, Kost

Doch! Natürlich hab ich gelesen, dass dieser Herr vor kurzem ebenfalls Pizza Pugliese vorgestellt hat. Ich hab auch einen ganz schönen Schreck bekommen, weil ich im ersten Moment dachte, ich müsste mir ein neues Rezept für das Tarte-Blog-Event suchen. Aber dann sah ich, dass lamiacucina sowohl den Teig als auch den Belag ganz anders macht als ich, und entschloss mich, mein Rezept des apulischen Zwiebelkuchens dennoch vorzustellen. Ich verwende keine Tomaten und keinen Mozzarella, sondern nur Zwiebeln und Pecorino. Die Teigmenge reicht für drei bis vier Bleche, je nachdem wie dünn man die Pizza mag, der Belag ist hingegen nur für zwei Bleche gerechnet, denn ich mache für ein Pizzaessen immer verschiedene Sorten.

Teig (3-4 Bleche)
750 g Mehl 405 (davon eventuell 100 g Gries)
20 g Hefe
Salz
30 g Olivenöl
375 g Eiswasser (eventuell etwas mehr)

Belag (2 Bleche)
500 g weiße Zwiebeln
200 g Pecorino
Olivenöl
Salz, Pfeffer, Oregano

Zubereitung
Für den Teig löst man die Hefe in etwas Eiswasser aus, vermischt das ganze mit dem Mehl, fügt noch soviel Wasser hinzu, dass ein weicher Teig entsteht. Dann kommen die restlichen Zutaten hinzu, und man knetet einen schönen, glatten Hefeteig daraus, ohne Vorteig. Dann teilt man den Teig in drei oder vier Kugeln, legt sie auf eine Platte, bedeckt sie mit Klarsichtfolie und lässt sie eine Stunde im Kühlschrank gehen. Eiswasser, die relativ geringe Menge Hefe und die kurze Gehzeit sorgen dafür, dass der Teig nicht zu stark geht, denn die italienische soll im Gegensatz zur amerikanischen Pizza nicht zu brotig werden. Bei Witzigmann hab ich mal gelesen, dass er auf die Zugabe von Honig schwört, schaden tut dieser auf alle Fälle nicht.

Während der Gehzeit schneidet man die Zwiebeln in dünne Halbringe, reibt den Käse und heizt den Ofen so heiß es geht. Nach der Gehzeit wellt man einen Teigknödel auf einem Blech aus, bildet einen Rand und verteilt eine dünne Ölschicht darauf. Dann Zwiebeln, Käse und Gewürze zufügen. Auf der untersten Schiene acht bis zwölf Minuten backen, bis der Belag eine schöne Farbe hat.

Mit dem hinzugezogenen Wein war ich nicht so zufrieden, ein Nero d’Avola Sicilia IGT 2007 von Avogadri, der fast schon ein Süßwein ist, Aromen nach eingekochten Preiselbeeren und Rauch, pappig süß im Geschmack, es fehlen die feinen Beerennoten des Nero d’Avola und eine strukturierende Säure. Ich habe den Eindruck, dass Jacques Weindepot bei seinen Angebotsweinen immer mehr in die Marmeladenweinmasche abdriftet.

Bayerischer-Schweizer Wurstsalat

Kochblog-Event, Kost

Zum Geburtstag der Schweiz am 1. August hat Zorra zu einem Kochblog-Event aufgerufen. Da nun München und die Schweiz eine gemeinsame Vergangenheit im Kriegmachen gegen die Habsburger haben, wobei die Sendlinger Mordweihnacht zugegeben einen anderen Ausgang genommen hat, ist der Schmied von Kochel doch auch ein bisschen Wilhelm Tell und Grund genug, einen bayerischen Schweizer Wurstsalat in Angriff zu nehmen.

