Weinrallye 40: Autochthone Rebsorten

Wein, Weinrallye

Mit viel Humor wurde die 39. Weinrallye im Vinumblog beendet. Weinrallye 40 findet hier bei Hausmannskost 2.0 zum Thema Autochthone Rebsorten statt. Der Begriff autochthon kommt aus dem griechischen und meint in etwa auf eigener Erde. Gemeint sind in der Botanik Arten, die dort, wo sie leben, auch in der Evolution entstanden sind. Das heißt, bei Rebsorten wären die autochthon, die dort, wo sie heute verarbeitet werden, auch ihren Ursprung haben. Im Einzelnen ist das sicher schwer nachzuweisen, Aussagen basieren vielfach auf Indizien oder auf Theorien, die nur über eine dünne Faktenbasis verfügen. Eine Theorie sagt beispielsweise, dass der Gutedel nicht aus Baden kommt, sondern Ägypten … oder Palästina … oder Frankreich … oder doch dem Alpenraum?

Um diese Weinrallye nicht in einen Streit der Besserwisser abdriften zu lassen, möchte ich die Regeln locker handhaben:

1. Teilnehmen können Weine aus Rebsorten, die in einer Region eine lange, prägende Tradition haben. Der Moselriesling gehört also ebenso dazu, wie der Frankensylvaner oder der Toscana-Sangiovese.

2. Erwünscht wären aber kleine, alte oder ungewöhnliche Sorten mit starkem regionalen Bezug, wie Elbling, Tauberschwarzrebe, violetter Gutedel, Ribolla Gialla oder der Lagrein. Eine gute Liste gibt es hier oder hier.

3. Schön wäre ferner eine kurze Begründung für Eure Wahl, also wie die Rebsorte historisch in der Landschaft verwuzelt ist und woher Ihr Eure Informationen bezogen habt.

Termin ist der 28.12. also nach Weihnachten. Da einige vielleicht im Urlaub sind, haben Thomas und ich beschlossen, dass wir den Zeitraum etwas ausdehnen. Wer also nicht am 28.12. veröffentlichen kann — viele Blog-Programme haben ja auch einen Zeitschaltuhr — die dürfen ihren Beitrag ab dem 19.12. frei schalten. Aber bitte nur in Ausnahmefällen.

Beiträge von Weinfreunden, die keinen eigenen Blog haben, veröffentlich ich gerne hier. Die Regeln der Weinrallye findet Ihr im Winzerblog. Informiert mich bitte über Eure Beiträge per Kommentar oder per Mail: weinrallye5@web.de. Viel Spaß beim Entdecken!

Weinrallye 39: Humor mit Polt, Loriot und Valpolicella

Wein, Weinrallye


Wein und Humor passen gut zusammen, soll es doch beim Trinken fröhlich zugehen. So lautet also das Thema der 39. Weinrallye, zu der der Vinum-Blog aufgerufen hat. Obwohl ich eine kurze Vergangenheit als Kabarettist habe (um das Jahr 1990 herum), überlasse ich das zum Lachen bringen aber lieber anderen, die es besser können:

Einen passenden Schlafit habe ich nicht und auch keinen in Deutschland abgefüllten Jahrhundertwein aus Südtirol. Aber einen anderen Discount-Wein aus Norditalien, gewachsen im Veneto und abgefüllt im Trention. So ist das beim Discounter: der Valpolicella Superiore Ripasso 2007 von Aldi Süd. Ripasso bedeutet, dass der Winzer den Wein mit dem Trester von Amarone und Ricioto vergoren hat, dadurch soll er eine zusätzliche Fülle bekommen. Das ist im vorliegenden Exemplar auch durchaus gelungen. Er hat einerseits viel Biss, ist tanninreich, würzig, im Fass ausgebaut, hat auf der andern Seite eine üppige Waldbeerenote, die aber in keiner Weise kitschig wirkt. Er ist noch jugendlich, hat aufgrund des Extrakreichtums noch Zukunft, wirkt aber eine Spur zu alkoholisch. Insgesamt finde ich ihn ganz zufriedenstellend.

