Weinrallye 41: Eichen-Sandwich

Wein, Weinrallye

Das Thema der aktuellen Weinrallye bei Bernard Fiedler hat mir sofort zugesagt, denn ich bin ein großer Freund des diskutierten Weintyps (Sandwich-Weine) mit einem Lagerpotenzial von drei, fünf, vielleicht auch sieben Jahren. Denn derartige Weine sind oft nicht so teuer, gewinnen aber deutlich hinzu und lassen sich leichter lagern, da es bei diesen kurzen Zeiten nicht so sehr auf ideale Kellerbedingungen ankommt.

Einer meiner Favoriten ist der Dogajolo, den ich zugegebener Maßen bereits einmal bei einer Weinrallye vorgestellt hatte, den Etikettentrinkern. Damals (2008) war es ein 2003er, also fünf Jahre alt. Sehr gut hat mir auch der 2004er im Jahr 2010 geschmeckt. Heute habe ich einen 2006er im Glas, also grad eben fünf Jahre alt. Er scheint mir noch etwas herber zu sein, und noch nicht ganz so mild und rund wie die anderen beiden.

Im Aroma dominiert die Fasswürze, Rauch feines Holz, Bleistift, Zimt, getrocknete Beeren, Rose. Erst später öffnen sich die Kirsche, Cassis und Wachs. Der Auftakt ist bissig mit frischer Säure und noch deutlichen Tanninen am Gaumen. Im Geschmack ist er warm, leicht süß, hat einen mittelschweren Körper mit langem Abgang. Ich denke, in zwei Jahren werd ich ihn noch mal probieren, in der Hoffnung, dass er dann so rund und reif wie die oben beschriebenen geworden ist. Der Jahrgang sollte es hergeben.

Vom Charakter ist es ein Wein, der jung sehr zugänglich ist mit viel Frische und Biss, im Mittelstadium aber langweilig wird und erst im Alter wieder gewinnt.

Carpineto Dogajolo
Toscano IGT
Italien/Toskana

Rot; Sangiovese und Cabernet Sauvignon
13 % Alkohol; Ausbau im Fass

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Weinrallye 8: Eiche innen und außen

Wein, Weinrallye

Die Aufgabe der aktuellen 8. Weinrallye, ausgerichtet vom Weingut Lisson, lautet: Etikettentrinker. Den Wein fürs Auge sollen wir dieses Mal vorstellen. Nun ergaben sich für mich verschiedene Möglichkeiten.


Ich hätte den Wein mit dem schönsten Etikett, das ich kenne, kaufen können. Daran bin ich gescheitert, denn die Weine von Tomi Ungerer gibt es gar nicht mehr und die von Picasso, Baselitz oder Warhol nur für horrende Summen. (Die Seite The Artist Lables zeigt übrigens die komplette Mouton-Gallerie.)

Daher musste ich mich doch dafür entscheiden, den Wein hier vorzustellen, den ich einmal rein nach dem Etikett gekauft hatte, was selten bei mir vorkommt. Es ist der Dogajolo, ein Toscana IGT 2003. Er hat ein sehr außergewöhnliches Label, das Eichenlaub in Herbstfarben zeigt, und tatsächlich war es Herbst, als ich das erste Mal zu griff. Noch außergewöhnlicher ist, dass es in der Toscana nun zwar Eichen gibt, diese aber nicht unbedingt der Symbolträger Mittelitaliens sind. Soll der Geschmack des germanischen Markts getroffen werden? Oder hat der Wein ein hervorgehobenes Eichenunterholzaroma? Doch dieses hat sich bislang nicht entwickelt.

Erst die deutliche Barriquenote macht klar, wo der Hase lang läuft: Eichenholzfass, Vanille, Karamell, Zigarrenkiste, aber auch noch Leder, Beeren, Kirsche, etwas kompottig, alles recht modern. Der Geschmack hat noch Biss, rauchig-beerig, die Tannine sind samtig, fein im Alter mit seinen fünf Jahre, zwei wären vielleicht noch drin. Der Wein ist trocken, rund und lang. Ein granatroter, schmackhafter, moderner nicht untypischer Toskaner aus Cabernet Sauvignon und Sangiovese. Als begleitendes Essen könnte ich mir ein Kalbsgeschnetzeltes vorstellen.