Schöne Wettschulden

Wein

So gewinne ich Wetten am liebsten:

kiste

Besonders freue ich mich auf das Duell Château Plince und Château Goulée je 2009. Denn den einen hat Parker höher bewertet als der Weinwisser, beim anderen ist es umgekehrt: Plince (PP 88, WW 18) vs. Goulée (PP 92, WW 17). Schlecht sind beide sicher nicht. Beim Wein-Spectator sind beide etwa gleich (89-92/88-91), aber hier waren verschieden Tester am Werk.

Ich werde berichten.

Château Meyney 2003

Wein

2003 war kein wirklich großer Jahrgang für das Bordelais, nicht vergleichbar mit 2000, 2005 oder wahrscheinlich 2009. Der ist noch nicht abgefüllt. Aber 2003 hat keine schlechten Ergebnisse bei Cabernet Sauvignon gebracht, einer Sorte, die viel Sonne verträgt und über eine lange Reifezeit verfügt. Cabernet ist am linken Ufer, also im Medoc, stärker vertreten als am rechten Ufer. Das ist die Domäne des Merlot. Château Meyney aus St. Estèphe ist nun ein Wein, der zu einem guten Teil aus Cabernet Sauvignon besteht. Er ist jetzt sieben Jahre alt, in einem guten Alter, schon reif, aber noch lange nicht am Ende, ein gutes Tanningerüst ist vorhanden. Als Aromen fand ich Beeren, Pflaumen, Leder, Edelholz, Anis, Zimt, getrocknete Tomaten, etwas Paprika. Der Wein ist exzellent, komplex, sehr dicht und lang. Großartig im Geschmack und in keiner Weise kitschig. Außerdem passte er sehr gut zu diesem Braten.

Château Meyney 2003
St. Estèphe AC
Frankreich/Bordeaux

Rot; Cabernet Sauvignon/Merlot/Petit Verdot/Cabernet Franc
13% Alkohol; Ausbau im Barrique

Weinrallye 13: Alter Adel aus dem Veneto

Wein, Weinrallye

So ein alter Fürst wie der Conte Loredan-Gasparini, Nachfahre des Dogen Leonardo Loredan aus dem 16. Jhd., gibt sich nicht mit einfachem Prosecco zufrieden. Es muss schon ein Wein sein, der die großen aus dem Bordeaux zu Vorbild hat. Einen staatlichen Wein hat er geschaffen, den Capo di Stato, den die Stadt Venedig zu offiziellen Anlässen ausschenkt. Den kleinen Bruder, den Venegazzu’della Casa, hab ich zur 13. Weinrallye mit dem Thema Bordeaux nicht aus dem Bordeaux gewählt. Er besteht aus Cabernet Sauvignon (65 Prozent), Cabernet Franc (20 Prozent), Merlot (10 Prozent) und Malbech (5 Prozent), ist zumindest teilweise im Barrique ausgebaut und erfüllt so die harten Bedingungen von Planet Bordeaux.

Adelig schwappt einem das dunkle Gesöff entgegen, dunkles Kirschrot, ein bisschen Granat, tief leuchtend-schöne Farbe. Der Duft ist intensiv, komplex, sehr fein und verträgt ein großes Bordeaux-Glas. Die Aromen sind kräftig, würzig, beerig, Holz, Zeder, Tabak, Räucherspeck, Vanille, Zimt, Nelke, frischer Wacholder,  Schokolade,  Kirsche, Beeren, Heidelbeere, mineralisch. Später Hagebutte und Blutorange. Zartbitter im Auftakt, deutlich tanninreich, noch ein bisschen verschlossen, feine Süße, frische Säure, warm, sehr voll, Johannisbeere, Schokolade, sehr lang. Für mich ist der Charakter sehr bordeauxig, während ich wenig Italien oder Veneto schmecken konnte. Adel verpflichtet eben… selbst wenn er manchmal etwas verschroben wirkt.

Lorendan Gasparini, Venegazzu’della Casa 2003
Colli Trevigiani IGT
Italien/Veneto

Rot; Cabernet Sauvignon (65 %), Cabernet Franc (20 %), Merlot (10 %) und Malbech (5 %)
13 % Alkohol; Ausbau im Holzfass
2 Gläser im Gambero Rosso

China-Gefahr: Kauft Soya-Sauce!