La Vis Valpolicella Superiore Ripasso 2007
Valpolicella DOC
Italien/Veneto

Rot; Corvina/Rondinella
13,5 % Alkohol; Ausbau im Fass

Straßburger Gänsetopf mit Champagnerkraut (Kochblog-Event 62)

Kochblog-Event, Kost, Wein

Das Champagnerthema hat, wie ich an der Anzahl der Beiträge und an den Kommentaren feststelle, nicht so viel Anklang gefunden. Vielleicht etwas zu abgehoben. Ich hab mich daher entschlossen, wie die meisten anderen den Champagner geschlossen und hübsch verpackt zu lassen. Statt dessen entschied ich mich für einen deutschen Rieslingsekt,

der aufgrund seines Alters (2003) einen schönen Schmelz zeigt und dem Straßburger Gänsetopf eine ebenso würdige Note verleiht. Gerichte auf Straßburger Art sind Eintöpfe mit Sauerkraut, in dem ein Stück Wammerl mitkocht. Mit Gäseschenkeln ist es ein festliches, winterliches Essen, das aber leicht und nebenbei zuzubereiten ist. Man brät also zuerst Wammerl und Zwiebeln an und löscht sie mit dem Kraut ab. Dann kommen Kartoffeln, Knofi, Äpfel, Brühe und Weißwein (Champagner oder eben Sekt) hinzu.  Das lässt man ein paar Stunden kochen. Am nächsten Tag würzt man das Kraut mit Lorbeer, Wacholder, Nelken, Kümmel, Pfeffer, Honig, etc. und legt im Topf das vorbereitete Fleisch darauf.

Die Gänseschenkel brät man zuvor in der Pfanne schön an, wobei ziemlich viel Fett austritt. Das kommt nicht in den Eintopf, der sonst zu fett würde. Aber man kann es als Schmalz später verwenden. Dann kocht man den Eintopf drei Stunden lang auf kleiner Flamme.

Am Schluss wird mit Salz, Honig, Majoran und noch mal Sekt abgeschmeckt. Als Beilage eignen sich Brat- oder Gratinkartoffeln (z.B. im Gänseschmalz ausgebacken).

Dampfnudeln mit Kürbissauce, Hagebutten und Scheurebe (Weinrallye 38)

Kost, Wein, Weinrallye

Das Thema der aktuellen Weinrallye fand ich sofort sehr spannend, Scheurebe hat den Ruf, vom Charakter eine Art deutscher Sauvignon Blanc zu sein, die Rebe der französischen Loire- und Bordeaux-Weine. Dabei ist die Scheurebe nicht einmal alt, sondern eine Züchtung aus dem Jahr 1916. Riesling steckt drin und laut Wiki eine unbekannte Wildrebe. Scheurebe ist nicht allzu populär, nur 1,7 Prozent der deutschen Rebfläche sind mit Scheurebe bestückt. Anderseits findet auch Sauvignon Blanc zunehmend Verbreitung hierzulande. Ist sie so viel besser, als die Scheurebe?

Ich habe einen Franken aufgetrieben, vom Weingut Arnold, Scheurebe 2009 Kabinett. Farbe: helles Gold, leicht grüner Stich. Das Aroma ist überraschend wuchtig, fein-würzig, spritzig, frische Beeren, Stachelbeere, Ananas, Kumquat, würziger Apfel, leicht mineralisch, Melisse, frisch geschnittenes Gras, komplex. Die Nase erinnert durchaus an Poilly Fumé. Im Auftakt frisch, leicht prickelnd, saftig am Gaumen, frische kernige Säure, trocken, vollmundig, lang. Der Geschmack scheint mir etwas rustikaler und etwas weniger strahlend als ein französischer Loirewein. Trotzdem fand ich das Ergebnis sehr überzeugend, und es steht den deutschen Sauvignon Blancs, die ich kenne, in nichts nach. Ganz klares Plädoyer: Erhaltet die Scheurebe!

Arnold Scheurebe Kabinett 2009
Deutschland/Franken

Weiß; Scheurebe
12 % Alkohol

Dazu gab es bayerische Dampfnudeln mit Kürbis-Hagebuttensauce. Das Problem bei Dampfnudeln ist, dass man während des Dämpfens im Topf den Deckel nicht abheben darf, sonst fallen sie zusammen. Deswegen verwende ich einen Glasdeckel, mit dem man die Auswirkungen der gewählten Temperatur und den Bräunungsgrad am Topfboden besser verfolgen kann:-)

Weichen, warmen Hefeteig bereiten aus

500g Mehl
1/4l Milch
20g Hefe
1 Ei
50g Butter
50g Zucker (für süße Dampfnudeln)
Zitronenschale
Etwas Salz

