Weltweite Infratest-Studie Digital Life: Internet und Bloggen

Bloggen und Medien

Ein Mammut-Projekt: Fast 50.000 Onliner hat TNS-Infratest in 46 Ländern der ganzen Welt befragt und mit den Ergebnissen den weltweiten Medienbruch dokumentiert. Dabei zeigte sich ein deutlicher kultureller Schnitt zwischen den Wachstumsmärkten Asiens und der BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) einerseits und den westlichen, gesättigten Märkten andererseits. In den Wachstumsmärkten zeigen die Menschen ein weitaus größeres digitales Engagement etwa in Brasilien (48 Prozent) und China (54 Prozent) als in den gesättigten Ländern wie Deutschland (36 Prozent), Finnland (26 Prozent) oder Japan (20 Prozent). Obwohl diese Länder für gewöhnlich über eine gut ausgebaute Internet-Infrastruktur verfügen. Digitales Engagement bezeichnet dabei nicht nur die reine Online-Nutzung, sondern wertet bestimmte Aktivitäten wie Bloggen oder Teilhabe an sozialen Netzen.

Bloggen und soziale Netze treiben das Internet an
Neun von zehn Online-Usern in China (88 Prozent) und mehr als die Hälfte in Brasilien (51 Prozent) haben eigene Blog- oder Foreneinträge verfasst. In den USA liegt dieser Wert lediglich bei 32 Prozent, in Deutschland sind es immerhin 44 Prozent. Zudem ist das Internet in den asiatischen Wachstumsmärkten zum Standardmedium für die Verbreitung von Fotos geworden. Der Anteil der Onliner, die Fotos hochladen, beträgt in Thailand 92 Prozent, in Malaysia 88 Prozent und in Vietnam 87 Prozent. Die entwickelten Märkte sind hier deutlich zurückhaltender. So haben nicht einmal die Hälfte in Deutschland (48 Prozent) und weniger als ein Drittel der Online-Konsumenten in Japan (28 Prozent) bisher Fotos auf Social Websites hochgeladen.

Mobile Beschleunigung
Weltweit verbringen mobile Internetnutzer durchschnittlich 3,1 Stunden in der Woche in sozialen Netzwerken, aber nur 2,2 Stunden mit E-Mail. Smartphones werden die digitale Landschaft ändern. Die Studie zeigt, dass Verbraucher davon ausgehen, dass sich die Nutzung sozialer Netzwerke eher über Handys als über PCs verstärken wird. In den USA erwarten beispielsweise mehr als 36 Prozent der Befragten, dass sie die Nutzung von Communities über das Mobile intensivieren werden. In Schweden sind es sogar 53 Prozent, in Deutschland nur 29 Prozent.

E-Mail veraltet
Online-Konsumenten verbringen im Durchschnitt mehr Zeit in sozialen Netzwerken als mit E-Mail. In Wachstumsregionen werden durchschnittlich 5,2 Stunden pro Woche mit sozialen Netzwerken verbracht, verglichen mit vier Stunden E-Mail-Nutzung. Die Online-Konsumenten in gesättigten Märkten konzentrieren sich dagegen noch deutlich mehr auf das Korrespondieren per Mail. 5,1 Stunden werden hier damit verbracht, den Posteingang zu prüfen. In sozialen Netzwerken wird durchschnittlich 3,8 Stunden interagiert. Zu den intensivsten Nutzern sozialer Netzwerke gehören Malaysier (9 Std./wöchentlich), Russen (8,1 Std.) und Türken (7, Std.). Deutlich geringer dagegen die Nutzung in Deutschland. Hierzulande sind die Onliner 3,1 Stunden pro Woche in Communities unterwegs.
Die Malaysier haben auch die meisten Online-Freunde, 233 im Schnitt, gefolgt von Brasilianern mit 231 Freunden. Die Japaner bilden mit nur 29 Freunden das Schlusslicht. Überraschenderweise haben die Chinesen im Durchschnitt nur 68 Online-Freunde, obwohl sie die sozialen Netzwerke sehr intensiv nutzen. Das verweist auf eine Kultur, die sich auf wenigere, aber umso engere Freundschaften stützt. In Deutschland liegt der Wert bei 75 Personen.

