Pissaladière und Bergerac Blanc

Backen, Kost, Wein, Weinrallye

Weißweine aus dem Midi, dem französischen Süden, heißt das Thema der 37. Weinrallye im Baccantus-Blog. Ich hab das Bergerac hier mit hineininterpretiert, es ist ja nicht Bordeaux, grenzt aber dort an, und viele Weine gelten im Charakter ähnlich. Aber sie sind etwas billiger. Ein Wein, den ich mir gerne gelegentlich kaufe, ist der Château des Eyssards. Er besteht ganz klassisch aus Sauvignon Blanc und Sémillon, den beiden Sorten der weißen Bordeauxweine. Sein Stil ist eher modern, er hat 13,5 Prozent Alkohol, die aber geschmacklich gut eingebunden sind. Was mir bei einem Wein dieser Klasse gut gefällt, ist der Schraubverschluss, den der Eyssards im Jahrgang 2009 nun hat, und der also auch in Frankreich Einzug nimmt.

Der 2009 ist fast noch ein bisschen jung, am besten schmeckt er mir etwa drei Jahre alt. Er leuchtet attraktiv, Hellgold, das Aroma ist intensiv fruchtig-würzig, viel Stachelbeere, Ananas, grüne Haselnuss, Blüten, leicht mineralisch. Der Auftakt ist mild, voluminös, feinfruchtig, eine deutliche Süße zeigt sich, auch vom Alkohol. Lang im Abgang, nicht der eleganteste Weiße aus dem Süden, den ich kenne, aber sehr schmackhaft. Und wie gesagt, noch einen Tick zu jung, es fehlt der Schmelz.

Château des Eyssards 2009
Bergerac Blanc AC
Frankreich/Sud-Ouest

Weiß/Sauvignon Blanc, Sémillon
13,5% Alkohol, kein Fass

Rezept: Pissaladière
Dazu gab es eine Nizza-Pizza, die Pissaladière. Statt einer Grundsauce aus Tomaten bekommt sie einen Belag aus eingekochten Zwiebeln. Darauf liegen in der puren Form nur Anchovis und schwarze Oliven. Ich habe zwei dicke Gemüsezwiebeln für einen runden Fladen gerechnet, das war aber etwas knapp, denn das Gemüse schrumpft ordentlich ein. Also, pro Fladen:

3 Gemüsezwiebeln
Thymian
Lorbeer
Eingelegte Anchovis (kurz gewässert und abgetrocknet)
Schwarze Oliven (am besten aus Nizza)
Knoblauch

Pizzateig wie hier, wobei ich inzwischen das Öl weglasse, damit die Pizza knuspriger wird. Während der Teig geht, kocht man die Zwiebeln mit Thymian und Lorbeer etwa eine Stunde ein, wobei sie nicht braun, sondern nur gelb werden sollen. Dabei setzt sich etwas Wasser ab, das ich noch in den Teig geknetet habe. Einen Fladen formen, mit Zwiebelmasse belegen, dann Anchovis, Oliven und Knoblauchschnitze darauf. Kurz so heiß wie möglich backen. Bei uns mit gewölbtem, aber durchaus wohlschmeckendem Ergebnis:

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Weinrallye 35: Dolomitenstein

Wein, Weinrallye

Stein und Weinlautet das Thema der 35. Weinrallye, die der Weinfreak austrägt. Mineralität ist gesucht, steinige Böden oder einfach nur Stein im Namen. Was aber wäre steiniger als die Dolomiten, deren Felswände tausend Meter in die Höhe ragen, Blöcke aus Granit, nur wenig in Mitleidenschaft gezogen durch den Regen der Jahrmillionen. Im Tal darunter wachsen Reben, das nennt sich Trentino, und der zugehörige IGT-Bereich Vigneti delle Dolomiti. Was sollte mineralischer sein als das? Mein Wein ist auf einem Moränenhügel gewachsen, steht auf der Flasche, ein Erdhaufen also, den die Gletscher der Eiszeit an den Rand geschaufelt haben. Kein Stein hier also. Erde.

Loacker baut biodynamisch an, im Keller verwendet er allerdings modernere Techniken, Temperatur kontrollierte Gärung beispielsweise. Tasnim heißt sein Sauvignon Blanc, eine Sorte, die an der Loire die mineralischsten aller mineralischen Wein hervorbringt. Der Begriff mineralisch ist nun ein bisschen weich, ich verstehe am ehesten auch einen Geruch nach Stein und Fels darunter. Dafür sind die fruchtigen Elemente oft zurückhaltender. Dieser Tasnim von 2008 ist nun nicht ausgeprägt mineralisch, finde ich. Trotzdem sehr fein, üppige Aromen, Stachelbeere, Blüten, Rose, milder Auftakt, cremig, voluminös, reif. Eher deutsch als französisch, wenn man das so grob sagen will. Die 13 Prozent sind gut eingebunden. Hat mir gut geschmeckt insgesamt, auch ohne Granit vom Schlern.

Loacker Tasnim 2008
Vigneti delle Dolomiti IGT
Italien/Trentino

Weiß; Sauvignon Blanc
13% Alkohol; Ausbau im Stahltank

Sauvignon Blanc aus dem Touraine

Wein

Wenn man mich fragen würde, welche Flasche Wein ich auf eine einsame Insel mitnehmen müsste, kämen Pouilly Fumé oder Sancerre in die engere Wahl, vorausgesetzt es gäbe einen Kühlschrank dort natürlich. Beide Weine sind reinrassiger Sauvignon Blanc von der Loire, so wie dieser Touraine, den ich letztens getrunken habe, der zwar nicht an die anderen heran reicht, aber trotzdem sehr gut ist und nur die Hälfte kostet.  Strohgelb funkelnd im Glas, ein dezentes, rassiges Aroma nach Zitrusfrüchten, Zitronenmelisse, etwas Kumquat, sehr fein. Der Auftakt ist spritzig, ein wahrhaft knochentrockener Wein mit nerviger, aber feiner Säure, nicht so voll wie ein Sancerre, aber ein sehr passabler Trinkwein.

Domain du Clos du Bourg 2008
Touraine AC
Frankreich/Loire

Weiß;  Sauvignon Blanc
13 % Alkohol; Ausbau im Stahltank

Pouilly-Fume 2005

Wein

Das ist ein Sauvignon Blanc in seiner Reinform: Pouilly-Fumé Domaine de la Forge von der Loire. Hochgradig elegant, rein, ein Wein, der einem nie über wird, für einen Alltagswein leider etwas zu kostspielig. Hellgold. Intensives Aroma, rein, frische, echte Frucht, so rein, wie Früchte oft selbst nicht duften, wuchtig mineralisch, Zitrus- und Tropenfrüchte, Maracuja, Mandarinen, reife Aprikose, grüne Haselnuss, Löwenzahn. Im Geschmack geschmeidige Säure, trocken, runder Körper, extraktreich, Aprikose und Kokos, langer Nachhall. Vom Alter noch nichts zu spüren. Ein großer Wein aus einem großen Jahr (2005).