PR-Agenturen überwachen Journalisten

Bloggen und Medien

Heute bekomme ich eine Pressemeldung der Firma Jobbörsenfinder über die Berliner Presseagentur Piabo. Die Mail im HTML-Format enthält mehrere Links zu Jobbörsenfinder. Klickt der Leser auf einen, führt der Link jedoch verdeckt zu Vocus PR („http://eu.vocuspr.com/Url.aspx?524874x1019246x-551756“). Aus der Mail ist dies nicht ersichtlich, sondern nur im HTML-Quellcode versteckt, was der Technik entspricht, die Phisher einsetzen, um ihre Opfer zu täuschen. Nach einer kurzen Verzögerung leitet die Seite den Journalisten dann zu Jobbörsenfinder. Durch diese wahrscheinlich unbeabsichtigte Serververzögerung ist mir der Schwindel aufgefallen.

Was bei Vocus geschieht, kann jeder auf der Webseite der Firma nachlesen: „Vocus provides advanced and easy-to-use software for public relations management.“ Die Vorteile des Kunden sind: „Track interactions: who opened your news, who covered you, and who you influenced“. Zu Deutsch: Vocus verfolgt, wer hat News geöffnet, wer berichtet über den Kunden und wen hat der Auftraggeber mit seiner Pressemitteilung beeinflusst. Praktisch für eine PR-Agentur, denn die muss gegenüber ihrem Kunden nachweisen, wie groß die Aufmerksamkeit in der Presse ist. Für Journalisten ist das aber völlig inakzeptabel. Für mich zumindest.

Erst einmal ist es eine Täuschung, denn mir wird ein Link vorgegaukelt, der zu einer Seite führt, die ich nicht anklicken will. Ferner beobachtet jemand meine Arbeit, während ich hier am Schreibtisch sitze, und zwar jemand, der Geld dafür bekommt, meine Arbeit in ein gewisse Richtung zu lenken. Das ist aufdringlich. Ich bitte um etwas mehr höfliche Distanz! Vocus-Mails landen bei mir künftig in /dev/null. Ungelesen.

Das habe ich Piabo auch geschrieben, dem BJV und meinen Kollegen. Zur Dokumentation als PDF: Die Startseite von Vocus, die Originalmail von Piabo und der HTML-Code der Mail.

Nachtrag 14.10.10: Seit mir Vocus aufgefallen ist, habe ich die bei mir eingehenden PR-Mails genauer untersucht und festgestellt, dass die meisten entweder kein Tracking verwenden oder gleich im Textformat vorliegen. Neben Vocus gibt es jedoch noch Medianetworkmanager (Lewis/Octane) und Constant Contact (Mashup Communications).