Parameter
Die Studie will ein vollständiges Bild liefern, wie sich Konsumenten im Internet verhalten, was sie lenkt und welche Verhaltensweisen wirtschaftliches Wachstum beschleunigen. Sie deckt laut Infratest 88 Prozent der weltweiten Online-Population ab. Dazu befragte Infratest 48.804 Personen im Alter von 16 bis 60 Jahren in den Ländern Ägypten, Argentinien, Australien, Belgien, Brasilien, China, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Hongkong, Indien, Indonesien, Israel, Italien, Japan, Kanada, Kenia, Luxemburg, Malaysia, Marokko, Mexiko, Niederlande, Nigeria, Norwegen, Österreich, Philippinen, Polen, Portugal, Russland, Saudi-Arabien, Singapur, Südafrika, Südkorea, Schweden, Spanien, Tansania, Thailand, Türkei, Uganda, VAE, USA und Vietnam.

Weitere Informationen unter
www.DiscoverDigitalLife.com
http://www.tns-infratest.com/presse/presseinformation.asp?prID=769

Jetzt wird es nur noch Zeit, dass die Verlage in Online-Redaktionen vernünftige Redakteursgehälter bezahlen.

Lebensgefährliches Bloggen

Bloggen und Medien

Ich bin zwar selten politisch hier, aber schätze es dennoch sehr, schreiben zu können, was ich mag. Außerdem darf ich lesen, was andere ohne Einschränkungen schreiben können, gerade, wenn sie die Mächtigen aus Politik und Wirtschaft beobachten und kritisieren.  In anderen Ländern kann das Bloggen lebensgefährlich sein. Der Weißrusse Oleg Bebenin hat es mit dem Leben bezahlt und der Iraner Hossein Derakshan sitzt in der Todeszelle.

Neue Interviews

Bloggen und Medien

Nachdem ich festgestellt habe, dass mein Interview mit Irfan Skiljan über das Schreiben von Freeware (Irfan View) recht populär ist und sogar von der englischen Wikipedia verlinkt ist, habe ich mich entschlossen, mal wieder in HTML zu arbeiten und ein paar weitere Interviews von mir auf meine Webseite zu stellen. Es sind:

mozilla_kDan Mills und Aza Raskin

von den Mozilla Labs über die Zukunft des Browsers.

robertbasic_kRobert Basic

(noch zu Basic-Thinking-Zeiten) über das erfolgreiche und geldvermehrende Bloggen.

kuepperfahrenberg_kJörg Küpperfahrenberg

Rechtsanwalt aus Essen über Internet-Abzocker und erfogreiche Gegenwehr.

zorbach_kThomas Zorbach

YouTube-Filmer und Experte für virales Marketing, über Konzipieren und Verbreiten von Clips im Web 2.0.

holzhauer2_kFlorian Holzhauer

vom Chaos Computer Club (CCC) über Hackerglück und Hackerethik.

Kein Leistungsbloggen bei Hausmannskost

Bloggen und Medien

Es gibt ein paar Sachen, die mich in der Weinblog-Szene zunehmend ärgern und die ich erneut thematisieren möchte. Diesmal habe ich für Hausmannskost Konsequenzen gezogen.

Ich habe den Eindruck, die Weinblog-Szene wird eigentlich nur noch von der Weinrallye zusammengehalten. Hier finden sich, Thomas sei Dank, alle immer wieder. Sonst sehe ich auf der einen Seite Blogs, die sich erklärtermaßen entsolidarisieren, um dieses schöne, aus der Mode gekommen Wort einmal zu verwenden. Da lese ich dann Sachen wie „wir verlinken uns nur noch untereinander“ oder „es gibt eben keinen Link mehr aus reiner Gefälligkeit wie früher“ (sinngemäß, von zwei verschiedenen Autoren). Dafür habe ich wenig Verständnis, denn einen Link, Trackback oder Kommentar nicht zu setzen, weil der entsprechende Blog nicht in das politische Konzept passt, ist mir persönlich schleierhaft. Ich brauche mich eigentlich nicht zu beschweren, denn ich werde sowohl verlinkt als auch kommentiert, was ich auch schätze, aber die Tendenz stört mich nachhaltig.