Gut gehen lassen, formen und im Stück noch mal gehen lassen. Nun mit

50g Butter
1/4l Milch
Salz
50g Zucker (für süße Dampfnudeln)

in den Topf, Deckel drauf, muss gut schließen. Auf die kalte Platte und mit guter Mittelhitze  (7 von 10) aufkochen, dann runter schalten. Das folgende Maß ist etwas schwierig zu finden, denn die Nudeln sollen innen gar sein, eine Kruste am Boden haben, aber nicht verbrannt sein. Die Flüssigkeit sollte aufgesogen sein. Die Garzeit liegt bei etwa 30 Minuten. Mit Glasdeckeln lässt sich das alles besser handhaben.

Dampfnudeln brauchen als Beilage viel Sauce, oft süß, Vanille- oder Weinsauce, oder salzig, Ragout oder eben Kürbissauce. Ich hab noch ein paar Hagebutten im Garten gefunden, die geben einen guten etwas säuerlichen Akzent.

Kürbis
Karotte
Kartoffeln

kurz in der Pfanne anrösten, mit

Sherry
Milch
Brühe

ablöschen und alles weich kochen. Würzen mit

Hagebutten (entkernt)
Ingwer
Zitronenschale
Kurkuma
Nelken
Salz

noch ein Zeit kochen, pürieren und abschmecken mit

Muskatnuss
Chili
Creme Fraiche
Was gefällt.

Kochblog-Event 62: Festliche Champagnermenüs

Kochblog-Event, Kost, Wein

Beim 62. Kochblog-Event geht es feucht und schaumig zu. Menüs mit Champager sind gesucht, die französische Edelbrause soll allerdings ins Essen hinein und nicht nur ins Glas daneben! Hausmannskost 2.0 ist der Veranstalter, das Event findet bei Zorra statt. Einsendeschluss ist der 15. November. Hier geht es zum Aufruf.

Hamburger Weinernte 2010 komplett geklaut

Wein

In Hamburg gibt es einen Weinberg mit hundert Rebstöcken, den Stintfang. Darauf produziert die Bürgerschaft fünfzig Flaschen jedes Jahr, die nicht  in Verkauf kommen, sondern an offizielle Gäste und Prominente verschenkt werden. Vor ein paar Tagen, als die Ernte der Trauben anstand, erlebten die Weinmacher eine böse Überraschung: Jemand hatte die Trauben bereits fast komplett geerntet, berichtet der NDR. Nur ein Wäschekorb blieb übrig, der nun an eine soziale Einrichtung verschenkt wird.

Kochblog-Event 61: Currywurst ohne Ketchup

GenFood und JunkFood, Kochblog-Event, Kost, Wein

Fertigprodukte nachgebaut, industriell kontra Handarbeit, Genuss statt Junk-Food. Das ist die Aufgabe des 61. Kochblog-Events.  Als ich das Thema gelesen habe, fiel mir sofort ein Plan wieder ein, den ich schon seit Längerem gedanklich verfolge. Ich bin nämlich ein großer Freund der Curry-Wurst, immerhin habe ich zehn Jahre im Pott gelebt. Allerdings hasse ich Ketchup, da es fast ausschließlich aus Zucker besteht. Im Supermarkt habe ich mir letzte Woche noch einmal die Zutatenliste auf einer Ketchupflasche eines namhaften Herstellers durchgelesen. Nach Tomaten kommt sofort Zucker und dann Glukosesirup, auch Zucker also. Die Zutatenlisten von Lebensmitteln müssen nach Anteil sortiert sein, das wisst Ihr ja. Irgendwann kommt Worcestershire-Sauce, die genauso überflüssig ist, wie ihre Schreibweise.

Gesucht ist also eine Currysauce, nicht osterhasensüß, würzig stattdessen, mit echtem Curry-Geschmack und dennoch passend zur Bratwurst (etwas Ähnliches habe ich hier bereits einmal versucht). Die Basis meiner Currysauce ist eine Tomatenpaste, gekocht aus Tomaten, Tomatenmark oder fertig passierten Tomaten. Ich habe ein paar Zwiebeln scharf angebraten, kurz etwa die gleiche Menge Ingwer dazugegeben und das Ganze mit Sherry und etwas Brühe abgelöscht. Etwas reduzieren, dann die Tomaten zufügen. Den Sugo eine Stunde auf kleiner Flamme dick einkochen, gewürzt mit Lorbeer, Nelken, Zitronenschale, einem Spritzer Zitronensaft und … ja, einer Priese Zucker, vielleicht drei Gramm und nicht 120.