Bayerisch betone ich deshalb so, da der hiesige Schweizer Wurstsalat ein paar Eigenheiten hat, die ihn von anderen unterscheiden, wie auch im Verlauf des aktuellen Kochbog-Events schon deutlich wurde. Denn einmal kommen nur Regensburger Würste in Betracht, keine Fleischwurst und kein Braten oder sonst etwas. Regensburger. Punkt. Die Zutaten werden nicht zu klein geschnitten, sondern relativ grob verwendet. Also ganze Wursträder und grobe Käsestücke. Und es kommt so viel Salatsauce hinzu, dass der ganze Salat ein bisschen schwimmt. Die Sauce ist daher etwas dünner und wird mit Wasser, Weißwein oder änlichem gestreckt. Die Reste tunkt der Bayer mit Weißbrot oder Brezen auf.

Salat
In Räder geschnittene Regensburger
Schweizer Emmentaler
Zwiebel in Ringen oder Halbringen

Sauce:
Halb Essig, halb Öl
Etwas Senf
Wasser, Weißwein, Sherry oder Essiggurkenwasser zum Strecken
Salz, Pfeffer
Frische Kräuter

Weitere Zutaten nach Belieben:
Radieschen
Essiggurken
Baguette, Brezen, Semmeln

Der Salat sollte vor dem Servieren ein bis zwei Stunden durchziehen. Und jetzt muss ich beichten, dass ich ursprünglich Engadiner Maluns vorstellen wollte, die mir aber gründlich missraten sind. Vielleicht hätte ich dieses Rezept nehmen sollen.

36. Kochblog-Event: Mit Aprikosen, Ingwer und Minze gefüllte Schweinelende

Kochblog-Event, Kost, Wein

Das Kochblog-Event Sau-gut nähert sich seinem Einsendeschluss (15. Juli, wer es vergessen hat). Hier nun also mein Beitrag:

Es ist wirklich erstaunlich, womit sich Schweinerücken oder Schweinelende alles füllen lässt. Met oder Spinat sind die Klassiker, sehr attraktiv finde ich ein Rezept von Vincent Klink mit Blaukraut, wobei dafür jetzt nicht die Jahreszeit ist. Entschlossen hab ich mich dann für eine Aprikosenfüllung. Das mir vorliegende Rezept verwendet getrocknete Früchte, aber sommerlich wählte ich lieber frische. Die geben beim Braten mehr Flüssigkeit ab, was sich mit etwas Semmel- oder Zwiebackbrösel aber gut regulieren lässt. Ingwer und Minze sind mir noch als Zutaten eingefallen, um dem ganzen etwas mehr Würze zu geben.

Ein Kilo Schweinelende
4-5 Aprikosen
Eine geriebene Möhre
Gehackter Ingwer
Gehackter Knofi
Ein Zweig Minze
Semmelbrösel
Sherry
Chili
Ein Zweig Rosmarin
Küchengarn
Suppengrün
Brühe
Olivenöl
Rotwein
Creme Fraiche

Füllung:
Zwiebel und Karotten in etwas Öl anrösten, zum Schluss kurz Ingwer und Knofi dazu, mit Sherry ablöschen und eindampfen lassen. Die Aprikosen grob würfeln, zu den abgekühlten Zwiebel rühren, mit Minze, Chili und Salz abschmecken. Nun so viel Semmelbrösel zufügen, dass ein eher zäher Brei entsteht.

Den Schweinerücken zwei Mal einschneiden, so dass man ihn weit aufklappen kann: Im oberen Drittel erst in die eine Richtung schneiden bis kurz von Schluss, dann das Messer in der Wunde umdrehen und in die andere Richtung zurück. Ich sage gleich: Ich hab die Metzgerin gebeten, es zu machen 🙂

Braten
Das Fleisch salzen und aufgeklappt mit der Füllung bestreichen. Zusammenrollen, den Rosmarin drauf legen und rund rum einbinden. In die gefettete Reine und mit dem Suppengrün bei 220 Grad in den Ofen. Mein Fleischstück hatte noch etwas Fettrand, der nach oben ausgerichtet eine schöne Kruste bildet. Wenn der Braten gut gebräunt ist, nach circa einer halben Stunde, mit etwas Brühe ablöschen und den Ofen auf 180 Grad runter schalten. Zum Schluss mit dem Grill die Kruste, falls vorhanden, knusprig grillen.

