Zusammenfassung Weinrallye 40: Autochthone Rebsorten

Wein, Weinrallye

Die Ergebnisse dieser Weinrallye finde ich ausgesprochen gelungen, da alle Teilnehmer echt interessante Weine ausgegraben haben, die sich weit jenseits der üblichen Merlot-Chardonnay-Welt bewegen. Ein paar von ihnen kennt man noch, wie den Grünen Veltliner, Elbling oder Nero d’Avola. Aber Sumoll, Blatterle und Räuschling sind mir bislang noch nie begegnet.

Burgenland

Bernhard Fiedler widmet seinen Beitrag den weißen Traditionssorten seiner Heimat, da er den Blaufränkisch schon für die 22. Weinrallye verwertet hat. Dieses mal schreibt er über Grünen Veltliner, Neuburger, Furmint, Welschriesling, Muskat Ottonel und Silberweiß.

Duoro

Die portugiesische Nationalsorte, Touriga Nacional, gibt es im Winzerblog. Sie bildet den Stolz der portugiesischen Winzer.

Georgien
Der Ultes bringt aus dem Schwarzwald zwei Flaschen georgischen Saperavi mit, eine Sorte, die im Osten recht verbreitet ist und aus der zum Beispiel der Krimsekt gekeltert wird.

Kroatien

Drunkenmonday bringt vom Balkan zwei Flaschen Teran mit, darunter ein Super Tuscan mit Schmackes!

Midi

Iris von Lisson macht einen Brückenschlag nach St. Chinian und stößt dort auf die Appellation Roquebrun village, wo noch echter Ribeyrenc wächst.

Mosel

Die Bildergeschichten aus dem Weingut Steffens-Keß stellen eine der ältesten Sorten Deutschland vor: den Elbling. Dabei begeht der Autor gleich einen Verstoß gegen § 136 StGB.

Sizilien:

Zwei Beiträge befassen sich mit Nerello Mascalese, und zwar der von Weinverkostungen und der von Lamiacucina. Das finde ich deswegen spannend, weil diese Sorte in unserer Sizilienverkostung fehlt. Dafür sind drinnen: Insolina, Grillo, Grecanico, Carricante, Frappato und Nero d’Avola.

Südtirol

Neben dem oben genannten Nerello aus Sizilien stellt Lamiacucina noch einen Lagrein vor, eine Sorte, die mir auch immer wieder Freude bereitet. Einen wahren Schatz hebt Wiesengenuss, einen Weißen aus den Sorten Fraueler und Blatterle. Warum diese beiden Sonderlinge ausgerechnet mit Müller-Thurgau verschnitten sind, finde ich etwas rätselhaft.

Tarragona

Dass es ein Weinbaugebiet mit dem Namen Conca de Barbera gibt und daselbst die autochthone Sorte Sumoll, habe ich heute zum ersten Mal gehört. Chef, der Metzger hat gesagt hat ihn probiert und mit Dung gefüllte Kuhhörner, modrigen Waldboden und gereiften Burgunder gefunden.

Thermenregion

Vinissimus stellt den Rotgipfler vor, der zwar nicht rot, aber doch ein Gipfel des Genusses sein kann.

Zürichsee

Peter Züllig führt in seinem Gastbeitrag den Räuschling vor, dessen Name auch zu einem Berg oder Pilz passen könnte.

Vielen Dank noch mal an alle Teilnehmer für Eure spannenden Geschichten. Schön, dass so viele mitgemacht haben. Falls ich jemanden übersehen habe, bitte melden. Es hat übrigens keiner von der Ausnahmeregelung Gebrauch gemacht, den Artikel wegen der Ferien schon vor dem offiziellen Termin einstellen zu können. Diese Regel scheint also überflüssig zu sein. Der nächste Ort der Weinrallye ist mir noch nicht bekannt, ich werde ihn nachtragen, sobald er feststeht.