Wenn der Sugo dickflüssig ist (wie Ketchup), wird er abgeseiht und noch einmal gewürzt, mit Curry. Ich habe Currypaste verwendet, deren Geschmack weitaus intensiver ist, als der des Pulvers. Dann kamen noch etwas klein gehackte Lime Pickles und ordentlich frisch gestoßener Zimt dazu. Ingwer, Currypaste und Lime Pickles sind meist recht scharf, wenn nicht muss etwas Chili in die Sauce.

Diese Mischung fand ich sehr gelungen, nicht süß und pampig, sondern würzig, orientalisch, frisch durch die Zitronenschale und die Lime Pickles, ein bisschen scharf durch den Ingwer und sehr gut passend zu Bratwürsten. Hier noch mal der Einkaufszettel:

Eine kleine Zwiebel
Ebenso viel Ingwer
Ein Schuss Sherry und etwas Brühe
Ein Paket passierte Tomaten
Zitronenschale
Ein Spritzer Zitronensaft
Lorbeerblätter
Ein paar Nelken
Ein paar Löffel Curry-Paste
Ein Esslöffel Lime Pickles
Ein gutes Stück Zimt, frisch gestoßen
Eventuell Chili
Mit Röstzwiebeln servieren

Eine Flasche Wein gab es auch dazu, einen Chardonnay aus Australien, genau das Richtige zum gehobenen Fast Food. Ein Tyrrell’s Old Winery von 2008. Intensiv, blumig-fruchtig, Birne, etwas Wiese, nussig, Melisse. Mild im Auftakt, voll und cremig am Gaumen, harmonisch, eher modern, sehr schmackhaft und süffig. Die 13 Prozent sind gut eingebunden.

Tyrrell’s Old Winery Chardonnay 2008
Australien/Hunters Valley

Weiß; Chardonnay
13 % Alkohol

Pissaladière und Bergerac Blanc

Backen, Kost, Wein, Weinrallye

Weißweine aus dem Midi, dem französischen Süden, heißt das Thema der 37. Weinrallye im Baccantus-Blog. Ich hab das Bergerac hier mit hineininterpretiert, es ist ja nicht Bordeaux, grenzt aber dort an, und viele Weine gelten im Charakter ähnlich. Aber sie sind etwas billiger. Ein Wein, den ich mir gerne gelegentlich kaufe, ist der Château des Eyssards. Er besteht ganz klassisch aus Sauvignon Blanc und Sémillon, den beiden Sorten der weißen Bordeauxweine. Sein Stil ist eher modern, er hat 13,5 Prozent Alkohol, die aber geschmacklich gut eingebunden sind. Was mir bei einem Wein dieser Klasse gut gefällt, ist der Schraubverschluss, den der Eyssards im Jahrgang 2009 nun hat, und der also auch in Frankreich Einzug nimmt.

Der 2009 ist fast noch ein bisschen jung, am besten schmeckt er mir etwa drei Jahre alt. Er leuchtet attraktiv, Hellgold, das Aroma ist intensiv fruchtig-würzig, viel Stachelbeere, Ananas, grüne Haselnuss, Blüten, leicht mineralisch. Der Auftakt ist mild, voluminös, feinfruchtig, eine deutliche Süße zeigt sich, auch vom Alkohol. Lang im Abgang, nicht der eleganteste Weiße aus dem Süden, den ich kenne, aber sehr schmackhaft. Und wie gesagt, noch einen Tick zu jung, es fehlt der Schmelz.

Château des Eyssards 2009
Bergerac Blanc AC
Frankreich/Sud-Ouest

Weiß/Sauvignon Blanc, Sémillon
13,5% Alkohol, kein Fass

Rezept: Pissaladière
Dazu gab es eine Nizza-Pizza, die Pissaladière. Statt einer Grundsauce aus Tomaten bekommt sie einen Belag aus eingekochten Zwiebeln. Darauf liegen in der puren Form nur Anchovis und schwarze Oliven. Ich habe zwei dicke Gemüsezwiebeln für einen runden Fladen gerechnet, das war aber etwas knapp, denn das Gemüse schrumpft ordentlich ein. Also, pro Fladen:

