Saufutter: Hefeextrakt ist ein Geschmacksverstärker

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Saufutter: Die Verbraucherzentrale Niedersachsen hat sich 151 Lebensmittel mit sogenannten Clean Lablen angesehen. Diese Hinweise auf Verpackungen besagen, dass das Produkt keine Konservierungsstoffe, Farbstoffe oder Geschmacksverstärker enthält, je nach Lable. In vielen Fällen fanden die Prüfer in den Nahrungsmitteln aber Ersatzstoffe, die zwar die gleiche Wirkung haben, aber nicht unter die entsprechende Verordnung fallen.

Das krasseste Beispiel finde ich immer wieder Hefeextrakt, der laut Gesetz nicht zu den Geschmacksverstärkern zählt, aber dennoch zu einem guten Teil aus Glutamaten besteht, wie alle anderen Geschmacksverstärker auch. Im Gegenteil, das Lebensmittellexikon schreibt: „Autolysierte Hefeextrakte dienen zudem als primäre Quelle für Mononatriumglutamat“. Daher zu behaupten, Hefeextrakt sei kein Geschmacksverstärker, ist eine böse Täuschung, selbst wenn sie in einem rechtlichen Rahmen stattfindet. Die Verbraucherzentrale ermittelte auf den Zutatenlisten von 68 von 74 Produkten, die als ohne Geschmacksverstärker gekennzeichnet waren, Hefeextrakt, darunter Maggi fix&frisch Tomaten-Zucchini Gratin, Frankenberg Gourmet Snack Knuspriges Kartoffelrösti, Poté Edelpilzcreme Suppe und Erasco Heiße Tasse Hühnersuppe.

Was mich weniger stört, sind Zitronensäure oder Essig als Ersatz für Konservierungsstoffe. Während Glutamate bei Verbrauchern verpönt sind, Hefe hin oder her, verstehen sie unter Konservierungsstoffen eher Benzoe- oder Sorbinsäure, bei denen es gesundheitliche Bedenken gibt. Gegen Zitronen oder Essig hat, außer vielleicht geschmacklich, niemand etwas einzuwenden. Ein PDF mit weiteren Beispielen findet sich auf der oben angegebenen Webseite.

Abgespeist: Trügerische Landliebe im Discount

Kost

Durch eine Pressemeldung wurde ich auf die Seiten der Lebensmittelaktivisten von Foodwatch aufmerksam. In deren aktueller Kampagne geht es gegen Landliebe Landmilch von Campina. Die Kämpfer für bessere Lebensmittel kritisieren, dass Campina für ein Qualitätsprodukt wirbt, den Mehrpreis aber nur in sehr geringem Umfang an die Bauern weiter leitet: „Den Mehrpreis von 50 Cent je Liter gegenüber Discounter-Milch begründe der Campina-Milchkonzern mit unüberprüfbaren Werbeversprechen wie ‚artgerechter Tierhaltung‘, ’strengen Kriterien der Babynahrung‘ und ‚ausgewählten Bauernhöfen‘. Weniger als ein Prozent davon kommt jedoch nach Foodwatch-Recherchen beim Bauern an. “

Gegenüber Spiegel-Online gestand eine Sprecherin von Campina ein, den Bauern nur 37 Cent pro Liter zu geben. Bei dem Aufpreis, den der Kunde bezahlt, wären laut Foodwatch aber 60 gerechtfertigt. Landliebe führt ferner kein Bio-Siegel oder ähnliches, so dass die Versprechen auch keiner staatlichen Kontrolle unterliegen. „Wer Landliebe-Trinkmilch kauft, bezahlt für ein ausgebufftes Marketingkonzept, nicht aber für bessere Milch“, ärgert sich Kampagnenleiterin Anne Markwardt. Wem es ebenso ergeht, kann sich an einer E-Mail-Protestaktion beteiligen.

Auf der Seite Abgespeist von Foodwatch finden sich weiterer Kampagnen. Zum Beispiel wirbt Maggi-Natur-Pur mit „Ohne Geschmacksverstärker“. Dem Produkt ist aber Hefeextrakt zugefügt, der durchaus glutamathaltig ist, aber nicht als Geschmacksverstärker deklariert werden muss.

Oder die sehr beliebte „Extra-Portion Milch“ von Kinderriegeln. Abgespeist hat ausgerechnet, dass ein Kind 13 Riegel für den täglichen Kalziumbedarf essen müsste „und hätte damit dann auch 48 Stück Würfelzucker und ein halbes Paket Butter verspeist.“ Gesund ist das wohl nicht.