Weinrallye 40: Autochthon in Sizilien

Wein, Weinrallye

Sizilien ist voller autochthoner Rebsorten. Über viele Jahre hinweg fanden sie nur im Marsala Verwendung, bis die Winzer der Insel in den 90er Jahren ihre eigene Tradition entdeckten und begannen Qualitätsweine zu produzieren. Wobei diese immer noch einen relativ kleinen Anteil an der Gesamtproduktion ausmachen, die immerhin die größte Italiens ist. Das meiste wird als Verschnittwein exportiert oder dient der Produktion von Industriealkohol.

Dabei ist der Weinbau alt in Sizilien, die Griechen haben damit begonnen und so erst den Wein nach Italien gebracht. Die weiße Sorte Grecanico deutet noch auf diesen Ursprung hin, obwohl sie genetisch identisch ist mit Garganega, der Soave-Traube. Weitere weiße autochthone Soren sind Insolina, Grillo oder Carricante. Bei den Roten: Nero d’Avola oder Nerello Mascales. Wir haben nicht alle geschafft aus dieser Reihe:

denn ein paar Gäste haben abgesagt. Aber die wichtigsten möchte ich vorstellen:

Viticultori Canicatti: Inzolia Sicilia IGT, La Ferla 2009:

Dezente Aromen, Apfel, Drops, milder Auftakt, frische Säure, leichte Süße, warm und voll. Einfacher, fruchtiger Wein. Sauber, mild

Avogadri: Grillo Sicilia IGT 2009:

Dunkles Gelb, intensive würzige Aromen, milde Früchte, Tropenfrüchte, Mango, Limette, Mandarine, Holz, Ginster, Eigelb, sehr milder Auftakt, würzig strukturiert am Gaumen, kräftiges Volumen, lang. Eine Überraschung.

Planeta: Grecanico Sicilia IGT, Alastro 2009

Sehr dezentes Aroma, feine Holznoten, dezente Frucht. Milder Auftakt, wenig aromatisch, etwas langweilig und enttäuschend.

Gulfi: Carricante Sicilia IGT, Carjcanti 2006:

(Sprich Car-i-canti) Wuchtiges, komplexes Aroma, Honig, Wachs, Mandeln, Jasmin, weiße Johannisbeere, Wacholder, salzig, Jod, Thymian, Akazien, wuchtiger Auftakt, Explosion von Aromen am Gaumen, Trockenblumen, Honigmelone, dicht, fett. Verschwenderischer Wein, hochgradig mineralisch, Macchia-Gewürze des Südens, nie endend wollender Abgang. Ein echter Hammer.

Planeta: Cerasuolo di Vittoria DOCG 2008:

Intensive Aromen, volle Beeren, Himbeere, Erdbeere, leicht rauchig, frischer Auftakt, feine nervige Säure, voluminös und lang. Intensiver fruchtig-beeriger Wein, harmonisch und sehr klar. Erinnert an Beaujolais. Bei der ersten Weinrallye (Inselweine) hatte ich den 2005er im Text.

Rapitalà: Nero d’Avola Sicilia IGT 2009:

Intensives Aroma, Beeren, Holz, Himbeeren, Erdbeere, Hibiskus, mineralisch, rauchig, leicht bissige Aromen, frische Säure, leichtes Prickeln, bitter, warm, leicht süß, voluminös, noch etwas verschlossen.

Gulfi: Nero d’Avola Sicilia IGT, Nerojbleo 2007:

(Sprich: Nero-i-bleo) Wuchtige Aromen, leicht bissig, salzig, Jod, mineralisch, intensive Himbeere, Erdbeere, Brombeere, eleganter Holzton, Tropenholz, Marzipan, bissiger Auftakt, kräftige Tannine, leicht bitter, darunter intensiver Beeren, voll und sehr lang. Harmonisch und dicht. Definitiv ein großer Roter.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ich von den Weißen sehr überrascht bin, gerade vom Grillo und Carricante. Der Nero d’Avola zeigt sich in seiner gewohnten Beerigkeit, mal blitzsauber wie beim Cerasuolo mal voll und groß wie beim Nerojbleo. Der Erzeuger Gulfi war für mich eine sehr positive Neuentdeckung.