Den Braten warm stellen, Bratensatz in eine Pfanne geben, mit etwas Rotwein angießen, kurz reduzieren und würzen. Mit Creme Fraiche und Gewürzen abschmecken. Bei Schweinefleisch fällt die Sauce oft etwas knapp aus. Zum Verlängern eignen sich Brühe oder ein wenig gut gemachte Roux. Als Beilage gab es Reis und Salat.

Wein
Als Wein kommt ein fruchtiger Weißer in Frage, eher kräftig nicht zu frisch. Wir hatten einen weißen Bordeaux, Entre Deux Mers, Rauzan Despagne 2004. Der war im Prinzip nicht schlecht, das deutliche Aprikosenaroma fügte sich sehr gut zum Braten, aber vom Alter ist er schon etwas über den Punkt. Ein Weißer mit Fassnote hätte auch gut gepasst, oder ein leichter, fruchtiger, nicht zu gerbstoffreicher Roter, Barbera, Spätburgunder.

Wer noch beim Sau-guten Kochblog-Event mitmachen möchte, bitte bis zum 15. Juli den Beitrag veröffentlichen und per Trackback im Kochtopf-Blog melden.

36. Kochblog-Event: Sau-gut

Kochblog-Event, Kost, Saubloggen

Derzeit richte ich das 36. Kochblog-Event des Kochtopf-Blogs aus, das Thema ist Hausmannskost 2.0 angemessen, denn es geht um die Sau: Sau-gut (heute also auch ein Saubloggen am Mittwoch). Da viele meiner Leser eher in der Weinrallye geübt sind, möchte ich kurz die Unterschiede erklären. Zuerst einmal richtet ein Blog (jetzt Hausmannskost) zwar das Event aus, aber Ankündigung und Zusammenfassung veröffentlicht der Veranstalter nicht bei sich, sondern im Kochtopf-Blog. Ferner gibt es nicht einen genauen Tag, an dem der Beitrag online gehen muss, sondern einen Stichtag, bis zu dem die Geschichte erschienen sein soll (15. Juli). Schließlich besitzt die Kochrallye nicht ein Logo für alle Themen, sondern für jedes Event ein anderes:

Für die reinen Weinblogger zur Info: In der Ankündigung habe ich angeregt, dass, wer mag, einen Wein zum Schwein vorzustellen kann. Vielleicht findet Ihr in den Texten auch die eine oder andere Inspiration. Im Lebensmittellexikon, das ich in meiner Ankündigung bei Kochtopf erwähne, gibt es auch ein Kapitel Wein und Speisen.

Und jetzt ran ans fröhliche Schnitzelklopfen 🙂

Pho Bo, scharfe vietnamesische Suppe

Kochblog-Event, Kost

Beitrag zum 35. Kochblog-Event mit dem Thema „Some Like it Hot“:

Neben der Freundlichkeit der Menschen war das eines meiner stärksten Erlebnisse in Vietnam: Die Suppe. Die gibt es nämlich an jeder Straßenecke, da steht ein kleiner Ofen mit einem großen Topf darauf, daneben oft nur ein einziger flacher Tisch mit Plastikstühlen darum, auf die man hierzulande gerade mal ein Kind setzen würde. Das ganze Ensemble ist mit einem Sonnenschirm überdacht, unter dem eine alte Frau hockt und gegen ein paar Pfennige Suppe verteilt. Es wird kräftig geschlürft, in der Pho Bo schwimmen Gemüse, Nudeln und ein paar Fleischfetzen, zusätzlich wirft sich der Gast je nach belieben Koriandergrün oder rote Ringe von frisch geschnittenen, höllisch scharfen Chilischoten hinein. Als Beilage gibt es oft Baguette, ein Umstand den sich die Vietnamesen aus der Zeit der französischen Kolonialzeit erhalten haben und der das Reisen in diesem Land sehr angenehm macht, angenehmer als alle anderen asiatischen Länder, die ich kenne. Baguette, La Vache qui rit, mit stolz gepflegte Café-Kultur und die fast schon burgundisch anmutenden Patisserien in Saigon, machen Vietnam für europäische Reisende ein wenig heimatlich. Das ist aber nur ein Schein und der Reisende merkt sehr schnell, dass er in Asien ist, wenn er sich an die allgegenwärtige, salzig und verrottet stinkende Fischsauce Nuoc mam gewöhnen will, was nur schwerlich gelingt, aber für ein typisches Gericht unablässig ist. Auch in Pho bo gehört ein kräftiger Schuss Nuoc mam.

