Platonwein

Wein

Gerade bestelle ich ein paar Bücher bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft und stoße auf einen „Symposion Platon Wein“ (Corbière 2005). „Die Sonne und der Wind des Mittelmeers haben Platos Denken und der fruchtbetonten Balance der Rebsorten (Carignan, Grenache Noir, Syrah) dieses tiefrot leuchtenden Weins ihre komplexe Reife gegeben“, lese ich in der akademischen Beschreibung. Für gute sechs Euro hätte ich fast zugeschlagen, wenn ich nicht mindesten sechs Flaschen hätte bestellen müsste. Außerdem glaube ich, Platon ließ sich von griechischem oder sizilianischem Wein beflügeln.

An die Lektüre des Symposions erinnere ich mich gerne, geht es doch um viele handfeste Dinge. Eine Reihe älterer Herren treffen sich eines Abends, unter ihnen der Philosoph Sokrates, der Politiker Alkibiades und der Komödienautor Aristophanes. Alle stellen fest, dass sie einen kräftigen Kater vom Vorabend haben und beschließen deshalb, jeder Gast darf seinen Wein mit so viel Wasser mischen, wie er will. Normalerweise wurde das Verhältnis nämliche vom Gastgeber festgelegt. Und die geschwächten Herren suchen sich ein leichtes Thema zur Diskussion: Sex.

Sokrates entwickelt dort zu später Stunde den Begriff der „platonischen Liebe“: Man muss erst einen Knaben lieben, dann ist man reif dafür, alle Knaben zu lieben, was einen wiederum vorbereitet, die Weisheit zu lieben. Das klingt anders, als manche verknöcherten Altphilologen es uns weismachen wollen.

Gegen Morgen löst sich die Trinkgesellschaft auf, ein Schüler des Sokrates berichtet, man habe den Weisen immer viel Trinken, aber noch nie betrunken gesehen. Der Meister selbst kehrt nach Hause zurück und nimmt, statt zu schlafen, ein Bad und ist anschließend fit für den restlichen Tag. Er geht nur etwas früher zu Bett als üblich.

Schön, oder? Ich möchte aber nicht den Eindruck erwecken, Platon sei ein Genussmensch gewesen. Das war er sicher nicht.

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