Wein

Bei Weinverkostung und im Drink Tank muss ich lesen, dass es bald keinen Martell-Cognac mehr in Deutschland gibt, weil der Mutterkonzern Pernod-Ricard seine Waren auf den chinesischen Markt werfen wirft. Dort steigt die Abnahme gewaltig. Die Nachfrage der Milliarden Asiaten macht unsern Sprit teuer, macht den Bordeaux-Wein teuer und nun macht sie auch noch den Cognac rar. Da gibt es im Zeitalter der Globalisierung nur eine Antwort: Genießer aller Abendländer, kauft den Chinesen die Soya-Sauce weg. Am besten kanisterweise.:

Wenn dann im Pekinger Abendblatt steht: Weil die Nachfrage nach echter chinesischer Soya-Sauce in Europa so groß ist, hat sich der Preis verdoppelt (bei sinkender Qualität). Dann geben sie uns vielleicht unseren Bordeaux und unseren Cognac zurück.

36. Kochblog-Event: Mit Aprikosen, Ingwer und Minze gefüllte Schweinelende

Kochblog-Event, Kost, Wein

Das Kochblog-Event Sau-gut nähert sich seinem Einsendeschluss (15. Juli, wer es vergessen hat). Hier nun also mein Beitrag:

Es ist wirklich erstaunlich, womit sich Schweinerücken oder Schweinelende alles füllen lässt. Met oder Spinat sind die Klassiker, sehr attraktiv finde ich ein Rezept von Vincent Klink mit Blaukraut, wobei dafür jetzt nicht die Jahreszeit ist. Entschlossen hab ich mich dann für eine Aprikosenfüllung. Das mir vorliegende Rezept verwendet getrocknete Früchte, aber sommerlich wählte ich lieber frische. Die geben beim Braten mehr Flüssigkeit ab, was sich mit etwas Semmel- oder Zwiebackbrösel aber gut regulieren lässt. Ingwer und Minze sind mir noch als Zutaten eingefallen, um dem ganzen etwas mehr Würze zu geben.

Ein Kilo Schweinelende
4-5 Aprikosen
Eine geriebene Möhre
Gehackter Ingwer
Gehackter Knofi
Ein Zweig Minze
Semmelbrösel
Sherry
Chili
Ein Zweig Rosmarin
Küchengarn
Suppengrün
Brühe
Olivenöl
Rotwein
Creme Fraiche

Füllung:
Zwiebel und Karotten in etwas Öl anrösten, zum Schluss kurz Ingwer und Knofi dazu, mit Sherry ablöschen und eindampfen lassen. Die Aprikosen grob würfeln, zu den abgekühlten Zwiebel rühren, mit Minze, Chili und Salz abschmecken. Nun so viel Semmelbrösel zufügen, dass ein eher zäher Brei entsteht.

Den Schweinerücken zwei Mal einschneiden, so dass man ihn weit aufklappen kann: Im oberen Drittel erst in die eine Richtung schneiden bis kurz von Schluss, dann das Messer in der Wunde umdrehen und in die andere Richtung zurück. Ich sage gleich: Ich hab die Metzgerin gebeten, es zu machen 🙂

Braten
Das Fleisch salzen und aufgeklappt mit der Füllung bestreichen. Zusammenrollen, den Rosmarin drauf legen und rund rum einbinden. In die gefettete Reine und mit dem Suppengrün bei 220 Grad in den Ofen. Mein Fleischstück hatte noch etwas Fettrand, der nach oben ausgerichtet eine schöne Kruste bildet. Wenn der Braten gut gebräunt ist, nach circa einer halben Stunde, mit etwas Brühe ablöschen und den Ofen auf 180 Grad runter schalten. Zum Schluss mit dem Grill die Kruste, falls vorhanden, knusprig grillen.

Den Braten warm stellen, Bratensatz in eine Pfanne geben, mit etwas Rotwein angießen, kurz reduzieren und würzen. Mit Creme Fraiche und Gewürzen abschmecken. Bei Schweinefleisch fällt die Sauce oft etwas knapp aus. Zum Verlängern eignen sich Brühe oder ein wenig gut gemachte Roux. Als Beilage gab es Reis und Salat.

