Gutturnio vom Aldi

Wein

DSC_0013Mit etwas Erstaunen bin ich beim Aldi über eine Flasche Gutturnio in der Restekiste gestolpert, der sich in der Angebotszeit trotz des hübschen Etiketts offensichtlich nicht verkauft hatte und den der Filialleiter nun preislich etwas herabgesetzt hat. Das wundert mich nicht, denn Gutturnio aus der Emilia-Romagna ist hierzulande nur bei wenigen Weintrinkern bekannt und selbst regelmäßige Sommergäste an der Adria stoßen dort eher selten auf diese Cuvée aus Barbera und Bonarda. Barbera ist vielen Weinfreunden ein Begriff von Weinen aus dem Piemont insbesondere Barbera d’Asti. Wenige verbinden diese Sorte aber mit Roten der Emilia-Romagna. Bonarda ist insgesamt hingegen weitgehend unbekannt und steht für verschiedene Traubensorten, in der Emilia für Uva rara, so schreibt es der kleine Johnson. Auf dem Etikett der Flasche finden sich bei den Standard-Angaben, die jeden Aldi-Wein zieren, hingegen Barbera und Croatina angegeben. Croatina wird laut Johnson auch manchmal Bonarda genannt, allerdings eher im Oltrepò Pavese in der Lombardei. Wer hat sich geirrt? Der Winzer? Der Autor des Johnson? Der Einkäufer beim Aldi? – Ein Blick auf die Homepage der Cantina in Villò di Vigolzone in den Colli piacentini löst das Rätsel auf: 60 Prozent Barbera und tatsächlich 40 Prozent Croatina.

Nun gut, geschmacklich zeigt sich der Wein von 2016 als ein sehr typischer Norditalienischer Roter und als ein klassischer Barbera, ungestört von der beigemischten Croatina/Bonarda: Er schmeckt säurebetont, würzig, hat wenig Tannin, aber hat einen ganz leicht bitteren Abgang. Auf der Zunge moussiert er zart und wiegt die Säure mit einer feinen beerigen Süße auf. Aromen: Himbeere, Kräuter leicht mineralisch und ein wenig Holz. Wer das mag – ich zum Beispiel – bekommt einen frischen, schmackhaften, ausgewogenen Norditaliener für wenig Geld.

Romagnoli, Gutturnio Colto Vitato della Bellaria  2005
Gutturnio Superiore DOC
Italien/Emila-Romagna

Rot; Barbera (60%), Bonarda (Croatina, 40%)
13% Alkohol; Ausbau im Stahltank

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Weinrallye 39: Humor mit Polt, Loriot und Valpolicella

Wein, Weinrallye


Wein und Humor passen gut zusammen, soll es doch beim Trinken fröhlich zugehen. So lautet also das Thema der 39. Weinrallye, zu der der Vinum-Blog aufgerufen hat. Obwohl ich eine kurze Vergangenheit als Kabarettist habe (um das Jahr 1990 herum), überlasse ich das zum Lachen bringen aber lieber anderen, die es besser können:

Einen passenden Schlafit habe ich nicht und auch keinen in Deutschland abgefüllten Jahrhundertwein aus Südtirol. Aber einen anderen Discount-Wein aus Norditalien, gewachsen im Veneto und abgefüllt im Trention. So ist das beim Discounter: der Valpolicella Superiore Ripasso 2007 von Aldi Süd. Ripasso bedeutet, dass der Winzer den Wein mit dem Trester von Amarone und Ricioto vergoren hat, dadurch soll er eine zusätzliche Fülle bekommen. Das ist im vorliegenden Exemplar auch durchaus gelungen. Er hat einerseits viel Biss, ist tanninreich, würzig, im Fass ausgebaut, hat auf der andern Seite eine üppige Waldbeerenote, die aber in keiner Weise kitschig wirkt. Er ist noch jugendlich, hat aufgrund des Extrakreichtums noch Zukunft, wirkt aber eine Spur zu alkoholisch. Insgesamt finde ich ihn ganz zufriedenstellend.

La Vis Valpolicella Superiore Ripasso 2007
Valpolicella DOC
Italien/Veneto

Rot; Corvina/Rondinella
13,5 % Alkohol; Ausbau im Fass

Morellino di Scansano DOCG 2009 vom Aldi

Wein

Manchmal probiere ich Weine, die es beim Aldi im Angebot gibt. Vom Sockel (von welchem auch?) hat mich bislang noch keiner gerissen, oft sind sie aber nicht schlecht und haben ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Den Brunello für 12 Euro kaufe ich nicht, da kann was nicht stimmen, aber bei einem Morellino kann man meist nicht so viel falsch machen. Es ist auch ein Sangiovese, oft verschnitten, dieser mit Merlot und Cabernet Sauvignon. Morellino kommt von der Maremma und hat eher einen leichten, jungen und frischen Charakter, im Vergleich mit den großen Toskanabrüdern Montalcino und Montepulciano. Der Abfüller Castellani ist ein Großkonzern.

Der Wein ist streng, Aromen wie Pfeffer, Leder, Nelke stehen im Vordergrund, dahinter etwas Kirsche, leicht marmeladig. Auch am Gaumen deutlicher Biss, warm, Tannine, frische Säure, mittelschwer, lang. Er ist noch jugendlich, braucht drei Stunden Luft und hält vielleicht noch drei, vier Jahre. In der Preisklasse unter fünf Euro hab ich den Morellino der Winzergenossenschaft (Vignailoi) etwas besser in Erinnerung. Aber es ist kein schlechter, etwas gehaltvollerer Alltagstropfen.

Castellani Morellino di Scansano 2009
Morellino die Scansano DOCG
Italien/Toskana

Rot; Sangiovese, Merlot, Cabernet Sauvignon
13 % Alkohol

Bio im Test

Bloggen und Medien, Kost, Wein

Die beiden badischen Wein-Blogger Lars Breidenbach und Joachim Ott (Schreiberswein und Beste Bioweine) haben sich zusammen getan und testen Bio-Produkte aus dem Supermarkt. Das Projekt Testschmecker geht der Frage nach, ob Bio in der Massenproduktion den Qualitätsansprüchen der Kunden entspricht, die bei Bio bereit sind mehr Geld auszugeben — nicht nur fürs gute Gewissen, sondern auch für den reinen und authentischen Genuss. Genau das ist aber gerade bei Fertigprodukten alles andere als selbstverständlich — und auch bei Weinen ein schwieriges Thema. Muss guter Biowein zwangsläufig teurer sein als herkömmlicher? Und umgekehrt, enthält eine billige Flasche zwangsläufig schlechteren Wein? Gelobt wird beispielsweise ein Rosso Toscana IGT von LaSelva. Das ist nun ein bekanntes Weingut aus der Maremma und es hat mich gewundert, dass der Wein unter dem Label Alnatura vertrieben wird. Zu sauer war dem Lars ein Bianco Sicilia 2007, der mir vor ein paar Jahren (2005? 2006?) zu süß war. Da scheint Aldi alles rein zu mischen, was irgendwie übrig blieb.

Das Portal ist eine schöne Idee. Viel Erfolg wünsche ich Euch beiden!