Auf der anderen Seite sehe ich Blogs, die sich von Inhalt und Darstellung her eigentlich nicht zu verstecken brauchen, aber dennoch in Schweigen verfallen. Das finde ich schade, denn ich habe den Eindruck, manche sind demotiviert oder vielleicht sogar von der Großmäuligkeit anderer, damit meine ich mehrere, verstört. Hier erstmal ein klares Wort, bitte lasst Euch nicht einschüchtern. Hier wird versucht, ein Leistungsdenken zu etablieren, das schädlich für die Community ist.

Im Kontrast sehe ich die Kochblogger-Szene, die aus Spaß an der Freude bloggt, die sich verlinkt und mehr noch sich gegenseitig wahnsinnig aktiv kommentiert, egal ob groß oder klein, ob Alpha, Omega oder Zeta. Wenn man die Weinblogger liest, frage ich mich manchmal, wem macht das Bloggen eigentlich noch Spaß? Bei den einen schmeckt es nach PageRank im Abgang, bei den anderen nach trübem Mehltau in der Struktur.

Folgende Schlüsse:

– Mich freuen Eure Kommentare mehr als Eure Links.

– Ich werde mich verstärkt den Blogs zuwenden, die mich auch wahrnehmen, sei es per Telefon, E-Mail, Kommentar, Trackback oder Link.

– Daraus folgt eigentlich, dass ich verstärkt in der Kochblog-Szene aktiv werde, was eh schon der Fall ist, denn hier empfinde ich eine gesunde Gemeinschaft und wenig Gegeneinander. Wein wird natürlich nach wie vor ein Thema sein.

– Nichtsdestotrotz werde ich alles verlinken oder kommentieren, was mich bewegt, unabhängig von Größe, Kleinheit oder Etabliertheit. Das verstehe ich unter Bloggen.

– Ich werde keinen Klickzähler hier einbauen, lebhafte Kommentare sind mir weitaus wichtiger, als in irgend einem Ranking irgendwo zu stehen. Ich will kein Medienhaus gründen, sondern bloggen. Punkt.

Web-2.0-Woche in Berlin

Bloggen und Medien

Nächste Woche findet eine Reihe recht informativer Termine rund um das Web 2.0 statt. Den Kern bildet die Web-2.0-Expo, also der Kongress von O’Reilly, der dem Web 2.0 seinen Namen gegeben hat. Inzwischen ist es eine internationale Veranstaltung in San Francisco, New York, Tokyo und vom 19. bis 21. Oktober eben Berlin. Tagungsort ist das Kongresszentrum am Alexanderplatz. Die Besetzung ist hochkarätig, mit Tim O’Reilly, John Lilly, dem Mozilla Chef, und Yossi Vardi, dem ICQ-Erfinder. Auch Blogger halten Reden oder Vorträge.

Vorher, am 18. und 19. Oktober, gibt es das dritte Berliner Barcamp im Telekom-Gebäude in der Französischen Straße. Am 20. Oktober lädt Facebook zur Developer Garage bei Zanox in der Stralauer Allee. Abends gibt es eine Party. Vom 21. bis 23. Oktober hält Mozilla seine Hack Days in der c-longue in der Rungesraße ab. Sehr gehemnisvoll. Am 23. Oktober schließt die Web-Woche mit der Late-Crunch-Party von Techcrunch in der HomeBase Lounge in der Köthener Straße. Die Events sind anmeldepflichtig.

Ich werde Mittwoch und Donnerstag anwesend sein, wer mich treffen möchte, melde sich bitte im Vorfeld unter whosbach@pc-magazin.de.

Immer teurer — Ende des Qualitätsjournalismus

Bloggen und Medien

Die aktuelle Zeit bejammert auf Seite Eins das Ende des Qualitätsjournalismus, der mit den Tageszeitungen stirbt. Schuld sind Online-Dienste wie die Huffington Post in den USA, die nichts für ihre Artikel bezahlen, von Bürgerjournalisten und Bloggern leben und in erster Linie  von den klassischen Medien abschreiben, die wiederum teure Korrespondenten in aller Welt bezahlen müssen. Damit nicht genug, stehlen kostenlose Medien den Althergebrachten immer mehr Leser, minus 2,5 Prozent im Jahr, und immer mehr Werbekunden, minus 10 Prozent. Der Artikel findet sich im übrigen nicht auf Zeit-Online.

