Weinrallye 13: Die Nachmacher

Wein, Weinrallye

Vermisst gemeldet und sofort aufgetaucht, ist sie, die 13. Weinrallye. Das Thema klingt fast ein bisschen wie „Sangiovese, nicht aus der Toskana“, wer sich noch dran erinnert. Es lautet: Bordeaux nicht aus dem Bordeaux. Gesucht sind Weine, die aus drei (!) der fünf Bordeaux-Sorten bestehen, also Cabernet Sauvignon, Cabernet franc, Merlot, Petit Verdot sowie Malbac, und im Bordeaux-Stil ausgebaut wurden, im Barrique. Und die Weine dürfen natürlich nicht aus dem Bordeaux im weiteren Sinne stammen. Der Initiator Mario Scheuermann schlägt Argentinien, Chile, Ungarn, Italien, Österreich oder Südfrankreich vor.

Das ist kein leichtes, ich glaube nicht, dass ich so einen Wein im Keller habe, aber ein sehr spannendes Thema. Bin gespannt auf meinen Wein und die Ergebnisse von Euch allen.

Wer sich noch etwas einlesen möchte, bei Ernesto Pauli hab ich einen netten Artikel zum Thema gefunden.

Hier wie immer die Übersicht über die bisherigen Weinrallyes:
#01 Inselweine (Winzerblog)
#02 Must-Taste-Weine unter 10 Euro (Weinverkostungen)
#03 Bio-Riesling (Viva vino)
#04 Vulkanweine (Drink Tank)
#05 Sangiovese nicht aus der Toskana (Hausmannskost)
#06 Schaumwein (Schreiberswein)
#07 Alles außer Glas (Kaulwein)
#08 Etikettentrinker (Weingut Lisson)
#09 Alltagswein (Weingut Steffens-Keß)
#10 Chenin Blanc (Originalverkorkt)
#11 Alles Rosé (Nikos Weinwelten)
#12 In Gottes Namen (Winzerblog)

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Lisini: Merlotfreier Rosso di Montalcino

Wein

Vielen Toskana-Liebhabern wird auf Grund des Brunello-Skandals das Vertrauen in die reine Sangiovese-Lust vergangen sein. Merlot-Traube und Barrique-Fass machen einen weichen, fruchtigen Wein, wie er dem modernen, so genannten internationalen Stil entspricht — um es positiv auszudrücken. Oft schmeckt das nicht schlecht, aber wer etwas Ursprünglicheres sucht, sollte zu traditionell erzeugten Weinen greifen. Das bedeutet im Montalcino-Gebiet, Ausbau im großen Holzfass (3000 bis 5000 Liter) und nicht im kleinen Barrique (225 Liter). Hinein darf natürlich, wie es das Gesetz vorschreibt, nur Sangiovese Grosso. Die Weine sind im Ergebnis strenger und bei Brunello DOCG oft erst nach Jahren zugänglich. Einen Rosso DOC (von Caparzo) hatte ich für die Sangiovese-Weinrallye letztes Jahr vorgestellt, einen weiteren möchte ich hier nun beschreiben: Den Rosso di Montalcino 2005 von Lisini.

Die Farbe ist Rubinrot mit blauen Rändern. Kräftiges Aroma, streng, komplex, Holz, Bleistift, Wild, Tabak, Pfeffer, Veilchen, Wacholder, Nelke. Im Lauf des Abends kommen Waldbeeren hervor, Himbeere, Holunder, Trockenpflaume. Der Auftakt ist ebenfalls herb, kräftige, junge Tannine, frische Säure, trocken, schwer und lang. Sehr gerader, edler Wein, der nach Toskana schmeckt. Hat noch viel Zukunft.

Merlot statt Brunello

Wein

Brunello ist der Name einer Traubensorte, auch Sangiovese genannt. Der Brunello aus dem touristisch etwas überlaufenen toskanischen Dörfchen Montalcino hat eine gewisse Berühmtheit erlangt und kostet inzwischen eine gute Stange Geld. Ein Fünftel der Produktion geht in die USA, doch die Konsumenten dort mögen es eigentlich nicht ganz so streng, wie Brunello nun einmal ist. Statt ihnen Sant’Antimo zu verkaufen, der günstiger und charmanter ist, haben eine Reihe kluger Winzer einfach etwas weicheren Merlot in ihren Brunello gekippt. Merlot ist aber kein Brunello und beides zusammen IGT und nicht DOCG. Sant’Antimo eben. Klingende und klingelnde Namen wie Banfi, Antinori und Frescobaldi sind darunter. Nun ermittelt die italienische Polizei.

Nicht nur das. Norditalienische Produzenten haben ein Gebräu erzeugt, das nur noch zu einem geringen Teil aus Wein besteht. Andere Komponenten sind Düngemittel und sogar Salzsäure. Von 70 Millionen Litern ist die Rede, die zugehörigen Weine sind im Billigsegment angesiedelt. Was soll man jetzt trinken? Billig geht nicht, teuer auch nicht? Vielleicht gleich kalifornischen Wein?

Via Stern

Rinderrouladen mit Pflaumenfüllung und Merlot

Kost, Wein

Die drei Komponenten Rindfleisch, Pflaumen und Merlot ergänzen sich wunderbar, sowohl in als auch neben der Sauce.

4 große Rouladen
Süßer Senf
8 Scheiben Speck
Mehl

Füllung:
2 kleine Zwiebeln
150 g getrocknete Pflaumen
3 Knoblauchzehen
Merlot

Sauce:
Wurzelgemüse
Knochen
Merlot, Fonds
Creme Fraiche
Pfeffer, Petersilie, Muskatnuss

Zuerst die Füllung zubereiten: Zwiebeln andünsten, Pflaumen hinzu, zum Schluss Knofi, mit einem Schuss Wein ablöschen und einkochen lassen. Rouladen, mit Salz, Pfeffer und Senf einreiben, Speckscheiben auflegen, füllen, rollen und zubinden. Mit Mehl bestäuben und portionsweise mit Wurzelgemüse und Knochen anbraten, Rouladen in ein Auflaufform. Bratensatz mit Wein und Fonds ablöschen, würzen und über die Roulladen gießen. Rouladen benötigen viel Flüssigkeit. Im Ofen zwei Stunden schmoren (220 Grad, später weniger). Rouladen, aus dem Bratenfond nehmen und abgedeckt in den abgeschalteten, aber warmen Ofen zurück. Sauce einkochen und würzen.

Mein Merlot am Wochenende war ein italienischer von San Leonardo aus dem Trentino (Vigneti di Dolomiti DOC) 2004. Die Farbe war granatrot und relativ hell. Im Geruch tritt die slowenische Eiche sofort deutlich hervor. Dann auch pfeffrig der Alkohol, ferner Tabak, dichte Frucht, Kirsche, Himbeere, Rose, Sanddorn, Muskatnuss. Der Geschmack zeigt eine frische Säure, wieder feurig-pfeffrig der Alkohol, Frucht. Der Körper ist rund, extraktreich und lang. Die Tannine haben eine deutliche Reife und nur noch wenig Biss. Anfänglich hatte der Merlot ein schönes Gleichgewicht zwischen strenger Säure und reife Noten, später wirkt er etwas müde. Und insgesamt etwas zu alkoholisch. Zu den Rouladen passte er ausgezeichnet, mein Favorit wird es aber nicht.