Für die Brühe:
2 l Fleischbrühe
50-75 g Ingwer
3 Anissterne, 3 Nelken, 1/2 Zimtstange
3 El Nuoc mam Fischsauce
200 g Reisbandnudeln

Einlagen
150 g Rindfleisch (Filet oder Rücken)
3Frühlingszwiebeln in Ringe geschnitten
50 g Sojasprossen
1 Bund langblättriger Koriander
1 Bund Koriandergrün
1 Bund asiatisches Basilikum
frische Chilischoten nach belieben
1 Limette aufgeschnitten

Zuerst kocht man die Brühe für eine halbe Stunde mit den Gewürzen, schmeckt sie ab. Während dessen weicht man die Nudeln in Wasser ein, sie kommen erst in den letzen Minuten in die Suppe. Die Einlagen serviert man getrennt. Das Fleisch wird dabei in sehr dünne Scheiben geschnitten und am Tisch portionsweise mit kochend heißer Brühe übergossen. Jeder Gast nimmt sich dann die weitern Zutaten nach Lust und Laune. Aber Vorsicht mit den Chiliringen 🙂

Über zu Chili passenden Wein habe ich hier schon mal was geschrieben.

Casanovas Eier (mit Marsala)

Kochblog-Event, Kost

Beitrag zum 33. Kochblog-Event mit dem Thema aphrodisische Gaumenfreuden:

Die nie enden wollende Manneskraft, ein Traum aller Männer und wohl auch aller ihrer Partnerinnen. Sie wurde in Phallussymbolen kultisch verehrt, hat eigene Götter bekommen, ist auch beim Menschen Triebkraft der Revier- und Paarungskämpfe und das eigentliche Hauptthema der so genannten Männergespräche. Es ist die Meta-Ebene, die unter Diskussionen um Fußballtore, Autopferdestärken, Prozessorentakte, Serverauslastungen und Google-Pageranks immer mitschwingt, hätte uns der Philosoph Michel Foucault erklärt. Kurz gesagt: Diskurshoheit garantiert besseren Sex.

Der größte Experte auf diesem Gebiet war jedoch sicher nicht der französische Theoretiker, sondern der italienische Praktiker Giacomo Casanovo. Bei einer Orgie bot ihm die erhitzte Gesellschaft einen Wettstreit an: Er — schon im etwas fortgeschrittenen Alter — soll gegen einen herkuleischen Jüngling antreten: Wer schafft es öfters im Laufe dieser einen Nacht. Damen als Testumgebung fanden sich bereitwillig. Casanova hat gewonnen.

Sein Erfolgsrezept bestand darin: Vor dem Wettstreit bat er um acht rohe Eier, die er vor Beginn der Übung an Ort und Stelle austrank. So erzählt es jedenfalls Frederico Fellini in einem seiner schönsten Filme mit Donald Sutherland als Casanova. Leider habe ich die Eierszene bei YouTube nicht gefunden, aber eine andere, die Filmgeschichte geschrieben hat: Casanovas Tanz mit der mechanischen Puppe.

Acht rohe Eier zu vertilgen, bedarf wahrhafter Männlichkeit. Wer es etwas angenehmer (und vielleicht nicht ganz so herb-männlich) haben möchte, mischt sie sich mit Marsala sowie Zucker und erwärmt das Ganze, Zabaione nennt es sich dann. Das ist fast wie Eierlikör, der jede Damen dahin schmelzen lässt…

8 Eigelb
130 g Zucker
4 dl Marsala

Zucker und Eigelb schaumig schlagen. Marsala unterrühren und in einem Topf unter ständigem Rühren langsam erhitzen. Sobald die Masse dicker und cremig wird, vom Feuer nehmen und abgießen. Wer zu lange kocht, bekommt ein Omelette. Mit einem Simmertopf (Wasserbad) geht es einfacher. Heiß wie die Lust servieren.