Soweit die Analyse, die zwar nicht neu, aber richtig ist, jedoch für meine Begriffe nicht den Schluss zulässt, den der Artikel zieht, nämlich dass gute journalistische Berichterstattung mit dem Nachrichtenmonopl der klassischen Medien fällt. Es wundert mich vielmehr, dass so ein Bild aus einem Holzbrinck-Medium kommt, wo dieser Verlag einer der ersten war, der nachhaltig in neuen Medien investiert hat und sich Glanzlichter wie Chefkoch.de oder StudiVZ leistet. Von StudiVZ weiß wirklich niemand, wie es sich einmal finanzieren soll, im Gegensatz zur Community MySpace, die gerade zum Musikhändler mutiert.

Ein paar Gedanken dazu:

– Inzwischen schreiben auch klassische Medien gerne bei Online-Medien ab. Blogs aus dem Ausland sind neben Korrespondenten eine gerne gelesene und oft auch freizügig zitierte Quelle. Bei Fachmedien umso mehr, aus dem Computer- und Weinbereich kenne ich das gut.

– Online-Medien ziehen immer mehr Leser, aber auch Geld an sich. Für Werbetreibende ist es effektiver online zu werben, da es genauer die Zielgruppe trifft und der Rücklauf sehr klar festzustellen ist.

– Ich bin überzeugt, dass bald Korrespondenten nicht mehr nur für den gedruckten Teil eines Mediums arbeiten werden, sondern für den gesamten Titel, on- und offline, so ist es bei vielen eh schon. Auch die Finanzierung wird sich splitten, online dabei zunehmend ab Bedeutung gewinnen.

– Medien wie die Huffingten Post werden über kurz oder lang für ihre besseren Berichterstatter etwas bezahlen müssen. Dass dieses Medium gelesen wird, ist für mich eher ein Zeichen dafür, dass mit der Qualität der klassischen Medien etwas nicht stimmt. Gerade deren immer so hoch gelobte lokale Berichterstattung ist oft unkritisch und mau.

– Fazit: Journalistische Qualität verlagert sich, aber geht nicht mit der Zeitung ein. Gefahren für die Qualität sehe ich weniger durch die Verlagerung an sich, sondern durch die Form. Etwa wenn Christiane zu Salm, Cross-Media-Vorstand bei Burda, auf die Frage: „Wie bringen Sie die Profite dann zum Sprudeln?“, sagt:  „Indem wir Commerce, Inhalt und Monetarisierung zusammenbringen. Im Hause Burda bauen wir die Vermarktungsplattform der Zukunft. Wir bündeln so Zielgruppen, verknüpfen Print, Online-Auftritt und E-Commerce. Wer dann auf die Homepage von ‚Elle‘ klickt, kann vielleicht eine Designertasche kaufen. Oder bei ‚Meine Familie & ich‘ Tischdekoration und Küchengeräte bis hin zur Bratpfanne.“ Da ist der Schritt zur Schleichwerbung nicht weit, die ich für eines der Hauptübel des Online-Journalismus halte.

– Besser gefällt mir dieses Zitat aus dem Interview: „Von alten Denkhaltungen müssen wir uns verabschieden. Es werden diejenigen verlieren, die sich hinter ihren Mauern verschanzen, die digitale Welt nicht verstehen, die nicht sehen wollen, wie das Netz die Welt verändert.“

– Also liebe Zeit, Kopf hoch, es zeigt niemand mit dem Finger auf Euch, wenn mal ein Artikel von Euch online steht. Die, die so was stört, finden es eh nicht. Und das Bildugsbürgertum wird auch jünger 🙂

Nachtrag: In jetzt-online ist noch ein lesenswerter Beitrag von Heribert Prantl zum Thema.

Blog-Trends mit Google Insights finden

Bloggen und Medien

Mit dem neuen Google-Tool Insights lassen sich sehr schön Such- und Begriffstrends ermitteln. Es ist eine Erweiterung von Google Trends, mit der der Blogger bestimmte Suchen analysieren kann. Z.B. ist das Thema Spargel im Frühling beliebt (wen wundert es?):

Während Schweinsbraten eher ein Winterthema ist, aber schon nicht mehr ganz so deutlich:

Brunello ist an Weihnachten gesucht, mit Ausnahme vom Frühjahr 2008, der Skandalzeit. Der Screenshot zeigt ferner, dass Google die Analyse mit News verknüpft, so dass der Besucher bei bestimmten Kurven erfährt, was zu diesem Zeitpunkt los war:

Auch eine lokale Zuordnung ist möglich, beispielsweise wird „Chateau Lafite“ in Hongkong gerne gesucht:

Blogger, die auf Google-Besucher aus sind, können schnell feststellen, wann ein Thema am erfolgsversprechenden ist.