Weinrallye 40: Räuschling – der Zürichseewein

Wein, Weinrallye

Ein Gastbeitrag von Peter Züllig aus der Schweiz:

Aufgewachsen am Zürichsee, ist mir eine weisse Rebsorte seit je vertraut: der Räuschling. Als ich viel später in meinem Leben in den sich selbst adelnden Kreis der Weinliebhaber eingestiegen bin, wurde ich sozusagen gezwungen, dem Räuschling zu entsagen. „Dies ist doch keine Rebsorte, aus der guter Wein zu machen ist“, sagte man mir – immer und immer wieder. Beinahe hätte ich es geglaubt! Als dann auch mein deutscher Freund Egon, der Riesling-Kenner, bei einer Verkostung verlauten liess: „Räuschling, den braucht die Menschheit nicht“, da war das Selbstvertrauen dahin. „Mach’s gut, mein alter Räuschling, wir werden uns kaum wiedersehen.“

Doch wir begegneten uns wieder, diesmal unter weit günstigeren Umständen. Im „Zunfthaus zur Meisen“ in Zürich, wo „Essen und Trinken aufs Engste mit der Weinleute-Zunft verbunden ist“. Ausgerechnet bei einem Treffen von Bankern mit Winzern wurde zum Aperitif Räuschling serviert. Räuschling, ein Aperitif-Wein? Bisher war er für mich ein idealer Wein zum Zürichsee-Egli (Barsch). So habe ich ihn einst auch der Forums-Weinrunde in Bielefeld präsentiert – allerdings mit wenig Erfolg. So wenig, dass sogar ich in tiefen Zweifeln versank und nie wieder – vor allem nicht neben einem Riesling – einen Rettungsversuch unternehmen wollte.

Mit dem Aperitif-Glas in der Hand, hat der Abend der Winzervereinigung „Mémoire des Vins Suisse“ (Schatzkammer des Schweizerweins) begonnen. 39 Mitglieder zählt die Gruppe, darunter die besten der Schweiz. Zum Beispiel die „Königin“ der „Petite Arvine“, Marie-Thérèse Chappaz, der Weinfürst aus Dézaley, Louis Bovard, die Genfer-Grafen der „Domaine des Balisiers“, Daniel Schlaepfer und Gérard Pillon, der Meilener Räuschlingfürst, Hermann Schwarzenbach und, und, und…

Wo Schwarzenbach ist, kann der Räuschling nicht fehlen. Er, der Zürichsee-Winzer, baut ihn – sagt man – am besten aus. So gut, dass er sogar den Auftakt einer festlichen Essens mit Bankern machen kann. Ich bin begeistert und bin es immer noch. Räuschling, der Wein vom Zürichsee, gehörte einst zusammen mit dem inzwischen verschwundenen Elbling, zu den verbreitetesten Weissweinsorten der Schweiz; solange, bis der Müller-Thurgau kam und die beiden uralten Rebsorten fast ganz verdrängt hat.

Noch immer weiss man  – trotz DNA-Analyse – nicht mit Sicherheit, wer seine Eltern sind. Der Papa ist wohl Gouais Blanc (Weißer Heunisch) und die Mama? Kommt sie wirklich aus der Traminer-Familie, wie einige Forscher behaupten? Tut eigentlich wenig zur Sache. Der Räuschling wächst heute in der Schweiz nur noch auf 20 Hektaren, das sind 0.13 Prozent der gesamten Rebfläche der Schweiz (150‘000 ha).

Zwei Winzer und eine Winzerin vom Zürichsee haben sich vor zwei Jahren zusammengefunden um gemeinsam einen Räuschling zu machen. „R3 – drei Winzer, drei Böden, ein Wein“ verkündet die Werbung. Alle drei betonen die Bedeutung der Landschaft. Erich Lüthi (Männedorf) möchte sogar „die Zürichsee-Stimmung in Flaschen einzufangen“. Dies umschreibt er so: „frische kühle Luft über spiegelglatter Wasseroberfläche an einem Sommermorgen, gespenstische Stille an nebligen Herbsttagen und zum Greifen nah liegende verschneite Berggipfel an frostig-sonnigen Wintertagen“.

