Südafrika-Rauschen im Bloggerwald

Bloggen und Medien, Wein

Thomas ist im Winzerblog aufgefallen, dass in letzter Zeit viel über südafrikanischen Wein geschrieben wurde, und er fragt sich: „Ich bin ja nur Kellermeister, trotzdem frage ich mich ob das wirklich Zufall ist?“. In der anschließenden Diskussion schienen sich die Beteiligten, darunter auch Südafrika-Fan Mario Scheuermann, erst einmal einig, dass es sich nicht um eine gezielte Werbekampagne handelt: „Was ist daran erstaunlich, wenn in Südafrika eine der wichtigsten Weinmessen der südlichen Hemisphäre stattfindet, und Kollegen berichten darüber?“, fragt Scheuermann.

Doch dann wendet sich plötzlich die Diskussion, als sich Petra Mayer von der deutschen Presseagentur Südafrikas zu Wort meldet und auf die Frage von Thomas: „Es scheint manchmal so, als ob Trends gesetzt werden, aber keiner weiß von wem?“, antwortet: „Also Zufall ist das sicher nicht, verehrter Winzerblogger. Wenn Sie wirklich das Geheimnis lüften wollen, dann wäre ich vielleicht die Person die Ihnen verraten kann, wie es geht.“ Selbstbewusst fährt sie fort: „Es werden in den kommenden Monaten einige Artikel über südafrikanische Weine erscheinen“.

Das Fazit von Thomas lautet, „Im Grunde genommen beantworten Sie ja alle Fragen von selbst“. Leider sagt Frau Mayer nicht, wieso sie sich so sicher ist, auch auf meine Nachfrage nicht. Der Ton ihres Statements lässt keinen Zweifel daran, dass sie vom Erfolg ihrer PR-Kampagne überzeugt ist. Dennoch muss sie zugeben: „Leider ist es mir nur noch nicht gelungen, ein deutsches Weinland von unseren Ideen und Ansätzen zu überzeugen.“

Ich persönlich, als Journalist, meine, dass PR-Leute ihren Einfluss oft überschätzen. Gelingt eine Kampagne, klopfen sie sich auf die Schultern, misslingt sie jedoch, gibt es tausend Gründe, warum. Die Kampagne mag noch so gut sein, wie sie will, wenn der Inhalt nicht stimmt, also das wofür hier geworben wird, so herrscht Windstille im sonst zügigen Blätterwald. Das sei allgemein gesagt. Ich beziehe es nicht auf südafrikanischen Wein, gegen den ich nichts einzuwenden haben. Aber wenn wir künftig etwas über südafrikanischen Wein lesen, wissen wir wenigstens, warum.

Weinrallye 10: Chenin vom Kap der guten Hoffnung

Wein, Weinrallye

Chenin Blanc heißt das Thema der 10. Weinrallye.

Die Sorte Chenin Blanc hat ihren Ursprung an der Loire, soweit man es nachweisen kann, und bringt dort anerkannt hohe Qualitäten hervor. Berühmt sind trockener Jasnières, der bis zu zwanzig Jahre alt werden kann, oder die biodynamischen Weine von Joly. Chenin ist auch beliebt als Schaumwein, oft Bestandteil des Crément de Loire, und als Edelsüßer — wer es mag. (Einen bemerkenswerten, prickelnden Samur von Bouvet-Ladubay hatte ich früher einmal vorgestellt). Jenseits der Loire versuchen sich viele Winzer der neuen Welt an dieser Traubensorte und ganz nach dem Motto, der Sinn der Rallye ist es, Flaschen zu kaufen, die ich sonst niemals angerührt hätte, fiel meine Wahl auf ein Exemplar aus Südafrika.

Der Mont Destin von 2005 aus Stellenbosch leuchtet goldgelb und dick im Glas wie Wein gewordener Krügerrand. Dick, voll und saftig ist er auch im Geschmack, woran der üppige Alkoholgehalt von 14 Prozent nicht ganz unbeteiligt ist. . . Hinzu kommt eine deutliche Süße, milde Säure, reife Früchte und eine leichte, feine Fassnote (sechs Monate Barrique). Das Aroma ist eher dezent, auch von Fass geprägt, Vanille, Anis, dann Melone, Pfirsich, Rosinen, Erdbeere, reife Töne, leicht mineralisch und eine Spur Eukalyptus. Obwohl er schon vier Jahre alt ist (Südhalbkugel) wirkt er noch jugendlich, wobei der Alkohol ihn vermutlich weitgehend konserviert.

Mir ist der Wein zu schwer, zu stark und erinnert mich an ein Nashorn, das durch die Steppe rennt. Alkohol wie auch Fass sind zwar gut eingebunden, aber schon ein zweites Glas macht mir zu schaffen. Insgesamt ist er eher rustikal und entspricht meinem Bild der neuen Weinwelt: Klare Frucht, Holz, eher süß, eher stark. Er könnte eine kräftige Lachssuppe oder Lachssauce zu Nudeln begleiten. Mit viel Sahne.