Nachtrag: Stef hat auch ein schönes Beispiel herausgesucht: Pressefreiheit contra Hakenkreuz, nach Bundesländern aufgeschlüsselt. Ist nicht schwer zu erraten, wo die meisten Menschen nach Hakenkreuz suchen…

Weinblog-Verbot in Frankreich droht

Bloggen und Medien, Wein

Iris vom südfranzösischen Weingut Lisson berichtet, dass der französische Senat ein Werbeverbot für Alkohol explizit auf das Internet ausgeweitet hat. Französische Weinblogger wie sie fürchten nun, dass ihre Publikationen als Werbung eingestuft werden. Sicher ist es juristisch keine einfache Frage, ob ein Unternehmens-Blog nun mehr ein Presseerzeugnis oder mehr ein Marketinginstrument ist. Das hängt sicher vom Einzelfall ab, ist immer eine Mischform, aber gerade bei Blogs, wie dem von Iris, sehe ich mehr das Element der Berichterstattung. Dennoch fürchten die westrheinischen Blogger nun verstärkt den Fanatismus der Abmahner, unter deren Beschuss es dann irgendwann schwer wird, sich zu behaupten — Recht hin oder her. Das wäre schade, denn gute Infos von der Quelle gingen verloren, die oft noch sehr schön aufgemacht, geschrieben und bebildert sind. Und bestimmt keinen Anstoß zum Alkoholismus bieten.

Aprilscherze im Wein- und Genussweb

Bloggen und Medien, Kost, Wein

Natürlich haben sich viele Blogger und Journalisten einen Spaß gegönnt und Aprilscherze geschrieben. Im Wein- und Genussweb fand ich gestern folgende. Allerdings habe ich nicht systematisch gesucht, wenn jemand fehlt, bitte nicht böse sein und URL hier kommentieren.

Die erste Rebblüte in Baden (bei Schreiberswein, leider schon wieder gelöscht)
Stuart Pigott neuer Autor bei Weincasting
Allendorf züchtet Perlmutt-Riesling
Irland erhebt Anspruch auf Islay
Barolo erstmalig im Tetra-Pack
Gemüseterrine in gestörtem Dreiecksbehältnis
Weinflasche mit eingebautem Becher
Heymann-Löwenstein: Rückzug aus dem VDP
und natürlich Chinesen klonen Chateau Laffitte

Jenseits des Genussweb hat mir gefallen:
Sarkozys Debüt als Chansonnier
Announcing Project Virgle

Und auf den bin ich hereingefallen:
Sommerzeit steht vor dem Aus
Der GDL trau ich einfach alles zu…

Bloggertreffen im Rioja

Bloggen und Medien, Wein

Weinblogger aus aller Welt wollen sich Ende August im Rioja zur European Wine Bloggers Conference treffen. Initiiert wird das Treffen von der Wine-Bloggers-Gruppe auf Facebook. Sieht man sich die bisherigen Anmeldungen oder Interessenbekundungen an, so ist noch kein deutscher Blogger dabei, dafür Engländer, Italiener, Spanier und sogar Interessenten aus Übersee.

Spannende Sache, nur ich werde mich zu diesem Zeitpunkt in Südfrankreich aufhalten, meine Mädels haben Wildpferden im Sinn und eine nette Wildschweinfarm in den Bergen soll es auch geben… (das war jetzt noch kein Saubloggen!)

Via Winzerblog.

Blogger interviewt Journalisten

Bloggen und Medien

Das Thema Blogger vs. Journalisten treibt ja gerade um, da stoße ich zufällig auf ein Interview in Spreeblick mit dem bloggenden Journalisten Robert Kindermann. Natürlich geht es auch um Blogger vs. Journalisten und er sagt dazu: „Die Diskussion berührt mich eher negativ nervend. Warum gibt es sie überhaupt?“, und weiter: „Die Nutzer wollen bestimmte Infos, also suchen sie danach bei Google und ob sie die nun in einem Blog oder bei spiegel.de finden spielt für die meisten sicherlich keine große Rolle. Hauptsache die Infos sind gut aufbereitet und korrekt.“

In den Kommentaren geschieht dann genau dasselbe wie bei Planet Bordeaux, die Diskussion gleitet ins Polemische ab, woran leider auch der Interviewte nicht ganz unbeteiligt ist. In dem Thema steckt schon eine Menge Zündstoff drin.

