Überraschung mit Regent

Wein

 

Regent ist eine meiner roten deutschen Lieblingsrebsorten, denn sie besitzt viel Tannin, und mir ist ein eher kräftiger und rustikaler Landweintyp lieber, als ein süßlicher Schmeichler. Dieses Exemplar vom Bopparder Hamm bot mir eine besondere Überraschung: Ich hatte ihn am Freitag geöffnet, und wir haben die halbe Flasche getrunken. Wie zu erwarten war, ein frischer, leicht rustikaler, junger und kräftiger Roter. Die restliche Flasche hatte ich nur locker verkorkt und mir dann am Sonntag noch einmal vorgenommen. Das Ergebnis war erstaunlich, der Wein hatte sich für meine Begriffe gleich um eine Klasse verbessert. Es kamen sehr schöne Alterstöne zum Vorschein, wie getrocknete Tomaten und Karamell. Aber auch die Primäraromen waren noch sehr klar zu riechen, insbesondere Kirsche, Brombeere und schwarze Johannisbeere. Das hat eine runde, tolle Mischung ergeben.

Der Bopparder Hamm ist ein nach Süden ausgerichteter konkaver Hang am Mittelrhein, südlich von Koblenz, der insgesamt hervorragende Weine hervorbringt.

 

Volk Regent Bopparder Hamm 2016
Deutschland/Mittelrhein

Rot; Regent
13,5 % Alkohol

20. Weinrallye: Die Weine zu den Fischen

Kost, Wein, Weinrallye

Beitrag zur 20. Weinrallye.

In den letzen Wochen gab es hier ja eine ganze Reihe von Fischrezepten und anlässlich der heutigen Weinrallye möchte ich die passenden oder unpassenden Weine dazu vorstellen.

Zu den Bandnudeln mit Lachs-Spinat-Sauce gab es einen 2003er Barbera d’Asti von Icardi. Hier haben wir eindeutig mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Sowohl die Sauce als auch der Wein waren wunderbar, aber zusammengepasst haben sie nicht. Ich würde Barbera nicht prinzipiell zu Fisch ausschließen, aber der Icardi ist zu wuchtig, zwar (inzwischen) arm an Gerbstoffen und immer noch mit einer vollen Säure ausgestattet, aber die wuchtigen Aromen nach Trockenfrüchten, Kirsch, Tomaten und  Karamell haben nicht gepasst. Der Wein ist sehr reif, aber noch nicht am Ende. Hat mir gut gefallen, außer zum Fisch.

icardi

Zur Forelle Müllerin haben wir eine bessere Wahl getroffen, einen Beaujolais-Villages 2007 von Drouhin (wie spricht man nur diese Burgunder Eigennamen aus???). Frische beerig-würzige Aromen, ein leichter, aromatischer Wein, Kirsche, rote Johannisbeeren, frische Wacholderbeeren, Schokolade, die leichten Tannine konnten dem Fischfett und der Mayonnaise Paroli bieten, ohne zu stark zu dominieren. Mein Favorit zum Fisch.

beaujolais3

Zur Pizza mit Meeresfrüchten schließlich hatten wir zwei Kandidaten, einen Bardolino Classico 2007 von Zeni, der ebenfalls sehr gut mit dem Fisch harmonierte. Durch die Tomatensauce ist Rotwein natürlich von vorne herein ein dankbarer Partner zur Pizza. Dennoch gefiel mir der Bardolino auch insgesamt als Fischbegleiter ähnlich wie der Beaujolaise. Ebenso fruchtig-beerig im Charakter, Himbeere, Kirsche, Marzipan, mit einem leicht bitteren Tabakton. Auch hier haben die feinen Gerbstoffe nicht gestört.

Schließlich hatten wir noch einen No-Name-Spätburgunder (Warren Vertrieb) 2007 vom Discounter. Vom Charakter eher einfach, aber dennoch so voll und auch leicht süßlich, dass er eher wieder zu dominant für Fisch wirkte, nicht so krass wie der Icardi, aber eben auch nicht so harmonisch wie die anderen beiden. Leider habe ich vom dritten Abend keine Bilder.

Jetzt bin ich schon sehr gespannt auf Eure Beiträge.