3 Gemüsezwiebeln
Thymian
Lorbeer
Eingelegte Anchovis (kurz gewässert und abgetrocknet)
Schwarze Oliven (am besten aus Nizza)
Knoblauch

Pizzateig wie hier, wobei ich inzwischen das Öl weglasse, damit die Pizza knuspriger wird. Während der Teig geht, kocht man die Zwiebeln mit Thymian und Lorbeer etwa eine Stunde ein, wobei sie nicht braun, sondern nur gelb werden sollen. Dabei setzt sich etwas Wasser ab, das ich noch in den Teig geknetet habe. Einen Fladen formen, mit Zwiebelmasse belegen, dann Anchovis, Oliven und Knoblauchschnitze darauf. Kurz so heiß wie möglich backen. Bei uns mit gewölbtem, aber durchaus wohlschmeckendem Ergebnis:

Punk mit Wein (Weinrallye 36)

Wein, Weinrallye

Mein Lied zur Weinrallye im Weinreich-Blog sollte ein aktuelles sein, also kein 30 Jahre alter Schamonz wie dieser. Außerdem sollte mir das Lied gefallen, nicht also wie dieses von einer sonst ganz ordentlichen Band. Außerdem sollte es natürlich kein Kitsch sein, wie das Remake von diesem, wo das Original schon eine Katastrophe war, und was kann katastrophaler als das Remake einer Katastrophe sein? Da hilft alles nackte Fleisch im Video nichts. Entschieden hab bin mich dann für Tears into Wine der kanadischen Punkband Billy Talent.

Welcher Wein passt also zum Punk? Hart muss er sein, kein Summer Wine, kräftig, ruhig etwas grob, wild und nach der Straße muss er schmecken. Ein Syrah. Mein Valcanto (das singende Tal) 2007  Almansa DO aus Kastilien von der  Bodegas Piqueras ist aber noch so jung wie dieser. Im Glas ein dichtes, bläuliches Rot, intensives, würziges Aroma, Leder, Wild, Jutesack, mineralisch, rustikale Tannine, rässer Biss am Gaumen, feuriger Alkohol (14%), Nelke, ungestüm, punkige Tannine, viel Bass. Lang und hart im Abgang. Etwas rustikal und alkoholisch. Zu jung für Syrah. Ein halbes Glas Rest hatte sich bis zum nächsten Abend positiv entwickelt, etwas Teer und Himbeere im Aroma und isgesamt milder, harmonischer. Im Alter werden auch die Punker milder (Video von Wim Wenders).

Piqueras Valcanto 2007
Almanso DO
Spanien/Kastilien

Rot; Syrah
14 % Alkohol; Ausbau im Fass

Arjolle Cabernet 2005

Wein

Das Weingut Arjolle aus dem Languedoc ist eigentlich immer für passable Tropfen gut. Vom Typ her sind diese meistens modern, viel Alkohol, sehr klare Aromen und viel Fass. Nicht ganz mein Lieblingsstil, aber immer ordentliche Weine, so auch dieser Cabernet. Die unterlassene Nennung von Sauvignon zeigt schon die moderne Ausrichtung. Er hat eine dichte Tönung, intensive, sehr feine Aromen nach Brombeeren, Kirschen, Rauch, edles Holz, Wacholderbeeren und fast ein bisschen viel Vanille. Der Auftakt hat einen leichten, warmen Biss vom Alkohol (14%) und den sanften Resttanninen. Der Biss gleicht sich am Gaumen harmonisch aus mit einer voluminösen, saftig-beerigen Süße. Deutliche Säure sorgt für die nötige Frische und der ausgedehnte Abgang hat ebenfalls noch einen deutlichen Biss. Mit der Säure und den Tanninen sind noch ein paar Jahre drin.

Vergleiche Verkostung von 2007 (Vorsicht Hausmannskost 1.0!)

Domain de l’Arjolle 2005
Vin de Pays des Cotes de  Thongue
Frankreich/Midi

Rot; Cabernet Sauvignon
14 % Alkohol; Ausbau im Barrique

Reiskrusteln mit Garnelen und Melisse

Kost, Wein

Resteverwertung. Man nehme gekochten Reis, möglichst klebrig, und verlängere ihn zum Beispiel mit gekochten, klein gehackten Garnelen, Frühlingszwiebeln, Melisse, Thymian und was sonst noch passt. Ich habe auch den stark reduzierten Garnelensud noch zugefügt. Dann formt man Bällchen, paniert sie in Ei und Semmelbröseln und backt sie kurz im Öl knusprig aus.