Wein
Als Wein kommt ein fruchtiger Weißer in Frage, eher kräftig nicht zu frisch. Wir hatten einen weißen Bordeaux, Entre Deux Mers, Rauzan Despagne 2004. Der war im Prinzip nicht schlecht, das deutliche Aprikosenaroma fügte sich sehr gut zum Braten, aber vom Alter ist er schon etwas über den Punkt. Ein Weißer mit Fassnote hätte auch gut gepasst, oder ein leichter, fruchtiger, nicht zu gerbstoffreicher Roter, Barbera, Spätburgunder.

Wer noch beim Sau-guten Kochblog-Event mitmachen möchte, bitte bis zum 15. Juli den Beitrag veröffentlichen und per Trackback im Kochtopf-Blog melden.

Weinrallye 13: Die Nachmacher

Wein, Weinrallye

Vermisst gemeldet und sofort aufgetaucht, ist sie, die 13. Weinrallye. Das Thema klingt fast ein bisschen wie „Sangiovese, nicht aus der Toskana“, wer sich noch dran erinnert. Es lautet: Bordeaux nicht aus dem Bordeaux. Gesucht sind Weine, die aus drei (!) der fünf Bordeaux-Sorten bestehen, also Cabernet Sauvignon, Cabernet franc, Merlot, Petit Verdot sowie Malbac, und im Bordeaux-Stil ausgebaut wurden, im Barrique. Und die Weine dürfen natürlich nicht aus dem Bordeaux im weiteren Sinne stammen. Der Initiator Mario Scheuermann schlägt Argentinien, Chile, Ungarn, Italien, Österreich oder Südfrankreich vor.

Das ist kein leichtes, ich glaube nicht, dass ich so einen Wein im Keller habe, aber ein sehr spannendes Thema. Bin gespannt auf meinen Wein und die Ergebnisse von Euch allen.

Wer sich noch etwas einlesen möchte, bei Ernesto Pauli hab ich einen netten Artikel zum Thema gefunden.

Hier wie immer die Übersicht über die bisherigen Weinrallyes:
#01 Inselweine (Winzerblog)
#02 Must-Taste-Weine unter 10 Euro (Weinverkostungen)
#03 Bio-Riesling (Viva vino)
#04 Vulkanweine (Drink Tank)
#05 Sangiovese nicht aus der Toskana (Hausmannskost)
#06 Schaumwein (Schreiberswein)
#07 Alles außer Glas (Kaulwein)
#08 Etikettentrinker (Weingut Lisson)
#09 Alltagswein (Weingut Steffens-Keß)
#10 Chenin Blanc (Originalverkorkt)
#11 Alles Rosé (Nikos Weinwelten)
#12 In Gottes Namen (Winzerblog)

Chinesen klonen Chateau Laffitte

Wein

Dem chinesischen Chemiker Xuan Pa Ke ist es erstmals gelungen, die Aromastoffes eines Weines Eins zu Eins zu klonen. Besonders stolz ist Barrique-Fan Pa Ke auf die seidige Tanninstruktur des Weins und die wuchtigen, beerigen Aromen. „Als Grundlage diente einfacher Chi Razu aus der Provinz Shanxi, dem wir spezielle von mir entwickelte Enzyme zugesetzt haben“, erklärt Pa Ke. Nach der Einwirkung einer 22 tägigen Lagerung bei genau 43,7 Grad sei ein zum Verwechseln ähnlicher Laffitte aus dem Jahr 2000 entstanden. „Selbst [chinesische, Anm. d. Red.] Sommeliers konnten keinen Unterschied feststellen“, berichtet er stolz. Pa Ke plant weitere Jahrgänge und Geschmacksrichtungen, denn seine Vision ist ein Weinbaukasten für den engagierten Weinfreund, mit dem dieser sich Spitzenweine in kurzer Zeit selbst züchten kann. Das ist gerade für China interessant, das unter den hohen Importkosten für europäische Spitzenweine leidet.

Weiniger begeistert ist man im Bordeaux. Ein Sprecher des Château Laffitte zeigte sich verärgert: „Wir prüfen, ob Pa Ke unsere Patente verletzt, und behalten uns rechtliche Schritte vor“, die in China schwer durchzusetzen sein dürften. „Unter dem Namen Laffitte darf der Pa-Ke-Wein jedenfalls nicht auf den Markt kommen.“

Auch Tierschutzorganisationen machen sich Sorgen, da die Bakterien über Monate mit echtem Château-Wein gefüttert werden. Auf unsere E-Mail-Nachfrage antwortet und das Büro von Pa Ke: „Eine Alkoholabhängigkeit der Lebewesen befürchtet der Meister nicht. Auch bei Weinhefe wird ein seelischer Schaden schließlich in der Önologie als gering eingestuft oder sogar komplett verneint.

