Kubanisches Festessen nach Leonardo Padura

Kost

Nachdem der kubanische Buchhändler Mario Conde ein sehr lukratives Geschäft eingefädelt hat, geht er mit seinen Freunden Josefina und Carlos, dem Dünnen, zu einem weiteren Bekannten, Contreras, in dessen Restaurant. Endlich können sie sich satt essen:

„Der untrainierte Magen von Mario Conde war voll und ganz damit beschäftigt, die erdrückenden Mengen an Lebensmitteln, die sein rücksichtsloser Besitzer in ihn hineinschaufelte, zunächst aufzunehmen und dann zu verdauen. Während Josefina sich mit einem gegrillten Fischfilet, einem farbenfrohen Gemüseteller und einem Becher Mandeleis zum Nachtisch begnügte, stillten El Conde und der dünne Carlos ihren körperlichen und geistigen, ehemaligen und gegenwärtigen Hunger erst einmal mit Austern- und Krabbencocktail, um ihre Geschmacksnerven mit marinen Gaumenfreuden zu animieren, die sich vor langer Zeit in der Erinnerung verloren hatten, und sie darauf vorzubereiten, sich, ersten, auf den von Soßen begleiteten Weg von Fleisch mit Kartoffeln nach klassischer kubanischer Art zu verirren uns sich, zweitens, auf den ölgetränkten Kichererbseneintopf mit Kassler zu stürzen, der sie aus all ihren Poren schwitzen ließ. Dann, als sie sich warmgegessen hatten, wetteiferten sie darin, wer von ihnen mehr Reis mit Huhn verdrücken konnte, serviert in ungeheuren Mengen – an Reis und an Huhn, als freundliche Geste des Hauses –, und schließlich teilten sie sich eine Schinkenpizza, die der Dünne unbedingt haben wollte, um ein angeblich noch vorhandenes Loch zu stopfen, seinen Horror Vacui. Als Schlusspunkt wählten beide eine torreja, getoastetes Brot, in Ei und Milch gewälzt, mit Honig gesüßt und in mit Anis und Limonenschalen gewürztem Sirup gebadet. Und sie weigerten sich auch nicht, liebenswürdig, wie sie sich bei derartigen Gelegenheiten zu zeigen pflegten, den mit Zimt bestreuten Milchreis zu probieren, den der dicke Contreras selbst zubereitet hatte – nach einem Rezept seiner Urgroßmutter, einer dem guten Leben zugetanen Hure aus Andalusien, die mit achtundachtzig Jahren gestorben war, eine Zigarre im Mund und ein Glas Rum in der Hand. Die beiden Flaschen chilenischen Weins von Concha Toro waren geleert, noch bevor der Nachtisch kam, weswegen sie jeder einen doppelten Anejo bestellten, um den Rachen zu putzen und den Kaffee nicht trocken trinken zu müssen. Daraus wurde ein vierfacher Rum, als die Freunde die würzigen Zigarren anzündeten, ein Geschenk des ehemaligen Polizisten Contreras, der sich der Gastronomie verschrieben hatte. Zum krönenden Abschluss des Abends stellte er den Beweis seiner allumfassenden Menschenfreundlichkeit zwischen ihnen und Tinguaro auf den Tisch, und zusammen tranken sie ein Glas Fra Angelico, den er in weiser Voraussicht kalt gestellt hatte. Die Rechnung über siebenhundertachtzig Pesos überraschte Mario nicht, beschloss er den Tag, der am Ende einer der lohnendsten seines Lebens geworden war, glücklich und zufrieden mit einem Verlust von dreihundertachtzig Pesos und der beruhigenden Gewissheit, dass er sich eventuell ein Bein ausreißen konnte, aber niemals reich werden würde…“

Aus: Leonardo Padura, Der Nebel von gestern.

Rezept: Moros y Christianos

Kost, Wein

Schwarze und Christen. So einfach ist das kubanische Weltbild der Kolonialzeit, und als Sättigungsbeilage hat es sich bis heute erhalten. Schwarze Bohnen und weißer Reis. Wir haben es auf Kuba vor vielen Jahren ein paar Mal gegessen, und eigentlich war es wirklich nicht viel mehr, als eben gekochte Bohnen mit gekochtem Reis. Für ein karibisches Essen fand ich ein raffinierteres Rezept, das mir besser gefällt.

250g Reis
175g Schwarze Bohnen
250g geschälte und klein gehackte Tomaten
Eine grüne Paprika
Zwiebel, Knofi, Chili

Bohnen weich kochen, aber mit Biss. Zwiebel, Paprika und Knofi kurz andünsten, mit den Tomaten ablöschen und etwas reduzieren. Nun die Bohnen, den Reis und 450ml Wasser dazu, und den Reis auf kleiner Flamme quellen lassen. Abschmecken. Der Kenner wird auf dem Bild unten erkennen, dass es sich um schwarze Linsen und nicht Bohnen handelt. Das hat dem Genuss aber keinen Abbruch getan.

Das Hauptgericht bestand irgendwie aus Fisch und gekochtem Obst, nicht mein Fall, aber einen sehr schönen Wein haben wir dazu getrunken: Den 2008er Equinoxe von Arjolle. Das ist ein Wein des Südens, Viognier, Sauvignon Blanc, Muscat, im Barrique ausgebaut. Eine gute Mischung, der voluminöse Viognier mit den frischen Sauvignon und dem würzigen Muscat. Die Tropenfrüchte haben mir hier besser geschmeckt, als im Essen. Sehr deutlich ist die Würze, der Holzton allerdings recht vordringlich, noch ein, zwei Jahre im Keller schaden ihm nicht.