Dazu gab es einen Dip aus Joghurt, Knofi, Kreuzkümmel und Salz. Sowie Salat. Und natürlich Wein, einen Penfords Private Release Chardonnay 2009. Das Aroma ist voluminös, frisch, sehr fein, Blüten und frisch geschnittener, reifer Apfel, Butter, Drops, Zitrone. Prickelnder Auftakt, eine feine brausige Säure, fruchtige Süße, Abgang relativ kurz. Ein einfacher, vollmundiger Chardonnay im Neue-Welt-Stil.

Penfords Private Release Chardonnay 2009
Australien

Weiß; Chardonnay
13 % Alkohol; Ausbau ohne Fass

Pizza Tirolo

Kost, Wein

Diese Pizzavariante lernte ich erst dieses Jahr am Lago di Garda kennen, sonst sind wir meist weiter im Süden. Die geschmackliche Kombination aus Speck und Edelschimmelkäse ist sehr gelungen, allerdings haben wir beim Nachbauen ein paar Anfängerfehler gemacht.

Pizzateig wie bei Pizza Pugliese. Der Fehler zeigt sich im folgenden Bild:

Fetter Speckrand und zu dicke Käsescheiben. Der Effekt ist: es bildet sich zu viel flüssiges Fett, das die Pizza wahrhaft absaufen lässt. Also: Weißer Speckrand weg vom Speck, weniger Käse, drunter eine dünne Schicht Creme Fraiche und zum Schluss, nach dem Backen erst, Kresse drauf. Kein Salz, im Speck ist genügend drin. Das Backen selbst erfolgt wie immer so heiß wie möglich, auf unterster Schiene, solange bis der Rand schön knusprig ist. Der Boden selbst sollte noch weich sein.

Dazu gab es keinen Tiroler Wein, unangemessen, aber dennoch sehr passend einen Rosso di Montalcino von Caparzo 2005, sehr schönes rubinrotes Leuchten, relativ hell, beerig-würzigis Aroma, intensiv, sehr fein, edle Beeren, Brombeere, Heidelbeere, etwas Vanille, Nelke, Röstaromen, leicht mineralisch, frischer Auftakt, deutlicher Biss am Gaumen, frische Säure, warm, voller, dichter Körper, wenig Resttannin, vom Alter her schon sehr ausgeglichen, in wenigen Jahren fad. Jetzt austrinken. Ein toller und runder Sangiovese, aber von der Substanz nicht mit 2003/04 vergleichbar.

Caparzo Rosso di Montalcino 2005
Rosso di Montalcino DOC
Italien/Toskana

Rot; Sangiovese
13,5% Alkohol; Ausbau im großen Holzfass

Ziegenkäse-Tomaten-Rucola-Spätzle mit weißem Burgunder

Kost, Wein

Dabei handelt es sich eigentlich um eine schnelle, bei uns sehr beliebte Spaghettisauce, die sich aber auch ausgezeichnet für Spätzle eignet. Unschwäbisch.

Spätzle

800g Mehl
200g Grieß
6 Eier
ca. 500ml Wasser
20g Salz

Den Wasseranteil bei Spätzle rechne ich immer so: mit den Eiern zusammen müssen es 750 bis 800 Gramm ergeben. Kann man wiegen oder ein Ei Größe M mit fünfzig Gramm ansetzen. Alles gut und lange verrühren, bis der Teig so elastisch ist, dass er Blasen wirft. Dann eine halbe Stunde ruhen lassen. Ich verwende eine Spätzlepresse.

Sauce

Olivenöl
Knoblauch
Tomaten
Rucola
Ziegenkäse

Nicht zu wenige Tomaten verwenden, sonst bleiben die Spätzle trocken. Genaue Mengen sind eigentlich egal. Nach Gusto. Mise en place: Knofi in Scheiben schneiden, Tomaten entkernen und würfeln, Rucola grob hacken, Ziegenkäse würfeln. Die Sauce braucht nur wenige Minuten, am besten macht man sie mit der letzten Spätzleportion, wenn man über eine helfende Hand verfügt, oder sogar erst sofort nach den Spätzle. Den Knoblauch in sehr heißem Öl kurz anziehen lassen, dann die Tomatenwürfel zugeben. Diese sollen nur kurz heiß werden, keinesfalls verkochen. Sofort vom Feuer nehmen, salzen, Rucola unterheben, Ziegenkäse erst am Platz servieren.