Hausmannskost bemüht sich derzeit um eine Probeflasche.

Nachtrag (2.4.2008): April, April!

Bordeaux-Krieg: Weinblogger vs. Weinjournalisten

Bloggen und Medien

Derzeit tobt auf den Seiten von Planet Bordeaux ein Streit um einen Artikel in der Welt, der scheinbar ein paar Recherchemängel aufweist. Schnell ist wieder das Kriegsbeil ausgegraben und Blogger fallen pauschal über Journalisten her, während diese nichts besseres zu tun haben, als ihre alte Arroganz auszuspielen. Das ist eigentlich schade, denn beide haben viel gemeinsam. Ein paar Überlegungen von mir als „echtem“ Journalist und begeistertem Blogger:


Schlechte Recherche ist eine Frage der Persönlichkeit und nicht der Medienform. Wie genau der einzelne Schreiber hinschaut, ist meist in seinem persönlichen Ethos begründet. Da auch die Redakteure nicht alles wissen, rutsch ein schlecht recherchierter Artikel oft durch die Endkontrolle, sofern es die in Zeiten der Sparsamkeit überhaupt noch gibt. Man merkt sich im Laufe der Zeit die Namen der Journalisten oder Blogger, denen man vertraut.

Beide Medienformen sind nicht unabhängig, man sollte wie immer die Struktur des einzelnen Mediums kennen. Kaum ein Medium wagte es noch, einem großen Anzeigenkunden einen Skandal reinzuwürgen. Noch schlimmer: offene Schleichwerbung ist im Bereich der Fach- und Publikumszeitschriften Gang und Gäbe. Auch bei Blogs gibt es viel mehr Schleichwerbung, als allgemein vermutet, so dass es schon einen Fachbegriff dafür gibt: Virales Marketing. Ein Blogger sollte bei Produktbeschreibungen immer eine kritische, satirische oder ironische Note mit hineinbringen, um diesem Verdacht zuvorzukommen. Selbst wenn der Wein noch so gut geschmeckt hat.

Beide Gruppen sind auf einander angewiesen. Alle Journalisten, die ich kenne, verwenden Blogs inzwischen als Quelle der Recherche. Umgekehrt verwenden sie immer öfters selbst dieses Medium, um sich jenseits der Interessen ihrer Verleger austoben zu können. Unbedarftere Kollegen fühlen sich vielleicht in ihrer Existenz bedroht, wenn plötzlich alle schreiben können. Das sehe ich aber als unbegründet, denn eine gewisse persönliche Qualität schafft immer einen Vorsprung egal in welchem Medium. Man sollte dann eher Wert auf eine gute Recherche legen.

Die Trennung zwischen professionellen und Bürgerschreibern wird immer weiter verwischen. Z.B. plant ein großer Verlag unter dem Namen Zoomer (nicht Zoomr) eine kommerzielle Newsseite, auf der sich Beiträge „echter“ und Laienjournalisten mischen.

Die Unterschiede werden instrumentalisiert. Wer sich selbst zu sehr vom „Blogger“ oder „Journalisten“ scheiden will, zeigt damit, dass er entweder zu viel Respekt vor dem anderen hat, etwa weil er in dem anderen einen Mangel seiner eigenen Fähigkeiten erkennt, oder weil er ein Interesse damit verfolgt (lest mich!) Beides finde ich falsch. Von einem Winzer erwarte ich nicht, dass er schreibt wie ein junger Gott, und von einem professionellen Schreiber nicht, dass er den latinischen Namen jeder Reblaus kennt. Aber der Winzer sollte lesbar sein und der Schreiber so gut recherchieren, dass er keine groben Patzer macht. Den Journalist könnte beim Winzer seines Vertrauens nachfragen, welche Mistreblaus das nun schon wieder ist, und dieser könnte sich bei der Gelegenheit gleich erkundigen, wie man ein Interview strafft und zuspitzt.

– In eigener Sache: Hausmannskost bleibt reichhaltig, trinkfest, stilsicher und insbesondere nach wie vor nichtkommerziell.