Weinrallye 40: Autochthon in Sizilien

Wein, Weinrallye

Sizilien ist voller autochthoner Rebsorten. Über viele Jahre hinweg fanden sie nur im Marsala Verwendung, bis die Winzer der Insel in den 90er Jahren ihre eigene Tradition entdeckten und begannen Qualitätsweine zu produzieren. Wobei diese immer noch einen relativ kleinen Anteil an der Gesamtproduktion ausmachen, die immerhin die größte Italiens ist. Das meiste wird als Verschnittwein exportiert oder dient der Produktion von Industriealkohol.

Dabei ist der Weinbau alt in Sizilien, die Griechen haben damit begonnen und so erst den Wein nach Italien gebracht. Die weiße Sorte Grecanico deutet noch auf diesen Ursprung hin, obwohl sie genetisch identisch ist mit Garganega, der Soave-Traube. Weitere weiße autochthone Soren sind Insolina, Grillo oder Carricante. Bei den Roten: Nero d’Avola oder Nerello Mascales. Wir haben nicht alle geschafft aus dieser Reihe:

denn ein paar Gäste haben abgesagt. Aber die wichtigsten möchte ich vorstellen:

Viticultori Canicatti: Inzolia Sicilia IGT, La Ferla 2009:

Dezente Aromen, Apfel, Drops, milder Auftakt, frische Säure, leichte Süße, warm und voll. Einfacher, fruchtiger Wein. Sauber, mild

Avogadri: Grillo Sicilia IGT 2009:

Dunkles Gelb, intensive würzige Aromen, milde Früchte, Tropenfrüchte, Mango, Limette, Mandarine, Holz, Ginster, Eigelb, sehr milder Auftakt, würzig strukturiert am Gaumen, kräftiges Volumen, lang. Eine Überraschung.

Planeta: Grecanico Sicilia IGT, Alastro 2009

Sehr dezentes Aroma, feine Holznoten, dezente Frucht. Milder Auftakt, wenig aromatisch, etwas langweilig und enttäuschend.

Gulfi: Carricante Sicilia IGT, Carjcanti 2006:

(Sprich Car-i-canti) Wuchtiges, komplexes Aroma, Honig, Wachs, Mandeln, Jasmin, weiße Johannisbeere, Wacholder, salzig, Jod, Thymian, Akazien, wuchtiger Auftakt, Explosion von Aromen am Gaumen, Trockenblumen, Honigmelone, dicht, fett. Verschwenderischer Wein, hochgradig mineralisch, Macchia-Gewürze des Südens, nie endend wollender Abgang. Ein echter Hammer.

Planeta: Cerasuolo di Vittoria DOCG 2008:

Intensive Aromen, volle Beeren, Himbeere, Erdbeere, leicht rauchig, frischer Auftakt, feine nervige Säure, voluminös und lang. Intensiver fruchtig-beeriger Wein, harmonisch und sehr klar. Erinnert an Beaujolais. Bei der ersten Weinrallye (Inselweine) hatte ich den 2005er im Text.

Rapitalà: Nero d’Avola Sicilia IGT 2009:

Intensives Aroma, Beeren, Holz, Himbeeren, Erdbeere, Hibiskus, mineralisch, rauchig, leicht bissige Aromen, frische Säure, leichtes Prickeln, bitter, warm, leicht süß, voluminös, noch etwas verschlossen.

Gulfi: Nero d’Avola Sicilia IGT, Nerojbleo 2007:

(Sprich: Nero-i-bleo) Wuchtige Aromen, leicht bissig, salzig, Jod, mineralisch, intensive Himbeere, Erdbeere, Brombeere, eleganter Holzton, Tropenholz, Marzipan, bissiger Auftakt, kräftige Tannine, leicht bitter, darunter intensiver Beeren, voll und sehr lang. Harmonisch und dicht. Definitiv ein großer Roter.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ich von den Weißen sehr überrascht bin, gerade vom Grillo und Carricante. Der Nero d’Avola zeigt sich in seiner gewohnten Beerigkeit, mal blitzsauber wie beim Cerasuolo mal voll und groß wie beim Nerojbleo. Der Erzeuger Gulfi war für mich eine sehr positive Neuentdeckung.

Pizza Pugliese (Kochblog-Event 39)

Kochblog-Event, Kost

Doch! Natürlich hab ich gelesen, dass dieser Herr vor kurzem ebenfalls Pizza Pugliese vorgestellt hat. Ich hab auch einen ganz schönen Schreck bekommen, weil ich im ersten Moment dachte, ich müsste mir ein neues Rezept für das Tarte-Blog-Event suchen. Aber dann sah ich, dass lamiacucina sowohl den Teig als auch den Belag ganz anders macht als ich, und entschloss mich, mein Rezept des apulischen Zwiebelkuchens dennoch vorzustellen. Ich verwende keine Tomaten und keinen Mozzarella, sondern nur Zwiebeln und Pecorino. Die Teigmenge reicht für drei bis vier Bleche, je nachdem wie dünn man die Pizza mag, der Belag ist hingegen nur für zwei Bleche gerechnet, denn ich mache für ein Pizzaessen immer verschiedene Sorten.

Teig (3-4 Bleche)
750 g Mehl 405 (davon eventuell 100 g Gries)
20 g Hefe
Salz
30 g Olivenöl
375 g Eiswasser (eventuell etwas mehr)

Belag (2 Bleche)
500 g weiße Zwiebeln
200 g Pecorino
Olivenöl
Salz, Pfeffer, Oregano

Zubereitung
Für den Teig löst man die Hefe in etwas Eiswasser aus, vermischt das ganze mit dem Mehl, fügt noch soviel Wasser hinzu, dass ein weicher Teig entsteht. Dann kommen die restlichen Zutaten hinzu, und man knetet einen schönen, glatten Hefeteig daraus, ohne Vorteig. Dann teilt man den Teig in drei oder vier Kugeln, legt sie auf eine Platte, bedeckt sie mit Klarsichtfolie und lässt sie eine Stunde im Kühlschrank gehen. Eiswasser, die relativ geringe Menge Hefe und die kurze Gehzeit sorgen dafür, dass der Teig nicht zu stark geht, denn die italienische soll im Gegensatz zur amerikanischen Pizza nicht zu brotig werden. Bei Witzigmann hab ich mal gelesen, dass er auf die Zugabe von Honig schwört, schaden tut dieser auf alle Fälle nicht.

Während der Gehzeit schneidet man die Zwiebeln in dünne Halbringe, reibt den Käse und heizt den Ofen so heiß es geht. Nach der Gehzeit wellt man einen Teigknödel auf einem Blech aus, bildet einen Rand und verteilt eine dünne Ölschicht darauf. Dann Zwiebeln, Käse und Gewürze zufügen. Auf der untersten Schiene acht bis zwölf Minuten backen, bis der Belag eine schöne Farbe hat.

Mit dem hinzugezogenen Wein war ich nicht so zufrieden, ein Nero d’Avola Sicilia IGT 2007 von Avogadri, der fast schon ein Süßwein ist, Aromen nach eingekochten Preiselbeeren und Rauch, pappig süß im Geschmack, es fehlen die feinen Beerennoten des Nero d’Avola und eine strukturierende Säure. Ich habe den Eindruck, dass Jacques Weindepot bei seinen Angebotsweinen immer mehr in die Marmeladenweinmasche abdriftet.