Der Spitzenwein R3 einer rar gewordenen Rebsorte, kostet immerhin stolze 28 Franken (knapp 19 Euro). Vor mir steht aber der „einfachere“ Räuschling Seehalde von Hermann Schwarzenbach (Preis 17 Franken), für den der Winzer schon so manchen Preis erhalten hat. Es ist ein vielschichtiger Wein, ein „reicher“ Räuschling, voll verschiedener Zitrusnoten, mit einer feinen, diskreten Säure, leicht „weinig“, eher zurückhaltend, mild im Gaumen, mit einer erstaunlich filigranen Struktur und trotzdem angenehm saftig.

Wenn ich die Wertungen durchgehe, von René Gabriel bis Wolfgang Fassbender, taucht immer wieder der Begriff „räuschling-typisch“ auf. Ich versuche diese Formel mit Begriffen zu füllen: zartfruchtig, säurebeschwingt, zart-seidig, gradlinig…. ich fürchte, die Eigenschaften werden immer poetischer und versinken im Mythos. Tatsächlich findet sich im Umfeld des Räuschlings auch der Hinweis, dass Klopstock in seiner „Ode an den Zürichsee“ vom Räuschling spricht und auch Goethe in seinem Gedicht „Auf dem See“ den Räuschling erkennt, wenn er sieht, dass sich  „im See bespiegelt –  die reifende Frucht.“

Eigentlich halte ich es eher mit der Prosa: Der Räuschling – in seiner Spitzenklasse – ist ein ausgezeichneter Apérowein und ein idealer Begleiter zu Süsswasserfischen.

Und damit sind wir wieder dort, wo ich im zuerst begegnet bin, am Zürichsee.

Weinrallye 40: Autochthone Rebsorten

Wein, Weinrallye

Mit viel Humor wurde die 39. Weinrallye im Vinumblog beendet. Weinrallye 40 findet hier bei Hausmannskost 2.0 zum Thema Autochthone Rebsorten statt. Der Begriff autochthon kommt aus dem griechischen und meint in etwa auf eigener Erde. Gemeint sind in der Botanik Arten, die dort, wo sie leben, auch in der Evolution entstanden sind. Das heißt, bei Rebsorten wären die autochthon, die dort, wo sie heute verarbeitet werden, auch ihren Ursprung haben. Im Einzelnen ist das sicher schwer nachzuweisen, Aussagen basieren vielfach auf Indizien oder auf Theorien, die nur über eine dünne Faktenbasis verfügen. Eine Theorie sagt beispielsweise, dass der Gutedel nicht aus Baden kommt, sondern Ägypten … oder Palästina … oder Frankreich … oder doch dem Alpenraum?

Um diese Weinrallye nicht in einen Streit der Besserwisser abdriften zu lassen, möchte ich die Regeln locker handhaben:

1. Teilnehmen können Weine aus Rebsorten, die in einer Region eine lange, prägende Tradition haben. Der Moselriesling gehört also ebenso dazu, wie der Frankensylvaner oder der Toscana-Sangiovese.

2. Erwünscht wären aber kleine, alte oder ungewöhnliche Sorten mit starkem regionalen Bezug, wie Elbling, Tauberschwarzrebe, violetter Gutedel, Ribolla Gialla oder der Lagrein. Eine gute Liste gibt es hier oder hier.

3. Schön wäre ferner eine kurze Begründung für Eure Wahl, also wie die Rebsorte historisch in der Landschaft verwuzelt ist und woher Ihr Eure Informationen bezogen habt.

Termin ist der 28.12. also nach Weihnachten. Da einige vielleicht im Urlaub sind, haben Thomas und ich beschlossen, dass wir den Zeitraum etwas ausdehnen. Wer also nicht am 28.12. veröffentlichen kann — viele Blog-Programme haben ja auch einen Zeitschaltuhr — die dürfen ihren Beitrag ab dem 19.12. frei schalten. Aber bitte nur in Ausnahmefällen.

Beiträge von Weinfreunden, die keinen eigenen Blog haben, veröffentlich ich gerne hier. Die Regeln der Weinrallye findet Ihr im Winzerblog. Informiert mich bitte über Eure Beiträge per Kommentar oder per Mail: weinrallye5@web.de. Viel Spaß beim Entdecken!