Bordeaux-Krieg: Weinblogger vs. Weinjournalisten

Bloggen und Medien

Derzeit tobt auf den Seiten von Planet Bordeaux ein Streit um einen Artikel in der Welt, der scheinbar ein paar Recherchemängel aufweist. Schnell ist wieder das Kriegsbeil ausgegraben und Blogger fallen pauschal über Journalisten her, während diese nichts besseres zu tun haben, als ihre alte Arroganz auszuspielen. Das ist eigentlich schade, denn beide haben viel gemeinsam. Ein paar Überlegungen von mir als „echtem“ Journalist und begeistertem Blogger:


Schlechte Recherche ist eine Frage der Persönlichkeit und nicht der Medienform. Wie genau der einzelne Schreiber hinschaut, ist meist in seinem persönlichen Ethos begründet. Da auch die Redakteure nicht alles wissen, rutsch ein schlecht recherchierter Artikel oft durch die Endkontrolle, sofern es die in Zeiten der Sparsamkeit überhaupt noch gibt. Man merkt sich im Laufe der Zeit die Namen der Journalisten oder Blogger, denen man vertraut.

Beide Medienformen sind nicht unabhängig, man sollte wie immer die Struktur des einzelnen Mediums kennen. Kaum ein Medium wagte es noch, einem großen Anzeigenkunden einen Skandal reinzuwürgen. Noch schlimmer: offene Schleichwerbung ist im Bereich der Fach- und Publikumszeitschriften Gang und Gäbe. Auch bei Blogs gibt es viel mehr Schleichwerbung, als allgemein vermutet, so dass es schon einen Fachbegriff dafür gibt: Virales Marketing. Ein Blogger sollte bei Produktbeschreibungen immer eine kritische, satirische oder ironische Note mit hineinbringen, um diesem Verdacht zuvorzukommen. Selbst wenn der Wein noch so gut geschmeckt hat.

Beide Gruppen sind auf einander angewiesen. Alle Journalisten, die ich kenne, verwenden Blogs inzwischen als Quelle der Recherche. Umgekehrt verwenden sie immer öfters selbst dieses Medium, um sich jenseits der Interessen ihrer Verleger austoben zu können. Unbedarftere Kollegen fühlen sich vielleicht in ihrer Existenz bedroht, wenn plötzlich alle schreiben können. Das sehe ich aber als unbegründet, denn eine gewisse persönliche Qualität schafft immer einen Vorsprung egal in welchem Medium. Man sollte dann eher Wert auf eine gute Recherche legen.

Die Trennung zwischen professionellen und Bürgerschreibern wird immer weiter verwischen. Z.B. plant ein großer Verlag unter dem Namen Zoomer (nicht Zoomr) eine kommerzielle Newsseite, auf der sich Beiträge „echter“ und Laienjournalisten mischen.

Die Unterschiede werden instrumentalisiert. Wer sich selbst zu sehr vom „Blogger“ oder „Journalisten“ scheiden will, zeigt damit, dass er entweder zu viel Respekt vor dem anderen hat, etwa weil er in dem anderen einen Mangel seiner eigenen Fähigkeiten erkennt, oder weil er ein Interesse damit verfolgt (lest mich!) Beides finde ich falsch. Von einem Winzer erwarte ich nicht, dass er schreibt wie ein junger Gott, und von einem professionellen Schreiber nicht, dass er den latinischen Namen jeder Reblaus kennt. Aber der Winzer sollte lesbar sein und der Schreiber so gut recherchieren, dass er keine groben Patzer macht. Den Journalist könnte beim Winzer seines Vertrauens nachfragen, welche Mistreblaus das nun schon wieder ist, und dieser könnte sich bei der Gelegenheit gleich erkundigen, wie man ein Interview strafft und zuspitzt.

– In eigener Sache: Hausmannskost bleibt reichhaltig, trinkfest, stilsicher und insbesondere nach wie vor nichtkommerziell.