Dazu hatten wir einen köstlichen, weißen Burgunder, einen Montagny 2007, kräftig, aber ohne Fass, sehr gut im Alter, fruchtig-blumig, insbesondere Aprikose, Zitrone, Rose, mild und cremig am Gaumen, dennoch frisch, fruchtig, mittelschwer, kein großer Burgunder, aber ein sehr angenehmer Chardonnay. Guter Essensbegleiter. Auf dem Höhepunkt, kann aber auch noch zwei, drei Jahre.


Cave des Vignerons in Buxy: Montagny Vieilles Vignes 2007
Montagny AC
Frankreich/Burgund

Weiß; Chardonnay
13 % Alkohol; Ausbau ohne Fass

Weinrallye 35 und 36

Wein, Weinrallye

Die Teilnehmer der 35. Weinrallye sind im steinigen Gelände durch die Zielgerade gelaufen. Die nächste Etappe findet im Weinreichblog statt, den ein Autorenkollektiv betreibt. Das Thema lautet Wein und Musik, also Wein im Lied oder Lied zum Wein. Termin ist der 20. August.

Wie immer die Übersicht über die bisherigen Weinrallyes:

#35 Wein und Stein (Der Weinfreak) (Mein Beitrag)
#34 Wein und Knabberei (Winzerblog) (Kein Beitrag von mir)
#33 Weine aus Aromasorten (vinissimus) (Kein Beitrag von mir)
#32 Pinot Noir (Weingut Lisson) (Zwei Beiträge von mir)
#31 Faszination Wein (Bernhard Fiedlers) (kein Beitrag von mir)
#30 Naturwein (Social Wine) (kein Beitrag von mir)
#29 Schweizer Wein (lamiacucina) (kein Beitrag von mir)

2009
#28 Adventswein (Weinverkostungen) (Mein Beitrag)
#27 Wein von der Tankstelle (Winzerblog) (Mein Beitrag)
#26 Tipps vom Weinhändler (Go to Rio) (kein Beitrag von mir)
#25 Wein in Literatur und Film (Weingut Steffens-Keß) (kein Beitrag von mir)
#24 Wein von der Nahe (der Ultels) (kein Beitrag von mir)
#23 WinzerInnenwein (Weingut Lisson) (Mein Beitrag)
#22 Regionale Spezialitäten (Winzerblog) (Mein Beitrag)
#21 Deutscher Riesling (Schreiberswein) (kein Beitrag von mir)
#20 Wein zum Fisch, aber nicht trocken und weiß (Hausmannskost 2.0) (Mein Beitrag)
#19 Gespriteter Wein (vinissimus) (Mein Beitrag)

2008
# 18 Deutscher Winzersekt (Nikos Weinwelten) (kein Beitrag von mir)
# 17 Vinologische Osterweiterung (Myexperience4you) (Mein Beitrag)
#16 Weingenuss im Restaurant (Notizen für Genießer) (Mein Beitrag)
#15 Urlaubsweine (Go to Rio) (Mein Beitrag)
#14 Wein zum Grillen (SanoVia) (kein Beitrag von mir)
#13 Bordeaux Blends outside Bordeaux (Planet Bordeaux) (Mein Beitrag)
#12 In Gottes Namen (Winzerblog) (Mein Beitrag)
#11 Alles Rosé (Nikos Weinwelten) (Mein Beitrag)
#10 Chenin Blanc (Originalverkorkt) (Mein Beitrag)
#09 Alltagswein (Weingut Steffens-Keß) (Mein Beitrag)
#08 Etikettentrinker (Weingut Lisson) (Mein Beitrag)
#07 Alles außer Glas (Kaulwein) (Mein Beitrag)

2007
#06 Schaumwein (Schreiberswein) (Mein Beitrag)
#05 Sangiovese nicht aus der Toskana (Hausmannskost 1.0) (Mein Beitrag)
#04 Vulkanweine (Drink Tank) (Mein Beitrag)
#03 Bio-Riesling (Viva vino) (Mein Beitrag)
#02 Must-Taste-Weine unter 10 Euro (Weinverkostungen) (Mein Beitrag)
#01 Inselweine (Winzerblog) (Mein Beitrag)