Brunello-Skandal: Sieben Weingüter haben gepanscht

Wein

Erst jetzt ist mir ein Beitrag bei The Pour von vor zehn Tagen aufgefallen. Die Ergebnisse der Brunello-Untersuchung zum Jahrgang 2003 wurden veröffentlicht. Die Behördne haben Antinori, Argiano, Banfi, Biondi Santi, Casanova di Neri, Col d’Orcia und Frescobaldi geprüft. Nur zwei von ihnen haben sauber gearbeitet: das altehrwürdige Biondi-Santi und das eher robuste Col d’Orcia. Alle anderen haben gepanscht. Gerade die Massen- und Markenproduzenten Antinori, Banfi, Casanova di Neri und Frescobaldi.

Zum Hintergrund: Brunello und auch Rosso di Montalcino dürfen ausschließlich aus Sangovese bestehen. Alle anderen Sorten sind verboten. Gerade moderner Weine (Stichwort Massenmarkt) erfordern einen weicheren Geschmack, deswegen wird gerne mit Merlot gestreckt. Dafür gäbe es zwar eine DOC, Sant’Antimo, aber die lässt sich natürlich nicht so geldbringend vermarkten wie Brunello. Der Jahrgang 2003 hat nun ein Stigma, 2004 hingegen ist großartig und gerade auf dem Markt.

Vino-Nobile-Skandal

Kost

Dass nun der Vino Nobile seinen Brunello-Skandal bekommen hat, wundert mich doch, denn die Aktien des Nobile stehen nicht so hoch im Kurs, dass sich ein Schummeln lohnt, und auch die Vorschriften sind längst nicht so streng wie die für Brunello. Nobile muss nur aus mindestens 70 Prozent Sangiovese bestehen.

Dennoch hat die Polizei einige Produzenten durchsucht, die eher auf Masse ausgerichtete Vecchia Cantina und pikanterweise Gattavecchi, deren Chef Luca Gattavecchi auch gleichzeitig Vorsitzender des Consorzio del Vino Nobile di Montepulciano war. War, denn er ist vor zwei Tagen zurückgetreten, da das Consorzio über die Einhaltung der Vorschriften bei den Produzenten wachen soll. Ein Berlusconi im Kleinen. Chef ist nun vorläufig Federico Carletti von Poliziano.

Mit dieser zügigen Entscheidung möchte das Consorzio wahrscheinlich dem Schicksal entgehen, dass das Consorzio del Vino Brunello ereilt hat. Es wurde ebenfalls vor zwei Tagen vom italienischen Landwirtschaftsminister Luca Zaia (Lega Nord) entmachtet.

Quellen: Wein Plus, Reuters Italia, AGI

Nachtrag: Auch The Pour hat einen Bericht über das entmachtete Brunello-Konsortium.

Brunello-Skandal: USA will Importe stoppen

Bloggen und Medien, Wein

Der Wein-Blog der NY-Times, The Pour, berichtet, dass die amerikanische Regierung darüber nachdenkt, die Einfuhr von Brunello zu stoppen. Das Alcohol and Tobacco Tax and Trade Bureau, das auch für den Import zuständig ist, hat von der italienischen Regierung Informationen über vom Skandal betroffene Brunello-Erzeuger verlangt, diese aber nicht im ausreichenden Maße erhalten. Die Folge könnte ein totales Einfuhrverbot sein, bis eigene Labortests ergeben haben, welche Weine illegal verschnitten wurden.

Bedenklicher an dem Bericht finde ich aber die Tatsache, dass das Brunello-Konsortium in diesen Tagen darüber diskutiert, die Regeln für Brunello aufzuweichen, so dass neben Sangiovese auch Merlot (fruchtiger) und Syrah (dunkler) zulässig wären. Das wäre schade, denn dann verliert der Brunello seinen eigenen Charakter und es wird ein Wein, der sich nicht mehr von den vielen Coca-Cola-Weinen dieser Welt unterscheiden wird, um einen sehr treffenden Begriff von Stuart Pigott zu verwenden.