Weinrallye 47: Wein gegen das Zerbrechen

Wein, Weinrallye

Hier ist es etwas stiller geworden, ich bin viel mit anderen Dingen beschäftig, ganz einstellen möchte ich dieses Projekt aber nicht. Die 47. Weinrallye, ausgetragen vom Winzerblog, gibt mir Gelegenheit wieder einmal einen Wein vorzustellen. Es ist ein Social-Wein, denn ein Drittel des Einkaufspreises unterstütz die sehr hübsche Staufener Altstadt im Markgräfler Land, die im wahrsten Sinn des Wortes zerbricht. Durch ein Geothermiebohrung ist Wasser in eine Gipsschicht unter der Stadt gedrungen, und diese Schicht saugt sich nun voll, bläht sich auf wie ein Hefezopf. Die darüber liegende Stadt hebt sich seitdem um bis zu einen Zentimeter im Monat an, an manchen Stellen bis zu 16 Zentimeter insgesamt. Viele Gebäude haben dicke Risse bekommen, die man deutlich sieht, wenn man durch das Städtchen läuft. Ein Beispiel aus dem Inneren eines Gebäudes:

Laut einer Pressemeldung der Stadt vom 21. Juli 2011 nimmt die Hebung aber nicht mehr so stark zu, die Tendenz ist rückläufig. Insgesamt sind 262 private und 7 städtische Gebäude beschädigt. Zur Rettung der Altstadt gibt es eine Initiative Staufen darf nicht zerbrechen, an der sich auch die Winzergenossenschaft vor Ort beteiligt (PDF). Dort gibt es eine spezielle Weißwein-Cuvée, die neun Euro kostet, von denen drei an die Initiative gehen . Ich habe mir drei Flaschen gekauft und gestern die erste probiert.

Der Wein ist jung und frisch, Jahrgang  2010, noch nicht lange abgefüllt. Zitronig-würzige Aromen dominieren: Zitrone, Limette, Melisse, Apfel und weiße Johannisbeere, aber auch etwas Stachelbeere und Rose. Der Auftakt ist spritzig mit frischer Säure, und die Aromen zeigen sich fein und voll am Gaumen. Ein halbes Jahr liegen tut ihm sicher noch gut, um ihn abzurunden. Irgendwie, denke ich, steckt ein Burgunder drin, Gutedel wahrscheinlich, vielleicht etwas Müller-Thurgau. Mir schmeckt er jedenfalls und ist die sechs Euro allemal und auch die Neune Wert.

Gutedelbloggen: Faust-Tröpfle aus Staufen

Wein

Dieser Herr hat vor ein paar Tagen begeistert einen Gutedel vorgestellt, und da möchte ich mich nun einreihen. Seit wir verwandtschaftlich bedingt gelegentlich in Baden sind, bin ich auf den Gutedel gestoßen, den ich als einfachen, frischen und günstigen Tischwein sehr schätze. Heute möchte ich ein Exemplar von höherer Qualitätsstufe vorstellen. Er kommt vom kleinen, aber sehr feinen Staufener Schlossberg, der auch als beeindruckender Aussichtspunkt in die Rheinebene einen Aufstieg wert ist. Die Premiumreihe der Staufener Winzergenossen nennt sich Faust-Tröpfle, der Herr Professor ist angeblich in Staufen verendet, und in dieser Reihe gibt es eben auch einen Gutedel, der sich vom einfachen aus der Literflasche deutlich abhebt.

Das merkt man bereits an der Farbe, strohgelb, fast kupferfarbene Ränder. Der Geruch ist zart, Blüten, Gänseblümchen, frischer Apfel, Birne, Aprikose, Stroh, ein bisschen Erdbeere. Der Auftakt ist mild, eine volle fruchtige Birne im Geschmack, nicht zu flach, ein leichtes Prickeln, trocken und lang. Sehr schmackhaft. Hatte für mich Anklänge an einen leichten Grauburgunder.

Winzergenossenschaft Staufen Staufener Schlossberg Gutedel 2007 Faust-Tröpfle
Deutschland/Baden
Weiß; Riesling

12,5 % Alkohol; Restzucker 4,0 g/l; Säure 5,0 g/l
Goldmedaille

Zwiebel-Speck-Waie aus geriebenem Teig

Backen, Kost, Wein

Aus Baden habe ich ein interessantes Rezept mitgebracht, nämlich Waie, ein Kuchen, den man im Prinzip mit allem möglichen belegen kann, Obst, Gemüse, Speck etc. Darüber kommt ein dünner Guss. Welcher Teig zugrunde liegt, ist traditionell wohl nicht so festgelegt, Blätter-, Mürb- oder Hefeteig kommen in Frage. Das mir vorliegende Rezept aus Staufen im Marktgräfler Land basiert auf einem geriebenen Teig, der im Ergebnis irgendwo zwischen Mürb- und Blätterteig liegt. Die Variante mit Zwiebeln und Speck, geht in Richtung Zwiebelkuchen oder Flammkuchen. In der Schweiz heißt Waie Wähe und wird, so viel ich weiß, aber immer mit Blätterteig zubereitet.

Teig
500 g Mehl (reicht für ein Blech)
250 g Butter
125 ml Wasser
10 g Salz

Belag
250 g Speck
500 g Zwiebeln
eine Knoblauchzehe
Kresse

Guss
3 Eier
200 ml Sahne
Salz, Pfeffer, Muskatnuss

Mehl in eine Schüssel geben, Butter in groben Stücken zufügen und beides mit den Händen miteinander verreiben, bis ein bröseliger Haufen entsteht. Salz im Wasser auflösen und in die Mitte der Brösel gießen. Nun alles schnell zu einem Teig drücken, keinesfalls kneten (!). Dann für eine Stunde in den Kühlschrank.

Inzwischen den Speck in dünne Streifen schneiden und ein wenig auslassen, dann die Zwiebeln in Halbringe schneiden und im Fett des Specks ebenfalls kurz andünsten. Beide sollten nicht dunkel werden.

Den Teig auf einem gefetteten und mit Mehl bestäubten Blech auswellen, einen Rand hochziehen, Belag verteilen (ohne Kresse) und den zusammengerührten Guss gleichmäßig darüber gießen. Bei 220 Grad in den Ofen, sobald die Waie etwas Farbe bekommen hat, runter schalten. Ca. 40 Minuten backen, bis Rand und Guss eine schöne Farbe bekommen haben. Dann erst mit Kresse bestreuen.

In Baden würde man einen Gutedel dazu trinken. Wir hatten einen badischen Riesling von hoher Qualität, ein Faust-Tröpfle aus Staufen von 2007. Der Wein ist von hoher Intensität, sehr voller, reiner Frucht, Apfel, Zitrusfrüchte, Klee, Nuss, starker Mineralik, nerviger Säure, einer feinen, fruchtigen Süße und lang im Abgang. Die vollen Extrakte und die Säure werden ihm ein langes Leben bescheren. Sind in ein paar Jahren die Säure abgemildert und die Aromen gereift, wird es ein wundervoller Wein.