Bluescreen im Roastbeef — Miele stellt Automatikherd vor

GenFood und JunkFood, Kost

Die Hausfrau von Morgen lädt sich nicht mehr nur ein Rezept aus dem Internet herunter, das tut sie heute schon, sondern sie leitet es gleich an ihren Herd weiter. Der weiß etwas damit anzufangen und kocht die Speisen automatisch nach Plan. Das Gerät „ist dann so programmiert, dass es die Mahlzeit unter Berücksichtigung von Betriebsart, Temperatur, Kochzeit, Feuchtigkeit und anderen Faktoren zubereitet„, heißt es in einer Pressemitteilung von Miele und Microsoft. Beide stellen heute zur Hannover Messe eine Studie für einen solchen automatisch kochenden Herd vor.

Kooperation Microsoft und Miele_2

Den Vorteil sehen die Firmen darin, dass „Mahlzeiten perfekt gelingen“ und „Fehlerquellen sind so weitgehend ausgeschlossen, weil Rezepte wie Automatikprogramme in den Miele-Versuchsküchen auf die Geräte des Herstellers abgestimmt wurden.“ Der Herd ist im Internet of Things angekommen, in der allumfassenden Vernetzung der Alltagsgegenstände. Vielleicht spricht die intelligente Kochstelle gleich mit den Kühlschrank und kocht nur das, was noch da ist. Der Koch muss nur noch die Zutaten aus dem Kühlschrank holen, wie er es vom Herd angewiesen bekommt, die Zwiebeln wirft er in den vernetzten Mixer, der sie in den vom Rezept vorgesehenen Grad zerlegt. Ist der Mixer fertig, darf der Koch sie in den Bräter verfrachten, der sie automatisch anschwitzt, röstet oder einfach nur weichdünstet — alle Geräte kennen sich aus, der Koch nicht. Er wird zum Handlanger seiner Technik ähnlich einem Flugkapitän, der den Autopilot nicht mehr abschalten kann.

Gegenwehr ist zwecklos: „Die Creme Fraiche nehme ich nicht, die ist seit gestern abgelaufen!„, ob Schimmel zu sehen ist oder nicht, spielt keine Rolle, der Sicherheit wegen. Zuvor erkundigt sich der Herd im Bad bei der Waage, ob es ok ist, einen Schuss Olivenöl mehr in das Gericht zu kippen: „Du hattest gestern schon…“ Auch das Fitness-Armband hat ein Wörtchen mitzureden. Kreativität ist im Konzept der „Rezepte wie Automatikprogramme“ eh nicht gefragt, Phantasie bringt den Plan auf kritische Weise durcheinander, unbekannte Faktoren gefährden plötzlich die Algorithmen und es droht der Bluescreen im Roastbeef. Eigentlich kocht der Herd da ein aufwendig gestaltetes Fertiggericht.

Bild: Microsoft