Bösartige Pressemeldungen entschärft

Bloggen und Medien

Vor etwas über einem Jahr hatte ich angeprangert, dass immer mehr Presseagenturen Tools verwenden, um das Klick-Verhalten von Journalisten aufzuzeichnen. Das hat damals für ziemlichen Aufruhr gesorgt, zumindest meine Person betreffend. Mir ist nun in letzter Zeit aufgefallen, dass einige Agenturen diese Tools zwar noch verwenden, aber auf die Codierung der Links und damit auf das Tracking verzichten. Lewis-PR beispielsweise. Das finde ich sehr lobenswert und dient sicherlich dazu, das Vertrauensverhältnis zwischen PR und Journalisten zu stärken.

Wenn ich hingegen merke, dass jemand ohne mein Wissen mitverfolgt, welche Links ich in meinen E-Mails klicke, finde ich das sehr verstörend. Ich hatte infolge des Artikels einige Agenturen gebeten, mir nur noch Text-Mails zu schicken. Das ist auch geschehen. Eine im Artikel erwähnte Agentur hat mich vom Verteiler geschmissen, einen Verteiler habe ich gekündigt, nachdem ich partout keine Text-Mails bekommen habe. Andere verzichten eben jetzt auf das Tracking. Ich hoffe nicht nur bei mir.

Nachtrag: M3 PR wäre ein weiteres positives Beispiel.

PR-Agenturen überwachen Journalisten

Bloggen und Medien

Heute bekomme ich eine Pressemeldung der Firma Jobbörsenfinder über die Berliner Presseagentur Piabo. Die Mail im HTML-Format enthält mehrere Links zu Jobbörsenfinder. Klickt der Leser auf einen, führt der Link jedoch verdeckt zu Vocus PR („http://eu.vocuspr.com/Url.aspx?524874x1019246x-551756“). Aus der Mail ist dies nicht ersichtlich, sondern nur im HTML-Quellcode versteckt, was der Technik entspricht, die Phisher einsetzen, um ihre Opfer zu täuschen. Nach einer kurzen Verzögerung leitet die Seite den Journalisten dann zu Jobbörsenfinder. Durch diese wahrscheinlich unbeabsichtigte Serververzögerung ist mir der Schwindel aufgefallen.

Was bei Vocus geschieht, kann jeder auf der Webseite der Firma nachlesen: „Vocus provides advanced and easy-to-use software for public relations management.“ Die Vorteile des Kunden sind: „Track interactions: who opened your news, who covered you, and who you influenced“. Zu Deutsch: Vocus verfolgt, wer hat News geöffnet, wer berichtet über den Kunden und wen hat der Auftraggeber mit seiner Pressemitteilung beeinflusst. Praktisch für eine PR-Agentur, denn die muss gegenüber ihrem Kunden nachweisen, wie groß die Aufmerksamkeit in der Presse ist. Für Journalisten ist das aber völlig inakzeptabel. Für mich zumindest.

Erst einmal ist es eine Täuschung, denn mir wird ein Link vorgegaukelt, der zu einer Seite führt, die ich nicht anklicken will. Ferner beobachtet jemand meine Arbeit, während ich hier am Schreibtisch sitze, und zwar jemand, der Geld dafür bekommt, meine Arbeit in ein gewisse Richtung zu lenken. Das ist aufdringlich. Ich bitte um etwas mehr höfliche Distanz! Vocus-Mails landen bei mir künftig in /dev/null. Ungelesen.

Das habe ich Piabo auch geschrieben, dem BJV und meinen Kollegen. Zur Dokumentation als PDF: Die Startseite von Vocus, die Originalmail von Piabo und der HTML-Code der Mail.

Nachtrag 14.10.10: Seit mir Vocus aufgefallen ist, habe ich die bei mir eingehenden PR-Mails genauer untersucht und festgestellt, dass die meisten entweder kein Tracking verwenden oder gleich im Textformat vorliegen. Neben Vocus gibt es jedoch noch Medianetworkmanager (Lewis/Octane) und Constant Contact (Mashup Communications).

Südafrika-Rauschen im Bloggerwald

Bloggen und Medien, Wein

Thomas ist im Winzerblog aufgefallen, dass in letzter Zeit viel über südafrikanischen Wein geschrieben wurde, und er fragt sich: „Ich bin ja nur Kellermeister, trotzdem frage ich mich ob das wirklich Zufall ist?“. In der anschließenden Diskussion schienen sich die Beteiligten, darunter auch Südafrika-Fan Mario Scheuermann, erst einmal einig, dass es sich nicht um eine gezielte Werbekampagne handelt: „Was ist daran erstaunlich, wenn in Südafrika eine der wichtigsten Weinmessen der südlichen Hemisphäre stattfindet, und Kollegen berichten darüber?“, fragt Scheuermann.

Doch dann wendet sich plötzlich die Diskussion, als sich Petra Mayer von der deutschen Presseagentur Südafrikas zu Wort meldet und auf die Frage von Thomas: „Es scheint manchmal so, als ob Trends gesetzt werden, aber keiner weiß von wem?“, antwortet: „Also Zufall ist das sicher nicht, verehrter Winzerblogger. Wenn Sie wirklich das Geheimnis lüften wollen, dann wäre ich vielleicht die Person die Ihnen verraten kann, wie es geht.“ Selbstbewusst fährt sie fort: „Es werden in den kommenden Monaten einige Artikel über südafrikanische Weine erscheinen“.

Das Fazit von Thomas lautet, „Im Grunde genommen beantworten Sie ja alle Fragen von selbst“. Leider sagt Frau Mayer nicht, wieso sie sich so sicher ist, auch auf meine Nachfrage nicht. Der Ton ihres Statements lässt keinen Zweifel daran, dass sie vom Erfolg ihrer PR-Kampagne überzeugt ist. Dennoch muss sie zugeben: „Leider ist es mir nur noch nicht gelungen, ein deutsches Weinland von unseren Ideen und Ansätzen zu überzeugen.“

Ich persönlich, als Journalist, meine, dass PR-Leute ihren Einfluss oft überschätzen. Gelingt eine Kampagne, klopfen sie sich auf die Schultern, misslingt sie jedoch, gibt es tausend Gründe, warum. Die Kampagne mag noch so gut sein, wie sie will, wenn der Inhalt nicht stimmt, also das wofür hier geworben wird, so herrscht Windstille im sonst zügigen Blätterwald. Das sei allgemein gesagt. Ich beziehe es nicht auf südafrikanischen Wein, gegen den ich nichts einzuwenden haben. Aber wenn wir künftig etwas über südafrikanischen Wein lesen, wissen wir wenigstens, warum.