20. Weinrallye: Wein zum Fisch, aber nicht weiß und trocken

Wein, Weinrallye

Herzlich willkommen zur 20. Ausgabe der Weinrallye. Bevor ich jetzt aber auf die eigentliche Aufgabe zu sprechen komme, möchte ich kurz ein anderes Thema diskutieren. Ich würde nämlich gerne einmal eine Weinrallye zu einem Flying Winemaker sehen, nicht unbedingt bei mir, ein anderer Blog mag diese Idee auch gerne aufgreifen. Die Leute, denen ich das Thema bislang vorgeschlagen habe, waren geteilter Meinung, spannend, aber eventuell zu aufwendig und vielleicht auch zu teuer. Am besten eignet sich wohl Michel Rolland, der sehr viele Gütern auf der ganzen Welt berät, und jede Weinhandlung hat wohl einen solchen Wein im Angebot. Und im Internet gibt es Listen mit seinen Weinen. Ich hätte Spaß daran, was meint Ihr?

Nun aber zur aktuellen 20. Weinrallye. Ich liebe Ja-Aber-Themen, wie Bordeaux outside Bordeaux, Alles außer Glas oder, meine erste Rallye noch im alten Blog, Sangiovese nicht aus der Toskana. So soll es auch dieses Mal sein: Wein zum Fisch, aber kein trockener Weißer. Erlaubt ist also Rot, Rosé, oder süßer Weißer. Termin ist der 12. Februar, die Links bitte hier als Kommentar oder Trackback veröffentlichen, bzw. mir eine Mail an weinrallye5@web.de schicken. Die Regeln der Rallye gibt es hier. Viel Spaß!

Nachtrag: Offensichtlich hab ich mich etwas zu knapp ausgedrückt. Es geht mir um Folgendes: Zu Fisch wird üblicherweise trockener Weißwein serviert, Sauvignon Blanc, Chardonnay, Grauburgunder oder was auch immer. Genau das soll es nicht sein, aber alles andere: Rotwein (tocken oder süß), Rosé oder eben süßer Weißwein (vielleicht zu einem Krabbencocktail).

Nachtrag (Vorsicht Termin): Für alle Erstlinge bei der Weinrallye, im Gegensatz zu anderen Blog-Events wie zum Beispiel dem Kochblog-Event, findet die Weinrallye an einem Stichtag statt (12. Februar).  Bitte keine Beiträge vorher posten!

Platonwein

Wein

Gerade bestelle ich ein paar Bücher bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft und stoße auf einen „Symposion Platon Wein“ (Corbière 2005). „Die Sonne und der Wind des Mittelmeers haben Platos Denken und der fruchtbetonten Balance der Rebsorten (Carignan, Grenache Noir, Syrah) dieses tiefrot leuchtenden Weins ihre komplexe Reife gegeben“, lese ich in der akademischen Beschreibung. Für gute sechs Euro hätte ich fast zugeschlagen, wenn ich nicht mindesten sechs Flaschen hätte bestellen müsste. Außerdem glaube ich, Platon ließ sich von griechischem oder sizilianischem Wein beflügeln.

An die Lektüre des Symposions erinnere ich mich gerne, geht es doch um viele handfeste Dinge. Eine Reihe älterer Herren treffen sich eines Abends, unter ihnen der Philosoph Sokrates, der Politiker Alkibiades und der Komödienautor Aristophanes. Alle stellen fest, dass sie einen kräftigen Kater vom Vorabend haben und beschließen deshalb, jeder Gast darf seinen Wein mit so viel Wasser mischen, wie er will. Normalerweise wurde das Verhältnis nämliche vom Gastgeber festgelegt. Und die geschwächten Herren suchen sich ein leichtes Thema zur Diskussion: Sex.

Sokrates entwickelt dort zu später Stunde den Begriff der „platonischen Liebe“: Man muss erst einen Knaben lieben, dann ist man reif dafür, alle Knaben zu lieben, was einen wiederum vorbereitet, die Weisheit zu lieben. Das klingt anders, als manche verknöcherten Altphilologen es uns weismachen wollen.

Gegen Morgen löst sich die Trinkgesellschaft auf, ein Schüler des Sokrates berichtet, man habe den Weisen immer viel Trinken, aber noch nie betrunken gesehen. Der Meister selbst kehrt nach Hause zurück und nimmt, statt zu schlafen, ein Bad und ist anschließend fit für den restlichen Tag. Er geht nur etwas früher zu Bett als üblich.

Schön, oder? Ich möchte aber nicht den Eindruck erwecken, Platon sei ein Genussmensch gewesen. Das war er sicher nicht.